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Presseberichterstattung Kiel
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Kirche, Christen, Juden
in Nordelbien 1933 bis 1945
in der Ansgarkirche in Kiel
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Mit einer Erklärung zur Aufhebung antijüdischer
Kirchengesetze und zur kirchlichen Mitschuld an der Ausgrenzung,
Diskriminierung und der Ermordung von Juden und Jüdinnen
in der NS-Zeit hatte die Synode der Nordelbischen Kirche 1998,
anlässlich des 60. Jahrestages der Reichspogromnacht,
einen Aufarbeitungsprozess kirchlichen Verhaltens während
des Nationalsozialismus in Gang gesetzt. Der Kieler Historiker
Dr. Stephan Linck wurde mit der Erfassung und Auswertung von
Quellen und der Erstellung einer Wanderausstellung beauftragt.
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Als Kirchenvogt,
Kirchendiener oder Friedhofswärter kann nur
ein evangelischer Christ angestellt werden, der
rückhaltlos für den nationalen Staat
und die Deutsche Evangelische Kirche eintritt.
Wer nicht arischer Abstammung ist oder mit einer
Person nicht arischer Abstammung verheiratet ist,
darf nicht als Kirchenvogt, Kirchendiener oder
Friedhofswärter angestellt werden.
Gesetz der
Lübeckischen Landeskirche vom 31. Dezember
1936
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Kirche, Christen, Juden eine
Ausstellung thematisiert die kirchliche Schuld gegenüber
Juden und Jüdinnen während der NS-Zeit
Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift
"enough
is enough", Nr. 16/2002
Die Ausstellung Kirche, Christen, Juden in Nordelbien
1933 bis 1945 wurde nunmehr im September 2001 in Rendsburg
eröffnet und ist nach Aufenthalten in Lübeck und
Hamburg zur Zeit in Kiel zu sehen. Die wissenschaftliche Aufarbeitung
dieses Teiles der jüngsten Kirchengeschichte war von
einem synodalen Prozess begleitet, der eine Neubestimmung
des Verhältnissen von Christen und Juden ermöglichen
und einleiten sollte. In der Synodenerklärung der Herbsttagung
2001 mit dem Titel Christen und Juden heisst es
hierzu ungewohnt eindeutig:
Wir bekennen: Durch antijüdische Auslegungen der
Bibel und durch eine entsprechende Verkündung und Lehre
ist die Kirche mitverantwortlich und mitschuldig an der Jahrhunderte
langen Geschichte der Feindseligkeit gegen Juden im Abendland,
ihrer Entrechtung und Verfolgung, die in der fast vollständigen
Vernichtung des europäischen Judentums, der Schoa, gipfelte.
Neben einer Reihe von mehr oder weniger konkreten Maßnahmen
zur Förderung des christlich-jüdischen Dialogs lässt
das Papier allerdings eine eindeutige Verurteilung des anwachsenden
Antisemitismus in Deutschland vermissen. So blieb es der Hamburger
Bischöfin Jepsen vorbehalten, in einer Zeit, wo
der Antisemitismus mit seinen Stammtischwitzen und Parolen
über das Weltjudentum wieder zunimmt eine klare
Haltung der Kirche gegen eine Stimmung, die längst auch
die Eliten der Bundesrepublik erfasst hat, einzufordern. Dass
sie mit dieser Forderung nicht auf die Zustimmung aller Theologen
trifft, belegt eine Stellungnahme des Kieler Theologieprofessors
Ulrich Hübner. Dieser hatte im Vorfeld des Synodenpapiers
heftig kritisiert, dass in protestantischen Kreisen
seit Jahrzehnten eine ebenso peinliche wie charakterlose Anbiederung
an Juden ebenso gepflegt wurde und wird wie die damit verbundene,
inflationär gewordene Mode litaneiähnlicher Selbstbezichtigungen
(...) zu Gunsten von Juden und sich in Verkennung von
Sinn und Zweck der Synodenerklärung mit durchaus antisemitischen
Untertönen kritisch zum Nah-Ostkonflikt geäußert.
