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Arbeitskreis zur Erforschung des
Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein e. V. (AKENS) (Hrsg.):
Geschichte und Biografie: Jüdisches Leben, Nationalsozialismus
und Nachkriegszeit in Schleswig-Holstein; Festschrift für
Erich Koch. Kiel, 1998. (Informationen zur schleswig-holsteinischen
Zeitgeschichte; 33/34). 240 S., Ill.
Aufsatzsammlung als Festschrift für
den langjährigen Mitarbeiter am Institut für schleswig-holsteinische
Zeit- und Regionalgeschichte (Schleswig) Erich Koch. Die Beiträge
beschäftigen sich vorwiegend mit schleswig-holsteinischer
Regionalgeschichte im Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit
und sind meist mit aussagekräftigen Fotos und Dokumenten
illustriert. Genannt seien die Darstellungen von Claus Heinrich
Bill über die Finanzierung der Landvolkbewegung in Schleswig-Holstein
1928 - 1933 und von Bettina Goldberg über die Auswanderung
dreier Kieler jüdischer Kinder nach Großbritannien
1938.
Bajohr, Frank:
’ ... protzen plötzlich mit einer neuen Wohnungseinrichtung.’:
Schleswig-Holsteiner als materielle Nutznießer der Shoah.
In: Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach, Miriam (Hrsg.): Menora
und Hakenkreuz: zur Geschichte der Juden in und aus Schleswig-Holstein,
Lübeck und Altona (1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation
des Forschungsprojektes ’Zur Sozialgeschichte des Terrors’
am Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 565 - 571.
In Hamburg bereicherten sich mindestens 100.000
Menschen an jüdischem Besitz, der den in den Osten Deportierten
genommen worden ist. Auch in Schleswig-Holstein gab es zahlreiche
Profiteure der Deportationen und Auswanderungen, allen voran
Gestapo-Beamte, wie den Judenreferenten der Lübecker
Gestapo Wilhelm Düwel, der regelrechte Raubzüge
nach wertvollen Gegenständen Lübecker Juden unternahm,
um sich persönlich zu bereichern. Ab 1942 wurden auch
der Besitz ausländischer Juden, insbesondere aus Frankreich
und Holland, in Schleswig-Holstein und Hamburg im Auftrag
der Finanzämter versteigert. Besonders gefragt waren
wertvolle Möbel, Kleidung und Hausrat. Meistens konnte
weit unter Wert ersteigert werden, wobei der Gewinn ausschließlich
dem Staat zufiel. Die ehemaligen Eigentümer erhielten
nichts.
Beer, Udo:
Das vermögensrechtliche Ende der kleineren jüdischen
Gemeinden in Schleswig-Holstein während des Dritten Reiches.
In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische
Geschichte 112 (1987) S. 235 - 243.
Juristisch ausgerichtete Abhandlung über
den körperschaftsrechtlichen Status der jüdischen
Gemeinden in Schleswig-Holstein und ihr Verhältnis zur
staatlichen Verwaltung. Der Verfasser kommt zu dem Ergebnis,
das der Regierungspräsident in Schleswig bei der Auflösung
jüdischer Vermögenswerte bemüht gewesen ist,
formaljuristisch korrekt zu agieren, was in einem geringen
Umfang auch einen Schutz für die Juden bedeutete.
Blumenfeld, Awi:
’Geistige Führer in ernster Zeit’?: Bedeutung
und Aufgaben der Rabbiner in Schleswig-Holstein. In: Paul,
Gerhard; Gillis-Carlebach, Miriam
(Hrsg.): Menora und Hakenkreuz: zur Geschichte der
Juden in und aus Schleswig-Holstein, Lübeck und Altona
(1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation des Forschungsprojektes
’Zur Sozialgeschichte des Terrors’ am Institut
für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 67 - 93.
Beitrag zur bisher weitgehend unerforschte
Geschichte des Rabbinats in Schleswig-Holstein in der Weimarer
Republik und im Nationalsozialismus anhand der Biographien
von Eduard Duckesz (Altona), David Alexander Winter (Lübeck),
Arthur Bernhard Posner (Kiel) und Benjamin Cohen (Friedrichstadt).
Bußenius, Sieghard:
Zionistische Erziehung im norddeutschen Moor: die Ausbildungsstätte
des Hechaluz auf dem 'Brüderhof' bei Harksheide. In:
Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach, Miriam (Hrsg.): Menora und
Hakenkreuz: zur Geschichte der Juden in und aus Schleswig-Holstein,
Lübeck und Altona (1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation
des Forschungsprojektes Zur Sozialgeschichte des Terrors
am Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 425 - 435.
Die evangelische Stiftung Das Rauhe Haus erwarb
1923 ein 64 Hektar großes Gelände beim Dorf Harksheide
im Kreis Stormarn als Ausbildungsstelle für ältere
Jugendliche. Der dann aber mit Obdachlosen belegte Hof, der
den Namen Brüderhof erhalten hatte, geriet
bald in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wurde 1934 an
die zionistische Jugendorganisation Hechaluz vermietet.
Der Hechaluz betrieb hier ab Herbst 1934 ein Ausbildungsprogramm
für die Auswanderung nach Palästina, Hachschara
genannt, das neben Palästinakunde und Hebräischunterricht
hauptsächlich die Vermittlung landwirtschaftlicher Fertigkeiten
umfaßte. Der Hof bot 40 Ausbildungsplätze, die
aber nicht ständig belegt waren. Der Pächter des
Hofes, Ernst Wilhelm Leuschner (angeblich SA-Mitglied!) unterrichtete
die jungen Leute in der Landwirtschaft. Nach der sogenannten
Reichskristallnacht, mußte der Brüderhof
im Frühjahr 1939 aufgegeben werden. Einige Jugendliche
konnten nach Palästina auswandern, andere gingen nach
England oder setzten die Hachschara in Dänemark fort.
Eine erweiterte Fassung des Aufsatzes ist erschienen im
Jahrbuch für den Kreis Stormarn, 18 Jg. (2000),
S. 116 - 130.
Dettmer, Frauke:
Hinaus aus der Festung!: der Niedergang der jüdischen
Kleingemeinden am Beispiel Rendsburg. In: Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach,
Miriam (Hrsg.): Menora und Hakenkreuz: zur Geschichte der
Juden in und aus Schleswig-Holstein, Lübeck und Altona
(1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation des Forschungsprojektes
’Zur Sozialgeschichte des Terrors’ am Institut
für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 317 - 330.
Die Israelitische Gemeinde Rendsburg hatte
1840 ihren höchsten Mitgliederstand mit 292 Mitgliedern.
Danach setzte wie in anderen schleswig-holsteinischen Kleinstädten
auch eine massive Abwanderung ein, so daß die Gemeinde 1933
nur noch aus 30 Personen bestand, die vom Bezirksrabbinat
Friedrichstadt-Flensburg betreut wurden. Der Terror der Nationalsozialisten
ab 1933 zerstörte den Gemeindezusammenhalt und vertrieb
die Mitglieder. Auf die Rendsburger Synagoge wurde 1938 ein
Sprengstoffanschlag verübt, die jüdischen Geschäfte
bis zum 31.12.1938 liquidiert und die Juden mit polnischer
Staatsangehörigkeit ausgewiesen. 1939 ist der Gemeindebesitz
enteignet beziehungsweise ’arisiert’ worden. Die
letzten 5 in Rendsburg lebenden Juden wurden deportiert oder
in den Selbstmord getrieben.
