Ausstellung über das Verhältnis von Christen und
Juden im Nationalsozialismus
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Dunkles Kapitel der Geschichte
Nordelbische Kirchenzeitung 19.10.03
Mit freundlicher Genehmigung der "Die
Nordelbische"
Husum Das Verhältnis von Christen und Juden in
Schleswig-Holstein und Hamburg während des Nationalsozialismus
beleuchtet eine Wanderausstellung, die noch bis zum 6. November
täglich von 10 bis 18 Uhr in der Husumer Marienkirche
zu sehen ist. Begleitend sind zahlreiche Veranstaltungen zum
Thema geplant. Führungen durch die Ausstellung werden
donnerstags um 10:30 Uhr im Anschluss an die Marktandacht
sowie nach Vereinbarung angeboten.
Die Jahre 1933 bis 1938 waren gekennzeichnet von zunehmender
Ausgrenzung und Entrechtung der jüdischen Minderheit
in Deutschland. Gleichzeitig fand der Kirchenkampf statt.
Anfängliche Versuche der kirchlichen Minderheit, gegen
Ariernachweis Stellung zu beziehen und sie
zumindest für die Kirche auszuschließen,
wurden schwächer. Auf Unterstützung konnten Juden
auch von Seiten der Bekennenden Kirche immer
weniger hoffen.
Nach der Reichspogromnacht gab es kaum noch Gegner der Judenverfolgung.
Die außenpolitischen Erfolge des NS-Staates vor Beginn
des Zweiten Weltkrieges und die ersten Kriegserfolge vereinigten
die Volksgemeinschaft hinter Adolf Hitler. Die
Mehrheit der Kirche unterstützte die Verfolgung der Juden.
Als 1941 die Deportationen die Ermordung der deutschen Juden
einläuteten, schlossen viele Landeskirchen ihre nichtarischen
Glieder aus. Die mahnenden Stimmen verstummten.
Die Wanderausstellung ist das Ergebnis eines Quellen- und
Forschungsprojektes, das seit 1998 unter der Leitung des Nordelbischen
Kirchenarchivs durchgeführt wird. Der Historiker Stephan
Linck wurde mit der wissenschaftlichen Quellenrecherche und
der Ausstellungskonzeption beauftragt. In der Ausstellung
werden ausgewählte Ergebnisse und Fragestellungen vorgestellt.
Nach der Erst-Präsentation in Rendsburg im September
2001 wandert sie vorerst für drei Jahre durch Kirchen
in Hamburg und Schleswig-Holstein. Zuletzt war sie in Blankenese,
Südtondern und Elmshorn zu sehen.
In Husum wird Dr. Linck am 24. Oktober um 20 Uhr in der Marienkirche
über den Antisemitismus in der schleswig-holsteinischen
Landeskirche sprechen. Am 31. Oktober hält der
Propst des Kirchenkreises Husum-Bredstedt, Dr. Helmut Edelmann,
am selben Ort ebenfalls ab 20 Uhr einen Vortrag über
Luther und die Juden.
Die Abschluss-Veranstaltung findet am 9. November ab 16 Uhr
im Maximilian-Kolbe-Haus in der Woldsenstraße statt.
Als Gastredner ist Propst i.R. Jörgen Sonntag aus Preetz
eingeladen. Es wird die Vorgeschichte und Wirkung der Nordelbischen
Synoden-Erklärung Christen und Juden vom
22. September 2001 erläutern.
Bei einer Gesprächsreihe in der Altenbegegnungsstätte
in der Norderstraße 2 geht es am Montag, 20. Oktober
um Christen und Juden bei Paulus, eine Woche später
um Christen und Juden bei Matthäus und am
Montag, 3. November, schließlich um Christen und
Juden bei Johannes. Beginn ist jeweils um 20 Uhr.
Weitere Informationen über die Ausstellung gibt es im
Internet unter www.kirche-christen-juden.de oder bei Pastor
Ernst Otto Hansen, Telefon 04841/63930. Eine Sammlung von
Materialien sind außerdem als Buch mit dem Titel Als
Jesus arisch wurde in der Edition Temman,
Bremen, erschienen. Es wurde herausgegeben von Annette Göhres,
Stephan Linck und Joachim Liß-Walther, umfasst 280 Seiten
und kostet 12,90 Euro.
