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Die verschiedenen Aspekte des Themas werden anhand
von neun Biographien und einer Kirchengemeinde dargestellt.
Unterschiedliche Grade der Betroffenheit und Verfolgung,
ein Spektrum von Entscheidungsmöglichkeiten und
ein Wechselspiel schicksalhafter Verhaltensweisen werden
dadurch sichtbar.
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Fast seit Beginn ihres Bestehens ist der Antijudaismus
Bestandteil der Theologie der Kirche. Die Behauptung, das
Volk Israel sei von Gott verworfen, weil es den Messias Jesus
nicht anerkannte, bestimmte fast zwei Jahrtausende das Verhältnis
der Christenheit zum Judentum. Dieser Antijudaismus war die
wichtigste Voraussetzung für die Judenverfolgungen vom
Mittelalter bis zur Neuzeit. Daran änderte auch die Reformation
nichts. Im Gegenteil: Bis zum Nürnberger Kriegsverbrechertribunal
bezogen sich fast alle Antisemiten auf Schriften Luthers.
Und nicht nur das. Unter den Begründern des modernen
Antisemitismus in Deutschland
finden sich vielfach evangelische Geistliche, allen voran
Adolf Stoecker, Hofprediger Kaiser Wilhelms II., der die antisemitische
Partei des Kaiserreiches gründete.
Es ist kein Zufall, sondern Folge dieser Tradition, dass
sich evangelische Geistliche bereits während der Weimarer
Republik dem Nationalsozialismus zuwandten. Dies lässt
sich auch bzw. gerade an den Landeskirchen, aus denen die
Nordelbische Kirche entstand, nachweisen.
Als die nationalsozialistische Herrschaft
1933 begann, gab es zwar innerhalb der evangelischen Kirche
vielfach Widerspruch gegen die NS-Herrschaft insbesondere
aus den Kreisen der Bekennenden Kirche, die auf die Eigenständigkeit
der Kirche pochte. Aber auch diese tat sich schwer mit klaren
Worten gegen den völkischen Antisemitismus der Nationalsozialisten.
Der mutige Widerstand, den viele Angehörige der Bekennenden
Kirche leisteten, ließ jahrzehntelang in Vergessenheit
geraten, dass auch sie für die jüdische Minderheit
nur selten offen Partei ergriffen. Und selbst die Christen
und Christinnen jüdischer Herkunft fanden hier nur wenig
Rückhalt in der Zeit der Verfolgung.
Die Ausstellung kann vieles
nur andeuten: am Rand und nicht im Mittelpunkt der Ausstellung
stehen die nationalsozialistische Judenverfolgung wie auch
die innerkirchlichen Auseinandersetzungen um Staatsnähe
und Eigenständigkeit der Kirchenkampf.
Die verschiedenen Aspekte des Themas werden anhand von neun
Biographien und einer Kirchengemeinde dargestellt Opfer
und Täter bekommen ein Gesicht. Unterschiedliche Grade
der Betroffenheit und Verfolgung sowie ein Spektrum von Entscheidungsmöglichkeiten
werden sichtbar.
Die ergänzende Zeitleiste stellt staatliche, kirchliche
und regionale Ereignisse von 1933 und 1945 gegenüber.
Dadurch wird ein Wechselspiel deutlich: die nationalsozialistische
Verfolgung radikalisierte sich jeweils bei Zustimmung durch
Bevölkerung und Kirche. Auf Proteste und Widerspruch
hingegen lenkten die Nationalsozialisten schnell ein, wie
die Rücknahme des Euthanasieprogramms nach den Predigten
des Kardinal von Galen zeigt.
Dr. Stephan Linck, Historiker beim Nordelbischen Kirchenarchiv
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