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Bajohr, Frank; Szodrzynski, Joachim
(Hrsg.): Hamburg in der NS-Zeit: Ergebnisse neuerer Forschungen.
Hamburg: Ergebnisse-Verl., 1995. (Forum Zeitgeschichte; Bd.
5). 309 S.
Aufsatzsammlung mit 10 Beiträgen unter
anderen zur Person des Hamburger NSDAP-Gauleiters Karl Kaufmann
von Frank Bajohr und zum Einsatz ausländischer Zwangsarbeiter
in der Hamburger Kriegswirtschaft von Friedrike Littmann.
Drei Beiträge werden einzeln ausgewertet. In ihrer Einleitung
stellen die Herausgeber ausführlich den Stand der Forschung
da.
Böhme, Klaus; Lohalm, Uwe (Hrsg.): Wege in den Tod: Hamburgs Anstalt Langenhorn und
die Euthanasie in der Zeit des Nationalsozialismus. Hamburg:
Ergebnisse-Verl., 1993. (Forum Zeitgeschichte; Bd. 2). 512
S.
Eine Autorengemeinschaft hat die Geschichte der einzigen
staatlichen Anstalt für Geisteskranke in Hamburg-Langenhorn
in der nationalsozialistische Zeit aufgearbeitet. Mehr als
4.000 Patienten wurden im Zweiten Weltkrieg nach auswärts
verlegt, von denen 2.668 bis 1945 verstarben und nur 488 überlebten.
Das Schicksal der übrigen ist bisher nicht aufklärbar.
Die Verlegungen im Rahmen der Euthanasie-Aktion ’T-4’
werden ebenso detailliert dargestellt wie die weiteren Verlegungen
in die Tötungsanstalten nach dem offiziellen Euthanasie-Stopp.
Im letzten Kapitel wird eine statistische Gesamtauswertung
der Patientendaten präsentiert. Quellen- und Literaturverzeichnis
sowie Personen- und Ortsregister beenden das Buch.
Brüderschaft und 3. Reich:
Studie eines Forschungsseminars der Ev. Fachhochschule für
Sozialpädagogik der Diakonenanstalt des Rauhen Hauses.
Neuauflage [1. Aufl 1982] Hamburg: Ev. Fachhochschule für
Sozialpädagogik, 1988. 150 S. [Standort: Nordelbisches
Kirchenarchiv (Kiel), Bibliothek].
Studie, die stark von Faschismustheorien geprägt ist,
über das Rauhe Haus in Hamburg und seine Brüderschaft
(heute: Diakonen) im Nationalsozialismus. Ausgewertet wurden
die Zeitschrift des Rauhen Hauses Der Rauhhäusler
Bote und Manuskripte des Vorstehers, Pastor Gotthold
Donndorf, sowie die Personalakten der Diakonen. Außerdem
werden Interviews mit Zeitzeugen abgedruckt.
Diercks, Herbert:
Friedhof Ohlsdorf: Auf den Spuren von Naziherrschaft und Widerstand.
Hamburg: Ergebnisse-Verl., 1992. 127 S., Ill., 1. Kt. (beiliegend)
In zahlreichen biographischen Skizzen werden
Opfer, aber auch Täter, aus der nationalsozialistischen
Zeit, die auf dem Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf begraben
sind, gewürdigt. Weitere Beiträge sind dem Ehrenfriedhof
für ehemalige Widerstandskämpfer und der Grabmalkultur
des Nationalsozialismus gewidmet.
Ebbinghaus, Angelika; Linne, Karsten (Hrsg.): Kein abgeschlossenes Kapitel: Hamburg im ’Dritten
Reich’. Hamburg: Europäische Verlagsanstalt, 1997.
(eva Wissenschaft). 556 S.
