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Alwast, Jendris:
Geschichte der Theologischen Fakultät: vom Beginn der
preußischen Zeit bis zur Gegenwart. Neumünster:
Wachholtz, 1988. (Geschichte der Christian-Albrechts-Universität
Kiel 1665 - 1965; Bd. 2, T. 2). 247 S., Ill.
Darstellung der Fakultätsgeschichte
auf breiter Quellenbasis; die nationalsozialistische Zeit
wird ausführlich behandelt (S. 189 - 212). Die Studentenschaft
war schon in den zwanziger Jahren zum Vorkämpfer des
Nationalsozialismus an der Universität geworden und kämpfte
vehement gegen alle liberale Tendenzen. 1933 waren 155 Theologiestudenten
immatrikuliert, davon 4 weibliche. In den Folgejahren nahm
die Zahl kontinuierlich ab, auf 22 im Wintersemester 1938/39
und nur noch 5 im 3. Trimester 1940. Nach Entlassung aller
bekenntnistreuen Dozenten dominierten ausschließlich
die Anhänger des totalitären Systems. Die nationalsozialistisch ausgerichtete Fakultät wurde, als
getreuer Spiegel des Systems, nach dem Führerprinzip
organisiert und war von inneren Rivalitätskämpfen
zerrissen.
Alwast, Jendris:
Die Theologische Fakultät unter der Herrschaft des Nationalsozialismus.
In: Prahl, Hans-Werner (Hrsg.): UNI-Formierung des Geistes:
Universität Kiel im Nationalsozialismus. Bd. 1. Kiel:
Malik-Regional-Verl., 1995 (Veröffentlichungen des Beirats
für Geschichte der Arbeiterbewegung und Demokratie in
Schleswig-Holstein; Bd. 16), S. 87 - 137.
Aus den Akten erarbeitete, äußerst
kritische Darstellung. Alwast sieht bei nahezu allen Kieler
Dozenten eine geistige Nähe zum Nationalsozialismus,
mit Ausnahme von Hermann Mulert, dem einzigen Demokraten,
der 1935 zwangsemeritiert worden ist. Auch die Vertreter der
’Bekennenden Kirche’ Kurt Dietrich Schmidt und
Privatdozent Volkmar Herntrich wurden bis 1935 entlassen.
Nach einer organisatorischen Umstrukturierung und der Berufung
jüngerer Dozenten 1935 dominierten ausschließlich
regimekonforme Dozenten die Fakultät, die die rassistischen
und antisemitischen Ideen der Nationalsozialisten offensiv
vertraten.
Astrup, Anika:
Die Kirche im Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein: Untersuchung
und Vergleich verschiedener Gemeinden. Kiel, 2000. 66 S.,
69 S. Anhang. Kiel, Univ., Realschullehrerprüfungsarbeit,
2000 [Standort: Nordelbisches Kirchenarchiv (Kiel), Bibliothek].
Die Autorin hat die Gemeindeblätter
der Kirchengemeinden Hohn, Hennstedt und Viöl ausgewertet
im Hinblick auf Beiträge zum Kirchenkampf, Bedeutung
des Alten Testaments, Rosenberg-Mythos und Verhältnis
der Kirche zu den Christen jüdischer Herkunft.
Bielfeldt, Johann:
Der Kirchenkampf in Schleswig-Holstein. Göttingen: Vandenhoeck
& Ruprecht, 1964. (Arbeiten zur Geschichte des Kirchenkampfes:
Ergänzungsreihe; Bd. 1). 268 S.
Nicht überholtes Standardwerk zur Geschichte
des Kirchenkampfes in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche
Schleswig-Holsteins aus der Sicht eines Zeitzeugen. Im zweiten
Teil (S. 211 - 268) werden Dokumente abgedruckt. Die Arbeit
enthält weder ein Register, noch ein Verzeichnis der
benutzten Literatur und Akten.
Bielfeldt, Johann:
Die Haltung des Schleswig-Holsteinischen Bruderrates im Kirchenkampf.
In: Zur Geschichte des Kirchenkampfes: Gesammelte Aufsätze.
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1965 (Arbeiten
zur Geschichte des Kirchenkampfes; Bd. 15), S. 173 - 188.
Persönlich gefärbte Darstellung
aus der Sicht eines ehemaligen Mitglieds des schleswig-holsteinischen
Bruderrates, der auch den Spannungen und Strömungen innerhalb
des Bruderrates nachgeht sowie den Konflikten mit dem Reichsbruderrat.
Dammann, Ernst:
Ein Beitrag zur Geschichte der ev.-luth. Kirchengemeinde Pinneberg
in nationalsozialistischischer Zeit. Pinneberg, 1996. 16 S.
Apologetische Rechtfertigungsschrift des
ehemaligen Pinneberger Pastors (geb. 1904) über sein
Verhalten im Nationalsozialismus.
Danker, Uwe; Dittrich, Irene: Verscharrt, verdrängt, vergessen: NS-Opfer auf dem Friedhof Eichhof/Kiel.
Kiel: Neuer Malik-Verl., 1992. (Veröffentlichungen des
Beirats für Geschichte der Arbeiterbewegung und Demokratie
in Schleswig-Holstein; Bd. 13). 32 S., 17 Bögen
Das Buch besteht aus einem 32-seitigem Begleitheft
und 17 Bögen mit Fotografien von Grabsteinen und einer
Liste der Toten. Auf dem Friedhof Eichhof wurde ab 1947 ein
Ehrenfriedhof für die ’Opfer des Nationalsozialismus’
eingerichtet, in den 1950ger Jahre kam ein Mahnmal hinzu.
Es sind insgesamt 675 Personen bestattet worden, davon mehr
als 580 ausländische Zwangsarbeiter, aber auch deutsche
Bombenkriegsopfer. Die Autoren kritisieren die unzulänglichen
Texte des Mahnmals und die Verdrängung und Ausgrenzung
der ausländischen Opfer durch die Stadt Kiel und die
Kirche.
Dannenberg, Gerd:
Pastor Reinhard Wester: 1932 - 1947. [Westerland]: Selbstverlag
des Verfassers, 1987. (Dannenberg: Schicksal hinter goldenen
Lettern). 132 S.
Chronikartige Darstellung der Kirchengeschichte
auf Sylt, vor allem mit Auszügen aus der Zeitung ’Sylter
Inselbote’, von 1932 bis 1947. Wester wurde 1932 Pastor
in Westerland und war als Vorsitzender des Landesbruderrates
der ’Bekennenden Kirche’ einer der entscheidenen
Männer im Kirchenkampf in Schleswig-Holstein.
Dannenberg, Gerd:
Kreuz und Hakenkreuz auf Sylt: 1933 - 1936. [Westerland]:
Selbstverlag des Verfassers, [1987]. 56 S.; 106 S.
Die Studie besteht aus einer Darstellung
des Kirchenkampfes auf Sylt von 1933 bis 1936 und einer Dokumentation
mit Auszügen aus der ’Sylter Zeitung’ und
dem ’Inselboten’. Im Mittelpunkt der Darstellung
steht Pastor Reinhard Wester, von 1932 bis 1947 Pastor in
Westerland / Sylt. Wester begrüßte zunächst
die Machtübernahme der Nationalsozialisten, trat in die
SA ein schloß sich den ’Deutschen Christen’
an. Im Dezember 1933 verlies er die ’Deutschen Christen’
wieder, wandte sich der ’Bekennenden Kirche’ zu
und wurde Vorsitzender des Landesbruderrates. Nach Verhaftung
durch die Gestapo entschloss er sich 1942 zur Wehrmacht zu gehen. Nach der Kriegsgefangenschaft
kehrte er 1947 nach Westerland zurück und wurde noch
im gleichen Jahr zum Bischof von Schleswig gewählt. Außerdem
schildert der Autor ausführlich die kirchliche Jugendarbeit
und die Judenverfolgung auf Sylt.
Dethleffsen, Christian:
Pastorale Existenz in der Endphase der Weimarer Republik:
der ’Bruderkreis junger Theologen’ in Schleswig-Holstein
1929 - 1933. In: Reumann, Klauspeter (Hrsg.): Kirche und Nationalsozialismus:
Beiträge zur Geschichte des Kirchenkampfes in den evangelischen
Landeskirchen Schleswig-Holsteins. Neumünster: Wachholtz,
1988 (Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische
Kirchengeschichte, Reihe 1; Bd. 35), S. 49 - 70.
Hauptpunkt der Darstellung: Auseinandersetzung
des 1929 gegründeten ’Bruderkreises junger Theologen’
konservativer jüngerer Pastoren in Schleswig-Holstein
mit dem ’Altonaer Bekenntnis’ von 1933. Der Bruderkreis
löste sich 1933 auf.
Diederichs, Urs. J; Wiebe, Hans-Hermann
(Hrsg.): Schleswig-Holstein unter dem Hakenkreuz. Bad Segeberg;
Hamburg: Ev. Akademie Nordelbien, [1985]. (Evangelische Akademie
Nordelbien, Dokumentationen; 7). 283 S.
Aufsatzband, der aus einer Tagungsreihe der
Evangelischen Akademie Nordelbien in den Jahren 1983 und 1984
hervorging. Mit Beiträgen zu den Themenkomplexen: 1.
Aufstieg und Machtübernahme der NSDAP. 2. Formen des
Widerstands gegen die NS-Herrschaft. 3. Wissenschaft und Kunst
im Dritten Reich. 4. Das Ende der NS-Herrschaft und ihre Bewältigung.
Dittrich, Irene (Bearb.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und
der Verfolgung 1933-1945: Bd. 7. Schleswig-Holstein. 1. Nördlicher
Landesteil. Frankfurt/Main: VAS, 1993. 225 S., Ill.
