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Presseberichterstattung Eckernförde
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Auf dieser Website werden Artikel nur dann
im Volltext dargestellt, wenn eine Genehmigung der Verlage
erteilt wurde. Wir bitten um Verständnis.
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Wahrheit kontra Verdrängung
Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten vom 10.05.2004
Eckernförde - Die Judenfrage in Beziehung zur Kirche steht im Mittelpunkt einer Ausstellung in der St.-Nicolai-Kirche. Der Eckernförder Historiker Karl Friedrich Schinkel stellte jetzt den lokalen Bezug zum Thema her: "Kirche, Juden, Christen in Eckernförde von 1933-1945" lautet das Thema, dem sich der Verfasser eines renommierten Eckernförde-Buches am Freitag in einem Vortrag stellte. Mit großem Interesse lauschte das Publikum in der gut besuchten Kirche seinen Ausführungen und beteiligte sich engagiert an einer anschließenden Diskussion. "Eine Demokratie lebt von der Wahrheit, nicht von der Verdrängung", gab Pastor i.R. Erhard Seredszus zu bedenken.
Schinkel schlug ein Kapitel auf, auf dem schon der Staub des Vergessens ruht: die NS-Zeit in Eckernförde. Obwohl es im Ostseebad weder jüdische Geschäfte noch eine jüdische Gemeinde gab, hielten die meisten Bürger damals eine antisemitische Grundeinstellung für "zeitgemäß und gerechtfertigt", so Schinkel. Während die nationalsozialistischen Ideen frühzeitig den städtischen Bereich Eckernfördes erfassten, stimmte in Borby die Mehrheit anfangs noch gegen die NSDAP.
Auf kirchlicher Seite kristallisierte sich in der Zeit des Dritten Reiches bald ein Gegensatz zwischen Probst Heinrich Langlo und dem Borbyer Pastor Walter Lehmann heraus. Schinkel bezeichnet die beiden Theologen sogar als "nie ausgesöhnte Gegenspieler". Langlo, ein Pietist nordschleswigscher Prägung, der nur Gott als höchste Obrigkeit anerkannte, griff in seinen Predigten die Methoden der Nazis an, was ihm mehrere Tage Haft einbrachte. Lehmann hingegen, hochgeistiger Prediger des Deutschen Idealismus, sah in der NSDAP die Wiederbelebung preußisch-christlicher Tugenden und geriet somit in den Kreis der regimekonformen "Deutschen Christen". Zum Zeichen seiner Anpassung öffnete er die Borbyer Kirche für die Sonnenwendfeier.
Brennende Synagogen gab es in Eckernförde nicht, kein jüdischer Bürger wurde hier umgebracht. Und doch: Kurz vor Kriegsende starben in der Stadt mehrere jüdische Frauen, die bei einem Häftlingstransport vor Waabs Schiffbruch erlitten hatten, an unterlassener Hilfeleistung. Dem Retter der wenigen Überlebenden, Gutsherr Graf v. Moltke-Kirsten, wird heute in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem ehrend gedacht. In Eckernförde erinnert nur noch ein Grabstein in der südwestlichen Ecke des Mühlenbergfriedhofes an das grausige Ende der gestrandeten Jüdinnen. jut |
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Wanderausstellung Kirche, Christen, Juden in Nordelbien
1933-1945 wird in der St. Nicolai-Kirche gezeigt
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Auseinandersetzung mit der Vergangenheit
Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"
Nr. 16 vom 18.04.2004
Von Erhard Seredszus
Eckernförde Die nordelbische Wanderausstellung
über Christen und Juden in der Zeit des Nationalsozialismus,
die 2001 zum ersten Mal in der Rendsburger Christkirche gezeigt
wurde, kommt im April nach Eckernförde.
Die Synode der Nordelbischen Kirche hatte im September 2001
eine theologische Erklärung zum Verhältnis von Christen
und Juden abgegeben, um in Kirchenkreisen und Gemeinden den
jüdisch-christlichen Dialog anzuregen und darauf aufmerksam
zu machen, dass zum Wesen des christlichen Glaubens die Verbindung
zu seinen jüdischen Wurzeln gehört. Dazu gehört
eine Aufarbeitung der kirchlichen Vergangenheit, was Thema
dieser Ausstellung ist.
