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Presseberichterstattung Hamburg Hamm
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Auf dieser Website werden Artikel nur dann
im Volltext dargestellt, wenn eine Genehmigung der Verlage
erteilt wurde. Wir bitten um Verständnis.
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Er sagte niemals "Amen"
- Wie Jesus arisch wurde
mit freundlicher Genehmigung des NDR und von Annette Schmidt
Seit zwei Jahren wandert eine Ausstellung durch die nordelbischen
Kirchengemeinden, die mancherorts für Empörung sorgt.
Das Thema: die evangelischen Kirchen im Nationalsozialismus.
Die Protagonisten der Ausstellung sind Pastoren und Landesbischöfe,
die antisemitische und nationalsozialistische Parolen von
der Kanzel predigten. Und es sind Christen jüdischer
Herkunft, die ausgegrenzt oder ganz aus der Kirche verstoßen
wurden.
Die Synode der Nordelbischen Kirche gab bereits im September
2001 eine Schulderklärung zu ihrer NS Geschichte ab.
Doch in den Kirchengemeinden will davon so mancher nichts
wissen. In Eutin etwa entbrannte ein Streit darüber,
ob der einst sehr beliebte Propst Wilhelm Kiekbusch, nach
dem auch ein Weg benannt ist, derart "beschmutzt"
werden dürfe.
Anders der Kirchenkreis im Hamburger Stadtteil Mümmelmannsberg:
er rief eine Kunstaktion ins Leben, die sich mit der NS Vergangenheit
auseinandersetzt.
Von Annette Schmidt
Gesamtes
Manuskript
(Sendetermin: 14. März 2004, 6.05 und 17.05 Uhr)
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Rez. WWW: Kirche, Christen, Juden
in Nordelbien 1933-1945
mit freundlicher Genehmigung von H-Soz-u-Kult:
27.02.2004 Rönz, Helmut <Helmut.Roenz@lvr.de>
Web-Site: "Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933
- 1945"
http://www.kirche-christen-juden.de/index.html
Herausgeber: Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche <http://www.nordelbien.de/>,
Nordelbisches Kirchenarchiv, Kiel <http://www.nordelbisches-kirchenarchiv.de/>
Rezensiert für Clio-online und H-Soz-u-Kult von:
Helmut Rönz <Helmut.Roenz@lvr.de>
1998 wurde unter Federführung des Nordelbischen Kirchenarchivs
in Zusammenarbeit mit dem Historiker Stephan Linck eine Sujet
aufgearbeitet, das für die Forschung nicht unbekannt
ist und sowohl aus kirchen- als auch aus regionalgeschichtlicher
Sicht eine häufige Erörterung erfuhr. Das Team ging
Fragen nach, die sich "eine Kirche jetzt zu ihrer Vergangenheit
in der NS-Zeit stellt". Sie fragten nach Tätern
und Opfern, nach Motiven, Hintergründen und Affinitäten.
Zu diesem Zweck nutzten die Organisatoren neun Biographien
und die Geschichte einer Kirchengemeinde, die diese Fragen
deutlich werden lassen und - zuweilen widersprüchliche
- Antworten geben. Aus diesen biographischen und ortsgeschichtlichen
Dokumentationen ist eine Wanderausstellung entstanden, die
am 20. September 2001 in Rendsburg der Öffentlichkeit
vorgestellt wurde, seitdem durch die nordelbischen Kirchen
zieht und bis zum 8. Februar 2004 in Flensburg Station macht.
Begleitend ist ein Ausstellungskatalog erschienen mit einem
Vorwort der Bischöfin von Lübeck, Bärbel Warttenberg-Potter,
den Texten der Ausstellung, Aufsätzen und Predigten.
Dieser Katalog ist bereits für HSK rezensiert worden.
[1] Der klassische Ausstellungskatalog ist jedoch lange nicht
mehr einziges Medium der Vertiefung, Aufbereitung und Begleitung
einer Ausstellung. Deshalb stellten die Organisatoren der
Wanderausstellung eine eigene Web-Site zur Seite, die zusätzliche
Informationen geben soll, aber auch ein Forum für den
Dialog bietet. Zielgruppen des Auftritts sind Schüler
und Lehrer, interessierte Privatpersonen und wissenschaftlich
Tätige.
