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Presseberichterstattung Mümmelmannsberg
in Hamburg-Stormarn
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Ausstellung Kirche Christen
Juden in Nordelbien 1933 1945
Gemeindebrief Reinbek-Mitte 9/2002
Im Juni war diese Ausstellung in unserem Kirchenkreis im
Gemeindezentrum Mümmelmannsberg zu sehen. Im Begleitprogramm
gab es verschiedene Vortragsveranstaltungen, davon zwei in
Reinbek am 24. und 26. Juni. Vor allem für unsere Kirchengemeinde
waren diese Veranstaltungen auch eine Auseinandersetzung mit
der Vergangenheit, da ein Schwerpunkt der Ausstellung das
Schicksal der Reinbeker Familie Goldschmidt war und ein Enkel
von Arthur Goldschmidt zu Worte kam. Die Diskussion zu diesem
Thema hatte bereits im Februar mit einer Predigt von Pastor
Dr. Claussen begonnen, in der das Versagen unserer Kirchengemeinde
im Falle Goldschmidt angesprochen wurde.
Die unserer Kirchengemeinde sehr verbundene, in der Kückallee
wohnende Familie Goldschmidt jüdischer Abkunft, seit
Generationen evangelisch, wurde nach 1933 durch die nationalsozialistische
Rassegesetzgebung in eine existenz- und lebensbedrohliche
Situation gebracht. Dr. Arthur Goldschmidt, ein angesehener
Jurist, wurde 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert, wo
er die evangelische Gemeinde gründete. Eine bewegende
Schrift von ihm über diese Gemeinde war auf der Ausstellung
zu sehen.
Seine Familie fand in unserer Kirchengemeinde weder Rückhalt
noch Hilfe, sondern musste Ablehnung und Ausgrenzung erleben.
Nur der damalige Bürgermeister Claußen und der
Nachbar und Freund Dobberlin haben den Goldschmidts beigestanden.
Die Ausstellung und vor allem der Vortrag des Historikers
Dr. Linck vom Nordelbischen Kirchenarchiv am 24. Juni in Reinbek-West
belegten in beklemmender Weise das für die meisten von
uns nicht gekannte Ausmaß der Verstrickung der evangelischen
Kirche in die Rassenideologie des dritten Reiches. Es gab
nur sehr wenige warnende Gegenstimmen wie z.B. die von Dietrich
Bonhoeffer und die des süddeutschen Bischofs Wurm. Nur
so lässt sich heute das Unbegreifliche erklären,
dass nach dem Zeugnis der Familie Goldschmidt bereits vor
1938 die beiden Söhne Arthur Goldschmidts wegen ihrer
jüdischen Herkunft vom Kindergottesdienst bzw. Konfirmandenunterricht
ausgeschlossen wurden, und sich der damalige Gemeindepastor
weigert, Arthur Goldschmidts verstorbene Ehefrau Kitty im
Juni 1942 zu beerdigen.
Auch nach dem Kriege hat offensichtlich unserer Kirchengemeinde
nicht versucht, in einen Dialog mit Arthur Goldschmidt über
diese Geschehnisse einzutreten. Ein Grund dafür mögen
auch die großen Veränderungen in der Bevölkerung
Reinbeks nach dem 2. Weltkrieg gewesen sein, so dass der Fall
Goldschmidt erst einmal in Vergessenheit geriet.
Höhepunkt für unsere Gemeinde war der Vortragsabend
am 26. Juni in unserem Gemeindesaal. Ein Enkel von Arthur
Goldschmidt, Dr. Detlev Landgrebe, sprach über das Thema
Eine Kindheit in Reinbek im Schatten der Judenverfolgung.
In einer eindringlichen und klaren Sprache und mit großer
Sachlichkeit schilderte er seine persönlichen Reinbeker
Kindheitserinnerungen und stellte sie in die geschichtlichen
Zusammenhänge der damaligen Zeit. Es war bedrückend
zu hören, wie er als Kind die Demütigungen der Familie
Golschmidt erlebt hat. Gerade diese Sachlichkeit bewegte und
überzeugte und half, auch unbequeme und bittere Wahrheiten
zu akzeptieren. Dieser Abend war eine wirkliche Sternstunde,
und ich hoffe, dass er auch für die Familie Goldschmidt
ein versöhnliches Zeichen gesetzt hat.