Sehr nützliches Nachschlagewerk über
die Opfer des Nationalsozialismus in den Landkreisen Dithmarschen,
Flensburg, Nordfriesland, Plön, Rendsburg-Eckernförde,
Schleswig-Flensburg und der Stadt Kiel. Die Verfolgung von
Widerstandskämpfern aus SPD und KPD, Juden, Minderheiten
wie Sinti und Roma, Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern und
auch Pastoren der ’Bekennenden Kirche’ wird minitiös
beschrieben. Zahlreiche Literaturhinweise, Fotos und ein ausführliches
Ortsregister ergänzen die Darstellung.
Dohnke, Kay; Stein, Dietrich (Hrsg.): Gustav Frenssen in seiner Zeit: Von der Massenliteratur
im Kaiserreich zur Massenideologie im NS-Staat. Heide: Boyens,
1997. 504 S., Ill.
Ausatzsammlung zu Leben und Werk des bekannten
Schriftstellers. Frenssen, 1863 in Barlt geboren, studierte
Theologie und war von 1890 bis 1901 als Pastor in Hennstedt
und Hemme tätig. Danach widmete er sich ausschließlich
der Schriftstellerei. Der Nationalsozialismus wurde von ihm
rückhaltlos begrüßt und mit dem Buch ’Der
Glaube der Nordmark’ von 1936 wollte er die geistige
Grundlage für ein neues ’arisch-nordisches Glaubensbekenntnis’
liefern. Das Buch wurde von den Nationalsozalisten enthusiastisch
begrüßt, von der ’Bekennenden Kirche’
dagegen stark kritisiert. Im Herbst 1938 trat
Frenssen aus der evangelisch-lutherischen Kirche aus
und widmete sich ganz der nationalsozialistischen und antisemitischen
Propaganda. Seine Bücher erreichten extrem hohe Auflagen
und waren vor allem unter Jugendlichen stark verbreitet. Er
starb 1945 in Barlt.
Finze, Holger:
Konflikte eines schleswig-holsteinischen Gemeindepfarrers
in der Zeit des Kirchenkampfes 1933 bis 1945: dargestellt
am Beispiel K. Kobolds. Kiel, 1979. 32 S. [Standort: Nordelbisches
Kirchenarchiv (Kiel), Bestand 94 (Dokumentation)].
Der Preetzer Pastor Karl-Heinrich Kobold
war einer der führenden Persönlichkeiten der ’Bekennenden
Kirche’ in der Propstei Segeberg. Der Beitrag beruht
auf der Auswertung seines Nachlasses und geht ausführlich
auf die kirchenpolitischen Auseinandersetzungen in Preetz
ein.
Haasler, Bernd:
Evangelische Jugendarbeit in Schleswig-Holstein: die Geschichte
der landeskirchlichen Jugendarbeit von 1921 bis 1988. Neumünster:
Wachholtz, 1990. (Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische
Kirchengeschichte: Reihe 1; Bd. 36). 351 S., Ill.
Grundlegendes Werk über die Jugendarbeit
der schleswig-holsteinischen Landeskirche. Die evangelische
Jugendarbeit im Nationalsozialismus (S. 35 - 58) war geprägt
vom Konflikt um die Eingliederung des Jugendwerkes in die
Hitlerjugend. Der Landesjugendpastor Wolfgang Prehn leistete
Widerstand worauf die Kirchenleitung bis zum Februar 1934
die Eingliederung verfügte und Prehn absetzte. Daraufhin
baute die ’Bekennende Kirche’ ihre eigene Jugendarbeit
auf.
Hamer, Kurt; Schunck, Karl-Werner; Schwarz,
Rolf (Hrsg.): Vergessen + Verdrängt: eine andere Heimatgeschichte;
Arbeiterbewegung und Nationalsozialismus in den Kreisen Rendsburg
und Eckernförde. Eckernförde: Schwensen, 1984. 245
S., Ill.
Sammelband mit zahlreichen kurzen Aufsätzen
zum Nationalsozialismus in den beiden Landkreisen. Genannt
seien die Beiträge von Gerhard Hoch über die ’braune’
Synode in Rendsburg am 12. September 1933 (S. 155 - 158),
von Rolf Schwarz über das Schicksal der Rendsburger Juden
im Nationalsozialismus (S. 213 - 217), von Elke Heinz über
den jüdischen Friedhof in Westerrönfeld (S. 218
- 219) und von Else Bevendorff über Gestrandete Jüdinnen
vor Bookniseck (S. 220 - 221) mit einem aufschlußreichen
Zitat aus der Chronik der Kirchengemeinde Waabs. Die Beiträge
enthalten sehr instruktives Bildmaterial.
Hammer, Friedrich:
Verzeichnis der Pastorinnen und Pastoren der Schleswig-Holsteinischen
Landeskirche 1864 - 1976. Kiel: Verein für Schleswig-Holsteinische
Kirchengeschichte, [1991]. (Schriften des Vereins für
Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte, Sonderband ; [1991]).
423 S.
Biographische Angaben zu den Pastoren der
Landeskirche; aus den Personalakten erstellt. Ein Ortsregister
der Pfarrstellen ist nicht vorhanden.
Heesch, Eckhard:
Nationalsozialistische Zwangssterilisierungen psychatrischer
Patienten in Schleswig-Holstein. In: Demokratische Geschichte:
Jahrbuch zur Arbeiterbewegung und Demokratie in Schleswig-Holstein
9 (1995), S. 55 - 102.
Darstellung mit zahlreichen statistischen
Angaben und vielen Abbildungen zeitgenössischer Dokumente.
Insbesondere werden die Sterilisierungen in den ’Holsteinischen
Heilstätten für Nerven- und Alkoholkranke’
in Rickling (Träger: Landesverein für Innere Mission
in Schleswig-Holstein) dargestellt.
Henningsen, Claas:
Kurt Dietrich Schmidt in Kiel: sein Wirken und seine Stellung
in der Landeskirche und
in der theologischen Fakultät. Kiel,
1999. 50 S. Kiel, Univ., Kirchliche Examensarbeit, 1999 [Standort:
Nordelbisches Kirchenarchiv (Kiel), Bibliothek].
Studie über den Professor für Kirchengeschichte
Kurt Dietrich Schmidt (1896 - 1964) und dessen kirchenpolitischen
Positionen von 1929, dem Berufungsjahr an die Kieler Universität,
bis zur Zwangsemeritierung 1935. Schmidt war einer der führenden
Köpfe der ’Bekennenden Kirche’ in Schleswig-Holstein
mit einer allerdings sehr ambivalenten Einstellung zum Nationalsozialismus
und dessen geistige Grundlagen. Die Studie beruht auf der
Auswertung seines Nachlasses in der Universitätsbibliothek
Kiel.
Hoch, Gerhard:
Die braune Synode: ein Dokument kirchlicher Untreue. Bad Bramstedt:
Roland-Verl., 1982. 72 S.
Textabdruck der 5. ordentlichen Landessynode
der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Schleswig-Holsteins
vom 12. September 1933 mit einer Einleitung des Herausgebers.
Es handelt sich um ein Schlüsseldokument für die
Durchsetzung der Positionen der ’Deutschen Christen’
in der Landeskirche.
Hoch, Gerhard:
Zwölf wiedergefundene Jahre: Kaltenkirchen unter dem
Hakenkreuz. Bad Bramstedt: Roland-Werbung, [1980]. 344 S.,
Ill.
Kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte
Kaltenkirchens im Nationalsozialismus mit umfassender Darstellung
der evangelischen Kirchengemeinde. Hinzu kommen biographische
Notizen zu den Pastoren Ernst Szymanowski (1941 Namensänderung
in Ernst Biberstein) und Johannes Thies. Szymanowski (1899
- 1986) wurde
1927 Pastor in Kaltenkirchen und 1934 Propst von Segeberg.
Schon 1926 trat der fanatische Antisemit in die NSDAP ein.
Im August 1935 legte er sein Propstenamt nieder, um als Referent
in das Reichskirchenministerium zu wechseln. 1938 soll er
aus der Kirche ausgetreten sein. Im Oktober 1940 ging er von
der Wehrmacht zum Sicherheitsdienst (SD) der SS, im Juni wurde
er Chef des SS-Einsatzkommandos 6 (Ukraine) und war unter
anderem auch an der Ermordung von Juden beteiligt. Im
Nürnberger Einsatzgruppenprozeß 1947 zum
Tode verurteilt wurde er später begnadigt und im Mai
1958 aus dem Gefängnis entlassen.
Hoch, Gerhard:
Eine Volksmissionsfahrt durch die Propstei Rendsburg vom 17.
bis 28. Oktober 1935. In: Reumann, Klauspeter (Hrsg.): Kirche
und Nationalsozialismus: Beiträge zur Geschichte des
Kirchenkampfes in den evangelischen Landeskirchen Schleswig-Holsteins.
Neumünster: Wachholtz, 1988 (Schriften des Vereins für
Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte, Reihe 1; Bd. 35),
S. 329 - 338.
Die Volksmissionsfahrt wurde organisiert
von Pastor Martin Pörksen und sollte als Aktion der ’Bekennenden
Kirche’ gegen die Anhänger der ’Deutschen
Christen’ und der ’Deutschkirche’ die wahren
Werte des Christentums den Mitgliedern der besuchten Gemeinden
nahebringen und gleichzeitig innerhalb der Teilnehmergruppe
echte Brüderlichkeit entstehen lassen. Teilnehmer waren
hauptsächlich Theologiestudenten und Vikare, die mit
dem Fahrrad zahlreiche kleine Dörfer aufsuchten und Gottesdienste
abhielten. Hoch kritisiert aber, das auch die ’Bekenntnisgemeinschaft’
den totalitären Staat anerkannte und Rassismus und Antisemitismus
weit verbreitet waren.
