|
|
 |
|
|
 |
 |
 |
 |
| |
|
Presseberichterstattung Neumünster
|
|
|

|
|
|
|
| |
|
|
|
Daniel Kempin sang für und diskutierte mit Klaus-Groth-Schülern
|
|
Der Funke sprang über
Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten
vom 01.April 2003
Neumünster (sn) Neumünsters Schüler können
sich beim 12. und 13. Jahrgang der Klaus-Groth-Schule darüber
informieren, was sie selbst versäumt haben: Nämlich
einen Vormittag mit dem wohl prominentesten Folk-Sänger
aus dem jiddischen Kontext Daniel Kempin und außerdem
die Gelegenheit zum Gespräch über aktuelle Ereignisse
in Nahost mit dem Künstler.
Vor dem Hintergrund des Club 88 bin ich
froh und dankbar, dass jüdische Künstler und Wissenschaftler
bereit sind nach Neumünster zu kommen, hatte einleitend
Pastor Bernd Hofmann gesagt, zuständig für den christlich-jüdischen
Dialog im Kirchenkreis. Und dann begann im Rahmenprogramm
der Wanderausstellung Kirche, Christen, Juden in Nordelbien
1933-1945 das Konzert mit dem Virtuosen auf der Gitarre.
Kempin, geboren in Wiesbaden, entstammt einer eher ungewöhnlichen
Familie. Der älteste Bruder ist Kirchenmusiker in einer
katholischen Gemeinde, der zweite lebt als überzeugter
Christ mit jüdischem Selbstbewusstsein in Jerusalem.
Und der dritte, Daniel, ist nach eigener Aussage nicht zum
Judentum konvertiert, sondern hat die Entscheidung meiner
Großmutter, die in der Zeit nationalsozialistischer
Verfolgung sich hatte taufen lassen, wieder rückgängig
gemacht.
Kempin erzählt singend über die Lebensbedingungen
im zaristischen Russland, vermittelt mit seinen Liedern die
Sehnsucht (benkshaft) nach Israel, berichtet von
der jüdischen Arbeiterbewegung, der zionistischen Bewegung
und auch von der Shoa. Ganz gleich, ob seine Lieder melancholisch,
traurig, zärtlich klingen oder ob er lustvoll die Saiten
schlägt er zieht das Publikum in seinen Bann und
verzaubert die Zuhörer. Der Funke sprang auch am Montagvormittag
blitzartig über: Bei mir biste scheen!, in
den 30er-Jahren zum Welthit avanciert und selbst in Nazi-Deutschland
viel gespielt, ließ 100 Schüler-Gesichter plötzlich
strahlen.
In erster Linie aktuelle Politik stand im Mittelpunkt des
Gesprächs mit Kempin. Der machte aus seiner Meinung keinen
Hehl. Den jetzigen Irak-Krieg halte er für überflüssig,
sagte Kempin: Wir müssen alle Wege nutzen, Konflikte
nicht kriegerisch zu lösen. Und für wie wahrscheinlich
hält er einen Frieden zwischen Palästinensern und
Israel? Meine Hoffnungen sind geringer denn je.
Kommentar
Kempin-Konzert Von Sabine
Nitschke
Geistiges Klima?
Stell dir vor, es ist ein Konzert mit einem der prominentesten
jiddischen Folklore-Sänger überhaupt im anspruchsvollen
Rahmenprogramm einer Ausstellung angesagt, die Geschichte
aufarbeitet und keiner geht hin. So geschehen am Freitag
vergangene Woche: Daniel Kempin drehte Däumchen. Und
ein Sprecher des veranstaltenden Kirchenkreises räumte
betroffen ein, dass tags zuvor die letzte Schule leider mit
fadenscheinig klingenden Argumenten abgesagt hätte. Nun
kann man mit zeitaufwendiger Vorbereitung auf Testate und
Abitur-Prüfungen argumentieren. Man kann aber auch schlichtweg
einen Rückschluss auf das geistige Klima in dieser Stadt
ziehen. In der letztlich offenbar nur eine Schule bereit war,
ihren Schülern die Gelegenheit zu diesem besonderen Konzertbesuch
zu geben. Oder die ihre jungen Menschen dafür motivieren
und interessieren wollte und konnte. Am Donnerstag wird in
Neumünster die Wehrmachtsausstellung eröffnet. Für
Führungen haben sich jetzt schon Schulklassen aus allen
Teilen des Landes angesagt: von Sylt über Rendsburg und
Kiel, Itzehoe und Elmshorn bis Ahrensbök und Bargteheide
und immerhin auch schon 31 aus Neumünster.
|
|
| |
 |
|
|
| |
|
|
|
| |
|
Hamburger Kirchen in der NS-Zeit
Nordelbische Kirchenzeitung vom 23.03.03
Mit freundlicher Genehmigung der "Die
Nordelbische"
HAMBURG Das große öffentliche Interesse
für die Ausstellung Kirche Christen
Juden in Nordelbien 1933-1945 hat die Synode des Kirchenkreises
Alt-Hamburg veranlasst, die detaillierte Aufarbeitung dieser
Zeit für den eigenen Kirchenkreis in Angriff zu nehmen.
Immer wieder waren Fragen nach der NS-Geschichte einzelner
Kirchengemeinden und dem Verhalten von Pastoren in Hamburg
aufgekommen. Diesen Fragen nachzugehen, wurde im November
2002 das Kirchenkreisarchiv beauftragt: Die Gemeindearchive
sollen systematisch gesichtet und die Ergebnisse in einer
wissenschaftlich fundierten Publikation präsentiert werden.
|
|
| |
 |
|
|
| |
|
|
|
|
|
Schuld als Ausstellungsthema
Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten
vom 22.03.2003
Wir erkennen und wir haben geirrt. Dieser Schulderklärung
der Nordelbischen Kirche in Bezug auf ihr Verhalten gegenüber
den Juden im Zweiten Weltkrieg nimmt sich eine Wanderausstellung
an. Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945
ist zurzeit in der Anscharkirche in Neumünster zu sehen.