Gillis-Carlebach, Miriam: ’... damit die Kinder in die Schule gehen’ (Jer. Talmud):
die letzte Phase der Israelitischen Gemeindeschule in Altona
(1928 - 1938). In: Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach, Miriam
(Hrsg.): Menora und Hakenkreuz: zur Geschichte der Juden in
und aus Schleswig-Holstein, Lübeck und Altona (1918 -
1998); eine gemeinsame Publikation des Forschungsprojektes
’Zur Sozialgeschichte des Terrors’ am Institut
für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 121 - 133.
Die Israelitische Gemeindeschule in Altona
(Palmaille 17) war eine öffentliche Schule bestehend
aus acht Klassen in fünf aufsteigenden Stufen nach den
Grundsätzen der allgemeinen Volksschule aufgebaut. Der
Beitrag schildert das Schulleben und die Zusammensetzung des
Lehrerkollegiums bis zur Beschlagnahmung des Schulgebäudes
1938.
Glade, Felicitas:
Ernst Bamberger - Wilhelm Hamkens: eine Freundschaft in Mittelholstein
unter dem NS-Regime. Rendsburg: Kreisverein Rendsburg für
Heimatkunde und Geschichte e. V., 2000. (Rendsburger Jahrbuch:
Beihefte; Bd. 1). 281 S., Ill.
Beschrieben wird die Freundschaft zwischen
dem Arzt Ernst Bamberger aus Rendsburg und dem Landrat des
Kreises Rendsburg und späteren Regierungspräsidenten
in Schleswig Wilhelm Hamkens. Bamberger, 1885 als Sohn eines
reichen jüdischen Kaufmanns in Frankfurt geboren, ließ
sich 1921 taufen und war seit 1922 ein sehr angesehener Arzt
in Rendsburg. Durch die nationalsozialistische Rassepolitik
entrechtet, wählte er 1941 den Freitod, um seiner Deportation
zuvorzukommen. Wilhelm Hamkens (1883 - 1962), Rechtsanwalt
und Notar, trat schon 1929 in die NSDAP ein und machte schnell
Karriere. Die Autorin schildert sehr eindrucksvoll das unterschiedliche
Schicksal beider Männer im Nationalsozialismus und ihre
Beziehung zueinander. Ebenfalls ausführlich behandelt
wird die ’Entnazifizierung’ und ’Wiedergutmachung’
sowie der Ausbau der ehemaligen Rendsburger Synagoge zum Kulturzentrum
und Museum ’Dr. Bamberger-Haus’.
Golan, Reuven:
Aus der Erlebniswelt eines jüdischen Jugendlichen in
Kiel Anfang der dreißiger Jahre. In: Hoffmann, Erich;
Wulf, Peter (Hrsg.): ’Wir bauen das Reich’: Aufstieg
und erste Herrschaftsjahre des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein.
Neumünster: Wachholtz, 1983 (Quellen und Forschungen
zur Geschichte Schleswig-Holsteins; Bd. 81), S. 361 - 368.
Golan erinnert sich rückblickend aus
dem Jahr 1947 auf das Kiel der Jahre 1930 bis 1934, wo der
Sohn des angesehenen Kaufmanns Robert Goldmann Mitglied einer
sozialistisch-zionistischen Jugendorganisation war.
Goldberg, Bettina:
’... und vieles bleibt ungesagt.’: Die Israelitische
Gemeinde zu Kiel vor und nach 1933; Versuch einer Annäherung.
In: Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach, Miriam
(Hrsg.): Menora und Hakenkreuz: zur Geschichte der
Juden in und aus Schleswig-Holstein, Lübeck und Altona
(1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation des Forschungsprojektes
’Zur Sozialgeschichte des Terrors’ am Institut
für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 49 - 66.
In Kiel lebten Mitte der 1920er Jahre 605
Juden bei ca. 214.000 Einwohnern, womit die Kieler jüdische
Gemeinde nach der in Altona die zweitgrößte in
Schleswig-Holstein war; 1939 war die Zahl der Gemeindemitglieder
auf 227 geschrumpft. Beherrschende Persönlichkeit der
Gemeinde war von 1924 bis 1933 der Rabbiner Dr. Arthur Posner.
Nach Posners Entlassung im März 1933 blieb die Stelle
des Rabbiners unbesetzt und mit der Zerstörung der Kieler
Synagoge in der sogenannten ’Reichskristallnacht’
1938 endete das jüdische Gemeindeleben in Kiel.
Goldberg, Bettina:
’Am preiswertesten und am besten bei Gerstel’:
Die Geschichte einer Mützenfabrik und die Vertreibung
ihrer Besitzer. In: Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach, Miriam
(Hrsg.): Menora und Hakenkreuz: zur Geschichte der Juden in
und aus Schleswig-Holstein, Lübeck und Altona (1918 -
1998); eine gemeinsame Publikation des Forschungsprojektes
’Zur Sozialgeschichte des Terrors’ am Institut
für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 245 - 263.
Die Mützenfabrik Gerstel in Kiel war
ein kleiner Familienbetrieb mit wenigen Angestellten, der
von den aus Osteuropa zugewanderten jüdischen Familien
Gerstel und Kufelnitzky geführt wurde. Den Familien gelang
es bis 1939 aus Deutschland nach Palästina auszuwandern
und so der Ermordung zu entgehen. Die Autorin geht ausführlich
auf die sich stetig steigernde Verschlechterung der ökonomischen
Situation der Familien ein, sowie auf die Diskriminierung
der Kinder in der Schule. Da nach dem 1. Januar 1939 kleinere
jüdische Betriebe liquidiert worden sind, war Dora Kufelnitzky
die Existenzgrundlage entzogen worden und somit die Auswanderung
erzwungen worden.
Goldberg, Bettina:
Verfolgung und Selbstbehauptung: Jüdische Familien in
Schleswig-Holstein während der NS-Zeit. In: Zeitschrift
der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte
126 (2001), S. 95 - 118.
Biographienzentrierte Darstellung über
die Verfolgung schleswig-holsteinischer Juden mit zahlreichen
weiterführenden Literaturhinweisen.
Goldberg, Susanne; Hinnenberg, Ulla; Hirsch,
Erika: Die Verfolgung der Juden in Altona nach 1933 in den
Berichten der Zeitzeugen. In: Herzig, Arno (Hrsg.): Die Juden
in Hamburg 1590 bis 1990: wissenschaftliche Beiträge
der Universität Hamburg zur Ausstellung ’Vierhundert
Jahre Juden in Hamburg’. Hamburg: Dölling und Galitz,
1991 (Die Geschichte der Juden in Hamburg 1590 - 1990; Bd.
2), S. 577 - 587.
Auszüge aus Interviews mit ehemals in
Hamburg-Altona lebenden Juden, die sich an die zunehmende
Entrechtung und Diskriminierung in der Zeit nach 1933 erinnern.
Grenzfriedensbund (Hrsg.): Jüdisches Leben und die Novemberpogrome 1938 in Schleswig-Holstein:
Aufsätze. Flensburg: Grenzfriedensbund, 1988. 92 S.,
Ill.