Die in vier Abteilungen unterteilte Seite ist übersichtlich
gestaltet und reich an Inhalten. Die erste Abteilung führt
gleich zur Ausstellung hin und ist selbst in zwei Bereiche
aufgeteilt. Zunächst erhält der Benutzer eine Einführung,
die die vorangestellten Fragestellungen der Ausstellung aufzählt
und den kirchpolitischen Hintergrund nennt. Dabei erläutern
die Organisatoren Konzept und Gestaltung der Ausstellung sowie
den Wert der archivalischen Quellen und Arbeit für die
Thematik. Der zweite Unterpunkt widmet sich den genuinen Inhalten
der Ausstellung. Dabei wird der Nutzer in einen virtuellen
Kirchenraum, der die Ausstellung birgt, geführt. Dort
sind die einzelnen Räume mit den jeweiligen Ausstellungspunkten
verlinkt. Man verfügt dabei über die Möglichkeit,
Fotos einzelner Exponate und des Ausstellungsraumes zu betrachten,
indem man die nummerierten Punkte anklickt. Gleichzeitig kann
der Nutzer konventionell über verlinkte Überschriften
die Ausstellungsinhalte durchgehen. Diese teilen sich in sechs
aufeinander abgestimmte und aufbauende Einzelpunkte auf: Punkt
Eins informiert über die Vorgeschichte und den kirchlichen
Zeitgeist. Der Reihe nach werden exemplarisch für protestantischen
Zeitgeist (Adolph Stoecker), zeitgenössische Theologie
(Hans v. Schubert), die Synode (Beschluß von 1924/25/Friedrich
Andersen) und kirchliches Leben (Gauredner Pastor Johann Pepperkorn)
Personen vorgestellt, die eine wichtige Rolle für das
(Miß-)Verhältnis von Judentum und evangelischer
Theologie und Kirche gespielt haben. Der Kirchenkampf ist
Thema des zweiten Punktes. Hier wird der Leser - immer in
Bezug zum Untersuchungsraum - mit den einzelnen evangelischen
Gruppen im "Dritten Reich" bekannt gemacht: Bekennende
Kirche, Deutsche Christen, Deutsche Glaubensbewegung, Deutschkirche
und Nationalkirche. Die dritte Abteilung nennt sich Portal.
Hier werden Bilder von zerstörten Kirchen und Synagogen
aus der Ausstellung gezeigt. Man könnte viel über
diesen Zusammenhang philosophieren, wird jedoch ein wenig
damit allein gelassen. Tondokumente fehlen ebenso wie Grafiken
und Erläuterungen. Zudem ist der mit Blackbox betitelte
vierte Bereich, der sich auf den realen Bereich "Blackbox"
der Ausstellung bezieht, nicht aufrufbar. Klickt man im Schaubild
auf die Nr. 4, dann öffnet sich zwar ein Popup-Fenster
mit der Information "Blackbox: Bilder aus Theresienstadt,
gezeichnet von Arthur Goldschmidt", aber die Bilder selbst
werden nicht angezeigt. Höhepunkt und nicht zuletzt Mittelpunkt
der Ausstellung ist schließlich Punkt Sechs. Dort werden
die einzelnen Biographien vorgestellt, angefangen beim Gründer
des Bundes für Deutsche Kirche, Friedrich Andersen, über
den NS-kritischen Herausgeber der "Christlichen Welt",
Hermann Mulert, bis hin zum SS-Sturmbannführer und Chef
des Einsatzkommandos 6 in der Ukraine, Ernst Szymanowski vulgo
Bieberstein. Die Bandbreite der Verstrickung dieser Personen
reicht von Zivilcourage, offener Ablehnung bis hin zu Antijudaismus,
Judenhass und organisiertem Massenmord. Als einzige Institution
ist die Jerusalem-Gemeinde in Hamburg aufgeführt, eine
Gemeinde, die von der Irisch-Presbyterianischen Kirche mit
dem Ziel der Judenmissionierung 1845/49 errichtet und 1939
durch die Gestapo verboten wurde. Zu jeder Person/Institution
existieren Hyperlinks d.h. Verknüpfungen, die dem Leser
die wichtigsten Quellen und Archivalien mitteilen. Eine detaillierte
Zeitleiste gibt Auskunft über die Geschehnisse in Deutschland
und in Nordelbien. Sie ist bestückt mit weiterführenden
und erhellenden Quellen- und Ausstellungstexten. Durch die
Einzelschicksale der behandelten Personen und Institutionen
erläutern die Organisatoren anschaulich und mit Sinn
für Unterscheidung die Formen von Mut, Anpassung, Verstrickung
und Schuld, die in der Massenorganisation Kirche anzutreffen
sind. Dies versuchen sie auch in einem Diagramm, welches eine
Skala von Ermordet bis Mörder beinhaltet, anschaulich
zu machen.