Ihre Aufgabe ist es, die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen
Vergangenheit in die Öffentlichkeit zu tragen und den
kirchlichen Antisemitismus zu verdeutlichen. Das geschieht
in verschiedenen Elementen der Ausstellung: Eine Reihe von
biographischen Darstellungen zeigen selbstgewählte oder
aufgezwungene Verhaltensmuster im NS-Staat kombiniert mit
einer Zeitleiste der wichtigsten Ereignisse in den Jahren
1933 bis 1945. Ein regionales Fenster bearbeitet
ein Thema aus dem Kirchenkreis Eckernförde.
Dazu hat eine Arbeitsgruppe ein Eckernförder Begleitprogramm
erarbeitet, das aus Vorträgen und Exkursionen besteht.
Es ist erhältlich im Kirchenbüro St. Nicolai, Langebrückstr.
13, Tel. 04351/712374, mo. bis fr. von 9 bis 12 Uhr.
Zielgruppen der Schau sind vorrangig Jugendliche und junge
Erwachsene. Aber auch in der älteren Generation wird
die Ausstellung vermutlich verstärktes Interesse hervorrufen.
Ansprechpersonen werden während der Öffnungszeiten
anwesend sein.
Die Ausstellung wird am Sonntag, 25.April, mit einem Gottesdienst
um 10 Uhr in der St. Nicolai-Kirche durch Propst Knut Kammholz
eröffnet.
Wanderausstellung Kirche, Christen und Juden
Aus: Die Nordelbische Nr. 16 vom 18.04.2004
Eckernförde Die Wanderausstellung Kirche,
Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945 wird ab 25.Apil
in der Eckernförder St. Nicolai-Kirche zu sehen sein.
Sie wendet sich insbesondere an junge Menschen.
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Kirche stellt Rolle während der
NS-Zeit dar
Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten
vom 02.04.2004
Eckernförde Die Kirche im Norden stellt sich
der NS-Zeit. Am 25. April kommt die Wanderausstellung Kirche,
Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945 nach Eckernförde.
In einem Rahmenprogramm werden dabei auch Schlaglichter auf
die damalige Situation im Kirchenkreis Eckernförde geworfen.
Es ist kein rühmliches Kapitel, das die Kirche mit dieser
mutigen Veranstaltung aufgreift. Die damalige Schleswig-Holsteinische
Landeskirche, so Pastor i.R. Erhard Seredszus, sei tief im
braunen Sumpf versunken. Doch nicht alle waren Mitläufer,
auch das wird die Ausstellung zeigen. Wir müssen
uns unserer eigenen Geschichte stellen, unterstützt
Propst Knut Kammholz das Projekt. Es sei wichtig, auch dieses
Kapitel Kirchengeschichte aufzuarbeiten. Konzipiert wurde
die Wanderausstellung der Nordelbischen Kirche nach einer
theologischen Erklärung der NEK-Synode zum Verhältnis
von Christen und Juden im September 2001. Eine späte
Erklärung, meint Seredszus. Andere Landeskirchen
hätten sich früher positioniert. Aus der Anregung
an die Kirchenkreise und Gemeinden zum jüdisch-christlichen
Dialog entstand in Eckernförde ein von Seredszus geleiteter
Arbeitskreis.
Die Ausstellung wird die Auseinandersetzung der Kirche mit
ihrer NS-Vergangenheit jetzt in die Öffentlichkeit tragen:
Erfahrungen aus anderen Kirchenkreisen zeigen, dass vor allem
bei Älteren sehr viel Betroffenheit ausgelöst
wurde. Ein besonderes Augenmerk soll aber auf die jüngere
Generation gelenkt werden. So wurden vorab bereits alle Schulen
benachrichtigt. Es gehe auch darum, ein Signal gegen immer
wieder aufflackernden Antisemitismus zu setzen, so Seredszus.