Aufsatzband mit überarbeiteten Beiträgen
aus der Zeitschrift ’Grenzfriedenshefte’. Klaus
Bästlein ist vertreten mit einer organisationsgeschichtlichen
Studie über die Judenpogrome am 9./10. November 1938
in Schleswig-Holstein. Bernd Philipsen schreibt über
die sogenannte ’Reichskristallnacht’ in Kappeln
und Ole Harck über jüdische Kleinstadtgemeinden
in Schleswig-Holstein 1900 - 1938 erläutert am Beispiel
Rendsburg. Abschließend folgt eine biographische Studie
von Bernd Philipsen über den jüdischen Emigranten
Schimon Monin aus Flensburg und eine Auwahlbibliographie zur
Geschichte der Juden in Schleswig-Holstein.
Harck, Ole:
’Dänische Sprache ... eine Stunde wöchentlich?’:
die Juden im dänisch-deutschen Grenzland. In: Paul, Gerhard;
Gillis-Carlebach, Miriam (Hrsg.): Menora und Hakenkreuz: zur
Geschichte der Juden in und aus Schleswig-Holstein, Lübeck
und Altona (1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation des
Forschungsprojektes ’Zur Sozialgeschichte des Terrors’
am Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 141 - 146.
Kurzgefasste Übersicht zur Geschichte
der Juden in Nordschleswig; laut Volkszählung von 1905
lebten hier 33 Personen an sieben Orten. Die Geschichte der
Familien Josias und Levy sowie das Verhalten der dänischen
Minderheit gegenüber den Juden während des Nationalsozialismus
werden ausführlicher geschildert. Die Minderheit bemühte
sich in vielen Fällen um Hilfe für die verfolgten
Juden.
Hauschildt, Dietrich:
Juden in Kiel im Dritten Reich. Kiel, 1980. 144 S. Kiel, Univ.,
Staatsexamenarbeit, 1980 [Standort: Schleswig-Holsteinische
Landesbibliothek (Kiel)].
Grundlegende Darstellung, die auf außergewöhnlich
breiter Quellenbasis entstand. Dem Autor gelang es aufgrund
seiner intensiven Recherchen eine Personenkartei anzulegen,
mit Daten von 823 Juden, die zwischen 1933 und 1945
als Kieler Einwohner gemeldet waren. Dargestellt wird
die Geschichte der Juden in Kiel von 1693 bis 1980, mit einem
Schwerpunkt auf den Jahren 1931 bis 1945 (S. 42 - 129). Ein
umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis sowie zahlreiche
statistische Tabellen ergänzen die Arbeit.
Hauschildt, Dietrich:
Vom Judenboykott zum Judenmord: der 1. April 1933 in Kiel.
In: Hoffmann, Erich; Wulf, Peter (Hrsg.): ’Wir bauen
das Reich’: Aufstieg und erste Herrschaftsjahre des
Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein. Neumünster:
Wachholtz, 1983 (Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins;
Bd. 81), S. 335 - 360.
Die Kieler Jüdische Gemeinde stellte
mit ihren 600 Mitgliedern nur 0,3 Prozent der Bevölkerung;
sie war aber dem abgrundtiefen Haß der Nationalsozialisten
ausgesetzt, der schon im Aufruf zum Boykott jüdischer
Geschäfte am 1. April 1933 deutlich erkennbar war. Der
Boykott war ein Mißerfolg. Am selben Tag ereignete sich
ein Vorfall, der reichsweit für Aufsehen sorgte: der
jüdische Rechtsanwalt Friedrich Schumm geriet in ein
Handgemenge mit einigen SS-Leuten und verletzte einen schwer.
Einige Stunden später drangen 40 - 50 Nationalsozialisten
in das Polizeigefängnis ein und ermordeten Schumm. Keiner
der Täter wurde verurteilt.
Hauschildt-Staff, Dietrich: Novemberpogrom: zur Geschichte der Kieler Juden im Oktober/November
1938. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte
73 (1988), S. 129 - 172.
Sehr genaue, auf breiter Quellenbasis abgefasste
Darstellung mit zahlreichen zeitgenössischen Fotos. Der
Autor weißt nach, das die sogenannte ’Reichskristallnacht’
auch in Kiel systematisch von der SA, SS, Polizei und der
Gestapo geplant und durchgeführt worden war. Die Kieler
Synagoge wurde in Brand gesteckt und Kunstgegenstände
gestohlen, das Grundstück mußte von der Jüdischen
Gemeinde an die Stadt verkauft werden. Etwa 30 Juden wurden
verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen überwiesen.
Durch den Verlust der Synagoge war ein Gemeindeleben nicht
mehr möglich. Ungefähr der Hälfte der noch
in Kiel lebenden Juden gelang es bis zum Kriegsbeginn auszuwandern.
Hoch, Gerhard:
Von Auschwitz nach Holstein: Der Leidensweg der 1200 jüdischen
Häftlinge von Fürstengrube. Hamburg: VSA, 1990.
198 S., Ill.
Im Frühjahr 1945 wurden zwei Häftlingskolonnen
in das südöstliche Holstein geführt: eine aus
dem Nebenlager Fürstengrube des Konzentrationslagers
Auschwitz, die zweite aus dem Außenkommando ’Klosterwerke’
in Blankenburg im Harz. Der SS-Oberscharführer Max Schmidt
lenkte die Häftlinge in Richtung Ahrensbök und in
sein Heimatdorf Sarau, Kreis Segeberg. Nur 200 bis 400 von
1200 Häftlingen überlebten den Todesmarsch. Der
Autor äußert sich sehr kritisch über die Kirchengemeinde
Sarau im Hinblick auf seine Recherchetätigkeit.
Hönicke, Günter: Der Untergang der jüdischen Gemeinde in Altona. In: Herzig, Arno
(Hrsg.): Die Juden in Hamburg 1590 bis 1990: wissenschaftliche
Beiträge der Universität Hamburg zur Ausstellung
’Vierhundert Jahre Juden in Hamburg’. Hamburg:
Dölling und Galitz, 1991 (Die Geschichte der Juden in
Hamburg 1590 - 1990; Bd. 2), S. 589 - 599.
Zusammenfassende Darstellung der Entwicklung
der jüdischen Gemeinde in Altona von 1933 - 1942, die
auf einer Magisterarbeit des Autors aus dem Jahr 1990 beruht.
Hönicke schildert die demographische, berufliche und
gesellschaftliche Lage der Gemeinde vor 1933 und geht dann
auf den Zusammenschluß der ’Hochdeutschen Israeliten-Gemeinde
in Altona’ mit der ’Deutsch-Israelitischen Gemeinde
in Hamburg’ zum ’Jüdischen Religionsverband
Hamburg’ im Jahr 1937 ein. Nach der sogenannten ’Reichskristallnacht’
vom 9./10. November 1938 wurden auch in Altona zahlreiche
Juden verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen
deportiert. Die Altonaer Synagoge wurde in Brand gesteckt
und später im Bombenkrieg vollständig zerstört.
1941 begann die Deportation Altonaer Juden in die Vernichtungslager.
Der ’Jüdische Religionsverband Hamburg’ ist
im November 1942 in die ’Reichsvereinigung der Juden
in Deutschland’ eingegliedert worden, die schließlich
im Juni 1943 aufgelöst wurde.
Jakob, Volker:
Wilhelm Spiegel: Jude - Anwalt - Sozialist. Das erste Mordopfer
der antisemitischen Gewalt. In: Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach,
Miriam (Hrsg.): Menora und Hakenkreuz: zur Geschichte der
Juden in und aus Schleswig-Holstein, Lübeck und Altona
(1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation des Forschungsprojektes
’Zur Sozialgeschichte des Terrors’ am Institut
für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 205 - 213.