Die zweite Abteilung heißt "Termine" und
nennt die bisherigen und die zukünftig vorgesehenen Ausstellungsorte.
Außerdem kann der Nutzer aktuelle Presseberichte einsehen,
insbesondere die mit Verve über die Ausstellung geführte
Debatte bei H-Soz-u-Kult zwischen Uwe Schmidt, Wolfgang Gründberg
und Siegfried von Kortzfleisch. [2] In einem extra angelegten
Pressearchiv sind zudem Verlautbarungen zu früheren Ausstellungsorten
verzeichnet.
Die dritte Abteilung, ein für Lehrer, Studenten und
Forscher interessanter Bereich, nennt sich Dokumentation.
Hier sind Unterrichtsmaterialien als PDF-Datei didaktisch
aufbereitet, die dem Lehrer die Vorbereitung seiner Klasse
auf einen Besuch der Ausstellung erleichtern und einem vertieften
Verständnis des Stoffes dienen sollen. Außerdem
sind nochmals die Presseinformationen mit einem Hyperlink
eingestellt sowie ein mehr als 280 Titel umfassendes Literaturverzeichnis
zur Ausstellungsthematik. Dieses Verzeichnis ist in drei Hauptkategorien
mit mehreren Unterpunkten unterteilt. Die erste Kategorie
führt einige wenige Titel zum Thema Kirchengeschichte,
Judenverfolgung und Christen jüdischer Herkunft im Nationalsozialismus
aus überregionaler Perspektive auf. Hier beschränken
sich die Organisatoren auf Titel, die lediglich einen Überblick
zum Forschungsgegenstand geben können. Wesentlich detaillierter
sind die beiden anderen, auf die Regionen bezogenen Rubriken:
In der ersten regionalen Rubrik wird Literatur zum Thema "Jüdisches
Leben, Judenverfolgung, Christen jüdischer Herkunft im
Nationalsozialismus" genannt. Dabei wurde das Verzeichnis
untergliedert in die Unterpunkte Schleswig-Holstein, Hamburg,
Lübeck und Eutin. Die zweite regionale Rubrik, ebenfalls
nach den vier genannten Regionen aufgeteilt, führt Titel
zur "Geschichte und Kirchengeschichte im Nationalsozialismus"
auf. Die verzeichnete Literatur reicht von bekannten wissenschaftlichen
Gesamtdarstellungen bis hin zu unveröffentlichten Diplomarbeiten
sowie "grauer" Literatur und kann ein wichtiges
Hilfsmittel für alle sein, die sich weitergehend mit
dem Thema oder auch nur mit der Heimatgemeinde beschäftigen
möchten.
Die letzte Hauptabteilung der Web-Site nennt sich Dialog.
Sie führt hin zu einem - offenbar nur wenig genutzten
- Internetforum. Es besteht aus drei themenspezifischen Foren
mit den Titeln: "Reaktionen auf die Ausstellung",
"Christen und Juden - Gestern und Heute" und "Der
Umgang der Kirche mit ihrer Vergangenheit". Wichtiger
ist jedoch eine durchaus sinnvoll strukturierte Linkliste,
die den Nutzer zu einigen mit Thema und Ausstellung korrespondierenden
Partnern und Instituten führt. Diese Liste enthält
Links für Schüler/Schulklassen ebenso wie für
sonstige an Geschichtsarbeit und Erinnerungskultur interessierte
Kreise. Außerdem können Forscher über angegebene
Links auf die Seiten der benutzten Archive gelangen. Ganz
"nett" ist auch die Idee, Verlinkungen zu "Pax
Christi", "Aktion Sühnezeichen" und "Ökumenischer
Friedens- und Entwicklungsdienst" anzubieten. Inwiefern
diese Seiten in einem genuinen Zusammenhang mit der Ausstellungsthematik
stehen oder ob sie vielmehr im Zuge eines kirchenspezifischen
Reflex hineingeraten sind, entzieht sich der Kenntnis des
Rezensenten.