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Als Jesus arisch wurde.
Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945
ANNETTE GÖHRES/ STEPHAN LINCK/ JOACHIM LISS-WALTHER
Grenzfriedenshefte Heft 3 S. 225-227, September 2003
Mit freundlicher Genehmigung des Grenzfriedensbundes
Bremen: Edition Temmen 2003, 280 S. mit zahlreichen Abb.,
12,90 Euro.
Wir erkennen: Wir haben geirrt. Dieser Schulderklärung
der nordelbischen Kirche mit Blick auf das Verhalten ihrer
Vorgängerkirchen gegenüber jüdischen Bürgern
während des zwölfjährigen Terrorregimes der
Nationalsozialisten in Deutschland nimmt sich eine mutige,
der Aufklärung verpflichtete Wanderausstellung an, die
die Irrwege der evangelisch-lutherischen Kirche und deren
Verstrickung in die NS-Politik der Ausgrenzung und Verfolgung
faktenreich dokumentiert.
Historische Wahrheit ist: Die Kirche hatte sich in weiten
Teilen in den Dienst der nationalsozialistischen Machthaber
gestellt. So gehörten Kirchenmänner zu den Vorkämpfern
und Wegbereitern des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein
und zu den Protagonisten des Judenhasses. Mit der Ausstellung
Kirche, Christen, Juden 1933-1945 will die nordelbische
Kirche die öffentliche Beschäftigung mit diesem
dunklen Kapitel der Kirchengeschichte auf eine wissenschaftlich
fundierte Basis stellen und eine breitangelegte Diskussion
und ergänzende Initiativen in den Gemeinden anregen.
In Kiel hat die Wanderausstellung, die seit dem Herbst 2001
bisher in 18 Kirchenkreisen gezeigt wurde und bereits bis
zum Oktober 2004 ausgebucht ist, zu einer bemerkenswerten
Buchveröffentlichung geführt.
Präsentiert wurde die Publikation, die die Texte der
Ausstellung, Erklärungen der Synode zur Aufhebung antijüdischer
Kirchengesetze, sowie die Vorträge und geistlichen Ansprachen
aus dem umfangreichen, lokalen Begleitprogramm dokumentiert,
an jenem Tag, an dem vor 61 Jahren vom Landeskirchenamt in
Kiel ein von rassistischem Antisemitismus geprägter Erlass
veröffentlicht wurde. Durch die christliche Taufe
wird an der rassischen Eigenart des Juden, seiner Volkszugehörigkeit
und seinem biologischen Sein nichts geändert, heißt
es in diesem unsäglichen Papier. Und: Eine deutsche
evangelische Kirche hat das religiöse Leben deutscher
Volksgenossen zu pflegen und zu fördern. Rassejüdische
Christen haben in ihr keinen Raum und kein Recht.
Als Jesus arisch wurde lautet denn
auch der bewußt provozierende Titel des Buches, das
Dr. Annette Göhres, Leiterin des Nordelbischen Kirchenarchivs
in Kiel, Dr. Stephan Linck als Historiker verantwortlich für
die inhaltliche Konzeption der Wanderausstellung, und Joachim
Liß-Walther, Pastor an der Kieler Ansgarkirche, als
gemeinsame Herausgeber vorgelegt haben. In dem 280 Seiten
umfassenden Gemeinschaftswerk von insgesamt zehn Autoren gibt
Linck einen Einblick in den Antisemitismus der schleswig-holsteinischen
Landeskirche und stellt in diesem Zusammenhang drei Pastoren
vor, die als scharfe Judenfeinde von sich Reden machten. Neben
der Karriere des völkischen Vordenkers Friedrich Andersen,
der von 1899 bis 1928 als Hauptpastor an der St.-Johannis-Kirche
in Flensburg amtierte und in weiten Kreisen der Bevölkerung
die NS-Ideologie hoffähig machte, zeichnet er auch die
Lebenswege von Johannes Peperkorn aus Viöl später
Kreisleiter und Propagandist in Diensten der NSDAP
und von dem 1948 in Nürnberg als Kriegsverbrecher verurteilten
Ernst Szymanowski alias Ernst Biberstein aus Kaltenkirchen
nach. Alle drei verband ein zunächst religiös, dann
rassistisch begründeter Antisemitismus. Bei Szymanowski/Biberstein
führte der Judenhass bis zur Beteiligung am Mord von
2000 bis 3000 Juden in der Ukraine. Den radikalsten Ausprägungen
des kirchlichen Antisemitismus widmet sich der Historiker
Hansjörg Buss in seinem Beitrag Entjudung der Kirche,
einer Frage, mit der sich ein spezielles Institut beschäftigte.