Der Kieler Rechtsanwalt Wilhelm Spiegel wurde
am 12. März 1933 von Nationalsozialisten ermordet. Er
war ein populärer und erfolgreicher jüdischer Anwalt,
der 1932 die sozialdemokratische Schleswig-Holsteinische Volkszeitung
in einem Prozeß gegen Adolf Hitler und die NSDAP vertrat.
Der Prozeß ging verloren, aber Spiegel blieb bei der
NSDAP verhaßt: im Februar 1933 rief ein hoher SS-Führer
zum Mord an Spiegel auf. Der Trauerzug zu seiner Beerdigung
am 15. März war die letzte große Demonstration
des demokratischen Kiel gegen die neuen Machthaber.
Kirschninck, Harald:
Juden in Elmshorn: T. 1. Diskriminierung, Verfolgung, Vernichtung.
Elmshorn: Stadt Elmshorn, 1996. (Beiträge zur Elmshorner
Geschichte; 9). 179 S., Ill.
Umfassende Arbeit, die auf solider Quellenbasis
die Geschichte der Juden in Elmshorn von 1933 bis 1943 darstellt.
Die zunehmende Entrechtung und Verfolgung der Elmshorner Juden,
beginnend mit dem Boykott jüdischer Geschäfte am
1. April 1933 bis zu den Deportationen 1941, wird detailliert
beschrieben und durch zahlreiche zeitgenössische Fotos
und Dokumente illustriert.
Kirschninck, Harald:
’Wer beim Juden kauft, ist ein Volksverräter!’:
Der Untergang der jüdischen Gemeinde Elmshorn. In: Paul,
Gerhard; Gillis-Carlebach, Miriam (Hrsg.): Menora und Hakenkreuz:
zur Geschichte der Juden in und aus Schleswig-Holstein, Lübeck
und Altona (1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation des
Forschungsprojektes ’Zur Sozialgeschichte des Terrors’
am Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 283 - 295.
Elmshorn hatte eine jüdische Gemeinde
mit ungefähr 80 Mitgliedern im Jahr 1932. Die Gemeinde
hatte keinen eigenen Rabbiner, jedoch eine kleine Synagoge.
Die Synode brannte in der sogenannten ’Reichskristallnacht’
1938 vollständig aus. Zahlreiche Elmshorner Juden zogen
in größere Städte oder emigrierten, so daß
1940 nur noch 8 in Elmshorn wohnten. Von den Deportierten
überlebten 2 den Holocaust, einer beging Selbstmord.
Die Jüdische Gemeinde wurde im April 1941 formal aufgelöst.
Koch, Erich:
Was nützt einem die Assimilation, wenn man Horwitz oder
Weinberg heißt.: Schicksale jüdischer Familien
in Schleswig. In: Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach, Miriam
(Hrsg.): Menora und Hakenkreuz: zur Geschichte der Juden in
und aus Schleswig-Holstein, Lübeck und Altona (1918 -
1998); eine gemeinsame Publikation des Forschungsprojektes
’Zur Sozialgeschichte des Terrors’ am Institut
für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 369 - 386.
Ein Beitrag über die Geschichte von
4 jüdischen Familien aus Schleswig: den Kaufmann Horwitz,
den Mützenfabrikant Kufelnitzky, den Fuhrunternehmer
Weinberg und den Schuhmacher Zarnowski. Der Autor beschreibt
sehr anschaulich die Diskriminierung durch den Nationalsozialismus:
die Familienmitglieder verloren Beruf und materielle Sicherheit,
sie wurde zur Auswanderung gezwungen, starben durch Selbsttötung
oder wurden deportiert.
Lopau, Christian:
’Die Stadt Ratzeburg hat ein erhebliches Interesse an
dem Erwerb dieses Grundstücks.’: Judenverfolgung
im Kreis Herzogtum Lauenburg. In: Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach,
Miriam (Hrsg.): Menora und Hakenkreuz: zur Geschichte der
Juden in und aus Schleswig-Holstein, Lübeck und Altona
(1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation des Forschungsprojektes
’Zur Sozialgeschichte des Terrors’ am Institut
für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 363 - 368.
1933 lebten im Kreis Herzogtum Lauenburg
lediglich 14 Juden. Es gab keine jüdischen Einrichtungen.
In Mölln wohnten 1935 nur 2 Personen jüdischen Glaubens
hinzu kamen einige sogenannte ’Mischlinge’. Alle
haben das Kriegsende in Mölln erlebt. In Ratzeburg hatte
die Familie Rosenberg ein kleines Kaufhaus, das nach der sogenannten
’Reichskristallnacht’ geschlossen werden mußte.
Die Stadt wollte Gebäude und Grundstück kaufen,
was aber mißlang. Rosenbergs wurden 1942 nach Riga deportiert
und dort vermutlich ermordet. Die Ratzeburger Familie Levy
hatte ein bessere Schicksal: es gelang ihr rechtzeitig nach
Kanada zu emigrieren. Zwei weitere Ratzeburgerinnen, die Schwestern
Philipp, überlebten das Konzentrationslager Ravensbrück.
Michelson, Karl:
Friedrichstadt in den Jahren 1933 bis 1941: über das
Leben in der Stadt im ’Dritten Reich’. Friedrichstadt:
Gesellschaft für Friedrichstädter Stadtgeschichte,
1998. (Mitteilungsblatt der Gesellschaft für Friedrichstädter
Stadtgeschichte; 55). 550 S., Ill.
Sehr breit angelegte chonikalische Darstellung
mit ausführlichen Berichten über die Judenverfolgung
in Friedrichstadt (S. 381 - 426) und die evangelisch-lutherische
Kirchengemeinde (S. 432 - 444).
Mußdorf, Torsten:
Die Verdrängung jüdischen Lebens in Bad Segeberg
im Zuge der Gleichschaltung 1933-1939. Frankfurt am Main u.
a.: Lang, 1992. (Kieler Werkstücke: Reihe A, Beiträge
zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte;
Bd. 6). 261 S., Ill.
Umfassende wissenschaftliche Darstellung
zur Geschichte der Juden in Bad Segeberg mit einem Schwerpunkt
auf den Jahren 1929 - 1940. Der Autor schildert detailliert
den Boykott jüdischer Geschäfte am 01.04.1933, die
Verdrängung der jüdischen Schüler aus der Dahlmannschule
und die sogenannte ’Reichskristallnacht’ vom 9./10.
November 1938. Zahlreiche Anlagen mit facsimilierten Dokumenten
und zeitgenössische Fotos ergänzen den Band. In
der Anlage 1 wird ein Personenverzeichnis der in Segeberg
zwischen 1929 und 1945 lebenden Juden aufgeführt, darunter
auch zahlreiche Christen jüdischer Herkunft.
Mußdorf, Torsten:
’... ich beabsichtige, mich auf dem Hausboden zu erhängen.’:
die Verdrängung jüdischen Lebens in Bad Segeberg.
In: Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach, Miriam (Hrsg.): Menora
und Hakenkreuz: zur Geschichte der Juden in und aus Schleswig-Holstein,
Lübeck und Altona (1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation
des Forschungsprojektes ’Zur Sozialgeschichte des Terrors’
am Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 331 - 343.