Aufsatzsammlung, die sich besonders der Wirtschafts-
und Sozialgeschichte der Hansestadt im Nationalsozialismus
widmen. Unter anderen mit Beiträgen von Gabriele Ferk
zur Bedeutung des Hamburger Oberfinanzpräsidenten bei
der wirtschaftlichen Ausplünderung der verfolgten Juden;
Wilfried Weinke über die Verfolgung jüdischer Rechtsanwälte;
Andreas Seeger über Hinrichtungen in Altona und Hamburg
von 1933 bis 1945 und Michael Wunder über die ’Euthanasie’
in Hamburger Anstalten für Psychiatriepatienten. Der
Band wird abgeschlossen durch eine Auswahlbibliographie und
mehrere Register.
Eichholz, Erik:
Die evangelisch-lutherische Gefängnisseelsorge in Hamburg
im ’Dritten Reich’: vom Schwinden des Humanen.
Hamburg, 1995. 106 S. Hamburg, Univ., Magisterarbeit, 1995
[Standort: Nordelbisches Kirchenarchiv (Kiel), Bibliothek].
Einzige Darstellung zum Thema. Der Autor
entwickelt sehr pointiert folgende These: es gab eine Transformation
von der traditionellen Gefängnisseelsorge in der Weimarer
Republik, die sich primär an den seelischen und sozialen
Problemen der Gefangenen orientiert hatte, zu einer neuen
Generation evangelischer Gefangenenseelsorger im Nationalsozialismus,
die hauptsächlich die Straf- und Sozialdisziplinierungsmaßnahmen
des Staates unterstützten. Die Landeskirche trug diesen
Kurswechsel mit.
Glensk, Evelyn; Rothmaler, Christiane
(Hrsg.): Kehrseiten der Wohlfahrt: die Hamburger Fürsorge
auf ihrem Weg von der Weimarer Republik in den Nationalsozialismus.
Hamburg: Ergebnisse-Verl., 1992. 343 S., Ill.
Aufsatzsammlung mit Beiträgen zur Geschichte
der staatlichen Hamburger Sozialfürsorge. Die Träger
der freien Wohlfahrtseinrichtungen werden nur am Rande behandelt.
Besonders relevante Beispiele für die Verschärfung
staatlicher Zwangsmaßnamen von der Weimarer Republik
zum Nationalsozialismus bieten die Beiträge von Ruth
Baumann und Evelyn Glensk über jugendpsychatrische Gutachten
beim Hamburger Jugendamt und von Christiane Rothmaler über
den fürsorgerechtlichen Arbeitszwang.
Grolle, Joist:
Von der Verfügbarkeit des Historikers: Heinrich Reincke
und die Hamburg-Geschichtsschreibung in der NS-Zeit. In: Bajohr,
Frank; Szodrzynski, Joachim (Hrsg.): Hamburg in der NS-Zeit:
Ergebnisse neuerer Forschungen. Hamburg: Ergebnisse-Verl.,
1995 (Forum Zeitgeschichte; Bd. 5), S. 25 - 57.
Heinrich Reincke (1881 - 1960) wurde 1933
zum Direktor des Hamburger Staatsarchivs bestellt und galt
als einer der besten Kenner der Landesgeschichte. Er war besonders
engagiert in der hamburgische Landeskirche als Synodaler und
schloß sich 1933 den ’Deutschen Christen’
an, in persönlicher Verbundenheit zum neuen Landesbischof
Schöffel. Im neuberufenen Landeskirchenrat wurde er als
Stellvertreter des Bischofs und Vorsitzender der kirchlichen
Disziplinarkammer in den Kirchenkampf mit einbezogen. Reincke
war sehr bemüht sich in jeder Weise dem neuen Regime
anzupassen, seine Publikationen wurden jetzt mit antisemitischen
und rassistischen Passagen versehen.
Hammer, Friedrich:
Kirche in politischen Ausnahmesituationen: Erlebnisse eines
Pfarrers in Hamburg und Altona 1930-1956. In: Zeitschrift
des Vereins für Hamburgische Geschichte 77 (1991), S.
77 - 100.