Hoch, Gerhard; Schwarz, Rolf (Hrsg.): Verschleppt zur Sklavenarbeit: Kriegsgefangene und
Zwangsarbeiter in Schleswig-Holstein. Alveslohe; Nützen:
[Selbstverlag], 1985. 191 S., Ill.
Sammelband mit Beiträgen zu Lagern mit
Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern in Schleswig-Holstein
während des Zweiten Weltkrieges mit vielfältigen
Hinweisen auf Friedhöfe mit ihren Grabstellen. Auf S.
157 - 190 wird versucht einen möglichst vollständigen
Überblick über alle Lager zu geben, mit genauen
Angaben zur Zahl der Gebäude, Belegplätze, Nationalitäten
der Insassen und zu den Gräbern.
Hoffmann, Erich; Wulf, Peter (Hrsg.): ’Wir bauen das Reich’: Aufstieg und erste
Herrschaftsjahre des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein.
Neumünster: Wachholtz, 1983. (Quellen und Forschungen
zur Geschichte Schleswig-Holsteins; 81). 460 S., Ill.
Sammelband mit 19 Aufsätzen. Die Beiträge
in Kapitel 5. Antisemitismus und beginnender Kirchenkampf
sind einzeln aufgeführt. Das Buch wird erschlossen durch
ein Personenregister.
Holtz, Rainer:
Die Rolle Breklums in der Zeit des Nationalsozialismus: (Bekennende
Kirche contra
Deutsche Christen). Neumünster, 1986.
50 S. Kiel, Päd. Hochschule, Realschullehrerexamensarbeit,
1986 [Standort: Nordelbisches Kirchenarchiv (Kiel), Bibliothek].
Darstellung über die Breklumer Mission
im Nationalsozialismus, die im wesentlichen aus der Wiedergabe
zweier Interviews mit Martin Pörksen und Helene Langlo
besteht. Pörksen war Mitglied des Pfarrernotbundes und
einer der führenden Köpfe der ’Bekennenden
Kirche’ in Schleswig-Holstein. Helene Langlo war Reisesekretärin
in Breklum.
Hübner, Friedrich:
Die ’Barmer Theologische Erklärung’ von 1934
als bleibende Herausforderung für die Nordelbische Evangelisch-Lutherische
Kirche und die Ökumene. In: Reumann, Klauspeter (Hrsg.):
Kirche und Nationalsozialismus: Beiträge zur Geschichte
des Kirchenkampfes in den evangelischen Landeskirchen Schleswig-Holsteins.
Neumünster: Wachholtz, 1988 (Schriften des Vereins für
Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte, Reihe 1; Bd. 35),
S. 361 - 380.
Die ’Barmer Theologische Erklärung’
wurde am 31. Mai 1934 von der 1. Bekenntnissynode der Deutschen
Evangelischen Kirche als christlich, biblisch-reformatorisches
Zeugnis angenommen. Vorangegangen war im Januar 1933 das ’Altonaer
Bekenntnis’ gegen den politischen Extremismus von links
und rechts. Der Autor schildert ausführlich die Entstehungsgeschichte
der ’Theologischen Erklärung’ und ihre Auswirkung
auf den Kirchenkampf in Schleswig-Holstein.
Imberger, Elke:
Widerstand ’von unten’: Widerstand und Dissens
aus den Reihen der Arbeiterbewegung und der Zeugen Jehovas
in Lübeck und Schleswig-Holstein 1933-1945. Neumünster:
Wachholtz, 1991. (Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins;
Bd. 98). 393 S.
Die Autorin setzt sich zunächst ausführlich
mit dem Problem des Widerstandes gegen ein totalitäres
Regime auseinander, wobei insbesondere die unterschiedlichen
Formen und Intensität des Widerstandes erläutert
wird. Der erste Teil (S. 45 - 241) umfasst die Darstellung
des Widerstandes und Dissenses aus den Reihen der Arbeiterbewegung
in Lübeck und Umgebung 1933 - 1945. Im zweiten Teil (S.
243 - 376) wird Widerstand und Dissens der Zeugen Jehovas
(Bibelforscher) in ganz Schleswig-Holstein, mit Schwerpunkt
1933 - 1937, dargestellt. Imberger kommt zu dem Ergebnis,
daß in der Form des Widerstandes eine auffällige
Parallelität zwischen der KPD und der Bibelforscher-Vereinigung
bestand: beide waren zentralistisch und strikt hierachisch
organisiert, beide besaßen radikale Ideologien und eine
hochgradig motivierte, risikofreudige Anhängerschaft.
Jakob, Volker:
Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Schleswig-Holstein
in der Weimarer Republik: sozialer Wandel und politische Kontinuität.
Münster ; Hamburg: Lit, 1993. (Sozial- und Wirtschaftsgeschichte;
2). V, 443 S.
Umfassende und grundlegende Studie, auf einer
Dissertation aus dem Jahr 1984 beruhend, die aus zwei Teilen
besteht: im ersten Teil (S. 1 - 217) bietet der Autor eine
strukturgeschichtliche Darstellung der Entwicklung von 1918
bis 1934 innerhalb der Landeskirche und der evangelischen
Publizistik. Im zweiten Teil (S. 218 - 376) wird ein außerordentlich
umfangreicher statistischer Anhang geboten zu praktisch allen
Aspekten des kirchlichen Lebens, auch zur politischen Einstellung
der Pastoren, sowie zahlreiche Kurzbiographien. Am Ende des
Buches findet man eine Übersicht der benutzten Archivalien
und der Literatur; ein Register ist nicht vorhanden. Der Autor
bewertet die Entwicklung der Landeskirche äußerst
kritisch: das schleswig-holsteinische Luthertum hat sich der
Weimarer Republik von Beginn an verweigert und das großzügige
Angebot an Freiheit und Selbständigkeit für die
Kirche lediglich benutzt, um die Autorität und Legitimität
des Staates zu untergraben. In der letzten Phase der Weimarer
Republik war es zu allgemeinen Auflösungstendenzen und
tiefer Orientierungslosigkeit gekommen. Die unveränderte
staatskirchliche Mentalität forderte immer stärker
den autoritären Staat als Lösung für alle Probleme.
Der Nationalsozialismus erfüllte dann zunächst diese
Hoffnungen und wurde daher von der Mehrzahl der Pastoren enthusiastisch
begrüßt.
Jakubowski-Tiessen, Manfred: Gemeinschaftsverein und Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein. In:
Reumann, Klauspeter (Hrsg.): Kirche und Nationalsozialismus:
Beiträge zur Geschichte des Kirchenkampfes in den evangelischen
Landeskirchen Schleswig-Holsteins. Neumünster: Wachholtz,
1988 (Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische
Kirchengeschichte, Reihe 1; Bd. 35), S. 185 - 222.
Der ’Verein für Innere Mission
in Holstein’ (seit 1907 Gemeinschaftsverein) im Konflikt
zwischen den ’Deutschen Christen’ und der ’Bekennenden
Kirche’ in Schleswig-Holstein. Dabei rückte der
Gemeinschaftsverein unter seinem Vorsitzenden Karl Möbius
immer weiter von der Landeskirche ab.
Jenner, Harald:
Konzentrationslager Kuhlen 1933. Rickling: Landesverein für
Innere Mission in Schleswig-Holstein, 1988. 128 S., Ill.
Von Juli bis Oktober 1933 befand sich in
Kuhlen bei Rickling (Kreis Segeberg) ein sogenanntes ’wildes’
Konzentrationslager mit ungefähr 200 Häftlingen.
Das Gut Kuhlen gehörte dem Landesverein für Innere
Mission, auf seinem Gelände befand sich das Lager, er
hatte Verwaltung und Versorgung übernommen und profitierte
von der Zwangsarbeit der Häftlinge. Der Autor deckt detailliert
die Verstrickung des kirchlich-diakonischen Vereins in das
nationalsozialistische Unrecht auf und stellt anschaulich
das Schicksal der Häftlinge dar.
Jenner, Harald:
Pastorinnen und Pastoren in Nordelbien 1892 - 1992: Eine Dokumentation
zur Geschichte der Pastorenvereine und des Pastorenstandes.
Neumünster: Wachholtz, 1992. 179 S., Ill.
Der Pastorenverein 1933 - 1945 (S. 95 - 117).
Kritische Darstellung zum Verhalten der Pastoren; mit detaillierten
Statistiken.
Jenner, Harald:
... ein langer Weg: Kropper Anstalten, Diakonissenanstalt,
Diakoniewerk Kropp. 111 Jahre helfen, heilen, trösten.
Kropp: [Diakoniewerk Kropp], 1990. 137 S., Ill.
Der Autor geht intensiv auf die Geschichte
der Diakonissenanstalt Kropp im Nationalsozialismus ein (S.
65 - 97). Zunächst ist der Nationalsozialimus von den
Diakonissen freudig begrüßt worden, später
wurde die Einstellung reservierter. Das ärztliche Personal
hat die ’rassebiologischen’ Vorstellungen der
Nationalsozialisten nicht übernommen, sondern die Rechte
der geisteskranken Patientinnen weiter wahrgenommen. An der
Euthanasie war man hier nicht beteiligt. Im März 1942
wurde die Anstalt für Wehrmachtszwecke geräumt und
die 519 Patientinnen in andere Anstalten verlegt. Zahlreiche
Tabellen und abgedruckte Originaldokumente veranschaulichen
die Darstellung.