Neun Einzelpersonen und eine Kirchengemeinde werden vorgestellt,
Wertungen bewußt vermieden: Die Betrachter können
selbst ihre Schlüsse aus den historischen Quellen ziehen.
Klein, aber besonders beeindruckend: Bleistiftzeichnungen
aus Theresienstadt in einem speziellen Ausstellungsraum, der
Black Box: Dort kommen Sie zu denen, die
von der Kirche verlassen waren, so der Historiker Dr.
Stephan Linck. Die Ausstellung ist dienstags bis sonnabends
von 10 bis 18 Uhr, sonntags nach dem Gottesdienst bis 18 Uhr
geöffnet.
|
|
| |
 |
|
|
| |
|
|
|
Diskussions-Abend zur Ausstellung Kirche, Christen,
Juden
|
|
Umgang mit der Vergebung
Holsteiner Zeitung/Kieler Nachrichten vom 21.03.2003
Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten
Neumünster Zwischen der historisch-politischen
und der christlichen Sicht und Bewertung von Verhaltensweisen
kann bisweilen trotz aller Annäherung und Ähnlichkeit
eine unüberbrückbare Kluft liegen. Und hinter
jeder Sichtweise stehen dennoch gut begründete Argumente.
Die lieferten sich am Mittwoch beim Diskussionsabend Vom
Umgang mit der Schuld der Kieler Historiker Dr. Stephan
Linck und Johannes Jürgensen, Alt-Propst des Kirchenkreises
Neumünster.
Linck hat die Ausstellung Kirch, Christen, Juden,
die derzeit in Neumünsters Anscharkirche Station macht,
konzipiert. Mit ihr arbeitet Nordelbien wenn auch spät
seine eigene Vergangenheit zwischen 1933 und 1945 auf.
Ein Kapitel des Rückblicks ist Ernst Szymanowski gewidmet,
der seinen Namen später, um schneller Karriere unter
den Nazis zu machen, in Biberstein änderte. Szymanowskis
Lebensweg vom Kanzelredner in Kaltenkirchen und Propst von
Segeberg zum Massenmörder an der Ostfront, der in Nürnberg
zum Tode verurteilt wurde, zeichnete Gerhard Hoch nach: Bibliothekar
und Historiker aus Kaltenkirchen, der sich schon lange mutig
der Offenlegung lokaler Historie widmet.
Szymanowski wird schließlich begnadigt und kann nach
Neumünster zurückkehren, weil sich Propst Richard
Steffen für ihn einsetzte. Erst in seinem Schlusswort
wird Hoch sagen, was viele der rund 80 Zuhörer auch empfunden
haben mögen: Ich habe immer die Einsicht Szymanowski
vermisst.
Für den Historiker Linck bestand in dem von Pastorin
Hanna Lehming moderierten Gespräch kein Zweifel, daß
Szymanowski/Biberstein ein Verbrecher war. Linck
übte aber auch an der Kirche Kritik: Lernen aus
der Geschichte ist nur möglich, wenn man die Fakten auf
dem Tisch hat. Das hat Kirche lange Zeit nicht möglich
gemacht. Für den Historiker ist Szymanowski ein
SA-Pastor mit Karriere-Hoffnung, der ohne zu zögern
aus der Kirche austrat, als es seinem Weiterkommen förderlich
schien.
Jürgensen indes stellte die Frage, was Schuld vor Gott
ist. Auch bei Jesus kommt oft erst die Vergebung und
dann die Reue. Vergebung heißt: Ich wachse hinein in
ein neues Selbstverständnis zu Gott und den Menschen.
Erst so wird der Mensch frei, zur eigenen Geschichte zu stehen.
Auch für ihn bestand in der Sache kein Zweifel am verbrecherischen
Tun des Biberstein. Und er warf die Frage auf, ob ausgerechnet
Steffen der geeignete Bewährungshelfer für
Szymanowski war. Kritisches bekam Kirche auch vom Alt-Propsten
zu hören: Sie geht mit Vergebung entweder zu leichtfertig
oder gar nicht um. Indes: Vergebung ist zunächst
immer eine Haltung gegenüber Opfer und Tätern.
Sabine Nitschke
|
|
| |
 |
|
|
| |
|
|
|
Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945
in der Anscharkirche
|
|
Eine Ausstellung als Herausforderung
Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten
vom 18.März 2003-04-25
Neumünster (bk) Wir erkennen und wir haben geirrt:
diese Schulderklärung der Nordelbischen Kirche in Bezug
auf ihr Verhalten gegenüber den Juden im Zweiten Weltkrieg
war 1998 der Anlaß, die Wanderausstellung Kirche,
Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945 zu entwickeln.
Am Wochenende wurde die Ausstellung in der Anscharkirche in
Neumünster eröffnet.
Wir wurzeln im jüdischen Glauben, stellte
Propst Stefan Block vor seiner einführenden Andacht die
veränderte Einstellung der Nordelbischen Kirche zum Judentum
klar. Über Jahrhunderte sei der jüdische Glaube
geschmäht worden. Die Ausstellung in der
Kirche versteht er als Herausforderung, sich mit der traurigen
Wahrheit der Kriegszeit auseinander zu setzen.