Friedrich Hammer schildert sehr persönlich
seine Erlebnisse mit Bischof Franz Tügel und als Geistlicher
in der Strafanstalt Hamburg-Fuhlsbüttel während
des Nationalsozialismus. 1938 wurde er Pastor in Ottensen
(Propstei Altona), das zur schleswig-holsteinischen Landeskirche
gehörte. Um eine Pfarrstellenneubesetzung in Ottensen
1938 kam es zum Konflikt mit dem Präsidenten des Landeskirchenamtes,
Christian Kinder, der von Hammer sehr negativ beurteilt wird.
1939 bis 1945 diente Hammer in der Wehrmacht.
Hammer, Friedrich; Schade, Herwarth von: Die Hamburger Pastorinnen und Pastoren seit der Reformation:
ein Verzeichnis. Als
Manuskript vervielfältigt.
Hamburg: [Selbstverlag der Verfasser].
Teil 1. Alphabetisches Hauptverzeichnis.
- 1995. - 214 S.
Teil 2. Gemeindeverzeichnis. - 1995. - 210
S.
Biographische Angaben zu den Pastoren der
Landeskirche; teilweise auf den Personalakten beruhend. Ein
Pfarrstellenverzeichnis ist in Band 2 vorhanden.
Hering, Rainer:
Auf dem Weg in die Moderne?: die Hamburgische Landeskirche
in der Weimarer Republik. In: Zeitschrift des Vereins für
Hamburgische Geschichte 82 (1996), S. 127 - 166.
Der Autor versucht eine Gesamtschau der Landeskirche
in der Weimarer Republik, wobei er nicht nur auf theologische
und kirchenpolitische Auseinandersetzungen innerhalb der Kirche
eingeht, sondern auch ihre gesellschaftliche Rolle und das
Alltagsleben in den Gemeinden berücksichtigt. Zentraler
Begriff für den behandelten Zeitraum ist die ’Entkirchlichung’
in Hamburg, aus der nicht zuletzt durch die schwierigen wirtschaftlichen
Verhältnisse, viele Kirchenaustritte resultierten. Über
antisemitische und völkisch-nationale Strömungen
innerhalb der Pastorenschaft läßt sich zum jetzigen
Zeitpunkt wegen der unbefriedigenden Forschungslage kein abschließendes
Urteil fällen.
Hering, Rainer:
’Feststellen möchte ich aber, daß ich als
Nationalsozialist unter keinen Umständen meine
Tochter von einer jüdischen Lehrerin
unterrichten lassen kann und werde’: Landesjugendpastor
Johannes Vorrath und sein Kampf um die ’rassische Sauberkeit’
in der ’deutschen Volksschule’ 1935. In: Zeitschrift
des Vereins für Hamburgische Geschichte 85 (1999), S.
143 - 164.
Exemplarische Studie über einer Pfarrer,
der dem radikalsten Flügel der ’Deutschen Christen’,
der Thüringer Richtung, angehörte und als überzeugter
Nationalsozialist und Antisemit die Entfernung einer jüdischen
Lehrerin aus dem Staatsdienst forderte. Vollraths Amtsführung
war innerhalb der Landeskirche so umstritten, wegen seiner
Anbiederung an die Hitler-Jugend, daß er 1936 das Amt
des Landesjugendpfarrers abgeben mußte und auf eine
Pfarrstelle nach Finkenwerder wechselte. Ausführlich
geht Hering auf sein Entnazifizierungsverfahren nach dem Krieg
ein: trotz erheblicher Belastung aufgrund seiner nationalsozialistischen
Betätigung gelang es ihm, nach vorläufiger Versetzung
in den Ruhestand, wieder eine Pfarrstelle zu bekommen.
Hering, Rainer:
Die Bischöfe: Simon Schöffel, Franz Tügel.
Hamburg: Verlag Verein f. Hamburgische Geschichte, 1995. (Hamburgische
Lebensbilder in Darstellungen und Selbstzeugnissen; Bd. 10).