Jürgensen, Claus:
’-mit einem Schein des Rechts.’: Notverordnungsregime
und Machtergreifung der Deutschen Christen 1933 nach dem ’Kirchlichen
Gesetz- und Verordnungsblatt für den Amtsbezirk des ev.-luth.
Kirchenamtes in Kiel’. In: Reumann, Klauspeter (Hrsg.):
Kirche und Nationalsozialismus: Beiträge zur Geschichte
des Kirchenkampfes in den evangelischen Landeskirchen Schleswig-Holsteins.
Neumünster: Wachholtz, 1988 (Schriften des Vereins für
Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte, Reihe 1; Bd. 35),
S. 223 - 245.
Darstellung der Rechtsentwicklung von 1918
bis 1933 als Grundlage für die Durchsetzung des ’Führerprinzips’
in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schleswig-Holsteins.
Jürgensen, Kurt:
Erinnerung an D. theol. Hans Matthießen, Landessuperintendent
von 1944 bis 1959, und an
seine Zeit. In: Jürgensen, Kurt (Hrsg.):
Die Kirche im Herzogtum Lauenburg: Beiträge zu ihrer
Geschichte und Gegenwart. Neumünster: Wachholtz, 1994
(Lauenburgische Akademie für Wissenschaft und Kultur:
Kolloquium; 5), S. 108 - 129.
Hans Matthießen (1895 - 1975) wurde
im November 1934 als Pfarrer in die lauenburgischen Kirchengemeinde
Sahms berufen. Er gehörte weder zu den ’Deutschen
Christen’ noch stand er der ’Bekennenden Kirche’
nahe, sein politische Grundhaltung war national-konservativ
geprägt. Im Juli 1944 wurde er zum neuen Landessuperintendenten
der lauenburgischen Kirche ernannt. Der Autor beschreibt den
weiteren Weg Matthießens in der Nachkriegszeit und den
Wiederaufbau kirchlicher Strukturen sowie die Schulddiskussion
innerhalb der Evangelischen Kirche.
Jürgensen, Kurt:
Die Stunde der Kirche: die Ev.-Luth. Landeskirche Schleswig-Holsteins
in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Neumünster:
Wachholtz, 1976. (Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische
Kirchengeschichte: Reihe 1; Bd. 24). 474 S., Ill.
Maßgebliche Studie über den Wiederaufbau
der Landeskirche vom Frühjahr 1945 bis zum Beitritt zur
Evangelischen Kirche in Deutschland im November 1948. Zu den
wichtigsten Männern für einen Neuanfang und der
Bildung einer ’Vorläufigen Kirchenleitung’
zählten der 1933 abgesetzte Altbischof Eduard Völkel,
Pastor Wilhelm Halfmann aus Flensburg und der nach Schleswig-Holstein
zurückgekehrte Pastor Hans Asmussen. Halfmann wurde im
August 1945 Präses
der ’Vorläufigen Kirchenleitung’ und im September
1946 Bischof von Holstein und Vorsitzender der Kirchenleitung.
Das Buch enthält ein ausführliches Quellen- und
Literaturverzeichnis, zahlreiche personenbezogene Übersichten
sowie zeitgenössisches Bildmaterial.
Kinder, Christian:
Neue Beiträge zur Geschichte der evangelischen Kirche
in Schleswig-Holstein und im Reich 1924-1945. 3., überarb.
und erw. Aufl. Flensburg: Karfeld Verlag, 1964. 247 S. [1.
Aufl. 1964].
Apologetische Rechtfertigungsschrift in autobiographischer
Form des ehemaligen Präsidenten des Landeskirchenamtes
in Kiel und Reichsleiters der ’Deutschen Christen’.
Kinder gehörte zu den Schlüsselpersönlichkeiten
im Kirchenkampf in Schleswig-Holstein und im Reich und reagierte
mit dieser Veröffentlichung auf die 1964 erschienene
Darstellung von Johann Bielfeldt über den Kirchenkampf
in Schleswig-Holstein, auf die er sich häufig bezieht.
Er schildert den Kirchenkampf aus der Sicht der ’Deutschen
Christen’, ohne sich von seinen damaligen Positionen
im wesentlichen zu distanzieren. Das Buch enthält Personen-
und Sachregister.
Knoke, Walther:
Kirche in den ersten Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft
im Spiegel von Gemeindechroniken aus dem ländlichen Raum
Ostholsteins. In: Reumann, Klauspeter (Hrsg.): Kirche und
Nationalsozialismus: Beiträge zur Geschichte des Kirchenkampfes
in den evangelischen Landeskirchen Schleswig-Holsteins. Neumünster:
Wachholtz, 1988 (Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische
Kirchengeschichte, Reihe 1; Bd. 35), S. 307 - 328.
Sehr quellennah wird vom Autor die Auseinandersetzungen
innerhalb der Gemeinden zwischen den Anhängern der ’Deutschen
Christen’ und der ’Bekennenden Kirche’ dargestellt.
Die von den Pastoren geführten Gemeindechroniken bieten
hierzu umfassendes Anschauungsmaterial so in Lütjenburg,
Preetz oder Giekau. Herausgegriffen sei das Schickal von Pastor
Walter Auerbach aus Altenkrempe: als sogenannter ’Volljude’,
der einzige in der schleswig-holsteinischen Pastorenschaft,
wurde er 1935 in den Ruhestand versetzt. Innerhalb seiner
Gemeinde hatte es starke antisemitische Ausfälle gegen
ihn gegeben. Der Oldenburger Propst Schulze setzte sich sofort
für Auerbach ein, aber das Landeskirchenamt und Schulzes
Nachfolger Bender ließen ihn fallen.
Konukiewitz, Enno:
Hans Asmussens Weg zum Altonaer Bekenntnis. In: Reumann, Klauspeter
(Hrsg.): Kirche und Nationalsozialismus: Beiträge zur
Geschichte des Kirchenkampfes in den evangelischen Landeskirchen
Schleswig-Holsteins. Neumünster: Wachholtz, 1988 (Schriften
des Vereins für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte,
Reihe 1; Bd. 35), S. 71 - 84.
Der Altonaer Pfarrer Hans Asmussen (Altona,
Hauptkirchengemeinde) war maßgeblich an der Formulierung
des ’Altonaer Bekenntnis’ von 1933 beteiligt.
1934 wurde er wegen seiner Gegnerschaft zum Nationalsozialismus
in den vorzeitigen Ruhestand versetzt.
Korte, Detlef:
’Erziehung’ ins Massengrab: die Geschichte des
’Arbeitserziehungslagers Nordmark’ Kiel Russee
1944 - 1945. Kiel: Neuer Malik-Verl., 1991. (Veröffentlichungen
des Beirats für Geschichte der Arbeiterbewegung und Demokratie
in Schleswig-Holstein; 10). 329 S., Ill.
Grundlegende Darstellung zur Geschichte eines
’Konzentrationslagers’ in Schleswig-Holstein.
S. 123 - 126 über Pastor Ewald Dittmann, der 1945 als
67-jähriger im Lager starb.
Krieger, Hans:
Gemeindearbeit im III. Reich, dargestellt am Beispiel der
Propstei Rantzau. [Hamburg], 1988. 81 S. Hamburg, Univ., Staatsexamensarbeit,
1988 [Standort: Nordelbisches Kirchenarchiv (Kiel), Bibliothek].
Darstellung des Kirchenkampfes in der schleswig-holsteinischen
Propstei Rantzau, die auf umfangreichen Archivstudien beruht.
In einem zweiten Teil werden kirchliche Amtshandlungen von
1931 - 1944 in der Kirchengemeinde Elmshorn statistisch ausgewertet.
Der Autor kommt zu dem Ergebnis, daß besonders die Zahl
der Trauungen zurückging, was auf die kirchenfeindliche
Propaganda der NSDAP zurückzuführen sein könnte.
Lorenzen, Olde:
’Macht ohne Moral’: Vom KZ Husum-Schwesing zum
Mahnmal für die Opfer. Heide: Boyens, 1994. 182 S., Ill.
Darstellung der Geschichte eines Außenlagers
des Konzentrationslagers Neuengamme in Husum-Schwesing und
der Planung einer Gedenkstätte im Jahr 1983. Ausführlich
dargelegt wird die Reaktion der Bevölkerung auf die Errichtung
des Konzentrationslagers. Das Buch entstand aus einem Beitrag
für den Schülerwettbewerb Deutsche Geschichte um
den Preis des Bundespräsidenten 1992/93.
Magaard,
Gothart; Ulrich, Gerhard (Hrsg.): 100 Jahre Predigerseminar
Preetz: eine Festschrift. Kiel: Luth. Verlagsges., 1996. 272
S., Ill.
Mit einem Beitrag von Claus Jürgensen über das
Predigerseminar im Nationalsozialismus (S. 42 - 57), der insbesondere
der Konflikt zwischen den Vikaren, die sich zu der Bekennenden
Kirche zählten, und dem Segeberger Propst Ernst
Szymanowski beleuchtet.
Moritzen, Johannes:
In neun Gärten ging mein Fuß. Breklum: Breklumer
Verl., 1979. 167 S.
Autobiographie eines Mitglieds der ’Bekennenden
Kirche’ in Schleswig-Holstein. Moritzen war Pastor am
Städtischen Krankenhaus und den Universitätskliniken
in Kiel. Er berichtet über zahlreiche Konflikte mit den
’Deutschen Christen’ und mit der Gestapo. 1937
wurde er zwangsweise nach Friedrichstadt versetzt wo er die
sogenannte ’Reichskristallnacht’ vom 9./10. November
1938 erlebte und ausführlich schildert.