Wie bereits erwähnt möchte die Ausstellung und
damit auch die Web-Site Lehrer und Schüler, Forscher
und Interessierte erreichen. Sie möchte dabei gleichzeitig
ein dunkles, bisher eher vernachlässigtes Kapitel der
nordelbischen Kirchengeschichte erhellen. Ihrem Anspruch ist
die Seite ohne Zweifel gerecht geworden. Sie bietet für
den Lernenden verständlich geschriebenes Material und
Texte, dem Lehrenden gibt sie Hilfsmittel an die Hand und
dem Forschenden eine gründliche Einführung sowie
Literatur und Quellenhinweise. Die Web-Site ist übersichtlich
und professionell gestaltet und lädt zum genaueren lesen
und hinsehen ein. Sie bietet eine Vielzahl sinnvoll miteinander
vernetzter und in Zusammenhang stehender Abschnitte und Texte,
die ein umfassendes Bild zur Thematik zeichnen. Dabei sind
die Texte frei von überkommener Erinnerungsrhetorik und
machen den Blick frei auf das Wesentliche. Nicht zuletzt das
dezente grafische Design unterstützt die Wirkung des
Angebotes, da es Inhalt und Zielsetzung in den Vordergrund
stellt. Lobenswert ist auch die schonungslose Offenheit, mit
der Kirche und Organisatoren das Thema angehen und in der
Diskussion halten. Dabei stellen sie sich auch der, teilweise
harschen Kritik, sei sie nun berechtigt oder auch nicht. So
wurde beispielsweise die bereits erwähnte Auseinandersetzung
bei H-Soz-u-Kult ausführlich an prominenter Stelle dokumentiert.
Der Internetauftritt der Ausstellung "Kirche, Christen,
Juden" ist im Verbund mit Ausstellung und Katalog ein
gelungenes Projekt, welches zur Nachahmung auffordert. Insbesondere
der Verbund von allgemeinem geschichtlichem Ablauf und regionaler
Auswirkung ist wegweisend. Vielleicht könnte aus diesem
Projekt in Zukunft eine fortlaufende Werkstatt entstehen,
die Forschungen vor Ort sammelt und anderen zu Verfügung
stellt. Die Web-Site wäre als Plattform dafür sicherlich
auch dann noch der geeignete Ort, wenn die Ausstellung ihre
Tore längst geschlossen hat.
Anmerkungen:
[1] Matthias Wolfes: Rezension zu: Göhres, Annette; Linck,
Stephan; Liß-Walther, Joachim (Hrsg.): Als Jesus "arisch"
wurde. Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945. Die
Ausstellung in Kiel. Bremen 2003. In: H-Soz-u-Kult, 06.01.2004,
<http://hsozkult.geschichte.hu-
berlin.de/rezensionen/2004-1-005>.
[2] Vgl. dazu die Rezension von Uwe Schmidt für H-Soz-u-Kult
vom 28. Mai 2003:
hsozkult.geschichte.huberlin.de/
rezensionen/id=16&type=rezausstellungen.
Auf diese Besprechung bezieht sich eine kritische Stellungnahme
der Hamburger Theologen Wolfgang Grünberg und Siegfried
von Kortzfleisch vom 28. Juli 2003; siehe auch Schmidts am
gleichen Tag veröffentlichte Replik.
Diese Rezension entstand durch die Kooperation mit Clio-online
http://www.clio-online.de/
Sprache: German
Klassifikation: Regionaler Schwerpunkt: Deutschland
Epochale Zuordnung: 1933-1945
Thematischer Schwerpunkt: Jüdische Geschichte, Kirchen-
und Religionsgeschichte
URL zur Zitation dieses Beitrages: http://hsozkult.geschichte.hu
berlin.de/rezensionen/id=29&type=rezwww
Copyright (c) 2004 by H-Soz-u-Kult (H-Net) and Clio-online,
all rights reserved. This work may be copied for non-profit
educational use if permission is granted by the author and
H-Soz-u-Kult. Please contact hsk.redaktion@geschichte.hu-berlin.de.
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Ausstellung "Kirche, Christen,
Juden" in Hamm mit Beteiligung des Rauhen Hauses
Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift das Rauhe Haus
- mitten im Leben...