92 S., Ill.
Doppelbiographie über die Bischöfe
der hamburgischen Landeskirche Simon Schöffel (1880 -
1959) und Franz Tügel (1888 - 1946). Schöffel, national-konservativ
und antisemitisch eingestellt,
wurde im Mai 1933 in das neu geschaffene Amt des Landesbischofs
gewählt. Er unterstützte den Nationalsozialismus
vorbehaltlos, allerdings ohne Parteimitglied zu sein. Franz
Tügel, seit 1931 NSDAP-Mitglied, und die von ihm beeinflußten
’Deutschen Christen’ war Schöffel nicht radikal
genug, so daß sie seine Entmachtung betrieben. Im März
1934 trat er zurück und Tügel wurde Landesbischof.
Er behielt das Amt bis Juli 1945. Seit 1937 gab es Spannungen
zwischen Tügel und der Partei vor allem wegen seiner
Personalpolitik. Tügel blieb Nationalsozialist auch wenn
bestimmte radikale Postionen, etwa in der Einstellung gegenüber
den Juden, nicht teilte. Das Werk enthält ein Quellen-
und Literaturverzeichnis aber keine Anmerkungen in denen die
Zitate belegt werden.
Hering, Rainer:
’Sprache und Kultur des Judentums’ im Nationalsozialismus:
Walter Windfuhrs Lehrtätigkeit an der Hamburger Universität.
In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte
80 (1994), S. 141 - 151.
Der Hamburger Pastor Walter Windfuhr (1878
- 1970) erhielt 1928 einen Lehrauftrag an der Universität
Hamburg für ’Nachbiblisches Hebräisch und
Aramäisch’ und wurde im folgenden Jahr zum Honorarprofessor
ernannt. Politisch deutschnational eingestellt und Mitglied
der DNVP lehnte er den Nationalsozialismus entschieden ab
und bat im August 1933 den Hamburger Landesbischof Schöffel
um die Versetzung in den Ruhestand, weil er den Antisemitismus
der Landeskirche nicht mittragen wollte. Seinen universitären
Lehrauftrag konnte er bis November 1941 behalten, trotz zahlreichen
Anfeindungen von seiten der NSDAP.
Hering, Rainer:
Theologie im Spannungsfeld von Kirche und Staat: die Entstehung
der Evangelisch-Theologischen Fakultät an der Universität
Hamburg 1895 bis 1955. Berlin; Hamburg: Reimer, 1992. (Hamburger
Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte; Bd. 12). 463 S.
Die Hamburger Universität (1919 gegründet)
verfügt erst seit 1953 über eine Theologische Fakultät,
aber bereits in den Jahrzehnten zuvor wurde intensiv über
deren Errichtung diskutiert. Kurzfristig gab es 1933/34 eine
Initiative der ’Deutschen Christen’ eine Fakultät
zu errichten, um ihre kirchenpolitischen Ziele durchsetzen
zu können; allerdings ohne Erfolg. Das Buch ist mit umfangreichem
Quellen- und Literaturverzeichnis versehen, sowie mit Personen-
und Sachregister. Besonders nützlich sind die vom Autor
erstellten Kurzbiographien von zahlreichen Hamburger Pastoren
und Hochschullehrern.
Hering, Rainer:
Die Theologinnen: Sophie Kunert, Margarete Braun, Margarete
Schuster. Hamburg: Verlag Verein für Hamburgische Geschichte,
1997. (Hamburgische Lebensbilder in Darstellungen und Selbstzeugnissen;
Bd. 12). 125 S., Ill.
Mit einem Beitrag über die Hamburger
Theologin Sophie Kunert (1896 - 1960), die 1934 den Göttinger
Pfarrer Bruno Benfey heiratete. Benfey war Christ jüdischer
Herkunft und ist 1937 von der Hannoverschen Landeskirche in
den Ruhestand versetzt worden. In der sogenannten ’Reichskristallnacht’
vom 9./10. November 1938 wurde er in das Konzentrationslager
Buchenwald gebracht, wo er sehr schwer erkrankte. 1939 konnte
die Familie in die Niederlande emigrieren und überlebte
dort den Zweiten Weltkrieg.
Hering, Rainer:
Vom Seminar zur Universität: die Religionslehrerausbildung
in Hamburg zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik. Hamburg:
Dölling und Galitz, 1997. 234 S., Ill.