Positiv aufgenommen wurden diese Ausfälle beispielsweise
von der rechtsradikalen Zeitschrift Junge Freiheit,
in ihrer Novemberausgabe.
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Begehrte Wanderausstellung
Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift
Kieler Express, 6. März 2002
Nach Beendigung der Wanderausstellung Kirche, Christen,
Juden in Nordelbien 1933-1945 in der Ansgarkirche zeigt
sich Stadtpastor Joachim Liß-Walther sehr zufrieden.
Mehr als 2300 Besucher nahmen das Angebot von Ausstellung
und den Begleitveranstaltungen an. Angesichts des bedrückenden
Themas aus schwarzer Zeit eine erstaunlich hohe Anzahl,
so Liß-Walther. Die durchgehend sehr positiven und bewegten
Reaktionen zeigten, dass die vorurteilslose und ehrliche Aufbereitung
der nordelbischen Kirchengeschichte anerkannt wird und zu
weiteren Nachforschungen Anlass gebe. Die Ausstellung ist
schon jetzt bis ins Jahr 2004 ausgebucht und wird im März
im Meldorfer Dom und im April im Schleswiger Dom zu sehen
sein.
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Ausstellung wandert weiter
Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Kieler
Nachrichten, 5. März 2002
Mehr als 2300 Menschen haben die Wanderausstellung Kirche,
Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945 und das Begleitprogramm
in der Ansgarkirche besucht. Stadtpastor Joachim Liß-Walter
bewertete die Zahl gestern in einer Abschlussbilanz angesichts
des bedrückenden Themas als erstaunlich: Die durchgehend
sehr positiven und bewegten Reaktionen zeigen, dass die vorurteilslose
und ehrliche Aufbereitung der nordelbischen Kirchengeschichte
1933-1945 anerkannt wird und bereits zu weiteren Nachforschungen
Anlass gibt. Die Ausstellung ist im März im Meldorfer
Dom zu sehen und wandert im April in den Schleswiger Dom.
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Lange Nacht im Zeichen jüdischer Komponisten
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Marathon der Organisten
Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Kieler
Nachrichten, 25. Februar 2002
Die akustisch vorteilhafte, mit einer hervorragenden Konzertorgel
ausgestattete Kieler Ansgarkirche bot wieder den Rahmen für
eine fast fünfstündige Orgelnacht mit neun Kantoren
und Organisten aus Kiel und Umgebung. Die Besucher wurden
dabei konfrontiert mit Texttafeln, die im Rahmen der Ausstellung
Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-45 den allerdings
nicht durchgängigen moralischen Zusammenbruch der Kirche
während der NS-Herrschaft beschrieben. Dem Thema gemäß
wurden Beiträge von Komponisten jüdischer Herkunft
in die von Stadtpastor Joachim Liß-Walther moderierte
Programmfolge einbezogen. Dazu zählten vor allem drei
Sonaten, durch die Felix Mendelssohn das Repertoire der Orgelmusik
wesentlich bereicherte und mit denen Andreas Koller (Ansgar-
und Pauluskirche), Reinfried Barnett (Mettenhof) und Universitätsorganistin
Christiane Godt in flutenden Klangmassen romantische Apotheosen
evozierten.
KMD Robert Dears, Beauftragter für katholische Kirchenmusik
in Schleswig-Holstein, machte prägnant neben einem Passions-Choral
J. S. Bachs auf die Französin Jeanne Demessieux und auf
den Zeitgenossen Herbert Paulmichl, vor allem aber auf den
in die USA emigrierten Ernest Bloch aufmerksam, bevor der
stets einfallsreiche Wilko Ossoba (Kirchbarkau) hörenswerte
Fragmente von Arnold Schönberg und Kompositionen von
Giacomo Meyerbeer in einer eigenen Bearbeitung darbot. Auch
Stücke von Darius Milhaud und dem als progressiven Pianisten
bekannten Charles-Henri V. Alkan gehörten zur jüdischen
Farbe dieser Orgelnacht.
