Schloss Reinbek - zum Wohnen viel zu schade
mit freundlicher Genehmigung der
Kieler Nachrichten
Nur einmal im Jahr findet eine ausführliche moderierte Führung durch das schöne Schloss Reinbek statt. Am morgigen Sonntag ist es wieder soweit: Ab 17 Uhr – gleich im Anschluss an die reguläre Öffnungszeit – erklärt Reinbeks Kulturchef Bernd-Michael Kraske die knapp 400jährige Geschichte des Renaissance-Schlosses, das seinen wechselnden adligen Besitzern niemals als fester Wohnsitz, sondern stets als Jagd- und Urlaubsschloss oder für Zwischenstopps auf Reisen diente.
Die Reinbeker sind stolz auf ihr 1985 bis 1987 instand gesetztes Schloss. Der Verein „Freunde des Schlosses Reinbek“ schafft Jahr für Jahr historische Kostbarkeiten heran, die das frühere Leben in Reinbeks schönstem Gebäude dokumentieren. Herzog Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf ließ das Haus im Jahr 1579 an Stelle eines Zisterzienserinnenklosters errichten. Seit seiner Grundsanierung dient das Schloss als Kultur- und Veranstaltungszentrum mit Konzerten und wechselnden Ausstellungen.
Die Führung am Sonntag ist kostenlos; doch wer schon früher kommt und den regulären Eintritt zahlt, hat an diesem Tag zum letzten Mal Gelegenheit, die Wanderausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 19933 – 1945“ zu besuchen. Diese Schau über die zweifelhafte Rolle vieler kirchlicher Würdenträger bei der Judenverfolgung ausgerechnet in Reinbek zu sehen, macht doppelt Sinn: Ein großes Kapitel ist dem Reinbeker Juden Arthur Goldschmidt gewidmet, der nach seiner Deportation ins böhmische Durchgangslager Theresienstadt dort eine christliche Gemeinde gründete. An den Gottesdiensten nahmen bis zu 800 Gefangene teil. Goldschmidt überlebte den Holocaust, kam 1945 nach Reinbek zurück.
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