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»Wir haben aber, insbesondere
vom Ernst unseres christlichen Glaubens aus, nicht das
Recht, der Entscheidung Gottes zu widersprechen, die
er vor Jahrtausenden über das jüdische Volk
gefällt hat. Die Juden haben Barrabas gewählt
und dieser Instinktwahl ihrer Rasse den Hohn hinzugefügt:
Sein Blut komme über uns und über unsere
Kinder. So vollzieht sich nun seit Jahrtausenden
die Warnung des Heilandes: Das Reich Gottes wird
von euch genommen und einem Volke gegeben werden, das
seine Früchte bringt. Wir stehen hier gewiß
vor vielen ernsten Fragen. Das aber kann von uns als
Trägern des Geistlichen Amtes nicht ernst genug
genommen werden, daß in der Frage des jüdischen
Volkes eine strenge Entscheidung von Gott her gefallen
ist. (
)«
Der schleswig-holsteinische
Landesbischof Paulsen im Adventsbrief 1938 an die Pastorenschaft
über die Reichspogromnacht.
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2. März:
Einlieferung von Martin Niemöller
in ein Konzentrationslager.
13. März:
Einmarsch deutscher Truppen in Österreich. I März:
Pastor Grüber, Berlin, beginnt seine Hilfstätigkeit
für »nichtarische« Christen.
26. April:
Mit der Verordnung über die
Anmeldung von jüdischem Vermögen über 5.000,-
RM wird die »Arisierung« jüdischen Eigentums
eingeleitet.
9. Juni:
Zerstörung der Synagoge in München.
14. Juni:
Erlass zur Kennzeichnung und Registrierung
jüdischer Gewerbebetriebe.
25. Juni:
Jüdische Ärzte dürfen
nur noch jüdische Patienten behandeln.
10. August:
Zerstörung der Synagoge in Nürnberg.
Sommer: Die Schweiz regt die Kennzeichnung der Reisepässe
von deutschen und österreichischen Juden mit einem »J«
an, um an der Grenze zwischen Juden und deutschen Touristen
unterscheiden zu können.
17. August:
Alle Juden und Jüdinnen müssen
einen »typisch jüdischen« Namenszusatz tragen
(»Sara« bzw. »Israel«).
25. August:
Grüber stellt dem Pfarrernotbund
seine Vorstellungen der Unterstützung »nichtarischer
Christen« vor und bittet um Hilfe.
Ab dem 6. September:
In der Schweiz werden alle illegal eingereisten
Flüchtlinge zurückgewiesen.
29. September:
Münchener Abkommen. Die Westmächte
erklären sich mit der Abtretung des Sudetenlandes an
Deutschland einverstanden.
1. Oktober:
Einmarsch deutscher Truppen in das Sudetenland.
5. Oktober:
Reisepässe von Juden und Jüdinnen
werden mit einem »J« gekennzeichnet.
28. Oktober:
Ausweisung von 15.000 17.000
sogenannter »Ostjuden«, die teilweise schon seit
Jahrzehnten in Deutschland leben, aber nicht die deutsche
Staatsangehörigkeit besitzen.
9./10. November:
»Reichspogromnacht«. Im
Reichsgebiet werden 91 Menschen ermordet, etwa 26.000 Männer
verhaftet, ca. 1.400 Beträume und Synagogen sowie 7.000
Geschäfte zerstört.
9./10. November:
Alle sechs Synagogen in Schleswig-Holstein
(Bad Segeberg, Elmshorn, Friedrichstadt, Kiel, Lübeck,
Rendsburg) werden verwüstet bzw. zerstört. Die Synagogen
in Kiel und Elmshorn werden angezündet, ebenso die Bornplatzsynagoge
(Hamburg) und die Synagoge in Harburg. Die Leichenhalle des
jüdischen Friedhofes in Harburg brennt am 10. November völlig
aus. U.a. kommt es auch in Ahrensburg, Flensburg und auf Sylt
zu Ausschreitungen gegen Juden und jüdische Einrichtungen.
10. November:
Der Berliner Dompropst Bernhard
Lichtenberg betet öffentlich für die Juden. Der
Thüringer Bischof Martin Sasse rechtfertigt den Pogrom
hingegen als »gottgesegneten Kampf des Führers
zur völligen Befreiung unseres Volkes«.
16. November:
Erklärung des Landeskirchenrates
in Thüringen, in der zum »Kampf gegen den volkszersetzenden
Geist des Judentums« aufgerufen wird.
23. November:
Zwangsveräußerung aller jüdischen
Betriebe.
Dezember 1938:
Beginn der »Kindertransporte«.
Jüdische Kinder erhalten von den westlichen Demokratien
die Erlaubnis, ohne ihre Eltern einzureisen.
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