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Abele, Christiana; Boberach, Heinz (Bearb.): Inventar staatlicher Akten zum Verhältnis von
Staat und Kirchen 1933-1945. Kassel: Brüder-Grimm-Verlag.
Bd. 1. 1987. XXII, 702 S.
Bd. 2. 1987. S. 703 - 1359
Bd. 3. 1988. II, 191 S.
Das Inventar weist Akten über das Verhältnis von
Staat und Kirchen aus der Zeit des Nationalsozialismus in
der Überlieferung oberster Reichs- und Staatsbehörden
nach. Zu den bearbeiteten Archiven gehören auch das Bundesarchiv,
Staatsarchiv Hamburg und das Archiv der Hansestadt Lübeck.
Bearbeitungsstand ist Dezember 1979; später übernommene
Bestände wurden nicht mehr berücksichtigt. In Band
3 befinden sich mehrere Register, die auch eine archivbezogene
Suche ermöglichen.
Bergen, Doris L.:
Twisted cross: the German Christian movement in the Third
Reich. Chapel Hill: The University of North Carolina Press,
1996. XIII, 341 S., lll.
Gesamtdarstellung der Geschichte der ’Deutschen Christen’,
die auch die Entnazifizierung nach dem Zweiten Weltkrieg behandelt.
Ein eigenes Kapitel ist den Christen jüdischer Herkunft
gewidmet mit einem Beispiel aus der Lübecker Landeskirche
über das Verhalten der St.-Gertrud-Gemeinde gegenüber
einem christlich-jüdischen Ehepaar. Das Buch enthält
ein ausführliches Literatur- und Quellenverzeichnis mit
zahlreichen englischsprachigen Werken.
Bergen, Doris L.:
Die Deutschen Christen 1934 - 1939. In: Besier, Gerhard; Müller-Luckner,
Elisabeth (Hrsg.): Zwischen ’nationaler Revolution’
und militärischer Aggression: Transformationen in Kirche
und Gesellschaft während der konsolidierten NS-Gewaltherrschaft
(1934 - 1939). München: Oldenbourg, 2001 (Schriften des
Historischen Kollegs: Kolloquien; 48), S. 65 - 83.
Instruktiver Beitrag über die 1932 gegründete
Glaubensbewegung die ’Deutschen Christen’, der
schätzungsweise bis zu 600.000 evangelische Christen
angehörten (von 42 Millionen deutschen Protestanten),
davon ungefähr 1 Prozent Geistliche. Man wollte eine
antijüdische christliche Volkskirche, die auf der nationalsozialistischen
Rasseideologie beruhte, in Deutschland errichten. An ihren
inneren Widersprüchen und der zunehmenden Distanz der
NSDAP scheiterten die ’Deutschen Christen’.
Besier, Gerhard: Die Kirchen
und das Dritte Reich: Spaltungen und Abwehrkämpfe 1934-1937.
Berlin; München: Propyläen, 2001. (Die Kirchen und
das Dritte Reich / Klaus Scholder; Bd. 3). 1262 S., Ill.
Dies ist der dritte Band der von Klaus Scholder begonnenen
Gesamtdarstellung (siehe dort) zur Geschichte der deutschen
christlichen Kirchen im Nationalsozialismus. Er beruht wie
seine Vorgänger auf einer sehr umfassenden Auswertung
ungedruckter Archivalien sowie einer umfangreichen Bibliographie.
Auf S. 807 - 902 behandelt der Autor die Positionen der Kirche
zur nationalsozialistischen Rassepolitik und zur Verfolgung
der Juden. Abgeschlossen wird das Werk durch ein Personenregister;
Sach- und Ortsregister sind nicht vorhanden.
Boberach, Heinz; Braun, Hannelore;
Nicolaisen, Carsten (Bearb.): Organe, Einrichtungen
und Personal der deutschen evangelischen Kirchen 1918/19 -
1949: eine Übersicht. München: Evangelische Arbeitsgemeinschaft
für Kirchliche Zeitgeschichte, 2001. (Mitteilungen /
Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kirchliche Zeitgeschichte;
19a). 190 S.
Der Band enthält sehr nützliche Übersichten
über die kirchlichen Gremien im Bearbeitungszeitraum.
Auf S. 38 - 76 werden die Führungsgremien der Deutschen
Evangelischen Kirche, der Bekennenden Kirche
und der Deutschen Christen in ihrer personellen
Zusammensetzung aufgeführt. Erschlossen wird das Werk
durch ein Personenregister. Weiterführende biographische
Informationen zu den Personen werden nicht mitgeteilt.
Boberach, Heinz:
Quellen für die Einstellung der deutschen Bevölkerung
zur Judenverfolgung: Analyse und Kritik. In: Büttner,
Ursula (Hrsg.): Die Deutschen und die Judenverfolgung im Dritten
Reich. Hamburg: Christians, 1992 (Hamburger Beiträge
zur Sozial- und Zeitgeschichte; Bd. 29), S. 31 - 50.
Boberach zählt die unterschiedlichen Quellenarten auf,
die für die Einstellung der Bevölkerung relevant
sind. Da es keine systematische Umfrageforschung gab, ist
man auf Informationen von staatlichen Stellen angewiesen.
Besonders relevant sind die Berichte des Sicherheitsdienstes
(SD) der SS, Berichte der Gestapo sowie der Generalstaatsanwälte
und Oberlandesgerichtspräsidenten an den Reichsjustizminister.
Weitere relevante Fundorte können Zeitungsarchive sein,
wie das des antisemitischen Hetzblattes ’Der Stürmer’
im Stadtarchiv Nürnberg und als Gegenstück die ’Deutschland-Berichte’
der Exil-SPD.
Boberach, Heinz (Bearb.):
Berichte des SD und der Gestapo über Kirchen und Kirchenvolk
in Deutschland 1934 - 1944. Mainz: Matthias-Grünewald-Verlag,
1971. (Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte:
Reihe A, Quellen; Bd. 12). XLIII, 1021 S.
Die wohl umfassendste und wichtigste Quellensammlung über
das kirchliche Leben in Deutschland; aus der Sicht des nationalsozialistischen
Regimes. Die Kirchen, vor allem die katholische, wurden systematisch
von der Gestapo überwacht und in Lageberichten an die
Partei- und Staatsführung über ihre Aktivitäten
berichtet. Die Berichte sind nicht vollständig erhalten.
Der Bearbeiter erläutert die abgedruckten Dokumente in
einem Anmerkungsapparat und hat Personen-, Orts- und Sachregister
angefügt.
