Nordelbische Kirchenkreise untersuchen die eigene Rolle
im Nationalsozialismus. Synode in Altona bekennt sich zur
Mitschuld, "Initiative Gedenken" in Harburg
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Beschämt über das lange
Schweigen
taz-Hamburg,
09.11.02
Mit freundlicher Genehmigung der taz - die tageszeitung
Am Anfang war eine Ausstellung. Diese heißt "Kirche
- Juden - Christen in Nordelbien", tourt momentan durch
die Kirchenkreise von Stadt und Region und beleuchtet selbstkritisch
die Rolle der evangelischen Kirche in der Nazi-Zeit. Der Nebeneffekt:
Immer mehr Kirchenkreise untersuchen, wie sie sich damals
verhalten haben. Vom Widerstand über das Weggucken bis
zum aktiven Mittun war alles dabei. In Altona hat sich die
Synode im vergangenen Monat zur Mitschuld am Schicksal der
Nazi-Opfer bekannt. Und auch in Harburg, wo die Ausstellung
momentan Station macht, hat die "Initiative Gedenken"
in der Geschichte ihrer Kirche vor Ort gegraben.
"Uns beschämt das lange Schweigen in Altonas Kirchen
zu dieser Schuld", heißt es in der Altonaer Synodenerklärung.
So hatte die Propstei Altona eine so genannte Sippenkanzlei
eingerichtet, die den Nazis half, auf der Suche nach JüdInnen
"nichtarische" Gemeindemitglieder zu identifizieren.
Der Historiker Bernd Liesching hat die Geschichte der Propstei
zwischen 1933 und 1945 untersucht und dies herausgefunden.
1938 erstellte die Propstei eine Liste mit den Namen von 44
"getauften Juden", die den Nazis zugeleitet wurde.
Die Betroffenen wurden 1941 aus der Kirche ausgeschlossen
und waren damit schutzlos.
Im Kirchenkreis Harburg reagierte die Kirche nur zögernd
auf die Verfolgung der jüdischen Gemeinde in Wilhelmsburg,
wie die Initiative Gedenken anmerkt. Das lokale kirchliche
Gemeindeblatt veröffentlichte nach der Reichspogromnacht
1938 einen Beitrag, der alle "zur Unterstützung
des rassischen, politischen Abwehrkampfes gegen das Judentum"
aufrief. Fazit der Initiative heute: "Auch oppositionelle
Kirchenvertreter begründeten ihre Positionen mit einer
grundsätzlichen Ablehnung des Judentums und billigten
die Rassenpolitik des Staates." PETER AHRENS
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