Hering geht ausführlich auf die Religionslehrerausbildung
im Nationalsozialismus ein (S. 49 - 76) und zeigt die Anpassung der kirchlichen Dozenten
an die politisch erwünschten Lehrinhalte. Besonders instruktiv
sind die zahlreichen Kurzbiographien und das umfangreiche
Quellen- und Literaturverzeichnis.
Herntrich, Hans-Volker (Hrsg.): Volkmar Herntrich 1908 - 1958: ein diakonischer Bischof. Berlin: Lettner,
1968. (Schriften für Diakonie und Gemeindebildung; Bd.
9). 275 S., Ill.
Volkmar Herntrich studierte Theologie und
wurde schon 1932 Privatdozent an der Kieler Universität,
gleichzeitig betreute er die Bugenhagengemeinde in Kiel-Wellingdorf.
Bereits seit 1927 stand er im scharfen Gegensatz zur NSDAP.
Als Mitbegründer des Pfarrernotbundes wurde ihm 1934
die universitäre Lehrbefugnis entzogen und er erhielt
totales Redeverbot in Schleswig-Holstein. Nach Stationen in
Bethel und Berlin wurde er 1942 zum Hauptpastor an St. Katharinen
in Hamburg gewählt. 1956 wählte ihn die Synode zum
Bischof der Hamburger Landeskirche. Das Buch enthält
eine biographische Würdigung Herntrichs durch seinen
Sohn (S. 13 - 59) und den Nachdruck zahlreicher Veröffentlichungen
sowie seltene Photos, teilweise aus Familienbesitz.
Hochmuth, Ursel; Meyer, Gertrud: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand 1933 -
1945: Berichte und Dokumente. Frankfurt am Main: Röderberg,
1969. 650 S.
Umfangreiche Abhandlung zum Widerstand Hamburger
Parteien und Verbände gegen den Nationalsozialismus.
Auf S. 54 - 69 wird der Widerstand des Hamburger Jugendpastors
Gotthold Donndorf gegen die Eingliederung des ev. Jugendverbandes
in die HJ dargestellt.
Jenner, Harald:
100 Jahre Anscharhöhe 1886 - 1986. Neumünster: Wachholtz,
1986. 155 S., Ill.
Umfassende Darstellung der Anscharhöhe
im Nationalsozialismus (S. 95 - 127). Das Pflege- und Erziehungsheim
’Anscharhöhe’ wurde von der St. Anschar Kirchengemeinde
getragen. Die anfängliche Begeisterung über den
neuen Staat wich, wie in anderen Einrichtungen der Inneren
Mission auch, der Ernüchterung angesichts der nationalsozialistischen
’Rasseideologie’, die christlichen Werten fundamental
entgegenstand. Seit 1937 gehörte Lokstedt und somit die
Anscharhöhe zu Hamburg und die Hamburger Behörden,
vor allem das Jugendamt, versuchten verstärkten Einfluß
auf die kirchliche Fürsorge- und Erziehungsarbeit zu
gelangen, was aber mißlang. Zahlreiche zeitgenössische
Fotos und Dokumente veranschaulichen den Beitrag.
Jochmann, Werner:
Ein lutherischer Bischof zwischen politischen Hoffnungen und
kirchlichen Zielen. In: Jochmann, Werner: Gesellschaftskrise
und Judenfeindschaft in Deutschland 1870 - 1945. Hamburg:
Christians, 1988 (Hamburger Beiträge zur Sozial- und
Zeitgeschichte; Bd. 23), S. 282 - 297.
Biographische Skizze über den Hamburger
Bischof Franz Tügel (1888 - 1946) und dessen kirchenpolitische
Ziele in der Zeit des Nationalsozialismus. Jochmann betont
Tügels Antisemitismus, der die rassistische Politik des
Staates ausdrücklich unterstützte. Aber bei einem
persönliche Freund, wie dem Wandsbeker Pastor Bernhard
Bothmann und dessen jüdischer Frau, war er zur persönlichen
Hilfeleistung bereit. Seine nationalistische Einstellung behielt
Tügel bis über das Kriegsende bei, ohne aus den
Verbrechen des Nationalsozialimus politische und theologische
Konsequenzen zu ziehen.