Brunotte, Heinz:
Die Kirchenmitgliedschaft der nichtarischen Christen. In:
Zeitschrift für evangelisches Kirchenrecht 13 (1967),
S. 140 - 174.
Behandelt wird der rechtliche und theologische Sonderstatus
der Christen jüdischer Herkunft anhand der Akten der
Kirchenkanlei der ’Deutschen Evangelischen Kirche’
(DEK) aus den Jahre 1933 - 1943. Die Kirchenkanzlei bemühte
sich zunächst gegen Vorstellungen der ’Deutschen
Christen’, die Bildung besonderer judenchristlicher
Gemeinden innerhalb der DEK zu verhindern. Gegen die uneingeschränkte
Zugehörigkeit der ’nichtarischen’ Christen
zur Kirche richteten sich seit 1935 zahlreiche deutsch-christliche
Kirchenleitungen, insbesondere nach Erlaß der ’Nürnberger
Rassegesetze’. Das Reichskirchenministerium und die
Kirchenkanzlei waren aber, um Konflikte mit der ’Bekennenden
Kirche’ zu vermeiden, an einer rechtlichen Diskriminierung
dieser Gruppe nicht interessiert. Dennoch erließen im
Februar 1939 mehrere deutsch-christliche Landeskirchen, unter
ihnen Lübeck, diskriminierende Sondergesetze für
ehemals jüdische Kirchenmitglieder. 1941 verschärfte
sich deren Lage weiter: Schleswig-Holstein und andere deutsch-christliche
Landeskirchen erklärten in einer Bekanntmachung, daß
jede Gemeinschaft mit den Judenchristen aufgehoben sei. Nur
in Schleswig-Holstein wurde im Februar 1942 mit Pastor Walter
Auerbach ein Beauftragter für ihre seelsorgerische Betreuung
ernannt. Die Kirchenkanzlei der DEK unternahm noch im selben
Jahr einen Vorstoß im Reichssicherheitshauptamt, um
die kirchliche Betreuung der getauften Juden einzufordern,
allerdings ohne Erfolg. Die Deportationen in die Vernichtungslager
hatten längst begonnen.
Büttner, Ursula:
Die deutsche Bevölkerung und die Judenverfolgung 1933
- 1945. In: Büttner, Ursula (Hrsg.): Die Deutschen und
die Judenverfolgung im Dritten Reich. Hamburg: Christians,
1992 (Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte;
Bd. 29), S. 67 - 88.
Die Autorin versucht möglichst viele Facetten im Verhältnis
zwischen den nicht jüdischen Deutschen und ihren verfolgten
jüdischen Mitbürgern im Nationalsozialismus zu beleuchten.
Auch die Haltung der Kirchen findet Berücksichtigung:
den Bischöfen habe es nicht an Mut gefehlt, gegen das
Unrecht zu protestieren, wie der Protest gegen die ’Euthanasie’
zeigte, aber die Juden waren Fremde außerhalb ihres
Blickwinkels, deren Schicksal nicht interessierte. Sie galten
vielen Christen noch immer als das Volk der Christusmörder,
deren Leiden allzu häufig mit dem Gericht Gottes erklärt
wurden. Der zweitausendjährige christliche Antijudaismus
erleichterte die Ausbreitung des modernen politischen und
rassistischen Antisemitismus.
Büttner, Ursula:
Die Not der Juden teilen: christlich-jüdische Familien
im Dritten Reich; Beispiel und Zeugnis des Schriftstellers
Robert Brendel. Hamburg: Christians, 1988. (Hamburger Beiträge
zur Sozial- und Zeitgeschichte; Bd. 24). 314 S., Ill.
Erste umfassendere Darstellung über das Schicksal jüdisch-christlicher
Familien im Nationalsozialismus. Das Buch kann in drei Teile
eingeteilt werden: im ersten (S. 11 - 71) bringt die Autorin
einen allgemeinen historischen Abriß über die nationalsozialistische
Politik gegenüber den sogenannten ’Mischlingen’,
im zweiten (S. 72 - 152) wird das Leben Robert Brendels und
seiner Familie dargestellt und im dritten (S. 153 - 285) werden
Briefe und Manuskripte des Schriftstellers veröffentlicht.
Durch die sehr zahlreichen Abbildungen von Originaldokumenten
und die persönlichen Briefe werden die bedrückenden
Lebensumstände der Familie während der Zeit des
Nationalsozialismus besonders eindrücklich dargelegt.
Büttner, Ursula (Hrsg.): Die Deutschen und die Judenverfolgung im Dritten Reich. Hamburg: Christians,
1992. (Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte;
Bd. 29). 394 S.
Aufsatzband mit 18 Beiträgen über die Verfolgung
der Juden während des Nationalsozialismus und die Auseinandersetzung
mit dem Holocaust und seinen Folgen im ersten Nachkriegsjahrzehnt
der Bundesrepublik. Einige Aufsätze sind einzeln aufgenommen
worden. Ein Register ist nicht vorhanden.
Büttner, Ursula (Hrsg.): Das Unrechtsregime: Internationale Forschung über den Nationalsozialismus.
[Festschrift für Werner Jochmann zum 65. Geburtstag].
Bd. 1. Ideologie-Herrschaftssystem-Wirkung in Europa. 1986.
XXXII, 560 S. (Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte;
Bd. 21).
Bd. 2. Verfolgung-Exil-Belasteter Neubeginn. 1986. 478 S.
(Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte; Bd.
22). Hamburg: Christians.
Festschrift für den ehemaligen Leiter der ’Forschungsstelle
für die Geschichte des Nationalsozialismus in Hamburg’
mit zahlreichen Aufsätzen zur Geschichte des Faschismus
in Deutschland und Europa und einer biographischen Würdigung
des Gefeierten. Jochmann (1921 - 1994) hatte sich stets für
die Rolle der evangelischen Kirche und den Antisemitismus
interessiert und darüber zahlreiche Publikationen verfaßt,
die im Schriftenverzeichnis aufgeführt werden. Die Beiträge
der Festschrift, die sich mit der Verfolgung der Juden und
der Stellung der evangelischen Kirche beschäftigen werden
einzeln aufgeführt.
Büttner, Ursula; Greschat, Martin: Die verlassenen Kinder der Kirche: der Umgang mit
Christen jüdischer Herkunft im ’Dritten Reich’.
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1998. (Sammlung
Vandenhoeck). 151 S.