1925 lebten im Kreis Segeberg 94 Juden, davon
35 in Bad Segeberg und 56 in Klein Niendorf, das 1937 in die
Stadt Bad Segeberg eingegemeindet worden ist. 1933 hatte sich
die Zahl schon auf 33 verringert. Sie gehörten überwiegend
zu den ärmeren Familien der Stadt, was die geringen Einnahmen
der Jüdischen Gemeinde erklärt. Schon ab 1929, nach
Gründung der NSDAP-Ortsgruppe, nahmen antijüdische
Übergriffe in Bad Segeberg schlagartig zu. Aufgrund der
Boykottmaßnahmen vom April 1933 gegen jüdische
Geschäfte und der sogenannten ’Reichskristallnacht’
1938 verließen immer mehr Juden die Stadt: nur noch
die Familien Labowsky, Goldstein sowie die Witwe von Ludwig
Levy blieben. Friederike Lewy wurde 1939 in den Selbstmord
getrieben. Jean Labowsky, mit einer nichtjüdischen Frau
verheiratet, überlebte den Nationalsozialismus in Bad
Segeberg.
Obst, Carsten:
’... muß wegen seiner jüdischen Abstammung
die Gilde verlassen.’: Judenverfolgung in Neumünster.
In: Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach, Miriam (Hrsg.): Menora
und Hakenkreuz: zur Geschichte der Juden in und aus Schleswig-Holstein,
Lübeck und Altona (1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation
des Forschungsprojektes ’Zur Sozialgeschichte des Terrors’
am Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 345 - 352.
1930 lebten 36 Juden in Neumünster bei
einer Einwohnerzahl von ungefähr 40.000. Aufgrund der
geringen Zahl kam es nicht zur Gründung einer Jüdischen
Gemeinde und zum Bau einer Synagoge, stattdessen gehörten
die Neumünsteraner Juden der Jüdischen Gemeinde
in Bad Segeberg an. Nach 1933/34 verließen aufgrund
der sich häufenden antisemitischen Vorfälle 15 jüdische
Bürger die Stadt. Mit dem Inkrafttretten der nationalsozialistischen
Rassegesetze 1935 verstärkte sich die Abwanderung in
die deutsche Großstädte und die Emigration ins
Ausland. Bis Ende 1939 ging die Zahl der in Neumünster
lebenden Juden auf 10 zurück, von denen 5 den Nationalsozialismus
überlebten.
Paul, Gerhard:
Landunter: Schleswig-Holstein und das Hakenkreuz. Münster:
Westfälisches Dampfboot, 2001. 511 S., Ill.
Sammelband mit 22 Aufsätzen des Autors, hauptsächlich
zur Judenverfolgung in Schleswig-Holstein, zur politischen
Ikonographie und zur Entnazifizierung. Neben einigen Originalbeiträgen
enthält das Buch überarbeitete Nachdrucke bereits
publizierter Veröffentlichungen. Beschlossen wird das
Werk durch eine Bibliographie des Autors sowie Personen- und
Ortsregister.
Paul, Gerhard: ’...
manches vergessen an Schwerem, was der Alltag brachte.’:
das jüdische Vereinswesen vor und nach 1933. In: Paul,
Gerhard; Gillis-Carlebach, Miriam (Hrsg.): Menora und Hakenkreuz:
zur Geschichte der Juden in und aus Schleswig-Holstein, Lübeck
und Altona (1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation des
Forschungsprojektes ’Zur Sozialgeschichte des Terrors’
am Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 147 - 165.
In Schleswig-Holstein existierte bis 1933
ein vielfältiges und umfassendes jüdisches Vereinsleben,
mit zahlreichen jüdischen Vereinen im religiösen,
sozial-karitativen, politischen und kulturellen Bereich. Darüber
hinaus gab es zahlreiche Sport- und Jugendvereine. Nach 1933,
als Juden allmählich aus den nichtjüdischen Vereinen
hinausgedrängt wurden, hatten besonders die zionistischen
Vereine starken Zulauf. Die zionistischen Jugendorganisationen
(z. B. Habonim) gewährten den von Ausgrenzung und Isolation
bedrohten Jugendlichen Schutz und Hilfe und bereiteten sie
intensiv auf die Auswanderung nach Palästina vor.
Paul, Gerhard:
’Die Juden sind unser Unglück!’: zum Antisemitismus
in einer frühen Hochburg der NSDAP. In: Paul, Gerhard;
Gillis-Carlebach, Miriam (Hrsg.): Menora und Hakenkreuz: zur
Geschichte der Juden in und aus Schleswig-Holstein, Lübeck
und Altona (1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation des
Forschungsprojektes ’Zur Sozialgeschichte des Terrors’
am Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 183 - 204.
Ein klares und widerspruchfreies Bild über
den Antisemitismus in Schleswig-Holstein zur Zeit der Weimarer
Republik existiert nicht: die betroffenen Juden schätzten
sein Ausmaß und seine Gefährlichkeit individuell
sehr unterschiedlich ein. Hinweise auf ausgeprägte antisemitische
Tendenzen gab es insbesondere bei der evangelischen Kirche
als zentrales Element des sogenannten ’Deutschchristentums’.
Dessen wichtigste Protagonisten waren der Flensburger Pastor
Friedrich Andersen und der Landesprobst von Eutin Paul Heinrich
Rathgens. Selbst der Präsident des Landeskirchenamtes
Freiherr von Heintze bekundete in einem Brief 1932 offen seine
antisemitsche Haltung. Eine offenen antisemitischen Diskurs
hat es aber nicht gegeben, die Presse berichtete weitgehend
neutral bei antisemitische Vorfällen. Für die NSDAP
stand die antisemitische Propaganda nicht im Zentrum ihrer
politischen Aktivitäten in Schleswig-Holstein, aber die
Radikalität ihrer Positionen war einzigartig. Nach der
Machtergreifung 1933 gelang es der Partei zunächst nicht
erfolgreich ihre Vorstellungen durchzusetzen: der Boykott
jüdischer Geschäfte vom 1. April 1933 war ein Mißerfolg.
Ab 1935 bekamen durch antisemitische Gesetze und Verordnungen
die staatlichen Maßnahmen eine neue Qualität. Die
negativen Reaktionen der Bevölkerung auf die sogenannte
’Reichskristallnacht’ 1938 zeigten aber, das eine
fanatische antisemitische Haltung in der schleswig-holsteinischen
Bevölkerung nicht dominierte.
Paul, Gerhard:
’Nur Shanghai war noch offen.’: der jüdische
Exodus aus Schleswig-Holstein (1933 - 1941). In: Paul, Gerhard;
Gillis-Carlebach, Miriam (Hrsg.): Menora und Hakenkreuz: zur
Geschichte der Juden in und aus Schleswig-Holstein, Lübeck
und Altona (1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation des
Forschungsprojektes ’Zur Sozialgeschichte des Terrors’
am Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 437 - 458.
1933 lebten in Schleswig-Holstein etwa 1400
Juden, bei der Volkszählung 1939 wurden nur noch 575
’Glaubensjuden’ ermittelt. Zunächst dominierte
die Abwanderung in die großen Städte, insbesondere
nach Hamburg und Berlin. Erst nach der sogenannten ’Reichskristallnacht’
1938 kam es verstärkt zur Emigration ins Ausland. Wichtige
Auswanderungsländer waren neben Palästina, England
und die USA. Ein Visum für diese Länder zu erhalten
wurde aber immer schwieriger, so daß manchem nur die
Flucht nach Schanghai blieb. Die Auswanderung war mit großem
bürokratischen Aufwand und enormen Kosten verbunden.
