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Delius,
Peter: Das Ende von Strecknitz:
die Lübecker Heilanstalt und ihre Auflösung 1941;
ein Beitrag zur Sozialgeschichte der Psychiatrie im Nationalsozialismus.
Kiel: Neuer Malik-Verl., 1988. (Veröffentlichungen des
Beirats für Geschichte der Arbeiterbewegung und Demokratie
in Schleswig-Holstein; Bd. 2). X, 268 S.
Das Buch basiert auf einer medizingeschichtlichen
Dissertation aus dem Jahr 1987. Delius schildert zunächst
die Vorgeschichte der ’Euthanasie’ im Nationalsozialismus
und beschreibt dann die Vorgänge um die Auflösung
der psychiatrischen Anstalt im September 1941 und die Deportation
von 605 Patienten zur Ermordung in hessische Anstalten. Nur
wenige haben überlebt. Im zweiten Teil (S. 105 - 169)
werden Interviews mit Angehörigen verschleppter und ermordeter
Patienten abgedruckt.
Hauschild, Wolf-Dieter:
Kirchlicher Widerstand am Beispiel Lübecks. In: Diederichs,
Urs J.; Wiebe, Hans-Hermann (Hrsg.): Schleswig-Holstein unter
dem Hakenkreuz. Bad Segeberg; Hamburg: Ev. Akademie Nordelbien,
[1985] (Evangelische Akademie Nordelbien, Dokumentationen;
7), S. 75 - 102.
Prägnanter Überblick über
den Kirchenkampf in Lübeck zwischen 1933 und 1937. Der
Autor geht der Frage nach, inwiefern der Widerstand gegen
das deutschchristliche Kirchenregiment des Bischofs Balzer
auch als Widerstand gegen den nationalsozialistischen Staat
verstanden werden kann. Er kommt zu dem Ergebnis, daß
Form und Intensität des Widerstandes differenziert betrachtet
werden muß.
Hauschild, Wolf-Dieter:
Kirche in Lübeck zwischen Anpassung und Widerstand. In:
Reumann, Klauspeter (Hrsg.): Kirche und Nationalsozialismus:
Beiträge zur Geschichte des Kirchenkampfes in den evangelischen
Landeskirchen Schleswig-Holsteins. Neumünster: Wachholtz,
1988 (Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische
Kirchengeschichte, Reihe 1; Bd. 35), S. 153 - 183.
Hauschild schildert den Kirchenkampf in Lübeck
der Jahre 1933 bis 1937 als sich verstärkender Spaltungsprozeß
zwischen der offiziellen Kirchenleitung, als Repräsentanz
der nationalsozialistischen ’Deutschen Christen’
und der ’Bekennenden Kirche’, die ohne auffälliges
theologisch-konfessorisches Profil schlicht die traditionellen
kirchliche Identität bewahren wollte. Hinzu kam eine
diffuse Mittelgruppe, die von sogenannten Neutralen bis zu
den gemäßigten ’Deutschen Christen’
reichte. Lübeck war eine ausgesprochene Hochburg der
’Deutschen Christen’: 1936 zählten von 25
Geistlichen 14 zu dieser Glaubensrichtung. An ihrer Spitze
stand der 1934 eingesetzte Bischof Balzer, eine überzeugter
Nationalsozialist und glühender Antisemit. Der wichtigste
Repräsentant der Kirchenopposition war Pastor Wilhelm
Jannasch von St. Ägidien, der Lübeck aber schon
1936 verlassen mußte. In der Folgezeit waren die Versuche
der ’Bekenntnisgemeinschaft’ Bischof Balzer zu
entmachten erfolglos. Faktisch führte das zur Trennung:
seit dem Frühjahr 1937 gab es zwei evangelisch-lutherische
Kirchen in Lübeck, da Balzer von der ’Bekennenden
Kirche’ nicht anerkannt wurde.
Jenner, Harald:
Das Kinder- und Pflegeheim Vorwerk in Lübeck in der NS-Zeit.
In: Strohm, Theodor; Thierfelder, Jörg (Hrsg.): Diakonie
im ’Dritten Reich’: neuere Ergebnisse zeitgeschichtlicher
Forschung. Heidelberg: Heidelberger Verl.-Anst., 1990 (Veröffentlichungen
des Diakoniewissenschaftlichen Instituts an der Universität
Heidelberg; Bd. 3), S. 169 - 204.
Jenner stellt die Entwicklung des Pflegeheims
für geistesschwache Kinder und Jugendliche seit dessen
Gründung 1906 dar. Träger war ein privater Verein,
der 1921 Mitglied des Lübecker Verbandes für christliche
Wohlfahrtspflege (später: Verband für Innere Mission)
wurde. Im Nationalsozialismus war die Einrichtung einbezogen
in das rassistische Konzept: Sterilisation, Fragebogen für
die ’Euthanasie’, Ermordung jüdischer Heimbewohner
und drohende Auflösung. Dargestellt werden auch die pädagogischen
Vorstellungen der Leitung, die schon vor 1933 die Sterilisation
der Bewohner verlangte, sowie umfangreiche statistische Auswertungen.