Neben Biographien von Verfolgern und Verfolgten wird die
Ausstellung in regionalen Fenstern örtliche
Themen ebenso aufgreifen wie ein Rahmenprogramm. Vorträge
befassen sich mit den NS-Jahren in der Stadt Eckernförde
sowie in der damaligen Propstei. Am Himmelfahrtstag begibt
sich eine Exkursion nach Bookniseek (Waabs) auf die Spuren
der tragischen Schicksale dort gestrandeter Jüdinnen
aus dem KZ Stutthof (bei Danzig) nach einer Odyssee über
See. Konzerte, Lesungen und Gottesdienste vervollständigen
das Angebot.
Die Ausstellung wird Sonntag, 25. April, um 10 Uhr in der
St.-Nicolai-Kirche eröffnet. Veranstaltungsprogramme
liegen in der Nicolai-Kirche, im Lutherhaus und im Haus des
Kirchenkreises aus. Internet: www.kirche-christen-juden.org.
Anmeldungen für Führungen unter Telefon 04351 /
712374.
crd
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Geschichte. Nicht alle Deutschen waren Täter, es gab
auch viele, die den verfolgten Juden halfen, machte Prof.
Paul in einem Vortrag deutlich.
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Hilfe kam auch in vielen kleinen Gesten
Mit freundlicher Genehmigung der Flensborg Avis
vom 04.Februar 2004
Flensburg. Auch im braunen Schleswig-Holstein gab es
hunderte von Menschen, die verfolgten Juden halfen
allerdings zu wenige, um die Politik des Holocaust auch nur
im entferntesten zu gefährden, sagte Professor
Gerhard Paul am Montagabend in der gut besuchten St. Marien-Kirche.
Der letzte Vortrag zur Veranstaltung Kirche Christen
Juden in Nordelbien 1933-45 drehte sich weniger
um Verfolgung und kollektive Schuld als um diejenigen, die
eine Ausnahme machten.
Menschen aus verschiedenen Altersgruppen, darunter auffallend
viele jüngere Leute, hörten sich den Vortrag an.
Einigen Älteren kamen angesichts der Erinnerungen zwischendurch
die Tränen.
Wenn wir schon als Kirche versagt haben angesichts
der zunehmenden Verfolgung der Juden, ist es auch sehr gut,
an die Menschen zu erinnern, die nicht dem allgemeinen Druck
nachgegeben haben, so Pastor Udo Gräve vor Beginn
des Vortrages.
Gerhard Paul erzählte in seinem Vortrag von einer Vielzahl
meist kleiner Begebenheiten, manchmal nur Gesten wie das weitere
Grüßen von Juden au offener Straße, die es
überall in Schleswig-Holstein gab.
Beamte halfen
Dabei halfen neben Privatleuten auch Beamte, die sich im preußischen
Stil der Ordnung verpflichtet fühlten und daher Diskriminierung
ablehnten.
In der Regel kostete dieser kleine Widerstand nicht
das Genick, so Paul. Dabei sei gerade die Provinz ein
ambivalenter Zustand gewesen. Einerseits konnten
Verfolgte sich hier in relativer Sicherheit verstecken, andererseits
bedeutete die ländliche Umgebung, dass es auch unbarmherzige
Kontrolle von Außenseitern geben konnte.
Paul berichtete davon, wie Juden heimlich Brote zugesteckt
wurden, wie ihnen das Abhören von verbotenen Radiomeldungen
ermöglicht wurde oder einfach Nachrichten über noch
lebende Angehörige überbracht wurden. Besonders
an der Westküste wurden einzelne Juden von Nachbarn versteckt.
Er nannte auch die Beispiele der jüdischen Familien
Monin und Wolff, die bei Behörden Unterstützung
fanden, sowie das Ehepaar Lützen, das über die Gastwirtschaft
Waldheim in Harrislee Juden und Kommunisten über die
Grenze half.
Abgelesen
Der Vortrag litt etwas darunter, dass Paul nicht frei sprach,
sondern Wort für Wort ablas. Der ältere Beitrag
stammt aus seinem Buch Land unter Schleswig-Holstein
und das Hakenkreuz und bezog sich deshalb nicht in erster
Linie auf Flensburg.