Zur Riege der Interpreten gehörten weiterhin die noch
junge Organistin (und Medizinstudentin) Anne-Maja Hergt mit
Bach und Brahms, ferner Gertrud Reinel (Kronshagen) mit einem
altfranzösischen Magnificat von Dandrieu, sowie der beliebten
Suite gotique des Elsässers Lèon Boellmann. David
Pearson (Einfeld) trug Psalmmeditationen aus England von Howells
und Hurford vor. Der auf alte Meister spezialisierte Thomas
Walther brachte stimmig Joh. K. Kerll und den Hamburger Joh.
Prateorius ins Spiel. Köller und Godt ließen auch
erstmals Concerti aus dem kürzlich publizierten Husumer
Orgelbuch erklingen, einer bislang unbekannten Kopenhagener
Anthologie von 1758. EN
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Die Kirche in der NS-Zeit
Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Kieler
Express, 09.02.2002
Ausstellung Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis
1945
Warum hat sich die Kirche freudig in den Dienst der
nationalsozialistischen Sache gestellt? Warum hat sie
zur Diskriminierung und Ermordung von Juden, Christen jüdischer
Herkunft und anderen geschwiegen? Und warum haben viele Kirchenführer
den Nazis nachgeeifert und die Diskriminierungsgesetze übernommen?
Fragen über Fragen, denen der Kieler Historiker Dr. Stephan
Linck im Rahmen eines Forschungsprojektes 1999 nachgegangen
ist im Auftrag der Synode der Nordelbischen Kirche.
Das Ergebnis ist in der Wanderausstellung Kirche, Christen,
Juden in Nordelbien 1933 bis 1945 zusammengefasst. Wie selten
zuvor geht die Kirche hier ohne jedes Tabu mit ihrer eigenen
Vergangenheit um. Bereits im Jahr 2001 hatte sich die Synode
der Nordelbischen Kirche zur Mitschuld an der Verfolgung von
Juden in der NS-Zeit bekannt.
Dargestellt werden Biographien von Tätern und Opfern
im Umfeld der damaligen drei norddeutschen Landeskirchen.
Es wird offen gemacht, wie die Kirche mit Mitarbeitern nichtarischer
Herkunft umgegangen ist. Gezeigt wird auch, welche existentielle
Bedeutung bislang verstaubte Kirchenbücher in der NS-Zeit
bekamen, da in ihnen Geburt, Taufe und Abstammung verzeichnet
sind.
Die Ausstellung ist bis zum 3. März jeweils montags
bis sonnabends in der Zeit von 10 bis 18 Uhr in der Ansgar
Kirchengemeinde in der Holtenauer Straße/Waitzstraße
zu sehen. Daneben gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm,
das unter Tel. 56 26 64 zu erfragen ist. Infos sind darüber
hinaus im Internet unter www.kirche-christen-juden.org abrufbar.
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Erinnern ohne Tabu
Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Kieler
Nachrichten, 09.02.2002
Von Joachim Liß-Walther, Pastor an der Ansgarkirche,
Ev. Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische
Zusammenarbeit in Schleswig-Holstein
Tief berührt sei er gewesen. Hier werde
der Sache wirklich auf den Grund gegangen. Ohne Verdrängungs-
und Beschönigungstendenzen. Hier passiere etwas,
was nur sehr selten passiert. Der das sagte, ist hierzulande
kein Unbekannter: Ralph Giordano, Publizist und Schriftsteller
aus Hamburg, Sohn eines jüdischen Musikerehepaares, dessen
Familie den Terror des Nationalsozialismus überlebte,
weil die mutige Grete Schulz sie unter Lebensgefahr versteckt
hatte. Und Ralph Giordano sagte das über die Ausstellung
Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945,
nachdem er sie im Januar in der Hamburger Hauptkirche St.
Petri besucht hatte. Nicht zuletzt durch ihn hat diese Ausstellung
bundesweit positive Beachtung gefunden.