Die Ausstellung soll Handlungsspielräume von Menschen
zeigen, sagte Historiker Dr. Stephan Linck, der die
Wanderausstellung konzipierte. Die Kirche hat dem Antisemitismus
den Weg bereitet und ihn begleitet, stellte der Kieler
Historiker in seinem Vortrag fest. Die von Studierenden der
Muthesius-Hochschule in Kiel gestaltete Ausstellung ist dagegen
sachlich-nüchtern: Neun Einzelpersonen und eine Kirchengemeinde
werden vorgestellt, so Linck. Wertungen werden bewußt
vermieden, die Betrachter können selbst ihre Schlüsse
aus den historischen Quellen ziehen. Klein, aber besonders
beeindruckend: die Bleistiftzeichnungen aus Theresienstadt
in einem speziellen Ausstellungsraum, der Black Box:
Dort kommen Sie zu denen, die von der Kirche verlassen
waren, so Linck.
Die Ausstellung ist dienstags bis sonnabends von 10 bis 18
Uhr, sonntags nach dem Gottesdienst bis 18 Uhr geöffnet.
Das umfangreiche Rahmenprogramm zur Ausstellung lesen Sie
in einer Terminübersicht rechts.
Rahmenprogramm
...zur Wanderausstellung Kirche, Christen, Juden in
Nordelbien 1933-1945
Mittwoch, 19.März: 20 Uhr, Anschargemeindehaus: Vom
Umgang mit der Schuld. Die Entwicklung Ernst Szymanowskis
vom Kanzelredner im Amt eines Pastors und Propst zum Massenmörder.
Diskussionsveranstaltung mit dem Kieler Historiker Dr. Stephan
Linck und Propst i.R. Johannes Jürgensen, Büdelsdorf.
Leitung: Pastorin Hanna Lehming, Hamburg, Pastorin im NMZ;
Eröffnungsreferat Bibliothekar und Historiker Gerhard
Hoch.
Dienstag, 25.März: 20 Uhr, Anschargemeindehaus: Frauen
im Reformjudentum Iris Weiß, Sozialwissenschaftlerin
und Pädagogin, Berlin.
Donnerstag, 27.März: 20 Uhr, Anschargemeindehaus: benkshaft
Sehnsucht Konzert mit Daniel Kempin, Frankfurt.
Freitag, 28.März: 11.30 Uhr, Anschargemeindehaus: Jüdisches
Leben, jüdisches Schicksal, jüdische Lieder
Gespräch und Konzert mit Schülerinnen und Schülern
mit Daniel Kempin.
Sonnabend, 29.März: 20 Uhr, Anscharkirche: Psalmvertonungen
Chor- und Orgelwerke aus jüdischer und christlicher
Tradition Projektchor des Kirchenkreises Plön
mit Streichquintett unter Leitung von Henrich Schwerk sowie
Susanne Schwerk (Orgel).
Sonntag, 30.März: 11-17 Uhr, Gemeindehaus Schlüskamp,
Bad Bramstedt: Jüdische Liebeslieder Musikalischer
Workshop mit Daniel Kempin.
Donnerstag, 3.April: 20 Uhr, Anschargemeindehaus: Mut zum
Widerstand Das Gespräch mit Zeitzeugen. Mit Mietek
Pemper, Augsburg, Mitarbeiter von Oskar Schindler.
Freitag, 4.April: Im Anschluss an den Film Oskar Schindler
um 12.30 Uhr im Anschargemeindehaus: Schulveranstaltung Mut
zum Widerstand mit Mietek Pemper Vortrag und
Gespräch.
Mittwoch, 9.April: 20 Uhr, Anschargemeindehaus: Abschluss
zur Ausstellung Die Ev. Kirche und die Shoa
Vortrag und Diskussion mit Dr. Stephan Linck.
Mittwoch, 23.April: 19.30-21.30 Uhr, Anschargemeindehaus:
Was war was blieb. Zu den jüdischen Gemeinden
in Schleswig-Holstein Dr. Frauke Dettmer, Kuratorin
des Jüdischen Museums Rendsburg.
Mittwoch, 21.Mai: 20 Uhr, Anschargemeindehaus: Paulus und
das Gesetz Prof. Peter v.d. Osten-Sacken, Berlin, Professor
für Neues Testament an der Humboldt-Universität,
Leiter des Institutes Kirche und Judentum.
|
|
| |
 |
|
|
| |
|
|
|
| |
|
Wanderausstellung
Nordelbische Kirchenzeitung Nr.12 vom 16.03.2003
Mit freundlicher Genehmigung der "Die
Nordelbische"
NEUMÜNSTER Die Wanderausstellung Kirche,
Christen und Juden in Nordelbien 1933-1945 kommt am
14.März nach Neumünster. Die Ausstellung ist ein
wichtiger Beitrag zur kirchlichen Vergangenheitsbewältigung
und schärft zugleich den Blick für die Gegenwart
und die Zukunft. In der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit
sollen keine Urteile gefällt werden, sondern politische
Wachsamkeit und Zivilcourage gewonnen werden. Konzipiert wurde
die Ausstellung eine Darstellung ohne Wertung
von Dr. Stephan Linck, Historiker des Nordelbischen Kirchenarchivs.
Die Ausstellung Kirche Christen Juden
bleibt bis zum 9.April in Neumünster in der Anscharkirche
am Alten Kirchhof.
Ehrenamtliche für Ausstellung gesucht
HAMBURG Weitere zwölf ehrenamtliche Helferinnen
und Helfer werden für die Aufsicht bei der Wanderausstellung
Kirche, Christen und Juden in Nordelbien 1933-1945
in der Groß Flottbeker Bugenhagenkirche gesucht. Der
Dienst dauert drei Stunden an einem selbstgewählten Termin.