Damit wollte die Kirche ihren Beitrag zum nationalsozialistischen
Weltkampf gegen das Judentum leisten. Der Kirchenhistoriker
Dr. Hanspeter Reumann untersucht die 1936 veröffentlichte,
17 Seiten umfassende Schrift Die Kirche und die Juden,
in der der Flensburger Pastor Wilhelm Halfmann das Judentum
als Zersetzungsstoff für die christlichen Völker
brandmarkt. Halfmann, ein führender Kopf der Bekennenden
Kirche, rechtfertigte grundsätzlich die staatliche Ausgrenzungs-
und Verfolgungspolitik gegenüber den Juden, kritisierte
aber auch vorsichtig den völkisch und rassistisch begründeten
Antisemitismus der Nationalsozialisten. Diese zwiespältige
Veröffentlichung sei so Reumanns Bewertung
aus der Defensive heraus entstanden, da die Weltanschauungskräfte
der NSDAP permanent den Vorwurf von der Verjudung
der Kirche erhoben hätten.
Wie die hilflosen Opfer die jüdischen Kinder
unter der antisemitischen Hetze zu leiden hatten, schildert
die Historikerin Dr. Bettina Goldberg an Hand von Zeitzeugenberichten
in eindringlicher Weise. Joachim Liß-Walther setzt sich
mit den Wunden und dem Verbindenden im Verhältnis zwischen
Christen und Juden, Kirche und Israel auseinander und bekennt:
Ich glaube an Gott, den Gott Israels.
Dieses beeindruckende Buch entstand zwar aus dem örtlichen
Begleitprogramm während der Präsentation der Ausstellung
in Kiel, es sollte aber den weiteren Weg der Wanderausstellung
durch die norddeutschen Kirchen begleiten. Denn als eigenständiges
Werk ergänzt und vertieft es das dort vorgestellte Material
in hervorragender Weise.
Bernd Philipsen
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Freitag kommt die Gruppe Hopkele in die Stiftskirche
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Lieder und Tänze der Juden
Mit freundlicher Genehmigung
der "Elmshorner Nachrichten"
vom 24.09.2003
Elmshorn. Die Gruppe Hopkele kommt nach Elmshorn. Am Freitag,
26. September, werden die fünf Musiker Lieder und Tänze
der Juden Osteuropas aufführen. Ihre fröhlich, melancholische
Musik ist der letzte Vortrag im Rahmen des Programmes zur
Aufstellung "Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933
bis 1945", die zurzeit in der Stiftskirche zu sehen ist.
Die Musiker, die aus der Ukraine und Deutschland stammen,
spielen ab 20 Uhr. Wegen der Ausstellung ist die Anzahl der
Sitzplätze in der Stiftskirche derzeit begrenzter. Monika
Tschamper hat schon einige Male in Elmshorn gesungen. Diesmal
kommt sie zusammen mit Alec Sloutski, der Giora Feidmann auf
seiner Geige begleitet hat. In der Gruppe Hopkele spielt Petra
Ritschel die Klarinette, die sie auch schon in anderen Klezmer-Ensembles
und an einem Jiddisch-Festival in Jerusalem gespielt hat.
Efim Kofman stammt aus einer alten Klezmerdynastie in Georgien
und spielt nun auch in dieser Gruppe mit seinem Akkordeon.
Abgerundet wird der Klang durch den Kontrabass, den Guido
Jäger schon in vielen Ländern gespielt hat. Ursprünglich
wurde Klezmer-Musik zu jüdischen Festen in der Gemeinde
und den Familien gespielt. Nun erklingt sie in der Stiftskirche.
Der Eintritt kostet sechs Euro.
24.09.2003 - 17:28:17 fm
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