Aufsatzband mit je 2 Beiträgen von Büttner und
Greschat. Einführend schreibt Büttner über
die deutschen Protestanten und die Verfolgung der Juden und
Christen jüdischer Herkunft im ’Dritten Reich’
(S. 15 - 70). Martin Greschat folgt mit einem Beitrag über
Marga Meusels Kampf für die Rettung der Juden (S. 70
- 85) und über Friedrich Weißler als Jurist der
’Bekennenden’ Kirche im Widerstand gegen Hitler
(S. 86 - 122). Abgeschlossen wird das Buch mit dem Wiederabdruck
eines Beitrages von Ursula Büttner über den Untergang
des Dichters Jochen Klepper mit seinen jüdisch-christlichen
Angehörigen.
Conway, John S.:
Die nationalsozialistische Kirchenpolitik 1933-1945: ihre
Ziele, Widersprüche und Fehlschläge. München:
Kaiser, 1969. 383 S.
Gesamtdarstellung über die Kirchenpolitik gegenüber
der katholischen und der evangelischen Kirche. Der Autor hat
als einer der ersten die Bestände des Bundesarchivs im
Hinblick auf die nationalsozialistische Kirchenpolitik ausgewertet.
Im Anhang finden sich zahlreiche Schlüsseldokumente aus
diesem Archiv und dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer
Kulturbesitz. Ein Literaturverzeichnis ist nicht vorhanden.

Dierker,
Wolfgang: Himmlers Glaubenskrieger: der Sicherheitsdienst
der SS und seine Religionspolitik 1933-1941. Paderborn; München;
Wien; Zürich: Schöningh, 2002. 639 S.
Der Autor untersucht die Geheimdiensttätigkeit des
Sicherheitsdienstes (SD) des Reichsführers SS gegen die
christlichen Kirchen. Der SD hatte als Nachrichtendienst und
Planungsstab der SS eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung
der tatsächlichen oder vermeintlichen Gegner des nationalsozialistischen
Regimes. Die christliche Religion war in der Sicht des SD
der politischen Religion im Sinne einer völkisch-rassistischen
Weltanschauung der SS und NSDAP fundamental entgegengesetzt
und wurde daher mit allen Mitteln bekämpft. Die gründliche
Studie, auf der Grundlage umfassender Archivstudien, führt
im Anhang Kurzbiographien, Geschäftsverteilungspläne
sowie ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis
auf; sie wird erschlossen durch ein Personen-, Orts- und Sachregister.
Dohnke, Kay: Nationalsozialismus
in Norddeutschland: ein Atlas. Hamburg; Wien: Europa Verlag,
2001. 128 S., überwiegend Ill., 1 Kt. beiliegend
Der Aufstieg der NSDAP, Judenverfolgung und Deportationen,
Euthanasie und Zwangsarbeiter in Niedersachsen, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern,
Hamburg und Schleswig-Holstein werden in kartographischer
Form dargestellt. Umfassende Informationen zum Atlas sind
auf einer eigenen Website zu finden: www.ns-atlas.de.
Flüchtlingsdienst des Ökumenischen Rats der
Kirchen (Hrsg.): Die
Evangelische Kirche in Deutschland und die Judenfrage: ausgewählte
Dokumente aus den Jahren des Kirchenkampfes 1933 bis 1943.
Genf: Oikumene, 1945. 199 S.
Frühe Dokumentensammlung, mit einer kurzen Einführung
(S. 9 - 34). Die abgedruckten Dokumente werden nicht
kommentiert, ein Register ist nicht vorhanden.
Gerlach, Wolfgang:
Als die Zeugen schwiegen: Bekennende Kirche und die Juden.
2., bearb und ergänzt. Aufl. Berlin: Institut Kirche
und Judentum, 1993. (Studien zu Kirche und Israel; Bd. 10).
487 S.
Standardwerk, das auf einer Hamburger theologischen Dissertation
aus dem Jahr 1970 beruht. Der Autor kommt zu dem Ergebniss,
daß die ’Bekennende Kirche’ die Not der
Juden und Christen jüdischer Herkunft nicht klar erkannt
hat. Ihr eigener Abwehrkampf gegen den Staat und andere kirchenpolitische
Gruppen hat sie neben dem vorhandenen Antijudaismus blind
gemacht für die theologische und humane Notwendigkeit
eines klaren Bekenntnisses. Das Buch ist erschlossen durch
ein Personen- und Ortsregister.
Goldhagen, Daniel Jonah:Die nordelbische Landeskirche, zu der auch Hamburg als zweitgrößte Stadt Deutschlands gehört, ist am weitesten gegangen. Sie zeigt der norddeutschen Öffentlichkeit die ungeschminkte Wahrheit über ihre Vergangenheit.
Diese protestantische Landeskirche hat eine Ausstellung mit Dokumenten, Publikationen, Fotos und anderen Materialien organisiert, aus der hervorgeht, wie stark sie in den eliminatorischen Angriff auf die Juden verwickelt war. Die 2002 eröffnete Ausstellung Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 1945 soll drei Jahre lang in Norddeutschland von Stadt zu Stadt wandern, so dass man im gesamten Gebiet der Kirche die Wahrheit kennen lernen kann.
Die Ausstellung zeigt, wie stark antisemitisch die protestantischen Geistlichen dieser Region in der NS-Zeit waren, und bringt das Ausmaß ans Licht, in dem sie sich an der Diffamierung, Unterdrückung und Vertreibung der Juden durch das Hitlerregime beteiligt haben. Mit der Ausstellung erkennt die Kirche ihre Verantwortung für die von ihr und ihren Geistlichen verübten Verbrechen und Vergehen an. (...)
Daniel Jonah Goldhagen:
Die katholische Kirche und der Holocaust.
Eine Untersuchung über Schuld und Sühne.
Siedler, Berlin 2002, Seite 306
Rezensionen zum Buch
Graf, Friedrich Wilhelm:
’Wir konnten dem Rad nicht in die Speichen fallen’:
Liberaler Protestantismus und ’Judenfrage’ nach
1933. In: Kaiser, Jochen-Christoph; Greschat, Martin (Hrsg.):
Der Holocaust und die Protestanten: Analysen einer Verstrickung.
Frankfurt am Main: Athenäum, 1988 (Konfession und Gesellschaft;
Bd. 1), S. 151 - 185.
Graf untersucht die Einstellung liberaler Protestanten zur
sogenannten ’Judenfrage’ anhand der Beiträge
von 1933 bis 1936 in den führenden Verbandsorganen: der
Kulturzeitschrift ’Die christliche Welt’ und dem
wöchentlich erscheinenden ’Protestantenblatt’.