Die Ausstellung ist vom 16.April bis 18.Mai von 11 bis 17
Uhr täglich geöffnet. Kontakt: Pastor Detlef Görrig,
Tel. 040 / 800 500 34.
Rahmenprogramm Mit umfangreichen Angeboten bemüht sich
der Kirchenkreis Blankenese, die Erlebnisse der NS-Vergangenheit
für eine bessere Zukunft zu nutzen
|
|
| |
 |
|
|
| |
|
|
|
| |
|
Aus Erfahrung lernen
Nordelbische Kirchenzeitung Nr.12 vom 16.03.2003
Mit freundlicher Genehmigung der "Die
Nordelbische"
VON DETLEF GÖRRIG
BLANKENESE Ausgrenzung und Rassismus dürfen in
der christlichen Kirche nie wieder Raum gewinnen. Um diese
Erkenntnis auch jungen Menschen nahezubringen, hat der Kirchenkreis
Blankenese zusammen mit dem Pfarramt für Gewaltprävention
rund um die nordelbische Ausstellung Kirche, Christen,
Juden in Nordelbien 1933-1945, die vom 16.April bis
18.Mai in der Bugenhagenkirche zu sehen sein wird, ein Begleitprogramm
für Jugendliche zusammengestellt.
Fünf der insgesamt 14 Veranstaltungen wenden sich an
junge Menschen. Sie sollen durch Begegnungen, Vorbilder und
eigene Erfahrungen aus der Vergangenheit für die Zukunft
lernen.
Möglich ist dies bei dem Vortrag von Dr. Detlev Landgrebe,
der am 15.Mai seine Kindheit am Rande des Holocaust
schildern wird, oder bei der Podiumsdiskussion mit Zeitzeugen
am 12.Mai. Lernen durch Begegnung ist auch das
Motto, wenn der Filmemacher und Kenner des christlich-jüdischen
Dialogs, Günther Bernd Ginzel am 29.April für Schulklassen
über Jüdisches Leben in Deutschland
berichten wird.
Junge Menschen suchen Vorbilder. Ein Programmpunkt ist daher
der Film Die Weiße Rose. Er dokumentiert
den Mut und das Schicksal der studentischen Widerstandsgruppe
um die Geschwister Scholl. In dem Jugendgottesdienst am Sonntag,
27.April, 18.00 Uhr, zum Motto: Gegen den Strom
geht es ebenfalls um Widerstand. Am Beispiel von Sophie Scholl
wird gezeigt, wie sie mit anderen zusammen in der Diktatur
des Nationalsozialismus unter Einsatz ihres Lebens ihrem Gewissen
gefolgt ist.
Schließlich werden die Konfirmanden- und Jugendgruppen
eigene Erfahrungen zum Thema Zivilcourage machen
können. Unter Leitung der Theaterpädagogin Anita
Hüsemann stellen sie Situationen nach, in denen es um
Gruppenzwang, Ausgrenzung und Wegsehen geht. Im eigenen Spiel,
mit Übungen für Kopf und Körper werden sie
erleben, was es heißt, sich gegen eine Mehrheit zu stellen,
für seine Meinung aufzustehen. So kann Geschichte spürbar
und erfahrbar werden.
Auskunft zu Ausstellung und Begleitprogramm: Pröpstin
Lehmann-Stäcker und Pastor Detlef Görrig, Tel.:
040 / 800 500 34
|
|
| |
 |
|
|
| |
|
|
|
| |
|
Menschen erzählen aus schlimmer
Zeit
Nordelbische Kirchenzeitung Nr.12 vom 16.03.2003
Mit freundlicher Genehmigung der "Die
Nordelbische"
BLANKENESE Wie war das damals? Eine Frage, die Kinder
und Jugendliche schon seit tausenden von Jahren ihren Eltern
stellen. Doch heute ist sie brisant. Die Großväter
oder sogar die Väter waren eingebunden in die braune
Denkwelt der Hitlerdiktatur. Auch an vielen Stellen in der
evangelischen Kirche. Nicht immer konnte ihnen bewusst sein,
was hinter der arischen Ideologie und dem Eroberungswillen
steckte. Immerhin: Die NS-Jugendorganisationen boten mit Spiel,
Sport und Lagerfeuerromantik, was Jungs ersehnen und mit Gesang,
flotten Wanderungen und hübschen Kleidchen, was Mädchen
wünschen.
Wie war das damals in der evangelischen Jugend? Und in den
Kirchengemeinden? Darauf gibt es heute Antworten. Von Zeitzeugen.
Am Montag, 15.Mai, 15.30 bis 18 Uhr, wird eine Podiumsdiskussion
in der Bugenhagenkirche zu Groß Flottbek (Bei der Flottbeker
Mühle) diesen Fragen nachgehen. Auf dem Podium sprechen:
Dr. Ursula Randt, Inge Hutton, Gerhardt Wundermacher, Propst
i.R. Hans-Günter Richers.
Information: Cornelia Strauß, Öffentlichkeitsarbeit
des Kirchenkreises, Tel. 040 / 800 500 20.
|
|
| |
 |
|
|
| |
|
|
|
| |
|
Mit aller Kraft gegen Gewalt
Nordelbische Kirchenzeitung Nr.12 vom 16.03.2003
Mit freundlicher Genehmigung der "Die
Nordelbische"
VON PRÖPSTIN MALVE LEHMANN-STÄCKER
Kann man im Angesicht des millionenfachen Völkermordes
und der Verstrickung unserer Kirche Ostergottesdienste und
Konfirmationen feiern?