Motschmann, Jens:
Kreuz und Hakenkreuz: Kirchenkampf in Schleswig-Holstein 1933
- 1945. In: Motschmann, Jens (Hrsg.): Kirche zwischen den
Meeren: Beiträge zur Geschichte und Gestalt der Nordelbischen
Kirche. Heide i. Holst.: Boyens, 1981 (Steinburger Studien;
2), S. 177 - 209.
Knappe Darstellung zum Kirchenkampf in der
evangelisch-lutherischen Landeskirche Schleswig-Holsteins,
die ausschließlich auf der bekannten Literatur beruht.
Die Urteile des Autors über führende Persönlichkeiten,
wie z. B. Christian Kinder, Präsident des Landeskirchenamtes,
sind nicht unumstritten.
Paul, Gerhard:
Staatlicher Terror und gesellschaftliche Verrohung: die GESTAPO
in Schleswig-Holstein. Hamburg: Ergebnisse-Verl., 1996. (IZRG-Schriftenreihe;
1). 527 S., Ill.
Umfassende Darstellung zur Tätigkeit
der Gestapo in Schleswig-Holstein. Im
Quellenanhang auf S. 444 - 464: Berichte betr. Überwachung
und Verfolgung von Kirchen und religiösen Gemeinschaften.
Die Berichte betreffen insbesondere den ’Lübecker
Christenprozeß’ (Karl-Friedrich Stellbrink). Darüber
hinaus Quellenmaterial zur ’Bekennenden Kirche’
(Reinhard Wester).
Paul, Gerhard:
Von der Verwurzelung des Terrors: die Gestapo und Nordfriesland.
In: Nordfriesland Nr. 119 (1997), S. 16 - 21.
Knapper Überblick über die Tätigkeit
der Gestapo in Nordfriesland. Dargestellt werden unter anderem
die Maßnahmen gegen jüdische Feriengäste auf
Sylt und gegen den Vorsitzenden des Landesbruderrates der
’Bekennenden Kirche’ Pastor Reinhard Wester aus
Westerland / Sylt.
Paul, Gerhard (Bearb.):
’Flensburg meldet: ... !’: Flensburg und das deutsch-dänische
Grenzgebiet im Spiegel der Berichterstattung der Geheimen
Staatspolizei und des Sicherheitsdienstes (SD) des Reichsführers-SS
(1933-1945). Flensburg: Stadtarchiv Flensburg, 1997. (Flensburger
Beiträge zur Zeitgeschichte; 2). 383 S., Ill.
Edition der Berichte des Sicherheitsdienstes und des Flensburger
Polizeipräsidenten mit einer ausführlichen Einleitung
des Bearbeiters über die Gestapo in Flensburg. Die Gestapo
fertigte regelmäßige Berichte über die ’evangelische
Bewegung’, daß heist die Arbeit der ’Bekennenden
Kirche’, an. Besonders aufmerksam wurde der Vorsitzende
des Landesbruderrates, Pastor Reinhard Wester, beobachtet. Die abgedruckten Dokumente werden erschlossen
durch Personen- und Ortsregister.
Pauselius, Peter: Preetz
unter dem Hakenkreuz. Großbarkau: Edition Barkau, 2001.
723 S., Ill.
Sehr umfangreiche und genau gearbeitete Darstellung, die
ausführlich auf die Judenverfolgung und die Geschichte
der evangelischen Kirchengemeinde und des Predigerseminars
in Preetz eingeht. Der Preetzer Pastor Karl-Heinrich Kobold
war einer der führenden Köpfe der Bekennenden
Kirche in der Propstei Segeberg.
Piening, Holger:
Westküste 1945: Nordfriesland und Dithmarschen am Ende
des Zweiten Weltkrieges. Heide: Boyens, 2000. 287 S., Ill.
Mit einem Beitrag über Pastor Ewald
Dittmann (S. 47 - 49), der 1945
in das ’Arbeitserziehungslager Nordmark’
eingewiesen wurde und dort starb. Mit weiterführenden
Literaturhinweisen.
Prahl, Hans-Werner (Hrsg.): UNI-Formierung des Geistes: Universität Kiel im Nationalsozialismus.
Bd. 1. Kiel: Malik-Regional-Verl., 1995. (Veröffentlichungen
des Beirats für Geschichte der Arbeiterbewegung und Demokratie
in Schleswig-Holstein; Bd. 16). 351 S., Ill.
Aufsatzsammlung mit einer Einführung
des Herausgebers und Beiträgen über die Juristische
Fakultät, die Pädagogik, Deutsche Volkskunde, Soziologie
und Musikwissenschaft an der Christian-Albrechts-Universität
zu Kiel während des Nationalsozialismus. Der Beitrag
über die Theologische Fakultät von Jendris Alwast
ist einzeln aufgeführt. Zahlreiche zeitgenössische
Fotos illustrieren das Buch. Ein Register ist nicht vorhanden.
Ein angekündigter zweiter Band über weitere Fakultäten
ist nicht erschienen.
Prehn, Wolfgang (Hrsg.):
Zeit, den schmalen Weg zu gehen: Zeugen berichten vom Kirchenkampf
in Schleswig-Holstein. Kiel: Luth. Verlagsges., 1985. 232
S.
Ein Sammelband mit 44 biographischen und
autobiographischen Beiträgen zum Kirchenkampf in Schleswig-Holstein.
Es berichten: Wolfgang Prehn, Herbert Ruhberg, Lorenz Claussen,
Wilhelm Detlefsen, Hans Peter Claussen, Johannes Schmidt,
Alfred Petersen, Rudolf Hoffmann, Ernst Henschen, Adolf Ruppelt,
Johann Schmidt, Hans-Werner Jensen, Theodor Pinn, Hans Dunker,
Adolf Thomsen, Hans Claussen, Arthur Petersen, Martin Beuck,
Martin Pörksen, Elisabeth Pörksen, Dorothea Andersen,
Helene Langlo, Johannes Andersen, Johannes Diederichsen, Johannes
Schröder über Johann Claus Bielfeldt, Rudolf Halver
über Wilhelm Halfmann, Willi Schwennen über Reinhard
Wester, Johannes Schmidt über Johannes Tramsen, Erich
Pörksen über Hans Treplin, Theodor Vierck über
Otto von Dorrien, Rudolf Halver über Julius Schniewind,
Rudolf Halver über Hans Asmussen, Rudolf Hoffmann über
Martin Bertheau, Rudolf Hoffmann über Wilhelm Knuth,
Wolfgang Prehn über Johannes Lorentzen, Wolfgang Prehn
über Kurt-Dietrich Schmidt. Das Buch wird durch ein Personenregister
erschlossen.
Reumann, Klauspeter:
Kirche und Nationalsozialismus: die Berufung Wilhelm Halfmanns
nach St. Marien
Flensburg im Februar/März 1933 - Vorweggenommene
Fronten des Kirchenkampfes?. In: Hoffmann, Erich; Wulf, Peter
(Hrsg.): ’Wir bauen das Reich’: Aufstieg und erste
Herrschaftsjahre des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein.
Neumünster: Wachholtz, 1983 (Quellen und Forschungen
zur Geschichte Schleswig-Holsteins; Bd. 81), S. 369 - 389.
Im Frühjahr 1933 deuteten sich in Flensburg
schon die Fronten im späteren Kirchenkampf an: dem liberalen
und bekenntnistreuen Kandidaten für die Pfarrstelle St.
Marien, Wilhelm Halfmann, stand das NSDAP-Mitglied Gerhard
Meyer gegenüber. Halfmann konnte die Wahl für sich
entscheiden. Meyer sprach noch am 16. Mai auf einer Großveranstaltung
der ’Deutschen Christen’ in Flensburg, die in
den ’Flensburger Nachrichten’ starke Beachtung
fand. Die ’Deutschen Christen’ waren zu diesem
Zeitpunkt offensiv geworden und konnten auch die Gemeindewahlen
im Juli für sich entscheiden. Halfmann trat gegen das
Wahlverfahren für diese Wahlen und im Dezember gegen
den Landesbischof auf, worauf der Kirchenälteste und
Ortsgruppenleiter der NSDAP, Heinrich, einen Mißbilligungsantrag
gegen Halfmann mit dem Ziel seiner Versetzung durchzusetzen
versuchte.
Reumann, Klauspeter:
Die Ungleichheit der schriftlichen Überlieferungen zum
Kirchenkampf im Dritten Reich. Teil 1.2. In: Mitteilungen
zum Archivwesen in der Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche 17 (1997)
S. 20 - 24 und 18 (1998) S. 19 - 22.
Der Autor stellt zunächst den grundlegenden
Unterschied zwischen den Pastoren, die sich zu den ’Deutschen
Christen’ zählten und denen der ’Bekennenden
Kirche’ heraus. Während die ersteren nach dem ’nationalsozialistischen
Führerprinzip’ strikt hierachisch organisiert waren
und jede offene Diskussion vermieden, war die ’Bekenntnisgemeinschaft’
an intensivem Gedankenaustausch in Wort und Schrift interessiert.
Für die ’Deutschen Christen’ ergibt sich
in Schleswig-Holstein außerdem ein massiver Verlust
der archivischen Quellen durch die Vernichtung des Schriftgutes
der Gauleitung im Januar 1944 durch einen Bombentreffer des
Kirchenamtes. Das Schriftgut der ’Bekennenden Kirche’
ist demgegenüber in den Nachlässen von Wilhelm Halfmann
und Reinhard Wester nahezu vollständig erhalten geblieben
und im Nordelbischen Kirchenarchiv in Kiel einsehbar.