Am Pfingstsonntag, 30. Mai, wird um 11 Uhr die Wanderausstellung
der Nordelbischen Kirche "Kirche, Christen, Juden in
Nordelbien 1933 - 1945" in der Dreifaltigkeitskirche
Hamburg-Hamm eröffnet und dann einen Monat dort zu sehen
sein. Am umfangreichen Begleitprogramm beteiligt sich auch
die Stiftung Das Rauhe Haus. So sind Prof. Hans-Jürgen
Benedict von der Fachhochschule des Rauhen Hauses und Oliver
Stabenow, Schulpastor der Wichern-Schule, an Vortrags- und
Diskussionsveranstaltungen beteiligt.
Die Ausstellung ist gemeinsam von der Hammer Kirchengemeinde,
der Fachhochhochschule und der Wichern-Schule des Rauhen Hauses
vorbereitet worden. Als regionaler Bezug gehört zu dieser
nordelbischen Ausstellung stets ein "Lokales Fenster",
das einen Aspekt des Verhaltens der Kirchen gegenüber
Juden und so genannten "getauften Juden", d.h. Christen
jüdischer Herkunft, aufzeigt.
In der Hammer Ausstellungspräsentation besteht dieses
Lokale Fenster aus fünf Vitrinen, die den jüdisch/christlichen
Arztfamilien Rosenbaum und Elkan aus dem Stadtteil gewidmet
sind. Diese Forschungsarbeit und die Präsentation der
Ergebnisse haben Schüler des Leistungskurses Geschichte
der Wichern-Schule des Rauhen Hauses erarbeitet.
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Besprechungen und Hinweise
Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift der Gesellschaft
für Schleswig-Holsteinische Geschichte 2004
Als Jesus arisch wurde: Kirche,
Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945; Ausstellung in Kiel.
Hrsg. Von Annette Göhres, Stephan Linck und Joachim Liß-Walther.
Bremen: Ed. Temmen, 2003. 279 S.
Die kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der christlichen
Kirchen im Dritten Reich begann innerhalb der EKD erst auf
dem Berliner Kirchentag von 1961. Es hatte zwar einige Verlautbarungen
des Rates der EKD zwischen 1945 und 1950 gegeben, in denen
die evangelische Kirche sich zu ihrer Mitverantwortung und
Mitschuld an dem, was 1933-45 geschah, bekannte, zum Beispiel
in Stuttgart am 19.10.1945, aber auch die Stuttgarter
Schulderklärung erwähnt die Judenverfolgung
nicht explizit. Natürlich war sie mit gemeint, aber die
Erklärung kommt schnell auf den Neuanfang zu sprechen
und auf die Hoffnung, daß der Geist des Friedens
und der Liebe zur Herrschaft komme, in dem allein die gequälte
Menschheit Genesung finden kann.
Erst auf dem Evangelischen Kirchentag in Berlin wurde eine
Arbeitsgemeinschaft Juden und Christen gegründet, womit
eine Phase intensiver theologischer Arbeit über das Verhältnis
von Christen und Juden begann. Damit im Zusammenhang wurde
in den sechziger bis achtziger Jahren der sogenannte Kirchenkampf
aufgearbeitet von jüngeren Wissenschaftlern, unter denen
Klaus Scholder herausragt mit seinen verschiedenen Aufsätzen
und seinem Hauptwerk Die Kirchen und das Dritte Reich
(1977-85).
Auch in Schleswig-Holstein wurden seit den siebziger Jahren
Aufsätze zu diesem Thema veröffentlicht, bis dann
Klauspeter Reumann im sechsten Band der Schleswig-Holsteinischen
Kirchengeschichte 1998 den Kirchenkampf in Schleswig-Holstein
umfassend darstellen konnte. Bis zu diesem Jahre war das Interesse
weiterer kirchlicher Kreise an dem Thema Kirche, Christen,
Juden in Nordelbien während der Zeit des Nationalsozialismus
so groß geworden, daß die Synode der Nordelbischen
Kirche am 18.September 1998 konkrete Schritte einleitete:
-
Bitte an die Landeskirche, die Kirchenkreise, die Kirchengemeinden
und die Universitäten in Hamburg und Schleswig-Holstein,
die kirchliche Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus
erforschen.
-
Bitte an die Kirchenleitung, einen Forschungsauftrag
beim Nordelbischen Kirchenarchiv zu vergeben, mit dem
Ziel, Quellen für eine Ausstellung und Publikation
zu dem Thema zu sammeln.