Herausgeber der ’Christlichen Welt’ war seit 1932
der Kieler Theologieprofessor Hermann Mulert. Hier äußerte
er sich in zahlreichen Beiträgen gegen den Nationalsozialismus
und dessen Judenfeindschaft. Ein weiterer prominenter Autor
war Martin Rade, der aber weniger eindeutig den Antisemitismus
verurteilt. In beiden Zeitschriften finden sich allerdings
auch zahlreiche Beispiele für rassistische Positionen
innerhalb des liberalprotestantischen Milieus.
Grenville, John A. S.:
Die ’Endlösung’ und die ’Judenmischlinge’
im Dritten Reich. In: Büttner, Ursula (Hrsg.): Das Unrechtsregime:
Internationale Forschung über den Nationalsozialismus;
[Festschrift für Werner Jochmann zum 65. Geburtstag].
Bd. 2. Verfolgung-Exil-Belasteter Neubeginn. Hamburg: Christians,
1986 (Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte;
Bd. 22), S. 91 - 121.
Grenville bringt zuerst einen weitgespannten Überblick
über die nationalsozialistischen Verordnungen und Gesetze
gegen die Juden und ihre Charakterisierung als ’Volljuden’,
’Rassejuden’, ’Mischlinge 1. und 2. Grades’.
Der Hauptpunkt seines Beitrages ist die Diskussion über
die Behandlung der ’Mischlinge’ auf der sogenannten
’Wannseekonferenz’ vom 20. Januar 1942. Reinhard
Heydrich stellte sehr detaillierte Vorschläge vor, die
auf Deportation der ’Mischlinge 1. Grades’ und
Besserstellung der ’2. Grades’ nach Gutdünken
der SS und der Gestapo hinausliefen. Später wurde entschieden,
möglicherweise von Hitler selbst, die ’Mischlinge
2. Grades’ den ’deutschblütigen’ weitgehend
gleichzustellen. Abschließend kritisiert der Autor das
Schweigen der Kirchen über die Judenpolitik des Regimes,
insbesondere hätten sie die Christen jüdischer Herkunft
im Stich gelassen.
Greschat, Martin:
Die Haltung der deutschen evangelischen Kirchen zur Verfolgung
der Juden im Dritten Reich. In: Büttner, Ursula (Hrsg.):
Die Deutschen und die Judenverfolgung im Dritten Reich. Hamburg:
Christians, 1992 (Hamburger Beiträge zur Sozial- und
Zeitgeschichte; Bd. 29), S. 273 - 292.
Sehr überzeugend strukturierter Beitrag über die
Haltung der evangelischen Geistlichkeit gegenüber der
Judenverfolgung im Nationalsozialismus. Greschat stellt die
These auf, das es keineswegs primär theologische Gesichtspunkte
waren, aus denen sich der Antijudaismus der Kirchen ableitete,
sondern soziale: die kirchliche Führungsschicht war ideologisch,
kulturell und mental nahezu identisch mit der deutsche Elite
in Verwaltung, Ministerialbürokratie und Militär.
Dazu gehörte strukturell und traditionell ein gewisser
Antisemitismus.
Gresens, Sabine; Maerten, Maike; Oldenhage, Kerstin (Bearb.):
Reichsministerium für die kirchlichen Angelegenheiten:
Bestand R 5101. Koblenz: Bundesarchiv, 2000. (Findbücher
zu Beständen des Bundesarchives; Bd. 68). XII, 429 S.
Findbuch zum Bestand ’Reichsministerium für die
kirchlichen Angelegenheiten’. Das Ministerium wurde
1935 errichtet und war die oberste staatliche Kirchenbehörde
während des Nationalsozialismus. Das Vorwort enthält
umfangreiche Verweise zur ergänzenden Aktenüberlieferung
aus anderen Archivbeständen.
Hermle, Siegfried:
Evangelische Kirche und Judentum: Stationen nach 1945. Göttingen:
Vandenhoeck & Ruprecht, 1990. (Arbeiten zur kirchlichen
Zeitgeschichte: Reihe B, Darstellungen; Bd. 16). 422 S.
Die Darstellung beruht auf einer Dissertation des Autors
aus dem Jahr 1988. Das Verhältnis zwischen der evangelischen
Kirche und den Juden sowie den Christen jüdischer Herkunft
in den Jahre 1945 - 1956 wird umfassend aufgearbeitet. Der
diakonischen Hilfe für die rasseverfolgten Christen jüdischer
Herkunft ist ein eigenes Kapitel gewidmet, in dem auch auf
die Tätigkeit von Pastor Walter Auerbach in Schleswig-Holstein,
der 1946 offiziell mit der Betreuung der Judenchristen von
der Kirchenleitung beauftragt worden war, eingegangen wird.
Das Buch enthält ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis
sowie ein Personenregister mit biographischen Angaben und
ein Institutionen-, Orts- und Sachregister.
Jenner, Harald; Klieme, Joachim (Hrsg.): Nationalsozialistische Euthanasieverbrechen und Einrichtungen
der Inneren Mission: eine Übersicht. Reutlingen: Diakonieverlag,
1997. 320 S., Ill.
Sehr nützliche Übersicht über die Einrichtungen
der Inneren Mission und ihre Verstrickung in die Euthanasiemorde.
Mit einer Einleitung von Uwe Kaminsky und Harald Jenner über
die Innere Mission und die nationalsozialistischen Krankenmorde
(S. 13 - 33). Aus Hamburg werden die Alsterdorfer Anstalten
und Anscharhöhe beschrieben, aus Schleswig-Holstein die
Diakonissenanstalt Bethanien in Kropp, das Kinder- und Pflegeheim
Vorwerk in Lübeck und die Ricklinger Anstalten in Rickling.
Zu den einzelnen Einrichtungen werden Angaben über Gründungsgeschichte,
Größe und Träger gemacht, sowie, soweit möglich,
statistische Daten über die Bewohner und ihr Schicksal
im Rahmen der ’Euthanasie’. Am Ende des Buches
folgt eine sehr umfangreiche Bibliographie.
Jochmann, Werner:
Von der Ausgrenzung zum Pogrom. In: Gorschenek, Günter;
Reimers, Stephan (Hrsg.): Offene Wunden - brennende Fragen:
Juden in Deutschland von 1938 bis heute. Frankfurt am Main:
Knecht, 1989, S. 30 - 57.