In bisher einzigartiger Weise stellt sich die Nordelbische
Kirche spät, aber nicht zu spät ihrer
Verantwortung, im Rückblick ohne Tabus. Es handelt sich
um eine im besten Sinne aufklärende Ausstellung. Sie
ist notwendig, weil sie deutlich macht, wie es passieren
konnte, dass große Teile der evangelischen Kirche sich
ohne Not, zumindest ohne Notwendigkeit, aktiv oder widerstandslos
dem Nationalsozialismus eingliederten, das Kreuz zum Hakenkreuz
umdefinierten oder dem Hakenkreuz einverleibten. Sie zeigt,
was geschieht, wenn sich die christliche Kirche von ihrer
jüdischen Wurzel, vom Bekenntnis zu Jesus, dem Juden,
losreißt: Christentum wird unchristlich.
Diese beeindruckende und ehrliche Ausstellung, Gedenken und
Mahnmal zugleich, wird morgen mit einem Gottesdienst in Kiel
in der Ansgarkirche eröffnet und bis zum 3. März
gezeigt werden. Sie sind eingeladen, sich diesem traurigen
Kapitel unserer Kirchengeschichte zu stellen und dabei auch
die Lichtblicke wahrzunehmen, die es damals denn doch gegeben
hat.
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Historiker beleuchtete Rolle der Kirche
während der NS-Zeit
Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Kieler
Nachrichten, 07.02.2002
von Boris Geißler
In der siebten Klasse wählte Stephan Linck Latein. Der
1964 in Hamburg geborene Junge wollte unbedingt Geschichte
studieren. Heute arbeitet der promovierte Historiker im Nordelbischen
Kirchenarchiv, Winterbeker Weg 51, in einem großen Dach-Büro
mit Sahne-Blick über Kiel.
Im Juli 1999 begann der Historiker an einem Forschungsprojekt
zu arbeiten, das die Synode der Nordelbischen ev.-luth. Kirche
in Auftrag gegeben hatte. Das Ergebnis ist die Ausstellung
Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945
Projektleiter ist Dr. Stephan Linck. Die Ausstellung
wird morgen um 17 Uhr in der Ansgarkirche (Holtenauer Straße/Waitzstraße)
eröffnet, gezeigt wurde sie in Rendsburg, Lübeck
und Hamburg.
Linck: Es ist die erster Ausstellung dieser Art in
Deutschland. Und es gehe vor allem um eine Frage: Warum
haben Kirchemänner im Dritten Reich sich an der Denunzierung,
Verfolgung und manchmal sogar Ermordung von Juden beteiligt?
Da war etwa Ernst Szymanowski. Der NSDAP-Genosse wurde
Probst von Neumünster und später von Bad Segeberg.
Als Chef eines Einsatzkommandos befehligte er die Ermordung
von bis zu 3000 Menschen.
Die Dimension der Schuld, sagt Linck, ist
so groß, dass weder die Generation der Täter noch
die der Kinder das aufarbeiten konnten. Jetzt also kommen
die Enkel. Die Kirche sei damals die einzige nicht gleichgeschaltete
Einrichtung gewesen, so Linck, wenn Pastoren damals
hetzten, so taten sie das freiwillig.
Linck suchte während seiner Recherchen Fakten und Bilder
etwa im Bundesarchiv in Lichterfelde zusammen, im Berlin
Document Center, aber auch in Kirchenbüchern Schleswig-Holsteins.
Doch er ist nicht nur am Blick zurück interessiert: Wir
wollen Besucher anregen, sich mit der Frage zu beschäftigen:
Wie sollte ich handeln? Denn, das zeigt die Ausstellung
deutlich: Es gibt fast immer Handlungsspielräume.
Die Ausstellung ist vom 11. Februar bis zum 3. März
montags bis sonnabends (10-18 Uhr) geöffnet. Nähere
Infos zum Begleitprogramm unter Tel. 56 26 64.
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Kiels dunkles Kapitel
Nordelbische Kirchenzeitung, 03.02.2002
Mit freundlicher Genehmigung der "Die
Nordelbische"
VON REINHART KAUFFELD
Ausstellung Kirche, Christen, Juden in Nordelbien
1933 bis 1945. Die nordelbische Wanderausstellung kommt
nach Kiel. Dazu gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm.
KIEL Vom 8. Februar bis zum 3. März zeigt die
Ansgar Kirchengemeinde in der Holtenauer Straße / Waitzstraße
die Wanderausstellung Kirche, Christen, Juden in Nordelbien
1933 bis 1945. Die Ausstellung ist das Ergebnis eines
Forschungsprojektes des Kieler Historikers Dr. Stephan Linck,
das die Synode der Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche 1998 in
Auftrag gegeben hat.
