Ernst Szymanowski
1899 geboren in Hilchenbach/Kreis Siegen
1906 Umzug der Familie nach Neumünster
1917 Abitur in Neumünster
1917 Soldat
1919 Studium
1924 Pastor in Kating
1926 Eintritt in die NSDAP
1927 Pastor in Kaltenkirchen
1933 Oktober, kommissarisch Propst in Neumünster
1933 ab November, Propst in Segeberg
1933 Kreispresseamtsleiter
1933 Pressereferent der SA-Standarte 213
1934 Kreisschulungsleiter der NSDAP und DAF (Deutsche Arbeitsfront) Segeberg
1935 als Oberregierungsrat im Reichskirchenministerium
1936 Eintritt in den SD der SS als Untersturmführer
1937 befördert zum Obersturmführer
1938 befördert zum Hauptsturmführer
1939 befördert zum Sturmbannführer
1940 März bis Oktober, Soldat in der Wehrmacht
1941 Chef der Gestapostelle Oppeln
1941 Juni, Namensänderung in Biberstein
1942 Chef des Einsatzkommandos 6 in Rostow, Ukraine
1943 Einsatz in Italien
1945 Verhaftung in Neumünster
1948 im Nürnberger Einsatzgruppenprozeß
zum Tode verurteilt, später in lebenslänglich umgewandelt
1958 begnadigt aufgrund von Unterstützung aus der schleswig-holsteinischen Landeskirche
1958 befristet beschäftigt in der Kirchenverwaltung Neumünsters
bis 1965 wechselnde Beschäftigungen als Lagerarbeiter u.ä.
1986 gestorben in Neumünster
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Judenhaß bis zum Massenmord
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Ernst Szymanowski
Ernst Szymanowski trat bereits
1926 als Pastor der NSDAP bei. 1933 wurde er für wenige
Wochen kommissarischer Propst von Neumünster und ab November
von Segeberg. Gleichzeitig bekleidete er zahlreiche Ämter
der NSDAP und SA im Kreis Segeberg. 1934 bemühte er sich
vergeblich um das Lübecker Bischofsamt, da der mächtige
Gauleiter Schleswig-Holsteins, Hinrich Lohse, Szymanowski
ablehnte.
Er engagierte sich für den antisemitischen Bund für Deutschkirche und führte 1935 die erste deutschkirchliche Konfirmation in Itzehoe durch. Daraufhin kam es zu scharfen Protesten aus der Bekennenden Kirche und Szymanowski wurde in das Reichskirchenministerium berufen. 1936 schied er endgültig aus dem kirchlichen Dienst aus. Gleichzeitig trat er dem Sicherheitsdienst (SD) der SS bei und spitzelte für diesen im Reichskirchenministerium.
1941 änderte er seinen Namen in »Biberstein«, weil »Szymanowski« zu slawisch klang. Im gleichen Jahr wurde er Leiter der Gestapostelle Oppeln und war dort u.a. für Judendeportationen verantwortlich. 1942 wurde er zum Chef des Einsatzkommandos 6 in Rostow, Ukraine, ernannt. Bis 1943 befehligte er dort die Ermordung von mindestens 2.000 bis 3.000 Menschen, hauptsächlich Juden.
Danach fiel er in Ungnade, weil er die Abkommandierung seines Kommandos zu einem Kampfeinsatz verzögerte.
Für die Massenmorde wurde er im Einsatzgruppenprozeß
in Nürnberg 1948 vom US-Militärgerichtshof zum Tode
verurteilt. Das Urteil wurde später in lebenslänglich
umgewandelt. 1955 bat er die schleswig-holsteinische Landeskirche,
sich für seine Freilassung einzusetzen. Seine Taten leugnete
er weitgehend. Der Neumünsteraner Propst Richard Steffen
attestierte ihm dennoch Glaubwürdigkeit und bezweifelte
die Urteilsfähigkeit des Nürnberger Gerichtshofes.
Dank einer Beschäftigungsverpflichtung durch die Kirche
und einer Bürgschaft von Propst Richard Steffen wurde
er 1958 entlassen und vorübergehend in der Neumünsteraner
Kirchenverwaltung beschäftigt. Andere kirchliche
Dienststellen stellten ihn nicht ein. Bis zum Rentenalter
arbeitete er in wechselnden schlecht bezahlten Jobs.
Zitate
»Oberreg.Rat Szymanowski ist ein
würdiger SS-Führer, der für seine klare
weltanschauliche Haltung zahlreiche Opfer gebracht hat
und im Rahmen des Sicherheitsdienstes wertvolle Arbeit
leistet.«
»SS-Hauptsturmführer Szymanowski, Träger des Goldenen Ehrenzeichens, ist ehrenamtlicher Mitarbeiter bei II und regelmäßiger Überbringer von Nachrichten aus dem Reichskirchenministerium.«
Aus Beurteilungen des Sicherheitsdienstes
der SS von 1938.
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Szymanowski als Schulungsleiter der NSDAP 1934
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»Zwei Hinrichtungen hat er gleich zu Anfang beigewohnt, denn ich mußte doch sehen, wie das wirkt. Bei der ersten wurden 15 Mann mittels Maschinenpistole oder Gewehr durch Genickschuß erledigt. Bei der zweiten, ein Lastkraftwagen voll, etwa 40 60 Menschen, durch den Gaswagen hingerichtet. Ich halte diese Todesart aus humanitären Gründen für angebrachter. Sie ist menschlich angenehmer, der gedrungene Mann gestikuliert mit den wohlgeformten Händen. Die Leichen machten einen ruhigen und friedlichen Eindruck.
Da fragt unvermittelt der Präsident mit verhaltener Spannung: Haben Sie denn wenigstens geistliche Zeremonien vor der Hinrichtung abgehalten, oder den unglücklichen Opfern ein Wort des geistlichen Trostes gespendet? Die Antwort: Es waren Bolschewisten und der Bolschewismus predigt und unterstützt die Gottlosenbewegung. Ich bin auch als Pfarrer nicht verpflichtet, Menschen zu bekehren. Es ist nicht meine Art, mich aufzudrängen. Außerdem muß ich hier ein Wort anführen, das vielleicht nicht ganz der Würde des Gerichts entspricht: Man soll nicht Perlen vor die Säue werfen..«
Der Spiegel vom 13.12.1947 über
Szymanowskis/ Bibersteins Verteidigung im Nürnberger
Prozeß.
»Er kam dann nach Rußland. Er war dort in einem Kommando, wohl in ehrenamtlicher Stellung eines SS-Sturmbannführers, aber Staatsbeamter und nicht im Dienst des S.D. der SS. (
) Massenerschiessungen sind während seiner Zeit nicht in seiner Kommandostelle vorgekommen. (
) Biberstein macht einen aufrichtigen Eindruck. Man glaubt es ihm einfach im Gespräch, daß er weder etwas vortäuschen noch etwas beschönigen will.«
Propst Steffen über ein Gespräch
mit Szymanowski/Biberstein in Landsberg 1956.
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