Allein eine Bemerkung darüber, dass Gerüchten zufolge
auch Juden in der Diakonie versteckt wurden, ergänzte
seinen Bericht.
Die Ausstellung Kirche Christen Juden
in Nordelbien 1933-45 endet am kommenden Sonntag um
11 Uhr in der St. Marien-Kirche mit einem Gottesdienst zum
Abschluss. Um 16 Uhr findet im Gemeindesaal St. Marien ein
Fest der Begegnung mit der jüdischen Gemeinschaft statt.
Dirk Thöming
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Umfangreiches Rahmenprogramm zur Ausstellung
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Macht des Erinnerns
Mit freundlicher Genehmigung der " Die Nordelbische"
Nr. 4 vom 25.Januar 2004
Von Anja Pfaff
Flensburg Die Ausstellung Kirche Christen
Juden in Nordelbien 1933 45 ist derzeit
zu Gast in der St. Marien Kirche in Flensburg und wird von
einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet.
Sonntag, 25.Janurar, 11 Uhr St Marien-Kirche: Gottesdienst
mit Freiwilligen der Aktion Sühnezeichen und Pastor Udo
Gräve.
Montag, 26.Januar, 15 Uhr Gemeindesaal St. Marien: Wir
können unsere Biographien im Nachhinein nicht korrigieren...
aber uns selbst. Eine Veranstaltung für Senioren
mit Pastorin Silke Wierk.
Dienstag, 27.Januar, 19 Uhr St. Marien-Kirche: Gottesdienst
zum Gedenktag der Befreiung von Auschwitz mit Lesung: Was
hat Flensburg mit Auschwitz zu tun? (in Zusammenarbeit
mit dem Schleswig-Holsteinischen Landestheater).
Mittwoch, 28.Januar, 16.30-18 Uhr Gemeindezentrum der Friedenskirche,
Flensburg-Weiche: Ein Kibbuz in Weiche Juden
bereiten sich auf dem Gut Jägerslust auf die Auswanderung
nach Palästina vor. Offenes Werkstattgespräch
mit Konfirmanden. Einführung und Gesprächsleitung:
Bernd Philipsen.
Donnerstag, 29.Januar, 15 Uhr Gemeindehaus St. Petri: Film
für Konfirmanden: Die weiße Rose. Donnerstag,
29.Januar, 16-19 Uhr Im Schrangen, Große Straße
58, Flensburg: Workshop zu der Schrift von 1936 Wilhelm Halfmann
(Pastor an St. Marien), Die Kirche und der Jude
mit Dr. Klauspeter Reumann, Pastor Walter Bartels (Harrislee)
und Pastor Thomas Beckershaus (St. Nikolai).
Sonntag, 1.Februar, 11 Uhr St. Marien-Kirche: Gottesdienst
zum Verhältnis Christen und Juden heute mit
Propst i.R. Dietrich Heyde.
Montag, 2.Februar, 19.30 Uhr St. Marien-Kirche: Nein,
den kenn ich, der ist Italiener! Wie Menschen
aus Schleswig-Holstein den Juden beistanden. Vortrag von Professor
Gerhard Paul.
Sonntag, 8.Februar, 11 Uhr St. Marien-Kirche: Gottesdienst
zum Ende der Ausstellung. Sonntag, 8.Februar, 16 Uhr Gemeindesaal
St. Marien: Fest der Begegnung mit der jüdischen Gemeinschaft.
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Darüber
hinaus zeigt das Kino 51 Stufen im Deutschen Haus
in Flensburg jeweils donnerstags bis mittwochs um 18 Uhr Filme
zum Thema: vom 22. bis 28. Januar Der Pianist
(Regie: Roman Polanski); vom 29.Januar bis 4. Februar Rosenstraße
(Regie: Margarethe von Trotta).
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Kirche, Christen, Juden
Ausstellung mit lokalem Bezug
Mit freundlicher Genehmigung der " Die Nordelbische"
22.Februar 2004
Hamburg Die von der Nordelbischen Kirche initiierte
Ausstellung Kirche, Christen, Juden 1933-1945
macht bis zum 15 März Station in der Marktkirche Poppenbüttel.
