Arthur Goldschmidt
1873 geboren in Berlin
1889 Taufe
1895 1. Juristisches Examen und Promotion, Umzug nach Hamburg
1899 2. Juristisches Examen
1902 Ernennung zum Amtsrichter
1904 Hochzeit mit Kitty Horschitz
1913 Ernennung zum Landrichter
1916 Umzug nach Reinbek
1917 Ernennung zum Oberlandesgerichtsrat
1933 Entlassung durch die Nationalsozialisten
1938 Verschickung der beiden Söhne nach Italien
1942 2. Juni, Tod der Ehefrau in Reinbek, 19. Juli, Deportation nach Theresienstadt, Gründung der evangelischen Gemeinde
1945 Befreiung, Rückkehr Goldschmidts nach Hamburg
1945 Goldschmidt wird für die CDU Gemeindevertreter und stellvertretender Bürgermeister in Reinbek
1946 Niederschrift der »Geschichte der evangelischen Gemeinde Theresienstadt«
1947 9.2., Tod in Reinbek kurz vor Eröffnung der von ihm mit initiierten Volkshochschule
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Deportation »nichtarischer« Christen
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Arthur Goldschmidt
Dr. jur. Arthur Goldschmidt war im Kaiserreich groß geworden. Er verehrte Bismarck, glaubte an die deutsche Nation und diente ihr. Als Junge getauft, heiratete er eine ebenfalls getaufte Jüdin.
Während der Weimarer Republik lehnte Goldschmidt zweimal eine Berufung zum Reichsgericht in Leipzig ab die Familie wollte in Reinbek bleiben. Dort saß er als Vertreter der konservativen Deutschen Volkspartei im Gemeinderat.
1933 erfolgte die Entlassung Goldschmidts. In den folgenden Jahren arbeitete er als Kunstmaler, bis dahin war die Malerei sein Hobby.
Die Verfolgungspolitik der Nationalsozialisten schätzte Goldschmidt bald realistisch ein. Seine Söhne schickte er 1938 ins Ausland, bevor die Nationalsozialisten alle Pässe von Juden kennzeichneten. Die Söhne sahen ihre Eltern nie wieder.
Goldschmidts Ehefrau Kitty starb im Juni 1942. Der Reinbeker Pastor verweigerte die Beerdigung, da sie nicht »arisch« war. Im Februar 1942 waren die Goldschmidts wie alle »nichtarischen« Christen aus der schleswig-holsteinischen Landeskirche ausgeschlossen worden.
Einen Monat nach dem Tod seiner Frau wurde Arthur Goldschmidt nach Theresienstadt deportiert. Theresienstadt in Böhmen wurde 1942 als »Ghetto der Alten« bzw. »Vorzeigelager« eingerichtet. Dennoch starben hier bis 1945 35.000 der insgesamt 150.000 nach Theresienstadt Deportierten. Weitere 87.000 Menschen wurden von hier aus in die Vernichtungslager transportiert.
Etwa 2.400 Menschen aus Hamburg und Schleswig-Holstein wurden nach Theresienstadt deportiert, darunter zahlreiche evangelische Christen.
Aus einem Andachtskreis Hamburger Deportierter um Goldschmidt
herum entstand nach und nach eine evangelische Gemeinde. Trotz
hoher Sterblichkeit und ständiger Transporte nach Ausschwitz
wuchs die Gemeinde auf einen Kern von etwa 800 eingeschriebenen
Mitgliedern. Die Gottesdienste wurden an Feiertagen von mehreren
hundert Menschen besucht.
Von Goldschmidt sind zahlreiche Zeichnungen erhalten, die
er in Theresienstadt anfertigte.
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Familie Goldschmidt Anfang der 30er Jahre
in Reinbek
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Zitate
»Dieser, als Vierzehnjähriger getaufte
Christ, war ein Deutscher im vollen damaligen Sinne des Wortes:
Religion er war evangelisch und zutiefst, wie es so
heißt, gläubig war eben als
Glaube auch zugleich etwas Nationales, etwas Exaltiertes,
aber zugleich Gemäßigtes. Als er dann von der Geschichte
ereilt wurde, erkannte er sie sofort. Der beste Beweis dafür:
Seine beiden Söhne, vierzehn- und zehnjährig, schickte
er ein halbes Jahr vor der Reichskristallnacht
mit Paß ohne J ins Ausland, er wußte
genau, was da kommen würde.«
Georges Arthur Goldschmidt über
seinen Vater
Das Gemeindeleben in Theresienstadt:
Über die Bibelstunde: »Leider hat der Kurs nicht
zu Ende geführt werden können, da eine erhebliche
Zahl der Teilnehmer, vor allem die Akademiker, in Transport
kamen, vermutlich zur Vernichtung und dass eine Zeit lang
alle religiösen Veranstaltungen, abgesehen vom Gottesdienst
selbst, von der SS verboten waren.«
Arthur Goldschmidt: Geschichte der Ev. Gemeinde
Theresienstadt
»Silvester gehe ich das erste Mal zum evangelischen Gottesdienst (
). Der Versammlungsraum ist auf einem Speicher, die letzte der drei Treppen eine Hühnerleiter, halsbrecherisch für einen Blinden. Man sitzt auf Holzbänken. (
) Ein heiseres Harmonium hält mühsam den unsicher einsetzenden Chor zusammen. Dann spricht ein Dr. G. aus Hamburg. Sehr gescheit, viel zu gescheit, um feierlich oder gar weihe-voll zu sein.«
Elsa Bernstein, Erinnerungen an Theresienstadt
»Wir lebten als Gefangene, zu Tausenden und Abertausenden zusammengepfercht. (
) Aber die Art dieses Lebens, die ja nur der Aufrechterhaltung dieses Lebens selbst diente, entbehrte jeden höheren Sinnes. Denn unaufhörlich starrte uns das Ende an sei es, dass man heute oder morgen, in Not und Krankheit hinstarb sei es, dass, heute oder morgen, das uns zum Feind gewordene Vaterland uns tötete.
Nein, Trauer und Sehnsucht, Resignation oder Verzweiflung mussten das tägliche Brot dieses Lebens sein und bleiben, wenn nicht die Gnade des Herrn leuchtete.«
Arthur Goldschmidt: Geschichte der Ev. Gem. Theresienstadt
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