Martin Böckenhauer
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Aus dem Kirchenvorstand
Gemeindebrief Reinbek-Mitte 9/2002
Auf seiner Klausurtagung am 16./17. August hat der Kirchenvorstand
darüber beraten, was die Ausstellung Kirche Christen
Juden für uns in Reinbek bedeutet, und folgende
Erklärung verabschiedet:
Angestoßen durch die Ausstellung Kirche
Christen Juden in Nordelbien 1933 1945
ist dem Kirchenvorstand bewusst geworden, dass die Zeit des
Nationalsozialismus in der Erinnerung unserer Gemeinde weitgehend
verdrängt worden ist. So hat diese Zeit zum Beispiel
keinen Eingang in unsere Festschrift gefunden. Der Kirchenvorstand
bedauert dies zutiefst.
Der Vortag von Dr. Detlev Landgrebe, einem Enkel von Arthur
Goldschmidt, am 26. Juni 2002 in unserer Gemeinde hat uns
bewusst gemacht, dass die Gemeinschaft der evangelischen Christen
in Reinbek in jener Zeit versagt hat, indem sie getaufte Christen
aus der Gemeinde ausschloss.
Wir sind entsetzt darüber, wie selbstverständliche
in jener Zeit sogenannte Rassegesetze von der Kirche und der
Gemeinde über die in der Taufe begründete Gemeindemitgliedschaft
gesetzt wurden. Dies führte zum Beispiel bei Frau Katharina
Goldschmidt dazu, dass ihr vom Gemeindepastor die Beerdigung
versagt wurde.
Wir bedauern, dass die Gemeinde sich nicht schützend
vor ihre bedrängten Gemeindemitglieder gestellt hat.
Wir sind beschämt darüber, dass es in der Zeit
nach 1945 weder ein bewusstes Erinnern noch den Versuch der
Aufarbeitung gegeben hat.
Wir wollen in der Zukunft wachsam sein und dem Wort des Evangeliums
mehr Gewicht schenken als politischem oder weltanschaulichem
Denken. Wir hoffen, dass die einsetzende Erinnerung uns dabei
hilft.
Es soll gelten: Hier ist nicht Juda noch Grieche, hier
ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau;
denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus (Galater
3,28).
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Gedenken an Aufstand des 17. Juni
Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten
18.06.2002
Bundesinnenminister Otto Schily hat gestern an der Gedenkstätte
des Arbeiteraufstandes am 17. Juni 1953 auf dem Friedhof Berlin-Wedding
einen Kranz niedergelegt. Während einer Feierstunde gedachten
Teilnehmer am Aufstand, Hinterbliebene und Vertreter der Bundesregierung
der Opfer des Volksaufstandes, der vor 49 Jahren mit russischen
Panzern niedergeschlagen wurde. Schily würdigte den Aufstand
als Vorbeben für die politische Wende in der DDR.
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Plädoyer für den deutsch-jüdische
Dialog
Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten
18.06.2002
Kiel (dube). In Deutschland ist wieder ein wachsender
Antisemitismus zu beobachten, warnt Bernd Gaertner.
Das sei gerade durch den jüngsten Streit um Möllemann
deutlich geworden. Der katholische Theologe aus Kiel will
diese Entwicklung nicht hinnehmen und setzt sich in der Gesellschaft
für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Schleswig-Holstein
für den Dialog zwischen den zwei Religionen ein. Die
Gesellschaft, deren Vorsitzender Gaertner ist, feiert heute
mit einer Festveranstaltung ihr 40-jähriges Bestehen.
Der Verein hat etwa 70 Mitglieder Katholiken, Lutheraner
und Juden. Wir wollen jüdische Themen ins Gespräch
bringen und über jüdisches Leben informieren,
so Gaertner. Dazu organisiert die Gesellschaft zum Beispiel
Ausstellungen oder Konzerte, beteiligt sich an Aktionen.