Der Bitte wurde im Sommer 1999 entsprochen, als der Historiker
Stephan Linck als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Nordelbischen
Kirchenarchiv in Kiel angestellt wurde. Zusammen mit Annette
Göhres, der Leiterin des Archivs, trug er die Hauptlast
der Ausstellungsvorbereitung. Als dritten Mitstreiter gewannen
sie den Stadtpastor von Kiel, Joachim Liß-Walther, den
evangelischen Vorsitzenden der Gesellschaft für christlich-jüdische
Zusammenarbeit in Schleswig-Holstein. Der katholische und
seit 1998 geschäftsführende Vorsitzende dieses Vereins,
Bernd Gaertner, war auch zur Zusammenarbeit bereit und hat
dann jeweils eine der Eröffnungs- und Schlusspredigten
zur Ausstellung gehalten neben seinen evangelischen Kollegen
Liß-Walther und Jörgen Sonntag, emeritierter Kieler
Propst und Vorsitzender des Nordelbischen Arbeitskreises Christen
und Juden.
Für die künstlerische Konzeption der Ausstellung
konnte der bekannte Professor für Graphik-Design an der
Muthesius-Hochschule, Bernhard Schwichtenberg, gewonnen werden,
der den Studentinnen Iris Mielke und Gudrun Niebuhr die Konkretion
und Präsentation übertrug. Für zwei Gruppen
von kleinen Stelltafeln wurden Kurztexte entwickelt mit den
Überschriften: Protestantischer Zeitgeist, Theologische
Wissenschaft, Pastor und Gauredner, Glockengeläut und
Dankgottesdienste; sowie Evangelische Bekenntnisse und Glaubensbewegungen
in der NS-Zeit (Bekennende Kirche, Deutsche Christen, Nationalkirche,
Die Deutschkirche, Deutsche Glaubensbewegung). Neben diesen
etwas plakativ formulierten Texten, die im vorliegenden Katalog
zur Ausstellung fünf Druckseiten einnehmen, wurden auf
Schildern, die an den Gesangbuchablagen der Kirchenbänke
angebracht waren, die politischen Ereignisse und staatlichen
Gesetze in jedem einzelnen Jahr zwischen 1933 und 45 in normaler
Schrift, das kirchliche Geschehen kursiv und die Ereignisse
in Nordelbien fett gedruckt den in den Kirchenbänken
sich niederlassenden Besuchern die Ausstellung vor Augen geführt.
Diese Chronologie der Ereignisse nimmt in der Dokumentation
27 Seiten ein und ist das Beste, was der Rezensent in solch
gedrängter Form über die Zeit des Kirchenkampfes
gelesen hat.
Als dritter Schwerpunkt der Ausstellung wurden zehn Akteure
aus der NS-Zeit ausgewählt und mit ihren Biographien
und Selbstzeugnissen vorgestellt. Damit sollten Opfer und
Täter, Kirchenführer und Laien exemplarisch und
konkret ins Blickfeld des Betrachters rücken. Da die
Ausstellung an verschiedenen Orten gezeigt wurde und gezeigt
wird, sollten die verschiedenen Kirchenkreise Gelegenheit
haben, in einer vierten Abteilung eigenes hinzuzufügen.
In Kiel wurde Dreifaches gezeigt:
-
Akten, aus denen hervorgeht, daß ein Kieler Kirchenbeamter
1938 die Anfrage eines Reichsinstitutes über Taufen
von Juden und Mischehen nicht beantwortet,
sondern die Akte falsch eingeordnet hat.
-
Dokumente über einen Pastor, der von seinen Konfirmanden
bei der Gestapo angezeigt wurde.
-
Programm des Deutschen Pfarrertags in Kiel 1938, auf
dem der österreichische Pfarrerverein feierlich in
den Reichsbund deutscher Pfarrer aufgenommen und der Hauptvortrag
über das Thema Deutsch und nordisch in Schleswig-Holstein
in der Neuzeit gehalten wurde.