Die vielbeachtete Präsentation wird ergänzt durch
ein Kapitel über die Außenstelle Sasel des Konzentrationslagers
Neuengamme. Die Ausstellung offenbart nicht nur Mitläufertum
und Komplizenschaft innerhalb der Kirche, sondern auch den
Widerstand wie den des späteren Propstes Hansen-Petersen.
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Pastor deckt NS-Verstrickungen eines Flensburger Theologen
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Auferstehung des Volkes
Mit freundlicher Genehmigung der " Die Nordelbische"
22.Februar 2004
Von Susanne Borée
Flensburg/Husby Beim Stöbern im Bücherschrank
seines Großvaters entdeckte Hauke Wattenberg einen verstaubten
Band: Auf den ersten Blick schien es sich um ein verstaubtes
frommes Traktat über Jesus zu handeln. Beim Durchblättern
entdeckte der damalige Student aber immer mehr Passagen, die
ihn nachdenklich stimmten: Denn plötzlich wird der Kreuzestod
mit dem darniederliegenden Deutschland verglichen. Und die
Auferstehung Christi wird mit dem Aufstieg der Nazis verglichen.
Der Flensburger Hauptpastor Friedrich Andersen hatte seit
1904 diese Äußerungen verfasst. Aber wie kann ein
Theologe ernsthaft zu solchen Überlegungen kommen? Diese
Frage ließ Hauke Wattenberg nicht mehr los. Deswegen
kämpfte er sich in seiner Examensarbeit durch die gesamten
Veröffentlichungen Andersens, um die Entwicklung dieser
Gedankengänge nachzuzeichnen. Kürzlich hat er seine
Ergebnisse veröffentlicht.
Antisemitisches Gedankengut sollte Anerkennung
bringen
Der Vater Friedrich Andersens musste Mitte des 19. Jahrhunderts
seine Heimatstadt Husum verlassen, als sie von den Dänen
besetzt worden war. Von Beginn seiner Laufbahn an strebte
Friedrich Andersen, seit den 1890er Jahren Pastor in Flensburg,
nach öffentlicher Anerkennung. Er begann als traditionell-konservativer
Geistlicher. Als ihn seine oftmals sehr intoleranten Positionen
in geistige Isolation trieben, suchte er ziemlich genau vor
100 Jahren Bestätigung durch die Vertiefung in antisemitisches
und völkisches Gedankengut.
Entsprechende Veröffentlichungen brachten ihm zunächst
keine weiteren Freunde ein. Das Konsistorium ermittelte gegen
den Flensburger aufgrund seiner anti-alttestamentlichen Polemik.
Allerdings kam es zu keinen Konsequenzen für den Pastor.
Und als ich später gewürdigt wurde, meine
beiden Söhne dem Vaterland zu opfern...
mit solchen Überzeugungen hatte Friedrich Andersen im
Verlauf des Ersten Weltkriegs einen festen Kreis von Gesinnungsgenossen
gefunden. In den 20er Jahren sympathisierten erschütternd
viele Pastoren der damaligen schleswig-holsteinischen Landeskirche
mit rechtem Gedankengut. Bereits zu dieser Zeit sollen nach
Untersuchungen Volker Jacobs etwa zehn Prozent der Pastorenschaft
völkisch-deutschgläubig gewesen sein.
Weitere 80 Prozent waren dem äußersten rechten
Rand der Konservativen zuzuordnen.
Während der 20er und 30er Jahre agitierte Friedrich
Andersen in Vorträgen, Aufsätzen und populären
Dramen. Natürlich hat er Elemente völkischer
und religiöser Ideologien bereits vorgefunden,
so Stefan Linck, Historiker im Nordelbischen Kirchenarchiv.
Aber er hat diese Stücke zusammengesucht und in
ein System gebracht. Daneben versammelte der Hauptpastor
vorzugsweise Jugendliche um sich. Als Ehrenbürger Flensburgs
starb er 1940, als die Nazis auf dem Höhepunkt ihrer
Macht waren. Diese Auszeichnung wurde ihm erst 1998 wieder
aberkannt.