Reumann, Klauspeter:
Der Kirchenkampf in Schleswig-Holstein 1933 bis 1945. In:
Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte: Bd. 6.1 Kirche
zwischen Selbstbehauptung und Fremdbestimmung. Neumünster:
Wachholtz, 1998 (Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische
Kirchengeschichte, Reihe 1; Bd. 31), S. 111 - 473.
Handbuchartige Darstellung, die einen Gesamtüberblick
über den Kirchenkampf in der evangelisch-lutherischen
Landeskirche Schleswig-Holsteins auf dem neuesten Stand der
Forschung versucht. Reumann unterteilt sein Werk in 13 Kapitel:
1. Begriff, Literaturstand und Quellenlage. 2. Vorprägungen
des Kirchenkampfes. 3. Die Umgestaltung der Landeskirche durch
die Deutschen Christen. 4. Der Notbund: Anfänge einer
bekenntnismäßigen Gegenfront. 5. Die Eingliederung
des kirchlichen Jugendwerkes in die Hitlerjugend. 6. 1934:
Das Jahr der kirchenpolitischen Ausgleichsversuche. 7. 1935:
Versuch des landeskirchlichen Sonderweges. 8. Die Ära
der staatlichen Kirchenausschüsse 1935 -1937. 9. Die
Landeskirche als Grenzkirche zu Dänemark. 10. Kirchenleitung
im staatlichen Auftrag 1938/39. 11. Kirche im Krieg. 12. Die
Neuausrichtung der Landeskirche. 13. Die Überwindung
des Kirchenkampfes. Erschlossen wird der Beitrag durch ein
umfassendes Personenregister; Orts- und Sachregister sind
nicht vorhanden.
Reumann, Klauspeter:
Das Ringen um den rechten Weg: Kirchliches Leben in Flensburg
1933 bis 1945. In: Stadtarchiv Flensburg (Hrsg.): Zwischen
Konsens und Kritik: Facetten kulturellen Lebens in Flensburg
1933-1945. Flensburg: Stadtarchiv Flensburg, 1999 (Flensburger
Beiträge zur Zeitgeschichte; 4), S. 59 - 99.
Der Autor legt hier seine Quintessenz aus
jahrzehntelanger Beschäftigung mit dem Kirchenkampf in
Flensburg vor. In Flensburg standen sich ’Bekennende
Kirche’ und ’Deutsche Christen’ 1935/36
unmittelbar gegenüber: von den 14 Flensburger Pastoren
gehörten 8 der Bekenntnisgemeinschaft an, 3 den ’Deutschen
Christen’ unter ihnen Propst Karl Hasselmann. Sein Gegenspieler
war Pastor Wilhelm Halfmann. Nachdem Hasselmann den Kurs der
’Deutschen Christen’ nicht mehr mitragen konnte,
kam es zwischen beiden zur Annäherung in gemeinsamer
Ablehnung des kirchenpolitischen Kurses des Präsidenten
des Landeskirchenamtes Christian Kinder. Hasselmann und Halfmann
in Flensburg waren auch beim Neuaufbau der schleswig-holsteinischen
Landeskirche zum Ende des Zweiten Weltkrieges entscheidende
Persönlichkeiten.
Reumann, Klauspeter:
Halfmanns Schrift ’Die Kirche und der Jude’ von
1936. In: 100 Jahre Verein für Schleswig-Holsteinische
Kirchengeschichte. [Kiel]: Verein für Schleswig-Holsteinische
Kirchengeschichte, 1997 (Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische
Kirchengeschichte, Reihe 2; Bd. 48), S. 36 - 55.
Im Dezember 1936 erschien Wilhelm Halfmanns
fünfzehnseitige Broschüre ’Die Kirche und
der Jude’ in einer Gesamtausgabe von 10.000 Exemplaren.
Im Februar 1937 wurde sie polizeilich beschlagnahmt. Halfmann
war einer der führenden Mitglieder der ’Bekennenden
Kirche’ und stand dem Nationalsozialismus kritisch gegenüber.
Seine Schrift basiert auf der traditionsgebundenen christlichen
Verwerfung der Juden, die Jesus Christus nicht als Gottes
Sohn und Erlöser der Welt gelten ließen. Dem nationalsozialistischen
Staat gesteht er ausdrücklich das Recht zu, die ’Nürnberger
Rassegesetze’ erlassen zu haben. Darin habe sich die
Kirche nicht einzumischen. Halfmanns Vorstellung vom Judentum
ist religiös fundiert, nicht rassistisch. Daher wurde
seine Publikation von der NSDAP auch sofort scharf angegriffen.
Eine differenziertere Auseinandersetzung erfolgte durch einen
Christen jüdischer Herkunft, dem aus politischen Gründen
entlassenen Hamburger Richter Fritz Valentin, der Halfmanns
scharfe Grenze zwischen christlich motiviertem Antijudaismus
und rassistischem Antisemitismus nicht nachvollziehen kann;
die Briefe Valentins werden im Anhang abgedruckt.
Reumann, Klauspeter:
Der Altonaer Pastor und Flensburger Propst Karl Hasselmann:
Stationen des kirchenpolitischen Wandels (1931 bis 1945).
In: Reumann, Klauspeter (Hrsg.): Kirche und Nationalsozialismus:
Beiträge zur Geschichte des Kirchenkampfes in den evangelischen
Landeskirchen Schleswig-Holsteins. Neumünster: Wachholtz,
1988 (Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische
Kirchengeschichte, Reihe 1; Bd. 35), S. 85 - 131.
Dargestellt wird Hasselmanns Kurswechsel
vom Kritiker des Nationalsozialismus zum Protagonisten der
’Deutschen Christen’ 1933 und seine erneute Annäherung
an die ’Bekennende Kirche’ seit 1939.
Reumann, Klauspeter:
Der frühe Kirchenkampf 1933/1934 in den Landgemeinden
der schleswigschen Geest. In: Jahrbuch für die Schleswigsche
Geest 33 (1985), S. 40 - 54.
Dargestellt wird der Kirchenkampf in den
Propsteien Flensburg, Südtondern, Husum-Bredstedt und
Schleswig. Die ’Deutschen Christen’ konnten durch
Manipulationen die Kirchenwahlen vom Juli 1933 für sich
entscheiden. Einer ihrer wichtigsten Protagonisten war der
Viöler Pastor Johann Peperkorn, dessen Tätigkeit
für die NSDAP umfassend geschildert wird. Dem Machtanspruch
der ’Deutschen Christen’ trat gegen Ende des Jahres
1933 die ’Bekenntnisgemeinschaft’ entgegen, der
sich auch die Pastoren Jessen (Översee) und Magaard (Wallsbüll)
anschlossen. Ende 1934 gehörten in den genannten Propsteien
etwa die Hälfte der Pastoren zur ’Bekenntnisgemeinschaft’.
Durch gelungene Ausgleichsversuche des Landesbischofs Paulsen
verlor der Kirchenkampf seit 1935 an Schärfe.
Reumann, Klauspeter (Hrsg.): Kirche und Nationalsozialismus: Beiträge zur Geschichte des Kirchenkampfes
in den evangelischen Landeskirchen Schleswig-Holsteins. Neumünster:
Wachholtz, 1988. (Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische
Kirchengeschichte: Reihe 1; Bd. 35). 442 S., Ill.
Der Band enthält 14 Aufsätze zur
Geschichte der evangelisch-lutherischen Landeskirchen Schleswig-Holsteins,
Lübecks und Eutins im Nationalsozialismus. Die Beiträge
sind einzeln aufgenommen worden. Eine Einführung des
Herausgebers stellt den Forschungsstand vor und skizziert
die Aufgaben zukünftiger Forschung. Hilfreich zur Orientierung
ist der Anhang mit Zeittafel, Bibliographie, Orts-, Personen-
und Sachregister.
Rietzler, Rudolf:
’Kampf in der Nordmark’: das Aufkommen des Nationalsozialismus
in Schleswig-Holstein (1919-1928). Neumünster: Wachholtz,
1982. (Studien zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Schleswig-Holsteins;
4). 500 S.
Pionierstudie über den Aufstieg der
NSDAP in Schleswig-Holstein. Rietzler belegt die Bedeutung
der antidemokratischen und antisemitischen Gruppierungen als
organisatorischen Wegbereiter für den raschen Erfolg
der Nationalsozialisten seit 1928. Die wichtigste Organisation
der völkisch-antisemitischen Bewegung nach dem Ersten
Weltkrieg war der ’Deutschvölkische Schutz- und
Trutzbund’, der in dem Flensburger Pfarrer Friedrich
Andersen einen seiner agilsten Propagandisten fand. Die Kirchenleitung
tolerierte die antisemitische Hetze Andersens. Bereits 1925
baute Andersen in Flensburg die NSDAP Ortsgruppe mit auf und
wurde ihr Vertreter im Stadtparlament.
Rietzler, Rudolf:
Von der ’politischen Neutralität’ zur ’Braunen
Synode’: Evangelische Kirche und Nationalsozialismus
in Schleswig-Holstein (1930 - 1933). In: Zeitschrift der Gesellschaft
für Schleswig-Holsteinische Geschichte 107 (1982), S.
139 - 153.
Zusammenfassende Darstellung über den
Weg der schleswig-holsteinischen Pastorenschaft in den Nationalsozialismus.