Überblicksdarstellung über die sich verschärfenden
Maßnahmen gegen die Juden von 1933 bis 1938. Jochmann
stellt den offenen Antisemitismus der evangelischen Kirche
dar und führt hierfür zahlreiche Beispiele aus der
hamburgischen Landeskirche, insbesondere von den Bischöfen
Schöffel und Tügel, an.
Kaiser, Jochen-Christoph: Evangelische Judenmission im Dritten Reich. In: Kaiser, Jochen-Christoph;
Greschat, Martin (Hrsg.): Der Holocaust und die Protestanten:
Analysen einer Verstrickung. Frankfurt am Main: Athenäum,
1988 (Konfession und Gesellschaft; Bd. 1), S. 186 - 215.
Der Autor beschreibt kurz die Geschichte der evangelischen
Judenmission und beleuchtet dann ausführlich die Aktivitäten
der drei reichsweit tätigen Missionsvereine: Gesellschaft
zur Beförderung des Christentums unter den Juden (Berlin),
Westdeutscher Verein für Israel (Köln) und den Centralverein
für Mission unter Israel (Leipzig). Nach 1933 wurde die
Arbeit dieser Vereine immer weiter eingeschränkt und
1935 mußten sich die Kölner und Leipziger Einrichtungen
auflösen. Die Berliner ’Gesellschaft’ wurde
erst 1941 durch die Gestapo geschlossen. Die Arbeit der Judenmissionsvereine
war stets umstritten, sie wurde von den ’Deutschen Christen’
vollständig abgelehnt und auch die Amtskirchen standen
ihnen eher feindlich gegeüber.
Kaiser, Jochen-Christoph; Greschat, Martin (Hrsg.): Der Holocaust und die Protestanten: Analysen einer
Verstrickung. Frankfurt am Main: Athenäum, 1988. (Konfession
und Gesellschaft; Bd. 1). XIII, 282 S.
9 Aufsätze zum Verhältnis von Protestantismus
und Antisemitismus im Nationalsozialismus in Deutschland und
Nordeuropa. Der Holocaust selbst und die Reaktion evangelischer
Christen wird aber nur in dem Beitrag von Eberhard Bethke
thematisiert.
Klee, Ernst: ’Die
SA Jesu Christi’: die Kirchen im Banne Hitlers. Frankfurt
a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag, 1989. 203 S., Ill.
Kritische Darstellung über die Rolle der Kirchen im
Nationalsozialismus. Schwerpunkte sind unter anderem die Beiträge
über Diakonen des Rauhen Hauses in Hamburg als begeisterte
Mitglieder der SA, das Konzentrationslager Kuhlen der Inneren
Mission in Schleswig-Holstein und über die Ignoranz der
Kirchen gegenüber der Verfolgung der Juden und Christen
jüdischer Herkunft.
Konukiewitz, Enno:
Hans Asmussen: ein lutherischer Theologe im Kirchenkampf.
Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus Mohn, 1984. (Die
lutherische Kirche, Geschichte und Gestalten; Bd. 6). 295
S.
Biographie eines der führenden Vertreter der ’Bekennenden
Kirche’, die auf einer theologischen Dissertation beruht.
Asmussen hatte seine erste Pfarrstelle in Albersdorf (Dithmarschen)
1925 angetreten und galt als ’Antiliberaler’.
Die Machtergreifung der Nationalsozialisten begrüßte
er, die ’Deutschen Christen’ jedoch lehnte er
aus theologischen Gründen entschieden ab. 1932 wechselte
er auf eine Altonaer Pfarrstelle. Als einer der Initiatoren
des ’Altonaer Bekenntnisses’ zog Asmussen sich
die Feindschaft des Gauleiters Lohse zu und wurde schließlich
im Februar 1934 suspendiert. 1936 wurde ihm die Leitung der
Kirchlichen Hochschule in Berlin-Elberfeld übertragen,
einer Einrichtung der ’Bekennenden Kirche’. Im
Mai 1941 wurde er acht Monate inhaftiert. Nach dem Krieg war
er am Wiederaufbau der schleswig-holsteinischen Landeskirche
beteiligt.
Kreutzer, Heike:
Das Reichskirchenministerium im Gefüge der nationalsozialistischen
Herrschaft. Düsseldorf: Droste, 2000. (Schriften des
Bundesarchivs; 56). IX, 390 S.
Eine behördengeschichtlich ausgerichtete Darstellung
zur Entwicklung des 1935 begründeten ’Reichsministeriums
für die kirchlichen Angelegenheiten’. Das Werk
geht ausführlich ein auf die Politik des Ministeriums
gegenüber der evangelischen Kirche und auf die wichtige
Position des Referenten Ernst Szymanowski.
Lehmann, Wolfgang:
Hans Asmussen: Ein Leben für die Kirche. Göttingen:
Vandenhoeck & Ruprecht, 1988. 387 S., Ill.
Eine als Zeitzeugenbericht geschriebene Auseinandersetzung
des Offenbacher Theologen Wolfgang Lehmann mit dem Werk und
dem Leben eines des wichtigsten Exponenten der ’Bekennenden
Kirche’. Theologische Differenzen innerhalb der ’Bekennenden
Kirche’ werden ausführlich geschildert, die Tätigkeit
Asmussens in Schleswig-Holstein dagegen nur am Rande. Wichtige
Quellen sind die hier abgedruckten zahlreichen Briefe von
Asmussen an den Autor.
Mehlhausen, Joachim (Hrsg.): ... und über Barmen hinaus: Studien zur Kirchlichen Zeitgeschichte;
Festschrift für Carsten Nicolaisen zum 4. April 1994.
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1995. (Arbeiten
zur kirchlichen Zeitgeschichte: Reihe B, Darstellungen; Bd.
23). 642 S.
Die Festschrift für einen der profiliertesten Vertreter
der kirchlichen Zeitgeschichtsforschung enthält zahlreiche
Aufsätze zur
Geschichte der Kirchen im Nationalsozialismus, unter anderen
einen Beitrag von Hans Maier über christlichen Widerstand
im ’Dritten Reich’ (S. 186 - 203), Getraud Grünzinger
über die Fürbittelisten der Bekennenden Kirche 1935
- 1944 (S. 268 - 295) und Herbert Immenkötter über
die Ermordung jüdischer Behinderter (S. 365 - 375). Abgeschlossen
wird der Band durch einen Schriftenverzeichnis von Carsten
Nicolaisen.
Meier, Kurt: Kirche
und Judentum: die Haltung der evangelischen Kirche zur Judenpolitik
des Dritten Reiches. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht,
1968. (Arbeiten zur Geschichte des Kirchenkampfes: Ergänzungsreihe;
Bd. 7). 153 S.