Die 10 jüdischen Heimbewohner, von ungefähr 300,
sind 1940 nach Brandenburg/Havel transportiert und dort ermordet
worden.
Klatt, Ingaburgh:
’Lösch mir die Augen aus ...’: Leben und
gewaltsames Sterben der vier Lübecker Geistlichen in
der Zeit des Nationalsozialismus; eine Ausstellung im Burgkloster
zu Lübeck vom 8. November 1993 bis zum 10. November 1994.
In: Demokratische Geschichte: Jahrbuch zur Arbeiterbewegung
und Demokratie in Schleswig-Holstein 8 (1993), S. 205 - 280.
Die katholischen Kapläne Johannes Prassek,
Hermann Lange, Eduard Müller und der evangelische Pastor
der Luther-Kirchengemeinde Karl Friedrich Stellbrink wurden
am 23. Juni 1943 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt
und hingerichtet. Der Aufsatz zur Ausstellung beleuchtet ihr
Wirken in Lübeck während des Nationalsozialismus
anhand zahlreicher Fotos und Dokumente.
Merz, Martin:
’Die Pfaffen aufs Schafott’: ein Lübecker
Prozeß vor 50 Jahren; Begleitheft zur Ausstellung ’Lösch
mir die Augen aus ...’; Leben und gewaltsames Sterben
der vier Lübecker Geistlichen in der Zeit des Nationalsozialismus;
überarb. Manuskript einer Rundfunksendung im Rahmen der
Reihe ’Religion und Gesellschaft’ am 6. August
1993 im Dritten Programm des Norddeutschen Rundfunks. Lübeck:
Burgkloster zu Lübeck, 1993. 19 S., Ill
Begleitheft zur Ausstellung ’Lösch
mir die Augen aus ... ’; mit zahlreichen Fotos.
Niemöller, Wilhelm:
Verkündigung und Fürbitte: Der Prozeß des
Hauptpastors Wilhelm Jannasch. In: Zur Geschichte des Kirchenkampfes:
Gesammelte Aufsätze II. Göttingen: Vandenhoeck &
Ruprecht, 1971 (Arbeiten zur Geschichte des Kirchenkampfes;
26), S. 139 - 163.
Darstellung des Prozeßes gegen den
ehemaligen Lübecker Hauptpastor Wilhelm Jannasch (1888
- 1966), der 1942 vom Berliner Landgericht wegen Verstoßes
gegen den ’Kanzelparagraph’ (öffentliche
Kritik eines Geistlichen am Staat) zu 3 Monaten Festungshaft
verurteilt wurde. Jannasch war 1934 von der Lübecker
Landeskirche aus politischen Gründen zwangspensioniert
worden und seither für die ’Bekennende Kirche’
in verschiedenen Funktionen tätig. Als überzeugter
Gegner des Nationalsozialismus setzte er sich insbesondere
für die verfolgten Juden und Christen jüdischer
Herkunft ein.
Pelke, Else:
Der Lübecker Christenprozess 1943. Mainz: Matthias-Grünewald-Verlag,
1974. (Topos-Taschenbücher; 36). 202 S., Ill. [1. Aufl.
1961].
Grundlegende Darstellung über den Prozeß
vor dem Volksgerichtshof gegen die vier Lübecker Geistlichen
Johannes Prassek, Eduard Müller, Hermann Lange, Karl
Friedrich Stellbrink; mit zahlreichen Dokumenten.
Petersen, Lars:
Die Entstehung der Bekennenden Kirche und ihrer inneren Spannungen:
das Beispiel der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lübecks
(1933 - 1937). Heidelberg, 1999. [45 S.] Heidelberg, Univ.,
Theologische Prüfungsarbeit, 1999 [Standort: Nordelbisches
Kirchenarchiv (Kiel), Bibliothek].
Kurzgefasste Darstellung, aus den Akten erarbeitet.
Wichtigster Repräsentant der Kirchenopposition war zunächst
Pastor Wilhelm Jannasch (St. Aegidien) der sich gegen die
Kirchenwahlmanipulationen 1933 der ’Deutschen Christen’
zur Wehr setzte und dafür vorübergehend vom Dienst
suspendiert wurde. Nach weiteren Konfrontationen mit dieser
kirchenpolitischen Gruppe wurde er im April 1934 in den Ruhestand
versetzt. Der Pfarrernotbund in Lübeck wagte wegen Jannasch
nicht den offenen Bruch mit der Kirchenleitung. Jannasch kämpfte
weiter um seine Wiedereinsetzung, allerdings ohne Verbündete.