Frühe Anhänger des NSDAP unter den Pastoren waren
Friedrich Andersen (Flensburg), Johann Peperkorn (Viöl),
Ernst Szymanowski (Kaltenkirchen), die schon vor 1930 Parteimitglieder
wurden. Die Richtlinien der Kirchenregierung von 1931, die
eine möglichst große Zurückhaltung in politischen
Angelegenheiten von den Pastoren forderten, wurden nicht beachtet:
die Nationalsozialisten konnten immer mehr Amtsinhaber für
sich gewinnen. Eine Gegenbewegung formierte sich um Hans Asmussen
(Altona), einem der Initiatoren des ’Altonaer Bekenntnises’
vom Januar 1933. Dominierende Kraft in der Landeskirche aber
wurden die ’Deutschen Christen’, die nach den
Kirchenwahlen vom Juli 1933 von 79 Synodalen 75 stellten und
somit die ’Braune Synode’ im September eindeutig
beherrschten.
Romig, Gabriele:
Pastor Heinrich Kähler: ein schleswig-holsteinischer
Theologe im Spannungsfeld zwischen nationaler und kirchlicher
Erneuerung während der Zeit des Ersten Weltkrieges, der
Weimarer Republik und des Nationalsozialismus. Flensburg:
Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, 1988. (Schriften
der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte; Nr.
40). 242 S., Ill.
Umfassende Biographie, auf einer Dissertation
der Autorin beruhend. Pastor Heinrich Kähler (1874 -
1941) vertrat einen heimatgebundenen Nationalismus, der antimodernistisch,
antidemokratisch, völkisch, jedoch nicht radikal rassistisch
war. Im Nationalsozialismus sah er die große Volksbewegung
für sein Ideal der Synthese von Christentum und Volkstum,
daher schloß er sich den ’Deutschen Christen’
an. Deren antisemitische und rassistische Positionen teilte
er jedoch nicht. Die kirchenpolitischen Auseinandersetzungen
zwischen ’Deutschen Christen’ und ’Bekennender
Kirche’ ließen ihn resignierend erkennen, das
es zu einem Aufbruch innerhalb der Kirche nicht kommen würde.
Er zog sich aus der Kirchenpolitik zurück und blieb ein
in Flensburg hoch geachteter Individualist und Einzelgänger.
Romig, Gabriele:
Heinrich Kähler: ein christlich-deutscher, deutsch-christlicher
Geistlicher. In: Reumann, Klauspeter (Hrsg.): Kirche und Nationalsozialismus:
Beiträge zur Geschichte des Kirchenkampfes in den evangelischen
Landeskirchen Schleswig-Holsteins. Neumünster: Wachholtz,
1988 (Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische
Kirchengeschichte, Reihe 1; Bd. 35), S. 35 - 48.
Heinrich Kähler, Pastor der Nikolaigemeinde
in Flensburg, trat 1933 den ’Deutschen Christen’
bei, zog sich aber zunehmend aus den kirchenpolitischen Auseinandersetzungen
zurück. Er vertrat national-konservative Auffassungen
und hoffte, daß es den ’Deutschen Christen’
gelingen würde, die durch den Nationalsozialismus ausgelöste
Volksbewegung in die Kirche zu tragen.
Schotten, Erwin:
Rendsburg unter dem Hakenkreuz. Rendsburg: Möller, 1987.
130 S.
Dokumentation des Lebens in einer schleswig-holsteinischen
Kleinstadt im Nationalsozialismus mit zahlreichen Zitaten
aus den Quellen. Ein Kapitel ist der Judenverfolgung gewidmet.
Schreyer, Alf:
Kirche in Stormarn: Geschichte eines Kirchenkreises und seiner
Kirchengemeinden. Hamburg: M + K Hansa Verl., 1981. 164 S.
Der Autor berichtet umfassend über die
Kirche in Stormarn während des Nationalsozialismus (S.
101 - 111). Im Oktober 1933 wurde der neue Propst Gustav Dührkop
in sein Amt eingeführt, einer der führenden Vertreter
der ’Deutschen Christen’. Sein kirchenpolitisches
Engagement zugunsten des Staates und der NSDAP, von Schreyer
belegt durch den Abdruck eines sehr bezeichnenden Briefes
an die Pastoren vom Juli 1934, verursachte einer Abwehrhaltung
gegen ihn bei zahlreichen Pastoren. 1939 wurde auf sein Betreiben
Pastor Bernhard Bothmann (Wandsbek) in den einstweiligen Ruhestand
versetzt, da er mit einer Jüdin verheiratet war.
Schulte, Christiane:
Kirche und Nationalsozialismus: Vorgeschichte und frühe
Phase (1933/34) der kirchenpolitischen Auseinandersetzungen
in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Schleswig-Holsteins
unter besonderer Berücksichtigung der Propstei Oldenburg
i. H. Kiel, 1992. 135 S. Kiel, Univ., Staatsexamensarbeit,
1992 [Standort: Nordelbisches Kirchenarchiv (Kiel), Bibliothek].
Nach einer ausführlichen Einführung
in den Kirchenkampf auf der Ebene der Landeskirche geht die
Autorin auf die Verhältnisse in der Propstei Oldenburg
ein. Propst Traugott Schulze wurde im Oktober 1933 im Landeskirchenamt
von seinem Amt enthoben, weil er politisch nicht zuverlässig
im Sinne der ’Deutschen Christen’ erschien: er
hatte sich für den bedrängten Pastor Walter Auerbach
(Altenkrempe), einem Christ jüdischer Herkunft, eingesetzt.
Sein Nachfolger wurde Hugo Bender, ein radikaler Vertreter
der ’Deutschen Christen’, der offen für die
NSDAP agitierte und als Landesobmann der ’Thüringer
Deutschen Christen’ fungierte. In der Propstei Oldenburg
stieß er kaum auf Widerstand: 1935 gehörten nur
3 Pastoren der Bekenntnisgemeinschaft an. Nach dem Krieg wurde
Bender seiner Ämter enthoben, konnte aber 1949 eine neue
Pfarrstelle in der Propstei Segeberg übernehmen.
Siems, Gisela:
Hauptpastor Friedrich Andersen: ein Wegbereiter des Nationalsozialismus
in der Stadt Flensburg. [Basedow], 1981. 152 S. Kiel, Päd.
Hochschule, Realschullehrerprüfungsarbeit, 1981 [Standort:
Nordelbisches Kirchenarchiv (Kiel), Bibliothek].
Die Arbeit besteht aus einem Textteil (S.
1 - 68) und einem Dokumentenanhang (S. 69 - 152). Die Autorin
beleuchtet ausführlich das deutsch-völkische und
antisemitische Gedankengut des Flensburger Pastors sowie seine
Rolle bei der Gründung der NSDAP-Ortsgruppe in Flensburg
im Jahr 1925. Im Anhang finden sich aufschlußreiche
Dokumente, z. B. ein handschriftlicher Bericht Andersens über
die Entwicklung der NSDAP in Flensburg aus dem Jahr 1937.
Siems, Gisela:
Hauptpastor Friedrich Andersen, Bund für Deutschkirche:
ein Wegbereiter des Nationalsozialismus in der Stadt Flensburg.
In: Reumann, Klauspeter (Hrsg.): Kirche und Nationalsozialismus:
Beiträge zur Geschichte des Kirchenkampfes in den evangelischen
Landeskirchen Schleswig-Holsteins. Neumünster: Wachholtz,
1988 (Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische
Kirchengeschichte, Reihe 1; Bd. 35), S. 13 - 34.
Friedrich Andersen (1860 - 1940) war einer
der wichtigsten Repräsentanten des sogenannten ’Deutschchristentums’,
das geprägt war durch radikalen Antisemitismus. Andersen
engagierte sich in der ’Deutschkirche’ und saß
als Abgeordneter des ’Deutsch-Völkischen Bundes’
im Flensburger Stadtparlament. Er gehörte außerdem
zu den Mitbegründern der NSDAP in Flensburg und war als
Schulungsleiter für die Partei tätig.
Sörensen, Christian M.: Politische Entwicklung und Aufstieg der NSDAP in den Kreisen Husum und
Eiderstedt 1918-1933. Neumünster: Wachholtz, 1995. (Quellen
und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins; Bd. 104).
608 S., Ill.
Der Autor geht in seiner umfassenden Darstellung
auch auf die Hinwendung der Pastoren zur nationalen Rechten
und zur NSDAP ein. Propst Georg Sieveking gehörte der
DNVP an, lehnte aber die NSDAP strikt ab und wurde von deutschchristlichen
Kräften aus dem Amt gedrängt und zum 1. Januar 1934
zwangspensioniert. Frühe NSDAP Pastoren waren Szymanowski
(Kating, Kaltenkirchen, Propst in Segeberg) und Peperkorn
(Viöl). Zahlreiche weitere Pastoren begrüßten
politisch den Nationalsozialismus standen kirchlich jedoch
auf seiten der ’Bekennenden Kirche’ und in Gegnerschaft
zu den ’Deutschen Christen’: um die Jahreswende
1934/35 gehörten von den 19 Pastoren der Propstei Husum-Bredstedt
14 der ’Bekennenden Kirche’ an. In Eiderstedt
waren es 4 von 9 Pastoren.
Stadtarchiv Flensburg (Hrsg.): Ausgebürgert. Ausgegrenzt. Ausgesondert: Opfer politischer und
rassischer Verfolgung in Flensburg 1933-1945. Flensburg: Stadtarchiv
Flensburg, 1998. (Flensburger Beiträge zur Zeitgeschichte;
3). 274 S., Ill.
Sammelband mit Beiträgen zur Ausbürgerung
Flensburger Bürger, der Ausgrenzung der dänischen
Minderheit, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in Flensburg,
Opfer der NS-Militärjustiz, strafrechtliche Verfolgung
männlicher Homosexueller, Flensburger ’Zigeuner’
in den Jahren 1922 bis 1945, ’Euthanasie’-Opfer
und Zwangssterilisierte.