Geöffnet ist die Ausstellung montags bis samstags von
10 bis 18 Uhr. Führungen finden statt jeweils dienstags
und donnerstags um 15 Uhr und an den Sonntagen nach dem Gottesdienst.
Gruppenführungen können vereinbart werden (Tel.
0431 / 56 26 64).
Die bereits in Rensburg, Lübeck und Hamburg mit großem
Erfolg gezeigte Ausstellung geht der Frage nach, warum sich
die Kirche freudig in den Dienst der Sache (nämlich
des Nationalsozialismus) gestellt hat, warum sie zur
Diskriminierung und Ermordung von Juden, Christen jüdischer
Herkunft und anderen geschwiegen hat, und warum viele Kirchenführer
den Nazis nachgeeifert und die Diskriminierungsgesetze übernommen
haben. Auch wird der Frage nachgegangen, wie die Kirche mit
ihren Mitarbeitern nichtarischer Herkunft umgegangen
ist. Außerdem wird gezeigt, welche existentielle Bedeutung
bis dahin verstaubte Kirchenbücher in der NS-Zeit bekamen,
da in ihnen Geburt, Taufe und Abstammung verzeichnet sind.
Auf Initiative von Stadtpastor Joachim Liß-Walther,
dem evangelischen Vorsitzenden der Gesellschaft für Christlich-Jüdische
Zusammenarbeit in Schleswig-Holstein, ist die Ausstellung
nun in Kiel zu sehen. Ebenfalls hat Pastor Liß-Walther
ein umfangreiches Begleitprogramm zusammengestellt.
Besonderes Interesse verdient dabei ein Vortrag über
den Pastor und späteren Bischof Wilhelm Halfmann, der
einerseits der Bekennenden Kirche angehörte, andererseits
einen theologische traditionell geprägten Antijudaismus
vertrat. Gehalten wird der Vortrag von Oberstudienrat Michael
Behtke, dessen Mutter als Kriegerwitwe mit drei Kindern Wilhelm
Halfmann 1949 heiratete. Bethke war damals 10 Jahre alt. 1955
wurde er von seinem Stiefvater Wilhelm Halfmann in der Ansgarkirche,
eben der Kirche, in der jetzt die Ausstellung gezeigt wird,
konfirmiert. Aufgrund dieser familiären Verbundenheit
ist es Bethke möglich, ein sehr viel differenzierteres
Bild seines Stiefvaters zu zeigen als es die Ausstellung vermag.
So zitiert er einen Beschluss des Flensburger Kirchenvorstandes
vom 10. Januar 1934. In diesem heißt es: Herr
Pastor Halfmann hat... die Anordnungen der Regierung nicht
nur sabotiert, sondern geradezu lächerlich gemacht...
Dieses Zitat zeigt, dass Halfmann und seine Mitbrüder
dafür eintraten, die Kirche vor der völligen Vereinnahmung
durch die Nationalsozialisten zu schützen. Dennoch stand
Halfmann in der Tradition des Luthertums, auch in Hinblick
auf dessen theologisch motivierten Anti-Judaismus.
Bethke bedauert, dass diese Zusammenhänge in der Ausstellung
nicht zur Sprache kommen, denn jedes von Halfmann zitierte
Wort wird als persönliche Schuld gebrandmarkt und plakativ
dargeboten. Wilhelm Halfmann hätte es wohl bußfertig
hingenommen, dass seine Enkel nur noch dies von ihm vermitteln,
ob es aber der Nordelbischen Kirche so gelingt, sich von ihrer
Vergangenheit zu befreien, mag bezweifelt werden.
Der Vortrag findet statt am Mittwoch, 13. Februar um 19 Uhr
in der Ansgargemeinde. Infos zur Ausstellung gibt es im Internet
unter www.kirche-christen-juden.org.
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| Copyright 2001 | Nordelbisches Kirchenamt
- Archiv - | Postfach 3449 | 24033 Kiel
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