Diese Frage, die den Kirchenkreis Blankenese bei der Suche
nach einem Ort für die Ausstellung Juden
Christen Kirche beschäftigen musste, macht
deutlich, wie wichtig diese Erinnerung an Schuld und Versagen
ist. Zusammen mit dem Pfarramt Gewaltprävention im Kirchenkreis
Blankenese ist ein Programm zusammengestellt worden, das besonders
junge Menschen ansprechen soll. Schuld verjährt
nicht, das Erinnern und Bekennen schärft das Gewissen
so könnte man den Duktus des Begleitprogramms
umschreiben.
Mir selber stockte der Atem, als ich das Losungswort für
den Eröffnungstag aus dem Propheten Jeremia las: Ich
will einen ewigen Bunde schließen mit meinem Volk, dass
ich nicht ablassen will, ihnen Gutes zu tun.
Was haben wir uns als Christen und Christinnen angemaßt,
diese Verheißung Gottes zunichte machen zu wollen. Wie
schuldig sind wir geworden, indem wir uns millionenfachen
Mord nicht entgegengestellt haben, sondern teilweise die unsägliche
Rechtfertigung dafür übernahmen.
An diesem Karfreitag werde ich in besondere Weise erkennen,
wie sehr ich der Vergebung bedarf. Und am Yom ha-Shoa
möchte ich mit Schülern und Schülerinnen fragen,
was wir miteinander tun können, dass aus dem Erinnern
Widerstand erwächst gegen jede Entwürdigung von
Menschen anderer Rasse, anderen Glaubens, anderer Hautfarbe.
Sich der Vergangenheit stellen heißt, auf einen Neuanfang
hoffen.
Und so habe ich nicht erst seit dieser Ausstellung
einen Traum: Dass Christen und Christinnen mit all
ihrer Kraft gegen Gewalt aufstehen und sich einsetzen für
einen umfassenden Frieden.
|
|
| |
 |
|
|
| |
|
|
|
Nordelbiens Ausstellung wurde gestern Abend eröffnet,
die Wehrmachtsausstellung folgt Anfang April
|
|
Eindrucksvolle Rückblicke in die
NS-Zeit
Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten
vom 15.März 2003
Neumünster (bk) Gestern Abend begann mit der Eröffnung
von Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933
1945 in der Neumünsteraner Anschar-Kirche ein Ausstellungs-Trio,
das sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln bis zum Juni mit
dem Zweiten Weltkrieg und seiner Aufarbeitung beschäftigt.
Die Ausstellung, in der sich die Nordelbische Kirche kritisch
mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt, läuft bis zum
9.April.
Leicht zugänglich präsentiert sich die schwere
Kost an zehn Stationen, die mit Texttafeln, Porträts
und Tonbandaufnahmen mit Zeitdokumenten die Positionen innerhalb
der Kirche zeigen: Von Judenhass über verdeckten Widerstand
bis zum couragierten Kampf reicht die Bandbreite. Ein lokales
Fenster erinnert an den offen Widerstand leistenden
Neumünsteraner Pastor Otto Roos. Einprägsam knapp
sind historische Hintergründe auf Texttafeln zusammengefasst,
Bleistiftzeichnungen aus Theresienstadt und die dort lebende
evangelische Gemeinde ergänzen die Auseinandersetzung
der Kirche mit ihrer Geschichte.
Am 4.April läuft in der städtischen Tagungseinrichtung
Kiek in die vom Verein für Toleranz und Zivilcourage
initiierte und von der Stadt vorbereitete Ausstellung Verbrechen
der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges, 1941 bis
1944 an. In den Dachgeschossen des Tagungszentrums in
der Gartenstraße und der benachbarten ehemaligen Tuchfabrik
Köster wird die überarbeitete Version der umstrittenen
Ausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung
bis zum 18.Mai gezeigt: Ebenfalls multimedial eindrucksvoll
aufbereitet und durch eine Reflektion über die Fehler
der ersten Ausstellung ergänzt. Das Heft mit dem umfangreichen
Begleitprogramm mit Filmen, Vorträgen, Diskussionsabenden
und Lesungen liegt bei den 25 beteiligten Verbänden und
Institutionen ab sofort aus. Wir sind stolz, dass wir
es in rund einem halben Jahr geschafft haben, das Programm
auf die Beine zu stellen, sagt Vereinsvorsitzender Peter
Seeger, der mit rund 25 000 Besuchern rechnet.
Anmeldungen für geführte Rundgänge in beiden
Ausstellungen sind möglich, Anmeldung zur Ausstellungsführung
in der Anscharkirche und Telefon 04321 / 498134, Infos unter
www.kirche-christen-juden.org und zur geführten Tour
durch die Ausstellung Verbrechen de Wehrmacht unter
Telefon 04321 / 4199697 weitere Infos unter www.verbrechen-der-wehrmacht.de.
|
|
| |
 |
|
|
| |
|
|
|
Ausstellung Kirche, Christen, Juden in Nordelbien
1933 bis 1945 beginnt am Freitag
|
|
Vom Umgang mit der Schuld
Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten
vom 11.März 2003
Neumünster (sn) Die erste der großen drei Ausstellungen,
mit denen Neumünster in diesem Frühjahr Vergangenheit
aufarbeiten will, steht vor der Tür: Die Ausstellung
Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945
in der Anscharkirche wird am Freitag, 14.März, um 20
Uhr mit Beiträgen von Propst Stefan Block, dem Historiker
Dr. Stephan Linck, Dr. Annette Göhres vom Nordelbischen
Kirchenarchiv und musikalisch von der Gruppe Gojim
eröffnet.