Dem nationalsozialistischen Staat war jedes Mittel recht,
um möglichst das gesamte Vermögen der Auswanderungswilligen
an sich zu ziehen. Insgesamt gelang es etwa 1000 Personen
aus Schleswig-Holstein ins Ausland zu fliehen, wobei Länder
wie Holland, Belgien oder Frankreich aber keine sicheren Zufluchtsorte
waren.
Paul, Gerhard:
Klassenfoto 1939: das Schicksal der Schüler und Lehrer
der jüdischen Volksschule in Kiel. In: Paul, Gerhard;
Gillis-Carlebach, Miriam (Hrsg.): Menora und Hakenkreuz: zur
Geschichte der Juden in und aus Schleswig-Holstein, Lübeck
und Altona (1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation des
Forschungsprojektes ’Zur Sozialgeschichte des Terrors’
am Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 481 - 490.
Die jüdischen Schüler in Deutschland
wurden nach 1933 allmählich aus der staatlichen Regelschule
herausgedrängt in speziell nur für Juden gegründete
Schulen. Aufgrund eines Erlasses des Reichserziehungsministeriums
vom Juli 1937 wurde es auch in Kiel als notwendig angesehen,
eine eigene jüdische Volksschule zum Schuljahresbeginn
1938/39 im April 1938 einzurichten. Träger der Einrichtung
war die Jüdische Gemeinde; die Stadt Kiel übernahm
einen großen Teil der Kosten. Die Schule bestand nur
18 Monate. Sie sollte die Schüler vornehmlich auf die
Emigration vorbereiten. In der sogenannten ’Reichskristallnacht’
vom 9./10. November 1938 wurden die beiden Lehrer verhaftet
und bis Januar 1939 im Konzentrationslager Sachsenhausen festgehalten.
Nach Wiederaufnahme des Schulbetriebes im selben Monat emigrierten
zahlreiche Schüler mit ihren Eltern. Die Zahl der Schüler
reduzierte sich im Oktober 1939 auf nur noch 9, auch die Lehrer
wanderten jetzt aus und der Unterrichtsbetrieb mußte
eingestellt werden. Von den Schülern überlebten
16 den Holocaust, weitere 16 wurden ermordet.
Paul, Gerhard:
’Betr.: Evakuierung von Juden’: die Gestapo als
regionale Zentralinstitution der Judenverfolgung. In: Paul,
Gerhard; Gillis-Carlebach, Miriam (Hrsg.): Menora und Hakenkreuz:
zur Geschichte der Juden in und aus Schleswig-Holstein, Lübeck
und Altona (1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation des
Forschungsprojektes ’Zur Sozialgeschichte des Terrors’
am Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 491 - 520.
Die im sogenannten ’Judenreferat’
für ganz Schleswig-Holstein zuständigen Beamte der
Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in Kiel waren bis 1938 hauptsächlich
mit der Beobachtung und Erfassung der jüdischen Bevölkerung
beschäftigt. Das änderte sich mit der sogenannten
’Reichskristallnacht’: erstmals waren Gestapo-Mitarbeiter,
SA und SS gemeinsam aktiv an Terroraktionen gegen die jüdische
Bevölkerung beteiligt. Der arbeitsteilige Prozeß
der Judenverfolgung zwischen Polizeidienststellen, der Verwaltungsbürokratie
und Parteieinrichtungen wurde zunächst mit der Erhöhung
des Auswanderungsdruckes fortgesetzt. Viele
Juden aber konnten schon aus finanziellen Gründen nicht
emigrieren. Die Stapo-Stellen in Kiel und Lübeck bereiteten
daher ab 1941 in immer größerem Umfang Deportationen
in die Konzentrationslager vor. Dabei arbeitete ihnen die
lokale Verwaltungsbürokratie zu. Mindestens 750 Juden
wurden zu Opfern der staatspolizeilichen Judendeportationen,
35,4 Prozent stammten aus Lübeck, 34,7 Prozent aus Kiel
und 29,9 Prozent aus dem übrigen Schleswig-Holstein.
Paul, Gerhard:
’Nein, den kenn' ich, der ist Italiener!’: wie
Menschen aus Schleswig-Holstein verfolgten Juden beistanden.
In: Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach, Miriam (Hrsg.): Menora
und Hakenkreuz: zur Geschichte der Juden in und aus Schleswig-Holstein,
Lübeck und Altona (1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation
des Forschungsprojektes ’Zur Sozialgeschichte des Terrors’
am Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 573 - 589.
Der Autor schildert anhand zahlreicher Beispiele
wie in unterschiedlichen Formen den verfolgten Juden Beistand
gewährt wurde. Organisierte Formen der Solidarität
konnte es aber nur zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft
geben, so zum Beispiel der aktive Widerstand Kieler Arbeiter
gegen den Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April
1933. Mit der Verfestigung der totalitären Herrschaft
waren nur noch individuelle Akte der Unterstützung möglich,
wobei der entscheidende Faktor die soziale Nähe zu den
Unterdrückten war. Selbst hochrangige Vertreter der Gestapo
oder der NSDAP waren in Einzelfällen bereit, ihnen gut
bekannte Juden zu helfen.
Paul, Gerhard: ’Die
jüdischen Bewohner sind nur auf sich selbst angewiesen’:
Juden in Schleswig-Holstein vor und nach 1933. In: Pingel,
Fiete; Steensen, Thomas (Hrsg.): Jüdisches Leben und
Judenverfolgung in den Frieslanden: Beiträge vom 4. Historiker-Treffen
des Nordfriisk Instituut. Bräist/Bredstedt, NF: Nordfriisk
Instituut, 2001 (Nordfriisk Instituut; Nr. 166), S. 77 - 98.
Prägnanter Überblick über
die Forschungslage zur Geschichte der Juden in Schleswig-Holstein
im Nationalsozialismus.
Paul, Gerhard (Hrsg.):
Vergessene Kinder: jüdische Kinder und Jugendliche aus
Schleswig-Holstein 1933 - 1945; Begleitband zur gleichnamigen
Wanderausstellung. Schleswig: Institut für schleswig-holsteinische
Zeit- und Regionalgeschichte, 1999. 181 S., Ill.
Lehrerbegleitband zur Ausstellung mit zahlreichen
Fotografien und Dokumenten und einem Verzeichnis weiterführender
Literatur. Dargestellt wird das Schicksal von 15 jüdischen
Kindern und Jugendlichen aus Schleswig-Holstein im Nationalsozialismus.
Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach, Miriam
(Hrsg.): Menora und Hakenkreuz: zur Geschichte der Juden in
und aus Schleswig-Holstein, Lübeck und Altona (1918 -
1998); eine gemeinsame Publikation des Forschungsprojektes
'Zur Sozialgeschichte des Terrors' am Institut für schleswig-holsteinische
Zeit- und Regionalgeschichte an der Bildungswissenschaftlichen
Hochschule Flensburg-Universität (Schleswig) und des
Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar Ilan-Universität
(Ramat Gan) Israel. Neumünster: Wachholtz, 1998. 943
S., Ill.