Mitgliedschaft in der NSDAP wurde erst
spät erforscht
Noch 1975 beantwortete das Archiv der damaligen Schleswig-Holsteinischen
Landeskirche die Anfrage eines Kirchenhistorikers dahingehend,
dass Andersen der NSDAP beigetreten zu sein scheint.
Man fügte hinzu: Näheres ist darüber
nicht zu ersehen. Erst im Zuge der Wanderausstellung
Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945
kamen weitere, teilweise vergessene Informationen
erneut ans Licht.
- Zu Bestellen ist das Buch über die Homepage der Ausstellung
www.kirche-christen-juden.org.
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Shimon Monin berichtete über seine jüdische Kindheit
im Flensburg der Nazi-Zeit
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Botschafter gegen den Fremdenhass
Mit freundlicher Genehmigung der Nordelbischen Aus
den Kirchenkreisen vom 8.2.2004
Von Anja Pfaff
Flensburg Ich bin ein Flensburger, und das kann
mir keiner nehmen. Mit diesen Worten begrüßte
Shimon Monin die Zuhörerinnen und Zuhörer einer
Veranstaltung in der Flensburger St. Marien-Kirche. Die Kirchenkreise
Flensburg und Angeln hatten den heute 81-jährigen jüdischen
Zeitzeugen des Naziregimes aus Tel Aviv eingeladen.
Anlässlich der Ausstellung Kirche Christen
Juden in Nordelbien 1933 45 führte
Monin Gespräche und beantwortete Fragen. 1922 in der
Norderstraße in Flensburg geboren und bis zur Flucht
seiner Familie im September 1934 in Flensburg aufgewachsen,
schilderte er eindrücklich und hautnah seine Erinnerungen
an seine Kindheit als Jude in Deutschland.
Bis 1933 war Shimon Monin ein Kind unter
vielen gewesen.
1933 war meine Kindheit plötzlich zuende,
fasst der zusammen. Bis dahin war er als ein Kind unter vielen
in Flensburg aufgewachsen. Jüdisches Leben gab es in
Flensburg kaum und jüdische Rituale spielten in seiner
Familie so gut wie keine Rolle, so dass er wie er selbst
beschreibt von nichts wusste.
Umso unverständlicher war für ihn, warum er von
seinem Pastor im Religionsunterricht in die Ecke gestellt
wurde, weil er nichts von jüdischen Gebräuchen zuhause
berichten konnte oder warum seine Mutter plötzlich verhaftet
wurde. Ich wusste doch gar nicht, wovon die reden
ich war einfach vom Himmel gefallen... beschreibt Shimon
Monin seine persönlichen Erlebnisse mit Repressalien
und Schikanen.
Kinder müssen wissen, wo sie
hingehören
Aufgrund dieser Erfahrung hat es zentrale Bedeutung für
ihn, Traditionen und Gebräuche zu leben und an seine
Kinder und Enkel weiterzugeben. Kinder müssen wissen,
wohin sie gehören und welche Wurzeln sie haben,
bekräftigt er, denn nur dann ist man frei, auf
andere zuzugehen und sich für die Verständigung
der Völker einzusetzen,
Verständigung auch das ist ein zentrales Anliegen
von Shimon Monin, der sich schon 1968 von Tel Aviv nach Deutschland
aufmachte, um den Weg zum Dialog zu bereiten. Er selbst versteht
sich als Brückenbauer zwischen den Generationen
und als Botschafter gegen den Fremdenhass. Verständigung
zwischen Menschen hat nichts mit Politik zu tun jeder
muss gegen den Fremdenhass kämpfen. Man muss die Menschen
lieben, sie ehren oder zumindest gleich stellen und
das gilt unabhängig vom Glauben für alle,
lautet seine zentrale Botschaft an die Zuhörerinnen und
Zuhörer.
Und mit Taten zeigt er, wie ernst ihm diese Botschaft ist:
Trotz eines umfangreichen und anstrengenden Programms während
seines einwöchigen Aufenthaltes hat er sich Zeit für
einen ausführlichen Besuch in einer der beiden Flensburger
Moscheen genommen.
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