Die ’Bekennende Kirche’ hatte sich zunächst
abwartend gegenüber dem im August 1934 eingeführten
Bischof Balzer verhalten. Als er ihren Mitglieder im Oktober
1936 implizit politische Unzuverlässigkeit unterstellte,
erklärten sie, zukünftig seine Weisungen nicht mehr
zu befolgen. Ihre sofortige Entlassung wurde vom Amtsgericht
aufgehoben und nach langen Verhandlungen durften sie im April
1937 in ihr Amt zurückkehren. Sie akzeptierten Bischof
Balzer aber nicht mehr als geistigen Leiter der Landeskirche,
sondern unterstellten sich der Seelsorge des hannoverschen
Bischofs Marahrens.
Reimers, Karl Friedrich:
Lübeck im Kirchenkampf des Dritten Reiches: Nationalsozialistisches
Führerprinzip und evangelisch-lutherische Landeskirche
von 1933 bis 1945. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht,
1965. (Arbeiten zur Geschichte des Kirchenkampfes: Ergänzungsreihe;
Bd. 2). 390 S.
Einzige umfassende Darstellung zum Kirchenkampf
in Lübeck, die aus einer Dissertation hervorging, und
bis heute grundlegend und nicht überholt ist. Der Autor
teilt sein Werk in sieben Kapitel ein: 1. Einleitung: Staat
und Landeskirche in Lübeck vor dem Umbruch des Jahres
1933. 2. Lübecks Landeskirche bis Juli 1933: Mit den
Deutschen Christen in den Nationalsozialismus. 3. Die nationalsozialistische
Gleichschaltung der Landeskirche Lübeck unter dem ’Lübecker
Kirchenausschuß’. 4. Nationalsozialistisches Bischofsregiment
und lutherische Bekenntniskirche. 5. Reichskirchenausschuß
und Lutherrat im Konflikt um Lübeck. 6. Die Behauptung
der lutherischen Bekenntniskirche gegenüber dem Totalitätsanspruch
des nationalsozialistischen Bischofsregiments in Lübeck.
7. Nebeneinander bis zum Zusammenbruch des Dritten Reiches:
Nationalkirchliches Einheitsregiment und lutherische Bekenntnisgemeinden.
Abgeschlossen wird das Buch durch ein Literatur- und Quellenverzeichnis.
Ein Register fehlt.
Saltzwedel, Rolf:
Die Luthergemeinde in Lübeck während der Zeit des
Nationalsozialismus. In: Der Wagen 1995/96 (1995), S. 119
- 138.
Die Pastoren Ulrich Burgstaller, Gerhard
Meyer und Karl Friedrich Stellbrink der Luthergemeinde waren
wichtige Exponenten des Kirchenkampfes in Lübeck. Der
Autor schildert die Hinwendung dieser Pastoren zum Nationalsozialismus
und im Falle Stellbrinks die Abkehr und den aktiven Widerstand
gegen die totalitäre Ideologie.
Schäfer, Josef (Bearb.): Wo seine Zeugen sterben ist sein Reich: Briefe der enthaupteten Lübecker
Geistlichen und Berichte von Augenzeugen. Hamburg: Hansa-Verl.,
1946. 115 S.
Erste Darstellung des ’Lübecker
Christenprozeßes’ von 1943 vor dem Volksgerichtshof
gegen die vier Lübecker Geistlichen Johannes Prassek,
Eduard Müller, Hermann Lange, Karl Friedrich Stellbrink.
Sonnenberg, Andreas:
Probleme der Zeit im Spiegel des Evangelischen Gemeindeblattes
für die Lübeckischen
Kirchengemeinden in Stadt und Land. Kiel,
1985. IV, 67 S., XVIII S. Anhang. Kiel, Univ., Theologische
Examensarbeit, 1985 [Standort: Nordelbisches Kirchenarchiv
(Kiel), Bibliothek].
Das evangelische Gemeindeblatt erschien von
1915 bis 1941 in verschiedenen Ausgaben für die einzelnen
Kirchengemeinden. Die Autor beschränkt sich auf die Auswertung
der Ausgaben der St. Aegidien-Gemeinde aus den Jahren 1924
- 1933 und 1935 - 1941. Chefredakteur des Blattes war von
1924 - 1933 Hauptpastor Wilhelm Jannasch, der auch zahlreiche
Artikel schrieb. Analysiert werden die Beiträge im Gemeindeblatt
über die Stellung der evangelischen Kirche zu den politischen
Parteien in der Weimarer Republik, das Aufkommen des Nationalsozialismus
und der Position der Kirche zum neuen Staat.
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