Am heutigen Dienstag rollen die Exponate in einem 7,5-Tonner
an; am Mittwoch und Donnerstag wird aufgebaut, am Abend haben
wir dann einen ersten Rundgang für die 40 Ehrenamtlichen,
von denen jeweils zwei als ständige Ansprechpartner für
die Besucher da sein werden, erklärt Renate Fey,
bei der die Organisationsfäden zusammen laufen. Noch
können sich Betreuer melden: 04321 / 498142. Die Wanderausstellung,
die bis zum 9.April dienstags bis sonnabends von 10 bis 18
Uhr und sonntags nach den Gottesdiensten bis 18 Uhr besucht
werden kann, begleitet ein anspruchsvolles Rahmenprogramm.
Das trägt unübersehbar die Handschrift von
Pastor Bernd Hofmann, dem Beauftragten für den christlich-jüdischen
Dialog im Kirchenkreis, meinte Propst Block gestern.
Auf das Konzert mit hebräischen Liedern, die Esther
Lorenz und Peter Kuhz am 17.März vortragen, folgt am
19.März die Abendveranstaltung Vom Umgang mit der
Schuld. Dr. Linck, der die Ausstellung konzipiert hat,
und Alt-Propst Johannes Jürgensen beleuchten die Entwicklung
von Propst Ernst Szymanowski zum Massenmörder Biberstein
an der Ostfront und sein späteres ziviles Leben
in Neumünster, das ihm nicht zuletzt Propst Steffen ermöglichte.
Über Frauen im Reformjudentum berichtet Sozialwissenschaftlerin
Iris Weiß aus Berlin am 25.März. Daniel Kempin
wird nicht nur ein Konzert in der Anscharkirche bestreiten,
sondern in zwei weiteren Veranstaltungen mit Schülern
musikalisch und im Gespräch thematisch arbeiten. Zudem
locken Psalmvertonungen am 29.März. Zeitzeuge Mietek
Pemper, Mitarbeiter von Oskar Schindler, wird nach einer Kino-Performance
mit Schülern diskutieren. Und zum Abschluss referiert
Linck am 9.April über Die evangelische Kirche und
die Shoa.
Und im Anschluss an die Ausstellung sind zwei weitere Termine
vereinbart: Dr. Frauke Dettmer, Kuratorin des Jüdischen
Museums Rendsburg, wird berichten, was in jüdischen Gemeinden
Schleswig-Holsteins war und was blieb. Und am 21.Mai reist
Prof. Dr. Peter v.d. Osten-Sacken aus Berlin an, der an der
Humboldt-Universität das Institut Kirche und Judentum
leitet. Sein Thema: Paulus und das Gesetz.
|
|
| |
 |
|
|
| |
|
|
|
Bilanz
In Itzehoe war schon der Eröffnungsgottesdienst ein Publikumsmagnet.
Am 9.März zieht die Wanderausstellung Kirche
Christen Juden weiter nach Neumünster
|
|
Schatten der Vergangenheit
Mit freundlicher Genehmigung der "Die
Nordelbische"
ITZEHOE Wenn an diesem Sonntag die Ausstellung Kirche
Christen Juden in Itzehoe ihre Pforten
schließt, ist in Münsterdorf nicht nur ein wichtiger
Beitrag zur kirchlichen Vergangenheitsbewältigung geleistet
worden. In einer sehr angespannten weltpolitischen Situation
mit der akuten Gefahr eines Krieges kommt die Wanderausstellung
zu uns, hatte Propst Siemens bereits im Eröffnungsgottesdienst
gesagt. Sie rührt an tiefe Schichten unserer Existenz:
als Einzelne, als Volk, als Kirche, als Christen. Schuld und
Versagen, Hass und Ohnmacht, Verletzungen und Verdrängungen
sind dabei im Spiel. Politische Wachsamkeit, Zivilcourage,
aber auch große Besonnenheit sind jetzt gefordert.
Für jeden Krieg, wie auch für jede Diktatur gelte:
Das erste Opfer ist immer die Wahrheit.
Die Ausstellung mache deutlich, dass es eine ständige
Aufgabe für alle bleibe, sich immer wieder mit den hier
aufgeworfenen Fragen auseinander zu setzen, um unser Bewusstsein
und Handeln zu schärfen. Nicht um zu verurteilen,
nicht um der historischen Nostalgie willen, nicht um sich
selbstgerecht zu präsentieren, sondern um politische
Wachsamkeit, Zivilcourage und Besonnenheit im Urteilen und
Handeln zu gewinnen.
Er freue sich ganz besonders, die beiden Söhne Erik
und Gottfried Leiser des Brokdorfer Pastors Fritz Leiser,
der in der NS-Zeit viel Bedrängnis, aber auch Hilfe erfahren
habe, zur Eröffnung begrüßen zu können,
so Siemens. Ihr Erscheinen sei ein mutiges Zeichen. Das Schicksal
Pastor Leisers in der NS-Zeit war ein Teil des lokalen Fensters
der Ausstellung. Heilende Kraft für betroffene
Angehörige erwarten wir auch von dieser Ausstellung.
Denn mit Hass und Wunden weiter zu leben, ist die Verlängerung
des Leids.
Der Propst sprach allen Beteiligten seinen Dank aus: Dr.
Annette Göhres und Dr. Stephan Linck für die historischen
Recherchen, Pastor Willfrid Knees und seinem Vorbereitungskreis
für das interessante Begleitprogramm, Hermann Schwichtenberg
für die neuen Erkenntnisse über Täter und Opfer
im lokalen Fenster.
Wir haben uns um eine sachliche Darstellung ohne Wertung
bemüht, resümiert Dr. Stephan Linck. Er ist
Historiker des Nordelbischen Kirchenarchivs und hat die Ausstellung
Kirche Christen Juden konzipiert.