Der Sammelband enthält 60 Aufsätze, die in vier
Gruppen eingeteilt wurden: 1. Das jüdische Milieu (vor
und nach 1933). 2. Verfolgung und Selbstbehauptung (1933 -
1945). 3. Neuanfänge (1930 - 1998). 4. Vergangenheit,
die nicht vergeht (1945 - 1998). Nahezu alle Beiträge
sind mit zeitgenössischen Photographien illustriert.
Im Anhang wurden eine umfangreiche Literaturliste, sowie Personen-
und Ortsregister aufgenommen. Das Buch ist unentbehrlich für
die Beschäftigung mit der jüdischen Geschichte Schleswig-Holsteins.
Petzhold, Stefan: Juden in
Bergedorf: die nationalsozialistische Verfolgung 1933 - 1945.
Hamburg: Museum für Bergedorf und die Vierlande, [2001].
(Schlossheft; Nr. 8). 75 S., Ill.
In Bergedorf, das erst 1937 im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes
nach Hamburg eingemeindet worden ist, lebten 1933 etwa 50
Juden, 1938 noch 37 bei einer Gesamteinwohnerzahl von 20.000.
Eine jüdische Gemeinde oder eine Synagoge gab es nicht.
Der mit zeitgenössischen Photos und Dokumenten reich
illustrierte Band beruht auf der Auswertung von Akten aus
dem Hamburger Staatsarchiv und schildert die Verfolgung der
Juden anhand biographischer Skizzen vom Boykott jüdischer
Geschäfte am 1. April 1933 bis zu den Deportationen im
Oktober 1941. Auf S. 64 bis 72 geht der Autor dem Schicksal
Bergedorfer Juden während des Nationalsozialismus anhand
von Kurzbiographien nach. Ein Literaturverzeichnis beendet
das Buch.
Philipsen, Bernd:
Der Weg nach Auschwitz begann auch in Flensburg: Jüdische
Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes. In: Stadtarchiv
Flensburg (Hrsg.): Ausgebürgert. Ausgegrenzt. Ausgesondert:
Opfer politischer und rassischer Verfolgung in Flensburg 1933-1945.
Flensburg: Stadtarchiv Flensburg, 1998 (Flensburger Beiträge
zur Zeitgeschichte; 3), S. 235 - 259.
Der Autor stellt anhand biographischer Studien
die Deportationen jüdischer Flensburger in die Vernichtungslager
dar. Herausgegriffen sei das Schicksal von Lola Levin, einer
mit dem Christen Bruno Hartkäse verheirateten Jüdin,
die in einer sogenannten ’privilegierten Mischehe’
lebte. Nachdem sich der Mann 1943 scheiden ließ, verlor
Lola Levin den privilegierten Status und wurde in das Konzentrationslager
Theresienstadt deportiert und von dort im Mai 1944 nach Auschwitz
in den Tod geschickt. Abgeschlossen wird der Beitrag durch
eine Liste Flensburger Opfer des Holocaust, insgesamt 40 Personen.
Philipsen, Bernd:
’... ein selbständiger Denker, erfahren in Talmud
und Halacha.’: Dr. Benjamin Cohen, Bezirksrabbiner in
Friedrichstadt/Flensburg. In: Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach,
Miriam (Hrsg.): Menora und Hakenkreuz: zur Geschichte der
Juden in und aus Schleswig-Holstein, Lübeck und Altona
(1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation des Forschungsprojektes
’Zur Sozialgeschichte des Terrors’ am Institut
für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 107 - 119.
Benjamin Cohen (1895 - 1944) wurde 1928 zum
Bezirksrabbiner für den Bezirk Friedrichstadt/Flensburg
ernannt. Sitz des Rabbinats war Friedrichstadt. Cohen war
ein strenggläubiger und dennoch weltoffener Rabbiner,
der insbesondere den Kontakt mit der christlichen Kirche suchte.
1937 konnte er seine Amtsgeschäfte von Hamburg aus nur
noch rudimentär als ’reisender Rabbiner’
wahrnehmen. Ende 1938 emigrierte er nach Holland. Die Familie
Cohen ist 1943 und 1944 in Auschwitz ermordet worden.
Philipsen, Bernd:
’Atempause auf der Flucht in ein Leben mit Zukunft’:
der Kibbuz auf Gutshof 'Jägerlust' bei Flensburg (1934
- 1938). In: Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach, Miriam (Hrsg.):
Menora und Hakenkreuz: zur Geschichte der Juden in und aus
Schleswig-Holstein, Lübeck und Altona (1918 - 1998);
eine gemeinsame Publikation des Forschungsprojektes ’Zur
Sozialgeschichte des Terrors’ am Institut für schleswig-holsteinische
Zeit- und Regionalgeschichte an der Bildungswissenschaftlichen
Hochschule Flensburg-Universität (Schleswig) und des
Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar Ilan-Universität
(Ramat Gan) Israel. Neumünster: Wachholtz, 1998, S. 411
- 424.
Der am westlichen Stadtrand von Flensburg
gelegene Gutshof ’Jägerlust’ diente der ’Hachschara’,
der Vorbereitung auf die Ausreise nach Palästina, durch
Vermittlung landwirtschaftlicher Fähigkeiten, hebräischem
Sprachunterricht und Palästinakunde. Initiator der Hachschara
war die zionistische Jugendorganisation ’Hechaluz’. Auf dem 77 Hektar großen Hof, der der Familie Wolff gehörte,
begann im Herbst 1934 mit zunächst 12 Plätzen der
Ausbildungsbetrieb für das Hachschara-Landwerk. In den
kommenden Jahren wurde die Zahl der Auszubildenden auf 25
erhöht. In der sogenannten ’Reichskristallnacht’
1938 ist der Hof überfallen und völlig verwüstet
worden. Die Bewohner wurden verhaftet, einige auch mißhandelt.
Die männlichen Bewohner wurden in das Konzentrationslager
Sachsenhausen verschleppt, der Ausbildungsbetrieb mußte
eingestellt werden. Zahlreiche Jägerlust-Schüler
gingen als geschlossene Gruppe in die Niederlande, um von
dort nach Palästina auszureisen. Die weiblichen Mitglieder
der Familie Wolff wurden 1942 deportiert und ermordet. Gutsbesitzer
Alexander Wolff konnte 1939 über Dänemark in die
USA emigrieren.
Philipsen, Bernd:
’... völlig überflüssige Versammlungshäuser’:
die Pogromnacht vom 9./10. November 1938 in Schleswig-Holstein.
In: Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach, Miriam (Hrsg.): Menora
und Hakenkreuz: zur Geschichte der Juden in und aus Schleswig-Holstein,
Lübeck und Altona (1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation
des Forschungsprojektes ’Zur Sozialgeschichte des Terrors’
am Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 469 - 480.
Die sogenannte ’Reichskristallnacht’
vom 9. auf den 10. November 1938 war auch in Schleswig-Holstein
systematisch von hochrangigen Vertretern der NSDAP und der
SA geplant und durchgeführt worden. Überfallkommandos
der SA in Zivil verwüsteten systematisch jüdische
Einrichtungen und Geschäfte anhand von vorbereiteten
Listen. Alle 6 Synagogen im Land wurden verwüstet und
zum Teil auch in Brand gesetzt. Auch die Kultgegenstände
wurden großenteils zerstört oder gestohlen. Die
Pogromnacht bedeutete das praktische Ende des jüdischen
Gemeindelebens in Schleswig-Holstein.