Das Werk besteht aus drei Teilen: im ersten (S. 1 - 55)
wird ein knapper Abriß der Haltung der evangelischen
Kirche zu nationalsozialistischen Judenpolitik gegeben; im
zweiten (S. 57 - 125) werden 48 Dokumente zum Thema abgedruckt;
im dritten (S. 127 - 153) erfolgt eine Interpretation von
Luthers Judenschriften. Literaturverzeichnis und Register
sind nicht vorhanden.
Meier, Kurt: Die
Deutschen Christen: das Bild einer Bewegung im Kirchenkampf
des Dritten Reiches. Halle a. d. Saale: Niemeyer, 1964. XV,
382 S.
Standardwerk über die ’Deutschen Christen’,
bis heute grundlegend. Das Buch ist folgende Kapitel eingeteilt:
1. Die Entstehung der Deutschen Christen bis zur Sportpalastkrise
am 13.11.1933. 2. Die Wandlungen im organisatorischen Erscheinungsbild
der Deutschen Christen. 3. Zusammenfassung. Abschließend
folgt ein ausführliches Literaturverzeichnis, sowie Personen-
und Sachregister.
Meier, Kurt: Der
evangelische Kirchenkampf. Göttingen: Vandenhoeck &
Ruprecht.
Bd. 1. Der Kampf um die Reichskirche. 1976. XV, 648 S.
Bd. 2. Gescheiterte Neuordnungsversuche im Zeichen staatlicher
’Rechtshilfe’. 1976. VII, 472 S.
Bd. 3. Im Zeichen des zweiten Weltkrieges. 1984. 734 S.
Umfassendste und unentbehrliche Gesamtdarstellung des Kirchenkampfes,
mit Einschüben in den Gesamttext zur Entwicklung in den
einzelnen Landeskirchen (Übersicht im Inhaltsverzeichnis).
Die Bände sind durch Personenregister erschlossen.
Nellessen, Bernd:
Die schweigende Kirche: Katholiken und Judenverfolgung. In:
Büttner, Ursula (Hrsg.): Die Deutschen und die Judenverfolgung
im Dritten Reich. Hamburg: Christians, 1992 (Hamburger Beiträge
zur Sozial- und Zeitgeschichte; Bd. 29), S. 259 - 271.
Der Autor beklagt, das es kein öffentliches Wort der
deutschen katholischen Bischöfe gegen die Verfolgung
und Ermordung der Juden gegeben hat. Nur mit intern gebliebenen
Eingaben bei der staatlichen Bürokratie hat man die eigene
Einstellung kundgetan. Nellesen mutmaßt, das ein entschlossener
öffentlicher Protest, wie 1941 von Bischof Graf Galen
aus Münster gegen die ’Euthanasie’, eine
erhebliche Wirkung hätte haben können.
Nicolaisen, Carsten (Bearb.): Dokumente zur Kirchenpolitik des Dritten Reiches: Bd. 1. Das Jahr 1933.
München: Kaiser, 1971. XXIV, 222 S.
Die Edition ’Dokumente zur Kirchenpolitik des Dritten
Reiches’ ist die wichtigste Quellensammlung zur Kirchenpolitik
des nationalsozialistischen Regimes. Die Bände enthalten
eine ausführlichen Einführung der Bearbeiter, Quellen-
und Literaturverzeichnis sowie Orts-, Personen- und Sachregister.
Besonders wertvoll sind die umfassenden biographischen Angaben
zu den erwähnten Personen.
Nicolaisen, Carsten (Bearb.): Dokumente zur Kirchenpolitik des Dritten Reiches: Bd. 2. Das Jahr 1934/35.
Vom Beginn des Jahres 1943 bis zur Errichtung des Reichsministeriums
für die kirchlichen Angelegenheiten am 16. Juli 1935.
München: Kaiser, 1975. XXVIII, 369 S.
Nicolaisen, Carsten; Grünzinger, Gertraud (Bearb.): Dokumente zur Kirchenpolitik des Dritten Reiches:
Bd. 3. 1935 - 1937. Von der Errichtung des Reichsministeriums
für die kirchlichen Angelegenheiten bis zum Rücktritt
des Reichskirchenausschusses (Juli 1935 - Februar 1937). Gütersloh:
Kaiser, 1994. XXXI, 447 S.
Nicolaisen, Carsten; Grünzinger, Gertraud (Bearb.): Dokumente zur Kirchenpolitik des Dritten Reiches:
Bd. 4. 1937 - 1939. Vom Wahlerlaß Hitlers bis zur Bildung
des Geistlichen Vertrauensrates (Februar 1937 - August 1939).
Gütersloh: Kaiser, 2000. XXV, 476 S.
Noakes, Jeremy:
Wohin gehören die ’Judenmischlinge’?: die
Entstehung der ersten Durchführungsverordnungen zu den
Nürnberger Gesetzen. In: Büttner, Ursula (Hrsg.):
Das Unrechtsregime: Internationale Forschung über den
Nationalsozialismus; [Festschrift für Werner Jochmann
zum 65. Geburtstag]. Bd. 2. Verfolgung-Exil-Belasteter Neubeginn.
Hamburg: Christians, 1986 (Hamburger Beiträge zur Sozial-
und Zeitgeschichte; Bd. 22), S. 69 - 89.
Der Beitrag dokumentiert die politischen und juristischen
Konflikte über die Auslegung der sogenannten ’Nürnberger
Rassegesetze’ vom September 1935. Umstritten waren die
sogenannten ’Halbjuden’, Personen mit zwei jüdischen
Großeltern, die das Innenministerium in die Gruppe der
’deutsch-jüdischen Mischlinge’ einordnen
wollte, die NSDAP jedoch zu den Juden zählte. Die wesentlich
radikaleren Positionen der Partei konnten sich nicht durchsetzen;
besonders durch die notwendige Rücksichtnahme auf das
Ausland waren die gemäßigteren Vorstellungen der
Bürokratie für Hitler akzeptabel.
Norden, Günther van: Die Barmer Theologische Erklärung und die ’Judenfrage’.
In: Büttner, Ursula (Hrsg.): Das Unrechtsregime: Internationale
Forschung über den Nationalsozialismus; [Festschrift
für Werner Jochmann zum 65. Geburtstag]. Bd. 1. Ideologie-Herrschaftssystem-Wirkung
in Europa. Hamburg: Christians, 1986 (Hamburger Beiträge
zur Sozial- und Zeitgeschichte; Bd. 21), S. 315 - 330.