Bei der Eröffnung hatte Linck die einzelnen Stationen
der Ausstellung vorgestellt und an den Flensburger Hauptpastor
Friedrich Andersen erinnert, der 1921 den Bund für
Deutsche Kirche gegründet hatte und das Alte Testament
als unchristlich bekämpfte. Den Hauptvortrag des Eröffnungsabends
hatte der Kirchenhistoriker Dr. Hanspeter Reumann aus Flensburg
gehalten. Er sprach über Die Haltung der lutherischen
Kirchen in Nordelbien gegenüber dem Nationalsozialismus,
insbesondere die Rolle Wilhelm Halfmanns.
Der Flensburger Pastor Halfmann, späterer Bischof für
Holstein, der als Sohn des damaligen Schulleiters der Kaiser-Karl-Schule
aufwuchs, war führendes Mitglied der Bekennenden Kirche.
1936 verfasste er die Schrift Die Kirche und der Jude,
mit der er versuchte, die brennenden Fragen im Verhältnis
von Christen und Juden zu beantworten. Halfmann stellt sich
damit einerseits gegen die antisemitische Deutschkirche, billigte
aber andererseits die Nürnberger Rassengesetze von 1935.
Gleichzeitig erklärte er, dass die christliche Kirche
Hass- und Hetzkampagnen der SA und der SS niemals mitmachen
könne. Nach dem Krieg soll sich Wilhelm Halfmann ernsthafte
Vorwürfe gemacht haben, sich nicht laut genug gegen Judenhass
und Judenvernichtung gewendet zu haben. Er bekannte, dass
er seine Schrift Kirche und Jude schon nach den
Novemberprogromen von 1938 so nicht mehr hätte schreiben
können. (ede)
Ausstellung ab 14.März in der Anscharkirche Neumünster
(Am Alten Kirchhof).
|
|
| |
 |
|
|
| |
|
|
|
Einmalig
Das Buch Als Jesus arisch wurde mit Beiträgen
zur Wanderausstellung Kirche Christen Juden
1933-1945. Herausgegeben von Dr. A. Göhres, Dr.
S. Linck sowie Pastor J. Liß-Walther
|
|
Einen weiten Bogen geschlagen
Mit freundlicher Genehmigung der "Die
Nordelbische"
VON CLAAS HENNINGSEN
Das Buch zeichnet sich durch eine Vielfalt von Autoren und
die Sammlung von Beiträgen zur Ausstellung aus. Gerade
durch die Versammlung verschiedener Stimmen gelingt dem Buch
zweierlei.
Erstens und erstmalig ist es das Anliegen der Herausgeber
und der Herausgeberin, die verheerende Verfahrensweise der
Kirchenangehörigen gegenüber getauften Juden nachzuzeichnen.
Zweitens wird auch große Sorgfalt bei der Einbettung
des Forschungsgegenstandes in längere geschichtliche
Entwicklungen an den Tag gelegt. Es wird verständlich,
welch positives Echo die Ausstellung ihrerzeit in der bundesweiten
Presse hervorrief. Der Nordelbischen Kirche wurde bescheinigt,
sie habe sich mit dieser Ausstellung einem der schwärzesten
Kapitel ihrer Vorgängerkirchen zu stellen gewusst. Die
Form einer Wanderausstellung zu wählen, wurde als mutiger
und lobenswerter Schritt gewertet, da das Thema zu den Gemeinden
kam und kommt. Deutlich wird letzteres auch am geistlichen
Teil der Beiträge: Eine Andacht und die Predigten der
gastgebenden Kirchengemeinde verdeutlichen die Aufnahme in
den Gemeinden. Hier geschieht das Besondere: War man in der
Zeit nach der Walser-Debatte versucht zu glauben,
das Gedenken würde im Gefühl des Gesättigtseins
breiter Teile der Öffentlichkeit zum Erliegen kommen,
so wird beim Lesen deutlich, dass die Konzeption der Ausstellung
aufging und auch weiter aufgehen wird: eine historisch fundierte
Darstellung persönlichen und institutionellen Verfehlens
kombiniert mit Gottesdiensten der jeweiligen Gemeinden. So
ist eine lebendige und nur wenig ritualisierte Auseinandersetzung
mit dem Themenbereich Kirche und Antijudaismus, bzw. Antizionismus
gewährleistet. Es wird ein weiter Bogen geschlagen. Der
Preis beträgt 12.80 Euro (ISBN:3-86108-539-9)
VON JOACHIM Liß-WALTHER
War es schon erschreckend, dass die Evangelische Kirche sich
kaum schützend vor jüdische Gemeinden stellte, so
erschüttert, dass selbst eigene Mitglieder jüdischer
Herkunft für vogelfrei erklärt wurden. Die Taufe,
durch die immerhin gilt: Hier ist nicht Jude noch Grieche,
hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann; denn
ihr seid allesamt einer in Christus Jesus (Galater 3,28;
vgl. 1. Korinther 12,13) die Taufe wurde der Deutschblütigkeit
untergeordnet und entwürdigt. Um den Juden Jesus Christus
am Kreuz und in der Kirche hängen lassen zu können,
wurde versucht, ihn zum Arier umzudefinieren und
als Ankläger gegen die Juden und auch die auf seinen
Namen getauften Judenchristen auftreten zu lassen.
Ich bin immer wieder bestürzt darüber, wie viele
Kirchenleitungen, Pastoren, Theologen und Gemeindemitglieder
sich eine nationalsozialistisch gefärbte Theologie zu
eigen machten und machen konnten. Gewiß, viele machten
diese Perversion nicht mit, doch nur wenige widersprachen
öffentlich. Wie stark war der Druck? Wie groß war
die Angst vor Repressalien? Wie sehr war die vorherrschende
lutherische Theologie von deutsch-nationalem, autoritären
Geist geprägt?