Pingel, Fiete; Steensen, Thomas: ’Es gab einmal Juden in Nordfriesland.’:
jüdisches Leben und Antisemitismus in Friedrichstadt
und im übrigen Nordfriesland. In: Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach,
Miriam (Hrsg.): Menora und Hakenkreuz: zur Geschichte der
Juden in und aus Schleswig-Holstein, Lübeck und Altona
(1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation des Forschungsprojektes
’Zur Sozialgeschichte des Terrors’ am Institut
für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 297 - 315.
Der Beitrag beginnt mit einem kurzen Überblick
über die Geschichte der Juden in Nordfriesland bis 1933,
die sich hauptsächlich in Friedrichstadt angesiedelt
hatten. Zahlreiche Beispiele für antisemitische Einstellungen
werden dargestellt. Nach 1933 begann die antisemitische Hetze
mit dem Boykottaufruf der NSDAP gegen jüdische Geschäfte
am 1. April, der in Friedrichstadt und den Nordseeinseln auf
erhebliche Resonanz stieß. Die Fremdenverkehrsindustrie
versuchte jüdische Gäste systematisch aus den Badeorten
zu vertreiben. Einige Gemeinden erließen ein ’polizeiliches
Aufenthaltverbot’ für Juden. In der sogennanten
’Reichskristallnacht’ 1938 schlug die Hetze in
offenen Terror um: die Friedrichstadter Synagoge brannte aus,
zahlreiche Geschäfte wurden verwüstet. Nach dem
Pogrom mußten sie an ’Arier’ verkauft werden.
Viele Friedrichstadter Juden zogen jetzt nach Hamburg um.
Die Verbliebenen wurde ab 1941 deportiert, soweit sie nicht
in privilegierten ’Mischehen’ überlebten.
In Nordfriesland lebten 1939 etwa 70 Juden, die meisten davon
in Friedrichstadt. Wieviele davon den Holocaust überlebten,
ist bisher nicht bekannt.
Pingel, Fiete; Steensen, Thomas (Hrsg.): Jüdisches Leben und Judenverfolgung in den Frieslanden:
Beiträge vom 4. Historiker-Treffen des Nordfriisk Instituut.
Bräist/Bredstedt: Verl. Nordfriisk Instituut, 2001. (Norfriisk
Instituut; Nr. 166). 142 S., Ill.
Sammelband mit Aufsätzen unter anderem
zum Antisemitismus auf Sylt, jüdischen Wissenschaftlern
als Erforscher des Friesischen und Friedrichstadts Umgang
mit der jüdischen Vergangenheit.
Smolka, Eva:
Das jüdische Schleswig-Holstein in Zahlen: statistische
Ergebnisse einer Befragung ehemaliger Schleswig-Holsteiner.
In: Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach, Miriam (Hrsg.): Menora
und Hakenkreuz: zur Geschichte der Juden in und aus Schleswig-Holstein,
Lübeck und Altona (1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation
des Forschungsprojektes ’Zur Sozialgeschichte des Terrors’
am Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 33 - 47.
67 ehemalige schleswig-holsteinische Juden,
von denen zur Zeit der Befragung 94 Prozent in Israel lebten,
wurden im Rahmen eines Forschungsprojektes, nach ihrer Jugend
im Schleswig-Holstein der 1920 und 1930ger Jahre befragt.
Die Ergebnisse dieser Befragung werden, statistisch aufbereitet,
dargestellt.
Uhlig, Ralph:
’...da die erforderlichen Messungen s. Z. nicht vorgenommen
wurden.’: die Verdrängungen von jüdischen
Gelehrten an der Kieler Christian-Albrechts-Universität
nach 1933. In: Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach, Miriam (Hrsg.):
Menora und Hakenkreuz: zur Geschichte der Juden in und aus
Schleswig-Holstein, Lübeck und Altona (1918 - 1998);
eine gemeinsame Publikation des Forschungsprojektes ’Zur
Sozialgeschichte des Terrors’ am Institut für schleswig-holsteinische
Zeit- und Regionalgeschichte an der Bildungswissenschaftlichen
Hochschule Flensburg-Universität (Schleswig) und des
Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar Ilan-Universität
(Ramat Gan) Israel. Neumünster: Wachholtz, 1998, S. 215
- 235.
Nach dem ’Gesetz zur Wiederherstellung
des Berufsbeamtentums’ vom 7. April 1933 wurden jüdische
Hochschullehrer in den Ruhestand versetzt. An der Kieler Universität
fielen 15 Dozenten und 7 wissenschaftliche Mitarbeiter diesen
Bestimmungen zum Opfer zu denen in diesem Beitrag umfassende
biographische Angaben gemacht werden. Mit den ’Nürnberger
Rassegesetzen’ von 1935 waren weitere Entlassungen verbunden,
so daß insgesamt 25 Wissenschaftler ihren Beruf verloren.
Warkus-Thomsen, Dirk:
’Jüdische Kinder gehören in jüdische
Heime.’: von einem jüdischen Kinderheim und einer
'Judenaustreibung' in Wyk auf Föhr. In: Paul, Gerhard;
Gillis-Carlebach, Miriam (Hrsg.): Menora und Hakenkreuz: zur
Geschichte der Juden in und aus Schleswig-Holstein, Lübeck
und Altona (1918 - 1998); eine gemeinsame Publikation des
Forschungsprojektes ’Zur Sozialgeschichte des Terrors’
am Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte
an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg-Universität
(Schleswig) und des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar
Ilan-Universität (Ramat Gan) Israel. Neumünster:
Wachholtz, 1998, S. 387 - 396.
Auf der Nordseeinsel Föhr gab es vor
1939 zwei jüdische Kinderheime für an Tuberkulose
gefährdete Kinder. Seit 1935 galten die Kinder als ’unerwünscht’
auf der Insel und der Kuraufenthalt wurde ihnen zusehends
unmöglich gemacht. Das eine Kinderheim wurde bereits
im Juni 1938 durch ein Großfeuer schwer beschädigt
und schließlich in der sogenannten ’Reichskristallnacht’
durch die SA endgültig zerstört. Das andere Heim
mußte im Rahmen der ’Arisierung’ an das
Amt für Volkswohlfahrt der NSDAP verkauft werden.
Wieben, Matthias:
’Aus Deutschland sind sie ausgespien für alle Zeiten.’:
die Vertreibung jüdischer Studenten der Christian-Albrechts-Universität
zu Kiel. In: Paul, Gerhard; Gillis-Carlebach, Miriam (Hrsg.):
Menora und Hakenkreuz: zur Geschichte der Juden in und aus
Schleswig-Holstein, Lübeck und Altona (1918 - 1998);
eine gemeinsame Publikation des Forschungsprojektes ’Zur
Sozialgeschichte des Terrors’ am Institut für schleswig-holsteinische
Zeit- und Regionalgeschichte an der Bildungswissenschaftlichen
Hochschule Flensburg-Universität (Schleswig) und des
Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar Ilan-Universität
(Ramat Gan) Israel. Neumünster: Wachholtz, 1998, S. 237
- 243.
An der Kieler Universität studierten
nach 1933 nur wenige jüdische Studenten: im Wintersemester
1933/34 waren es noch 16. Sie wurden im Alltag mit zahlreichen
bürokratischen Schikanen drangsaliert und es wurde für
sie schwierig ein Studium mit der Promotion abzuschließen.
Nach der sogenannten ’Reichskristallnacht’ von
1938 wurde den jüdischen Studenten das Betreten der Universität
in ganz Deutschland untersagt.
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