Die Barmer Theologische Erklärung vom Mai 1934 geht
auf das Schicksal der Juden im nationalsozialistischen Deutschland
nicht direkt ein. Aber der Geist dieser Erklärung der
ersten deutschen Bekenntnissynode hätte nach Ansicht
van Nordens die ’Bekennende Kirche’ in viel stärkerem
Maße als es geschehen ist gegen den Judenmord aufstehen
lassen müssen. Die ’Bekennende Kirche’ habe
mit der Erklärung ein deutliches Zeichen gegen die deutschchristlichen
Irrlehren gesetzt, aber die Linie zur christlich begründeten
politischen Ethik wurde nicht überschritten.
Nowak, Kurt: Das
Stigma der Rasse: Nationalsozialistische Judenpolitik und
die ’christlichen Nichtarier’. In: Kaiser, Jochen-Christoph;
Greschat, Martin (Hrsg.): Der Holocaust und die Protestanten:
Analysen einer Verstrickung. Frankfurt am Main: Athenäum,
1988 (Konfession und Gesellschaft; Bd. 1), S. 73 - 99.
Der Beitrag versucht einen komprimierten Überblick
über die Lage der ’Judenchristen’ im Nationalsozialismus
zu geben. Nowak geht dabei insbesondere auf die Hilfsaktionen
für getaufte Juden durch den Lobetaler Pastor Paul Gerhard
Braune und das Berliner ’Büro Pfarrer Gruber’,
die sich vor allem um die Auswandererhilfe bemühten,
ein.
Reutter, Lutz-Eugen:
Die Hilfstätigkeit katholischer Organisationen und kirchlicher
Stellen für die im nationalsozialistischen Deutschland
Verfolgten. Hamburg: [Dissertationsverlag], 1969. 343 S. Hamburg,
Univ., Diss., 1969.
Einzige umfassende Studie über den katholischen St.
Raphaels-Verein, der katholischen Christen jüdischer
Herkunft und mit Katholiken verheirateten Juden während
des Nationalsozialismus half. Ein besonderer Schwerpunkt des
Vereins war die Auswandererberatung: ungefähr 10.000
Menschen konnten 1934 - 1939 zur Auswanderung verholfen werden.
Die Arbeit beruht auf intensiven Archivstudien; das Archiv
des Vatikans blieb dem Verfasser allerdings verschlossen.
Röhm, Eberhard; Thierfelder, Jörg: Juden, Christen, Deutsche 1933 - 1945. Stuttgart:
Calwer-Verl.
Bd. 1. 1933 - 1935. 1990. 451 S., Ill. (Calwer Taschenbibliothek;
8)
Bd. 2. 1935 - 1938. T. 1. 1992. 457 S., Ill. (Calwer Taschenbibliothek;
9)
Bd. 2. 1935 - 1938. T. 2. 1992. 353 S., Ill. (Calwer Taschenbibliothek;
10)
Bd. 3. 1938 - 1941. T. 1. 1995. 451 S., Ill. (Calwer Taschenbibliothek;
50)
Bd. 3. 1938 - 1941. T. 2. 1995. 400 S., Ill. (Calwer Taschenbibliothek;
51).
Außerordentlich umfassendes und umfangreiches Grundlagenwerk,
angelegt auf vier Bände, in dem alle Aspekte des Schicksals
der Christen jüdischer Herkunft im Nationalsozialismus
dargestellt werden. Kritisch aufgearbeitet wird insbesondere
das Verhalten der evangelischen Landeskirchen gegenüber
den getauften Juden und den judenchristlichen Pastoren. Jeder
Band enthält zahlreiche zeitgenössische Fotos und
Dokumente sowie ein Literaturverzeichnis. Ein separater Überblick
über die ausgewerteten Archivalien ist nicht vorhanden.
Erschlossen werden die Bände durch Personenregister,
Orts- und Sachregister fehlen. Besonders nützlich ist
die jedem Band beigegebene Zeittafel.
Ruck, Michael: Bibliographie
zum Nationalsozialismus: Bd. 1.2. Darmstadt: Wissenschaftliche
Buchgesellschaft, 2000. XXVI, 1610 S.
Mit 37077 Titelnachweise die mit Abstand umfangreichste
Bibliographie zum Nationalsozialimus; unentbehrlich für
jede wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema.
Schneider, Thomas Martin: Reichsbischof Ludwig Müller: eine Untersuchung zu Leben, Werk und
Persönlichkeit. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht,
1993. (Arbeiten zur kirchlichen Zeitgeschichte: Reihe B, Darstellungen;
Bd. 19). 384 S.
Auf einer Dissertation beruhende Biographie des umstrittenen
Theologen. Müller (1883 - 1945) wurde im August 1933
zum preußischen Landesbischof und im September 1933
zum Reichsbischof gewählt nach massiven Intrigen der
’Deutschen Christen’. Er war dem Amt jedoch weder
kirchenpolitisch noch theologisch gewachsen und geriet schnell
zwischen die Fronten des Kirchenkampfes. Durch die Einsetzung
des staatlichen Reichskirchenministers Kerrl im Herbst 1935
wurde er völlig entmachtet. In der Folgezeit bemühte
er sich durch zahlreiche Reden und Vorträge, meist bei
Veranstaltungen der ’Thüringer Deutschen Christen’,
eine Theologie aus nationalsozialistischen und volkskirchlichen
Versatzstücken zu entwickeln, allerdings nahezu ohne
Resonanz. Sein Antisemitismus war rassistisch motiviert, daher
bemühte er sich um einen kirchlichen ’Arierparagraphen’.
Scholder, Klaus:
Die Kirchen und das Dritte Reich: Bd. 1. Vorgeschichte und
Zeit der Illusionen 1918 - 1934. Frankfurt/M; Berlin; Wien:
Propyläen, 1977. IX, 899 S., Ill.
Grundlegendes Standardwerk. In einzigartiger Weise werden
die Entwicklungslinien beider Konfessionen in den Nationalsozialismus
dargestellt. Der erste Teil (S. 3 - 276) beschreibt die Kirchen
in der Weimarer Republik. Der zweite Teil (S. 277 - 742) ist
dem kirchenpolitisch entscheidenen Jahr 1933 gewidmet. Ein
umfangreicher Abbildungsteil ergänzt den Text. Erschlossen
ist das Buch durch ein Personenregister, Orts- und Sachregister
sind nicht vorhanden.