Die Autoren unseres Bandes Als Jesus arisch
wurde machen zusammen mit den Dokumenten der Ausstellung
eines deutlich: Das, was von Repräsentanten der Kirche
verfügt, veranlasst, an Ausgrenzung vollzogen, gesagt,
getan wurde, hätte nicht und auf jeden Fall nicht
so getan werden müssen. Dem vorhandenen Druck und der
Angst kam bei vielen Neigung und Prägung entgegen. Anderes
und damit: christliches Verhalten war durchaus möglich,
wie es am Beispiel mancher Persönlichkeiten dargetan
wird. Auch der mühsame Weg der evangelischen Kirche und
Theologie nach dem Weltkrieg zu einem Eingeständnis von
Schuld und Versagen belegt, wie schwer es war und ist, sich
von theologischen Fehlurteilen, tiefeingefressenen Klischees,
jahrhundertealtem Traditionsballast zu verabschieden. Wenn
Arbeit an der Erneuerung des Verhältnisses von Christentum
und Judentum, Kirche und Israel das reformatorische Thema
ist, dann gibt es - wegen und trotz mittlerweile vieler erfreulicher
Erkenntnisse und Bekenntnisse noch viel zu tun.
Buch und Ausstellung wollen diesen Prozeß fördern,
auch wenn dabei Steine des Anstoßes zu finden
sind. Unser christliches Selbstverständnis gerät
ins Wanken, es wird jedoch durch seine jüdische Wurzel
bereichert und genährt.
|
|
| |
 |
|
|
| |
|
|
|
| |
|
Historie bekommt Gesicht
Holsteiner Zeitung/Kieler Nachrichten vom 08.03.20023
Mit freundlicher Genehmigung der Kiler Nachrichten
Von Karsten Fehrs
Kirche Christen Juden in Nordelbien 1933 1945: Eigentlich
sollen wir nur ein wenig aufpassen. Die nordelbische Wanderausstellung
kommt ab dem 14.März zu uns in die Anscharkirche. Und
darum sind ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer gesucht.
Letzten Samstag ließen wir uns informieren, was dabei
zu beachten ist. Mehr als 30 Frauen und Männer, die sich
dafür etwas Zeit nehmen wollen.
Zuerst überlegte ich noch, wann wohl das Wesentliche
erledigt wäre, denn mit sechs Stunden schien mir dies
Vorbereitungsseminar doch sehr lang angesetzt zu sein. Aber
kaum hatten Propst Block, Pastor Hofmann und Dr. Linck uns
auf das Thema eingestimmt und mit dem Konzept der Ausstellung
vertraut gemacht, begann ein intensives Gespräch unter
uns. Persönliche Erinnerungen aus der Hitler-Diktatur,
schreckliche Erlebnisse der Kriegszeit, Wahrnehmung des mühsamen
Ringens um Erinnerungsarbeit und historische Aufarbeitung
angesichts der massiven Verdrängung des Themas und heftiger
Unschuldsbeteuerung. Auch in der Kirche. Wir hätten noch
viel länger zusammensitzen können und merkten, wie
neugierig wir auf die Ausstellung wurden.
Denn diese Ausstellung hat ein besonderes Konzept. In zehn
Stationen der Ausstellung werden zuerst einmal einzelne Personen
vorgestellt. Historie bekommt ein Gesicht. Menschen mit besonderem
kirchlichen Hintergrund. In ihrer Biografie spiegeln sich
die Zeitumstände, Wendepunkte der Lebensgeschichte und
auch die persönlichen Gewissensentscheidungen wider.
Auch wird in einem lokalen Fenster besonders auf die damalige
Situation im Kirchenkreis Neumünster geschaut. Diese
Art von Ausstellungsgestaltung bietet Chancen und Risiken.
Ein Risiko liegt darin, vorschnell ein Urteil zu fällen:
Ein kurzer Blick auf die Biografie, eine grobe Abschätzung
der Lebensleistung, ein hochnäsiges Einsortieren nach
gut oder böse, Engel oder Teufel, Vorbild oder Finsterling.
Schade, wenn das Thema damit abgetan wäre, jemand ungerührt
die Ausstellung verließe. Eine Chance sehe ich darin,
dass wir heute unserem eigenen Lebenshintergrund und unserem
eigenen Lebensanliegen etwas mehr auf die Spur kommen. Historie
kennenlernen und aus der Geschichte lernen. Ein Stück
Vergangenheitsbewältigung? Ja, und auch ein wichtiger
Schritt zur Gegenwartsbewältigung: Schärfung des
Gewissens genauso wie politische Aufklärung. Darum die
Ausstellung in der Kirche und zuerst auch für die Kirche!
In Gästebüchern können die Besucherinnen und
Besucher Rückmeldung auf die Ausstellung geben. Wir als
Betreuerinnen und Betreuer wollen in einem Betreuungs-Begleitbuch
unsere Wahrnehmungen niederlegen. Denn diese Ausstellung hat
jetzt schon begonnen, uns zu bewegen. Auch darauf wollen wir
ganz besonders aufpassen.
Karsten Fehrs ist Pastor an der Anscharkirche in Neumünster.
|
|
| |
|
|
|
| |
 |
|
|
|
 |
 |
|
| | |
| |
|
|
| Copyright 2001 | Nordelbisches Kirchenamt
- Archiv - | Postfach 3449 | 24033 Kiel
|
 |
|
|