Der Rezensent kann sich in der Bewertung der Ausstellung
und ihrer Texte den Bewertungen einiger der bekanntesten Zeitungen
Deutschlands anschließen. Ralph Giordano äußerte
in der Welt am Sonntag: Hier hatte ich den Eindruck,
der Sache wird wirklich auf den Grund gegangen, ohne Verdrängungs-
und Beschönigungstendenzen. Die FAZ bemerkte: Besser
kann sich eine Institution ihrer dunklen Vergangenheit wahrscheinlich
nicht stellen als durch eine kritische Ausstellung, die Platz
in ihren eigenen Mauern findet. Und die Frankfurter
Rundschau stellte fest: Der Ausstellung gelingt es,
die Geschichte evangelischer Schuld wie christlich gelebter
Zivilcourage im nationalsozialistischen Deutschland von den
lichten Höhen der Wissenschaft und synodaler Bekenntnisse
herabzuholen und einer größeren Öffentlichkeit
bekannt zu machen.
Tatsächlich hat sich die Universität Kiel und ihre
evangelische Theologische Fakultät an der Ausstellung
nicht aktiv beteiligt, auch nicht an der Ausarbeitung verschiedener
Referate und Aufsätze zum Thema Juden und Christen in
Schleswig-Holstein. Die vermeintliche Lücke wird aber
mehr als zufriedenstellend durch neue wissenschaftliche Aufsätze
gefüllt, die auf der Ausstellung in Form von Faltblättern
auslagen und die auf 169 Seiten das Herzstück der Dokumentation
bilden und die Ausstellungstexte um das Dreifache übertreffen.
Die Wurzeln der Judenfeindschaft werden von Siegfried
Bergler aufschlussreich bis ins Mittelalter verfolgt; Jörgen
Sonntag verfasste einen luziden Aufsatz über Martin
Luther und die Juden, in dem nicht nur die beiden Schriften
des Reformators über die Juden interpretiert, sondern
auch mit anderen Äußerungen konfrontiert werden,
woraus sich eine erstaunliche Kontinuitätshypothese ergibt.
Stephan Linck, der Hauptverantwortliche für die Ausstellung,
steuert Bemerkungen zum Antisemitismus in der schleswig-holsteinischen
Landeskirche bei: erschütternd zu lesen. Klauspeter
Reumann, der anerkannte Fachmann für Fragen des Kirchenkampfes
in Schleswig-Holstein, befasst sich eingehend mit der Schrift
des Oberkonsistorialrats Halfmann Die Kirche und der
Jude von 1936. Die Entjudung der Kirche,
ein Aufsatz von Hansjörg Buss, schließt daran thematisch
sinnvoll an. Am eindruckvollsten sind aber die Berichte Bettina
Goldbergs über Jüdische Kinder und Jugendliche
unter dem NS-Regime. Theoretischer wird es dann wieder
in der Darstellung Katholische Kirche und Nationalsozialismus
von Bernd Gaertner, der die gründliche katholische Forschung
zu diesem Thema bis dato hervorragend zusammenfasst. Zwei
außergewöhnliche Beiträge schließen
den Sammelband ab: Die mühsamen Schritte der evangelischen
Kirche zur Anerkennung ihrer Mitschuld an der Judenverfolgung
von Jörgen Sonntag und die Standortbestimmung von Joachim
Liß-Walther Über die Wunden und das Verbindende
im Verhältnis zwischen Christen und Juden, Kirche und
Israel. Diese beiden Aufsätze gehören zum
Eindruckvollsten, was man über die vergangenen und zukünftigen
Beziehungen zwischen Juden und Christen lesen kann.
Albrecht Endriß
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Ausstellung in Hamm
Kirche, Christen, Juden
Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"
vom 30.05.2004
Hamburg Die Wanderausstellung der Nordelbischen Kirche
Kirche, Christen, Juden wird vom 30. Mai bis 23.
Juni in der Dreifaltigkeitskirche Hamm (Horner Weg) gezeigt.
Zur Eröffnung am Pfingstsonntag nach dem Gottesdienst
spricht der Historiker Stephan Linck. Weiter gibt es einen
Vortrag über zionistische Erziehung im Dritten
Reich und die Ausbildungsstätte der Hechaluz (2.
Juni, 19 Uhr) und einen Diskussionsabend Wir sind die
SA Jesu Christi Diakonie im nationalen Aufbruch
(3. Juni, 19 Uhr). Weitere Veranstaltungen folgen.
Öffnungszeiten di. bis fr. 11 17 Uhr, sa. 15
17 Uhr, so. 11 13 Uhr, Telefon 040/21 90 12 10.
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| Copyright 2001 | Nordelbisches Kirchenamt
- Archiv - | Postfach 3449 | 24033 Kiel
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