Scholder, Klaus: Die Kirchen
und das Dritte Reich: Bd. 2. Das Jahr der Ernüchterung
1934; Barmen und Rom. Berlin: Siedler, 1985. 477 S., Ill.
Der zweite Band der großangelegten Gesamtdarstellung
der christlichen Kirchen im Nationalsozialismus ist ein Torso
geblieben. Der Autor verstarb während der Arbeit an dem
auf zwölf Kapitel angelegten Werk; daher konnten nur
die fertiggestellten Kapitel 1 - 8 veröffentlicht werden.
Sie umfassen den Zeitraum von Dezember 1933 bis Oktober 1934.
Das Gesamtwerk soll 5 Bände umfassen. Im Oktober 2001
erschien Band 3 bearbeitet von Gerhard Besier (siehe dort).
Smid, Marikje: Deutscher
Protestantismus und Judentum 1932/33. München: Kaiser,
1990. (Heidelberger Untersuchungen zu Widerstand, Judenverfolgung
und Kirchenkampf im Dritten Reich; Bd. 2). XXX, 547 S.
Das Werk basiert auf einer Dissertation aus dem Jahr 1989.
Im ersten Teil (S. 1 - 197) wird das Selbstverständnis
des deutschen Judentums in der Weimarer Republik und die Positionen
der politischen Parteien zu den Juden dargestellt. Im zweiten
Teil referiert die Autorin sehr ausführlich die Stellung
der evangelischen Universitätstheologie zu den Juden
und den antisemitischen Maßnahmen 1932/33 und geht dann
auf die Position der Kirche zu den Judenverfolgungen des nationalsozialistischen
Staates im Frühjahr 1933 ein. Abschließend folgt
ein Kapitel über Dietrich Bonhoeffer und seinen Protest
gegen die Anfänge der NS-Judenpolitik.
Strohm, Theodor; Thierfelder, Jörg (Hrsg.): Diakonie im ’Dritten Reich’: neuere Ergebnisse
zeitgeschichtlicher Forschung. Heidelberg: Heidelberger Verl.-Anst.,
1990. (Veröffentlichungen des Diakoniewissenschaftlichen
Instituts an der Universität Heidelberg; Bd. 3). 352
S.
Sammelband mit 15 Aufsätzen über die Verstrickung
der Inneren Mission in die ’Rassepolitik’ des
Nationalsozialismus. Theodor Strohm bilanziert in seinem Eingangsbeitrag
die Forschung zum Thema Diakonie im ’Dritten Reich’,
es folgen Aufsätze zu Geschichte der Inneren Mission
und ihr Verhältnis zur NS-Wohlfahrt, zur Kinderpflege
und Zwangssterilisation. Weitere Beiträge beschäftigen
sich mit dem evangelischen Widerstand gegen die ’Euthanasie’
und der Hilfe für die verfolgten Juden und Juden christlicher
Herkunft durch das ’Büro Pfarrer Grüber’.
Vehse, Joachim G.:
Leben und Wirken des ersten Reichsleiters der Deutschen Christen,
Joachim Hossenfelder: eine Untersuchung zum Kirchenkampf im
Dritten Reich. In: Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische
Kirchengeschichte, Reihe 2; 38 (1982), S. 73 - 123.
Biographische Studie über die Karriere eines ehrgeizigen
Günstlings der NSDAP, der entscheidenden Anteil am kometenhaften
Aufstieg der ’Deutschen Christen’ vom Januar bis
zum November 1933 hatte. Mit der ’Sportpalastkrise’,
der Abkehr der NSDAP von den ’Deutschen Christen’
Ende November 1933, fiel Hossenfelder in Ungnade und verlor
im Dezember alle Ämter. Sein Nachfolger als Reichsleiter
der ’Deutschen Christen’ wurde der Vizepräsident
des Kieler Landeskirchenamtes Christian Kinder. Hossenfelder
spielte danach keine politische Rolle mehr.
Vuletic, Aleksandar-Sasa: Christen jüdischer Herkunft im Dritten Reich: Verfolgung und organisierte
Selbsthilfe 1933 - 1939. Mainz: von Zabern, 1999. (Veröffentlichungen
des Institut für Europäische Geschichte Mainz: Abteilung
Universalgeschichte; Bd. 169). X, 308 S.
Grundlegende Studie, stark organisationsgeschichtlich ausgerichtet,
die auf einer Dissertation aus dem Jahr 1994 beruht. Das Buch
ist in folgende Kapitel eingeteilt: 1. Bezeichnungen jüdischer
Konvertiten, Dissidenten und ihrer Nachkommen vom 19. Jahrhundert
bis zum Dritten Reich. 2. Rahmenbedingungen einer organisierten
Selbsthilfe. 3. Der Reichsverband der nichtarischen Christen:
Gründung und Entwicklung bis Herbst 1935. 4. Die Nürnberger
Gesetze und ihre Folgen: Vom Reichsverband der nichtarischen
Christen zum Paulus-Bund (Herbst 1935 bis Frühjahr 1937).
5. Die Vereinigung 1937. Es lassen sich zahlreiche Bezüge
zum Verhalten der Kirchen gegenüber ihren ’nichtarischen’
Mitgliedern finden und zu kirchliche Hilfeeinrichtungen wie
dem ’Büro Pfarrer Grüber’. Ein umfangreiches
Quellen- und Literaturverzeichnis sowie ein Personenregister
beenden das Werk.
Zimmermann, Mosche:
Aufkommen und Diskreditierung des Begriffs Antisemitismus.
In: Büttner, Ursula (Hrsg.): Das Unrechtsregime: Internationale
Forschung über den Nationalsozialismus; [Festschrift
für Werner Jochmann zum 65. Geburtstag]. Bd. 1. Ideologie-Herrschaftssystem-Wirkung
in Europa. Hamburg: Christians, 1986 (Hamburger Beiträge
zur Sozial- und Zeitgeschichte; Bd. 21), S. 59 - 77.
Instruktive Darstellung über die Genese einer der zentralen
Begriffe in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus.
Der Hamburger Journalist und Politiker Wilhelm Marr prägte
ihn 1879 mit der Gründung einer ’Antisemiten-Liga’
im Übergang vom religiösen zum rassistisch begründeten
Judenhaß. 1882 tauchte er schon im ’Großen
Brockhaus’ auf. Die Nationalsozialisten lehnten den
Begriff ab, weil er sich auch auf semitische Nichtjuden beziehen
könnte, zum Beispiel die Araber, und präferierten
stattdessen ’Antijudaismus’.

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