Lohalm, Uwe:
Hamburgs Verwaltung und öffentlicher Dienst im Dritten
Reich. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte
82 (1996), S. 167 - 208.
Lohalm geht ausführlich auf die Veränderungen
in der Verwaltungsstruktur durch das ’Groß-Hamburg-Gesetz’
vom Januar 1937 ein: Hamburgs Gebietsumfang vergrößerte
sich um 80 Prozent, seine Einwohnerzahl um 40 Prozent durch
Gebietsabtretungen aus den preußischen Provinzen Schleswig-Holstein
und Hannover. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Darstellung
ist die Entlassung und Pensionierung von Beamten aufgrund
’politischer Unzuverlässigkeit’ und des ’Arierparagraphen’:
mehr als 13 Prozent der 17.000 hamburgischen Beamten waren
davon betroffen. Bei den Staatsanwälten und Richtern
waren es sogar 17 Prozent, davon zwei Fünftel wegen ihrer
jüdischen Herkunft.
Nellessen, Bernd:
Das mühsame Zeugnis: die katholische Kirche in Hamburg
im zwanzigsten Jahrhundert. Hamburg: Christians, 1992. (Hamburger
Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte; Bd. 26). 201
S.
Einzige Gesamtdarstellung zur Geschichte
der katholischen Kirche in Hamburg. Die nationalsozialistische
Zeit wird umfassend dargestellt, wobei der Autor die grundsätzliche
Feindschaft der Nationalsozialisten gegenüber der katholischen
Kirche betont, die sich in einer ständigen Abwehrhaltung
gegen den totalitären Staat befand. Das Verhältnis
zu den Juden war von traditionellem christlichen Antijudaismus
geprägt. Die Zahl der katholischen Christen jüdischer
Herkunft in Hamburg war sehr gering: 1939 waren es 62, dazu
166 ’Mischlinge ersten Grades’ und 111 ’Mischlinge
zweiten Grades’. In Hamburg befand sich auch das Generalsekretariat
des ’Raphaelsvereins’, der Katholiken jüdischer
Herkunft zur Auswanderung verhielf und ständig von der
Gestapo beobachtet wurde.
Reichel, Peter (Hrsg.):
Das Gedächtnis der Stadt: Hamburg im Umgang mit seiner
nationalsozialistischen
Vergangenheit. Hamburg: Dölling und
Galitz, 1997. (Schriftenreihe der Hamburgischen Kulturstiftung;
Bd. 6). 253 S., Ill.
Sammelband, der sich mit der ’Geschichtskultur’
der Hansestadt auseinandersetzt. Dargestellt wird die Denkmalkultur,
unter anderem am Beispiel des aus dem Bombenkrieg übriggebliebenen
Turmes der St. Nikolai-Kirche. Weitere Beiträge widmen
sich dem ehemaligen Konzentrationslager Neuengamme und dem
jüdischen Friedhof Ottensen sowie Mahnmalen für
die verfolgten Juden. Die Erforschung der Universitätsgeschichte
im Nationalsozialismus und eine Bilanz bisheriger geschichtswissenschaftlicher
Forschung beenden den Band.
Reiter, Michael:
Christliche Existenz und sozialer Wandel in der ersten Hälfte
des 20. Jahrhunderts: eine Hamburger Kirchengemeinde in den
politischen Auseinandersetzungen der Weimarer Republik und
des Dritten Reiches. Hamburg: [Dissertationsdruck], 1992.
252 S. Hamburg, Univ., Diss., 1992.
Wissenschaftlich solide Darstellung über
die Geschichte der evangelischen Dreifaltigkeitsgemeinde Hamburg-Hamm
von 1918 - 1950 mit Schwerpunkt auf den Jahren 1933 - 1945.