Die jüdische Gemeinschaft zwischen Nord- und Ostsee
zählt etwa 2000 Mitglieder, allein in Kiel leben knapp
400 Juden. Die meisten von ihnen sind in den 90er-Jahren aus
Osteuropa eingewandert: Die Integration der jüdischen
Emigranten ist einer der Schwerpunkte unserer Arbeit,
berichtet Bernd Gaertner. So finanziert die Gesellschaft beispielsweise
Deutschkurse.
Im Februar unterstützte die engagierte Gemeinschaft
zudem die Ausstellung Kirche, Christen, Juden in Nordelbien
1933-45, die sich kritisch mit der Rollen der Kirchen
in der Nazi-Zeit auseinandersetzt. Auch förderte die
christlich-jüdische Gesellschaft Theaterprojekte mit
Bezug zur jüdischen Geschichte in Deutschland.
Die Leiterin des jüdischen Gemeindezentrums in der Landeshauptstadt,
Viktoria Ladyshenski, ist ebenfalls Mitglied der Gesellschaft.
Auch sie hat die Befürchtung, dass das gesellschaftliche
Klima gegemüber Juden in Deutschland frostiger wird.
Viktoria Ladyshenski betont: Es gibt nur einen Weg:
Juden und Nicht-Juden müssen einander besser kennen-
und respektieren lernen. Je mehr jeder übe den anderen
weiß, desto besser wird das Zusammenleben klappen.
Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit
leistet auf diesem Gebiet einen unschätzbar wichtigen
Beitrag.
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Mümmelmannsberg
Ausstellung "Kirche, Christen, Juden in Nordelbien"
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"Mut, sich der Vergangenheit
zu stellen"
Nordelbische Kirchenzeitung, 02.06.2002
Mit freundlicher Genehmigung der "Die
Nordelbische"
Hamburg Große Aufmerksamkeit und Anerkennung
für den Mut der Nordelbischen Kirche, eine solche Präsentation
erarbeiten zu lassen, findet die Wanderausstellung Kirche,
Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945. Vom 7. Juni
an ist sie im Gemeindezentrum Mümmelmannsberg (Havighorster
Redder) zu besichtigen.
Bei der Eröffnung am 7.6. um 20 Uhr geben Billstedts
Ortsamtsleiter Schiedeck, Propst Bohl vom Kirchkreis Stormarn
und die Kirchenarchivaren Annette Göhres und Stephan
Linck Einführungen in die Thematik.
Bis zum 30. Juni gibt es begleitend zur Ausstellung eine
Reihe von Gottesdiensten und Veranstaltungen:
9.6.: 10 Uhr Gottesdienst
Die Väter haben saure Trauben gegessen...
(Pastorin Lehmann-Fahrenkrug).
10.6.: 20 Uhr jüdische
und christliche Texte aus Ghettos und Konzentrationslagern
(Michael Holl und musikalische Beiträge).
11.6.: 19 Uhr besonders für
Jugendliche der Film Die Welle, mit Einführung.
12.6.: 19:30 Uhr Zeitzeugenbericht
eines Kirchsteinbeker Juden über seinen Aufenthalt in
Neuengamme und Auschwitz.
16.6.: 10 Uhr Gottesdienst
Erinnern ist das Geheimnis der Erlösung (Pastorin
Friederike Waack).
17.6.: 20 Uhr, Die Zeit des
Nationalsozialismus im Spiegel des Kirchsteinbeker Archivs
(Pastor Michael Ostendorf).
19.6.: 20 Uhr Eine Familiengeschichte:
Jüdische Christen in Reinbek 1933-45 (Detlef
Landgrebe).
28.6.: 10 Uhr Gottesdienst
Jüdischer Glaube christlicher Glaube
(Pastor Christoph Touché).
Am 24. und 26. Juni gibt es
auch in Reinbek Veranstaltungen zum Thema.
30.6.: 10 Uhr Abschluss-Gottesdienst
Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn (Pastor
Michael Ostendorf).
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