Stadtarchiv Flensburg (Hrsg.): Zwischen Konsens und Kritik: Facetten kulturellen Lebens in Flensburg
1933-1945. Flensburg: Stadtarchiv Flensburg, 1999. (Flensburger
Beiträge zur Zeitgeschichte; 4). 377 S., Ill.
Sammelband mit Beiträgen zur Geschichte
der Feierkultur, des Ehrenbürgerrechts, der Schule, von
Theater und Kino in Flensburg während des Nationalsozialismus.
Weitere Beiträge widmen sich dem Tannenbergbund, bürgerlichen
Frauenvereinen, der dänischen Minderheit und dem politischen
und kulturellen Widerstand gegen den Nationalsozialismus.
Steensen, Thomas (Red.):
Nationalsozialismus in Nordfriesland: Beiträge von der
Fachkonferenz zum 60. Jahrestag der ’Machtergreifung’
in Bredstedt. Bräist/Bredstedt: Nordfriisk Institut,
1993. (Nordfriisk Instituut; Nr. 119). 96 S., Ill.
Aufsatzsammlung mit Beiträgen zum Aufkommen
des Nationalsozialismus in Südtondern, den Kreisen Husum
und Eiderstedt; über Sylt im Nationalsozialismus; den
Zeugen Jehovas in Nordfriesland 1933-1945; der Geschichte
des KZ Ladelund und dem Nationalsozialismus in Chroniken aus
Nordfriesland.
Stüber, Gabriele:
Kirchenarchivalische Überlieferung zur Geschichte des
Kirchenkampfes in Lauenburg. In: Jürgensen, Kurt (Hrsg.):
Die Kirche im Herzogtum Lauenburg: Beiträge zu ihrer
Geschichte und Gegenwart. Neumünster: Wachholtz, 1994
(Lauenburgische Akademie für Wissenschaft und Kultur:
Kolloquium; 5), S. 147 - 150.
Knapper Bericht über den Ordnungszustand
der Kirchengemeindearchive im Kirchenkreis Herzogtum Lauenburg
mit Hinweis auf die unzulängliche Forschungspraxis.
Sutter, Peter (Hrsg.):
Der sinkende Petrus: Rickling 1933-1945. Rickling: [Peter
Sutter], 1986. 310 S.
Quellensammlung und Darstellung der Geschichte
der Ricklinger Anstalten im Nationalsozialismus. Der Autor
stellt sehr detailliert dar, in welchem großem Umfang
die vom Landesverein für Innere Mission in Schleswig-Holstein
getragenen Anstalten in die Euthanasieverbrechen verstrickt
waren. Außerdem wird die Enstellung der Ricklinger Brüderschaft
(heute: Diakonen) zum Nationalsozialismus und die Entwicklung
des Konzentrationslager Rickling-Kuhlen beschrieben.
Vehse, Joachim G.:
Das Jugendpastorat für Schleswig-Holstein und die Auseinandersetzungen
um die Eingliederung der evangelischen Jugend in die Hitlerjugend
1933/34. In: Reumann, Klauspeter (Hrsg.): Kirche und Nationalsozialismus:
Beiträge zur Geschichte des Kirchenkampfes in den evangelischen
Landeskirchen Schleswig-Holsteins. Neumünster: Wachholtz,
1988 (Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische
Kirchengeschichte, Reihe 1; Bd. 35), S. 247 - 306.
Dargestellt wir die Eingliederung der ev.
Jugendverbände in die staatlichen Jugendorganisationen
(HJ, BDM) unter den Jugendpastoren Wolfgang Prehn und Max
Ehmsen; mit Dokumentenanhang.
Vogt, Peter:
Die Bekennende Kirche in der Propstei Nordangeln während
des Kirchenkampfes 1933 - 1945. Sörup, 1980. IX, 270
S. Kiel, Päd. Hochschule, Realschullehrerprüfungsarbeit,
1980 [Standort: Nordelbisches Kirchenarchiv (Kiel), Bibliothek].
Darstellung des Kirchenkampfes in Nordangeln,
auf intensiven Archivstudien beruhend. Im Zweiten Teil (S.
98 - 238) werden zahlreiche Dokumente abgedruckt. Es folgen
Literaturverzeichnis und Personenregister.
Vogt, Peter:
Die Berufung und Amtseinführung von Pastor Rudolf Sohrt
in Steinberg, Propstei Nordangeln, durch die Bekenntnisgemeinschaft
1935/36. In: Reumann, Klauspeter (Hrsg.): Kirche und Nationalsozialismus:
Beiträge zur Geschichte des Kirchenkampfes in den evangelischen
Landeskirchen Schleswig-Holsteins. Neumünster: Wachholtz,
1988 (Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische
Kirchengeschichte, Reihe 1; Bd. 35), S. 339 - 359.
Dargestellt wird die Auseinandersetzung zwischen
dem Landesbruderrat der ’Bekennenden Kirche’ und
dem Landeskirchenamt um die Berufung von Rudolf Sohrt nach
Steinberg. Der Bekenntnisgemeinschaft gelang es hier zum ersten
Mal einen ihrer Kandidaten in das Pastorenamt zu bekommen.
Sohrt konnte nur kurz in Steinberg wirken und fiel am 14.
Juli 1941 in Rußland.
Völkel, Eduard:
Erinnerungen aus meinem Leben. Kiel: Schmidt & Klaunig,
[1957]. 89 S. [Standort: Nordelbisches Kirchenarchiv (Kiel),
Bibliothek].
Autobiographie des ehemaligen Bischofs von
Schleswig (1925 - 1933). Völkel stand den ’Deutschen
Christen’ ablehnend gegenüber und wurde daher im
September 1933 abgesetzt. Ausführlich schildert er die
’Machtergreifung’ der ’Deutschen Christen’
in Schleswig-Holstein insbesondere die ’Braune Synode’
in Rendsburg vom September 1933. Nach 1945 gehörte Völkel
zur ’Vorläufigen Kirchenleitung’ der Landeskirche.
Wattenberg, Hauke: Anticlericus:
Friedrich Andersens völkische Theologie im Umbruch der
Moderne. Kiel, 1993. 69 S. Leipzig, Univ., Theologische Prüfungsarbeit,
1993 [Standort: Nordelbisches Kirchenarchiv (Kiel), Bibliothek].
1907 erschien Pastor Friedrich Andersens Hauptwerk Anticlericus.
Auf 618 Seiten entfaltete er die Geschichte des Juden- und
des Christentum: das evangelische Christentum hat das Judentum
überwunden und somit erst die wahre Religion
begründet. Das Judentum verknüpft Politik und Religion
und wäre von maßloser Herrschsucht geprägt,
im Gegensatz zur reinen Laienreligion Jesu. Juden
werden von Andersen als geschichtsfälschende Machtpolitiker
mit allen denkbar schlechten Charaktereigenschaften dargestellt.
Andersen versteht seine antijüdische Position zunächst
rein theologisch, den politisch begründeten Antisemitismus
lehnt er ab. Nach dem Ersten Weltkrieg ändert sich das:
in einer Weiterführung des Anticlericus,
unter dem Titel Der deutsche Heiland 1921 erschienen,
wurde der politisch und rassistisch motivierte Antisemitismus
zur Grundlage seiner deutsch-völkischen Theologie.
Konsequent suchte der Flensburger Pastor jetzt den Kontakt
zu antisemitischen politischen Gruppierungen und wurde zum
Mitbegründer der NSDAP-Ortsgruppe in Flensburg.
Wolfes, Matthias (Bearb.):
Hermann Mulert (1879 - 1950): Lebensbild eines Kieler liberalen
Theologen. Mit einem aus dem Nachlaß herausgegebenen
Text Wie wir wieder ein Volk werden sollen von
1945 sowie ausgewählten Texten aus den Jahren 1930 bis
1936. Neumünster: Wachholtz, 2000. (Schriften des Vereins
für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte: Reihe
2; Bd. 50). 152 S., Ill.
Hermann Mulert gehörte zu den führenden Theologen
des liberalen Protestantismus in Deutschland. Nach dem Studium
der Theologie und Philisophie war er von 1917 - 1920 außerordentlicher
und von 1920 - 1935 ordentlicher Professor für Systematische
Theologie an der Universität Kiel. Von 1932 - 1941 gab
er die führende christlich-liberale Zeitschrift Die
christliche Welt heraus. Mulert lehnte den Nationalsozialismus
und Antisemitismus entschieden ab und beschloß 1935
sich emeritieren zu lassen, um einer Amtsenthebung zuvorzukommen.
Der Band enthält neben einer biographischen Würdigung
durch den Bearbeiter zahlreiche Veröffentlichungen und
einige ungedruckte Briefe. Er wird erschlossen durch ein Personenregister.
Zwicker, Nicole:
Zeitverständnis und Politikverständnis in der evangelischen
Kirche Schleswig-Holsteins vor 1933. Kiel, 1993. 158 S., Anl.
Kiel, Univ., Staatsexamensarbeit, 1993 [Standort: Nordelbisches
Kirchenarchiv (Kiel), Bibliothek].
Die Autorin analysiert das Politikverständnis
der schleswig-holsteinischen Pastorenschaft anhand der systematischen
Auswertung von Kirchenzeitungen und einigen Kirchengemeindeblättern.
Sie kommt zu dem Ergebnis, daß nahezu die gesamte Pastorenschaft
extrem rechts und nationalistisch orientiert war. Eine kleine
Gruppe liberaler Demokraten um den Kieler Theologieprofessor
Otto Baumgarten war innerhalb der Landeskirche isoliert.

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