Die Gemeinde war lutherisch-orthodox geprägt und begrüßte
den Nationalsozialismus enthusiastisch. Aber bereits im November
1933 wandte sich Pastor Bernhard Heinrich Forck von den ’Deutschen
Christen’ ab, wurde Mitglied des Bruderrates und zu
einem der profiliertesten Vertreter der ’Bekennenden
Kirche’ in Hamburg. In Hamm wurde der Kirchenkampf zwischen
den Pastoren Heldmann und Forck mit großer Intensität
geführt, aber in ihrer antisemitischen Einstellung unterschieden
sie sich nicht. Allenfalls mit den getauften Juden gab es
sehr vorsichtig formulierte Solidaritätsbekundungen.
Ruoff, Manuel:
Landesbischof Franz Tügel. Hamburg: Krämer, 2000.
(Beiträge zur deutschen und europäischen Geschichte;
22). 347 S.
Biographie des umstrittenen Hamburger Bischofs Tügel
(1888 - 1946). Das Buch enthält ein Verzeichnis der benutzten
Quellen und ein knappes Literaturverzeichnis, aber kein Register.
Schade, Herwarth von:
Das Landeskirchenamt in Hamburg. In: Zeitschrift des Vereins
für Hamburgische Geschichte 72 (1986), S. 171 - 205.
Das Landeskirchenamt als zentrale kirchliche
Verwaltungsbehörde wurde im März 1934 von Landesbischof
Tügel eingerichtet. Als leitende Beamte (Oberkirchenräte)
wurden ernannt die Pastoren Karl Friedrich Boll und Adolf
Drechsler sowie der Jurist Eduard Pietzcker, früher Syndikus
der Hamburger Landeskirche. Das neue Amt hatte die Aufgabe
dem Landesbischof bei der Verwaltung der Kirche zuzuarbeiten
und stärkte somit seine Amtsposition. Der Aufsatz geht
dann ausführlich auf die weitere Entwicklung der Behörde
ein bis zu ihrem Ende 1977 als die hamburgische Landeskirche
ihre Selbständigkeit verlor und in der Nordelbischen
Kirche aufging.
Severin, Günther:
Jahre einer Gemeinde: Eilbek 1872 - 1943. Hamburg, 1985. 701
S., Ill.
Eine sehr umfangreiche Chronik der Kirchengemeinde
Eilbek in Hamburg, allerdings mit einem erheblichen darstellerischen
Mangel: der Autor zitiert häufig und sehr umfangreich
aus ungedruckten Aktenbestände ohne einen Fundortnachweis.
Ein besonderer Schwerpunkt wird auf die Darstellung der nationalsozialistischen
Zeit gelegt. Die beiden Pastoren Wilhelm Reme und Johannes
Wehrmann gehörten der ’Bekennenden Kirche’
an. Ihre Konflikte mit Landesbischof Tügel werden ausführlich
dargestellt.
Tilicki, Holger:
Ein Pastor zwischen den Fronten: die Kirchengemeinde St. Lukas
im Nationalsozialimus. In: Fuhlsbüttel unter dem Hakenkreuz.
Hamburg: Dölling und Galitz, 1996, S. 57 - 72.
Dargestellt wird der Konflikt zwischen Pastor
Heinrich Zacharias-Langhans (1898 - 1969), der gemäß
der nationalsozialistischen Rasseideologie mit seinen jüdischen
Vorfahren als ’Halbjude’ galt, und dem Kirchenvorstand,
der dominiert wurde von den ’Deutschen Christen’
um den Direktor des Staatsarchivs Heinrich Reincke. Zacharias-Langhans
gehörte keiner kirchenpolitischen Strömung an, war
aber ständig Verdächtigungen ausgesetzt und wurde
von der Gestapo beobachtet. Er lehnte den Nationalsozialismus
ab und begab sich selbst in unmittelbare Lebensgefahr, in
dem er ein jüdisches Ehepaar im Pastorat versteckte.
Tügel, Franz; Nicolaisen, Carsten
(Hrsg.): Mein Weg: 1888-1946. Erinnerungen eines Hamburger
Bischofs. Hamburg: Wittig, 1972. (Arbeiten zur Kirchengeschichte
Hamburgs; 11). XI, 453 S., 1 Abb.
Autobiographie des Hamburger Landesbischofs.
Wilhelmi, Heinrich:
Die Hamburger Kirche in der nationalsozialistischen Zeit:
1933-1945. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1968.
(Arbeiten zur Geschichte des Kirchenkampfes: Ergänzungsreihe;
Bd. 5). 326 S.
Einzige Gesamtdarstellung des Kirchenkampfes
in Hamburg; bis heute nicht überholt. Heinrich Wilhelmi
(1888 -1968) war selbst auf der Seite der ’Bekennenden
Kirche’ am Kirchenkampf beteiligt. Er teilt das Buch
in folgende Kapitel ein: 1. Einleitung. 2. Vom Senior zum
Bischof. 3. Schöffels Bischofszeit. 4. Tügel
Amtszeit I: Als Mitglied der Deutschen Christen. 5. Tügels
Amtszeit II: Vom Bruch mit den Deutschen Christen bis zum
Reichskirchenausschuß. 6. Tügels Amtszeit III:
Nach dem Reichskirchenausschuß bis zum Kriegsausbruch.
7. Tügels Amtszeit IV: Im Kriege. 8. Tügel und Schöffel.
Abschließend folgt der Abdruck wichtiger Dokumente und
ein sehr ausführliches Personenregister mit biographischen
Angaben. Literatur- und Quellenverzeichnis sind nicht vorhanden.
Wilken, Holger:
Die katholische Gemeinde in (Alt-)Hamburg 1933-1945. In: Zeitschrift
des Vereins für Hamburgische Geschichte 85 (1999), S.
127 - 142.
Knapper Überblick, der auf einer Dissertation
des Verfassers beruht. 1933 machten die knapp 63.000 Katholiken
nur 5,5 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Als Teil des
Bistums Osnabrück unterstand die katholische Gemeinde
dem Bischof Wilhelm Berning und wurde geleitet vom Pastor
primarius Bernard Wintermann. Berning war deutsch-national
und begrüßte den Nationalsozialismus. Einen ’Kirchenkampf’
gab es in Hamburg nicht.
Wunder, Michael:
Euthanasie in den letzten Kriegsjahren: die Jahre 1944 und
1945 in der Heil- und Pflegeanstalt Hamburg-Langenhorn. Husum:
Matthiesen, 1992. (Abhandlungen zur Geschichte der Medizin
und der Naturwissenschaften; H. 65). 236 S.
Eine medizinhistorische Abhandlung über
den Abtransport aus der Langenhorner Anstalt nach Meseritz-Obrawalde
und in die Ricklinger Anstalten in den Jahren 1944 und 1945.
Der Autor weißt nach, daß auch nach dem offiziellen
Stopp der Euthanasie im August 1941 die Ermordung psychisch
Kranker in großem Umfang weiterging.
Wunder, Michael; Genkel, Ingrid; Jenner,
Harald: Auf dieser schiefen Ebene gibt es kein Halten mehr:
die Alsterdorfer Anstalten im Nationalsozialismus. Hamburg:
Agentur d. Rauhen Hauses, 1987. 241 S., Ill.
Die Alsterdorfer Anstalten waren und sind
eine der größten diakonischen Einrichtungen in
Norddeutschland. In der Zeit des Nationalsozialismus sind
insgesamt 629 geistig behinderte und psychisch kranke Menschen
in die Tötungsanstalten der Euthanasie abtransportiert
worden. Der Band dokumentiert umfassend ihre Geschichte und
die Verstrickung der Diakonie in die rassistische Ideologie
und Politik der Nationalsozialisten. Schwerpunkte der Darstellung
sind die biographischen Berichte über die Euthanasie-Opfer,
die Biographien und Entscheidungen des Anstaltsleiters Pastor
Friedrich Lensch und des Arztes Gerard Kreyenberg und das
Schicksal der jüdischen Bewohner der Anstalten. Erschlossen
wird das Buch durch ein umfassendes Register.
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