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Presseberichterstattung Bad Segeberg
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Ausstellung und Vortragsreihe Kirche, Christen, Juden
in Nordelbien endete mit Bestandsaufnahme
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Fortschritt auf dem Weg der Normalität
Mit freundlicher Genehmigung der Segeberger
Zeitung
28. September 2002
Bad Segeberg (pjm) Christen und Juden, in einer Kirche gemeinsam
über die Situation des Zusammenlebens der beiden Glaubensgemeinschaften
diskutierend. Diese gemeinsame Herstellung von Normalität
wünschte sich die Historikerin und Mitglied der jüdischen
Gemeinde in Hamburg, Dr. Andrea Ajzensztejn, am Ende ihres
Vortrages zum Thema Jüdisches Leben in Hamburg
und Schleswig-Holstein heute in der St. Marien-Kirche.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges blieben etwa 15 000 Juden
in Deutschland, bis Ende der 50er Jahre kamen noch etwa 6000
dazu. Doch erst seit in den 80er Jahren Menschen jüdischen
Glaubens aus Osteuropa vor allem Russland nach
Deutschland übersiedelten, sind die 65 Gemeinden in der
Bundesrepublik mit nunmehr 92 000 Mitgliedern so groß
geworden, dass sie ein vielfältiges Leben entwickeln
können und neue Gemeinden bilden wie beispielsweise
in Bad Segeberg. Neben dem religiösen Leben mit Gottesdiensten
und den Feiertagen gibt es mittlerweile jüdische Altenclubs,
Kindergärten und Schulen. Vor allem den Kindergärten
komme eine große Bedeutung zu. Durch die religiöse
Erziehung der Kinder lernen auch die Erwachsenen das religiöse
Leben wieder kennen.
Die heikle christlich-jüdische Geschichte war Thema
der Ausstellung Kirche, Christen, Juden in Nordelbien,
die zusammen mit drei Vortrags- und Diskussionsabenden mit
Musik in der St. Marien-Kirche stattfand. Am ersten Vortragsabend,
bei dem es um Bekehrung oder Bekämpfung
Lutherische Kirche und Judentum in Hamburg im 17. und 18.
Jahrhundert ging, waren nur etwa 20 Besucher. Das
war etwas enttäuschend, aber bei dem historischen Thema
nicht überraschend, meinte Pastor Matthias Voß,
der die Veranstaltungsreihe betreute.
Beim zweiten Abend hörten schon etwa 60 Besucher die
Geschichte zweier Pastoren in Norddeutschland: auf der einen
Seite die des früheren Propstes in Segeberg, Ernst Szymanowski,
der schon 1926 in die NSDAP eintrat, ein Jahr später
Pastor in Kaltenkirchen und 1933 Propst in der Kalkbergstadt
wurde; auf der anderen Seite die des Pastors Bernhard Bothmann
aus Hamburg, der der, mit einer Jüdin verheiratet, die
Verfolgung am eigenen Leib erlebte.
Die Abschluss-Veranstaltung lockte sogar über 80 Besucher,
die nach dem Vortrag und musikalischen Zwischenspielen von
Kirchenmusikdirektor Jürgen Frielinghausen (Cembalo)
und Larissa Bom (Violine), ebenfalls aus Bad Segeberg, die
Gelegenheit zu Fragen nutzten.
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Verfolgende und verfolgte Kirche
Nordelbische Kirchenzeitung, Nr. 37 / 8. September 2002
Mit freundlicher Genehmigung der "Die
Nordelbische"
KIRCHENKREIS SEGEBERG
BAD SEGEBERG Im Rahmen der Ausstellung Kirche,
Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945 in der St. Marienkirche
in Bad Segeberg wird am Mittwoch, 11. September, um 19.30
Uhr zu einem Gesprächsabend eingeladen. Der Historiker
Stephan Linck hält ein Referat zu Verfolgende Kirche
verfolgte Kirche; zwei Pastorenleben in Nordelbien.
Nach einem Imbiss und Musik des Kammerorchesters St. Marien
ist Zeit für die Diskussion mit dem Referenten.
Der Eintritt ist frei.
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JUDEN UND CHRISTEN Eröffnung der nordelbischen Wandersausstellung
Kirche, Christen, Juden in Nordelbien in der St.
Marienkirche in Bad Segeberg mit Gottesdienst
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Mit oder wider den Zeitgeist?
Nordelbische Kirchenzeitung, Nr. 37 / 8. September 2002
Mit freundlicher Genehmigung der "Die
Nordelbische"
KIRCHENKREIS SEGEBERG
BAD SEGEBERG Arthur Goldschmidt war ein nichtarischer
Christ. Sein Leben ist in der Wanderausstellung Kirche,
Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945 dokumentiert.
Bei seinem Sohn setzte sich so Erinnerung frei. In einem Brief
schildert er, wie er 1937 aus dem Kindergottesdienst ausgeschlossen
wurde. Bischöfin Bärbel Warttenberg-Potter gab sein
Erleben in ihrer Eröffnungs-Predigt der Ausstellung in
der St. Marienkirche weiter.
Die Vergegenwärtigung rührte auf. Schon um in die
Kirche zu gelangen, müssen die Besucher durch ein schwarzes
Tor. Auf dem Fußboden im Torbogen wechseln die Diabilder.
Sie bilden Stätten jüdischer Geschichte in Bad Segeberg.
Unwillkürlich tauschen sich die Hereinkommenden aus.
Wussten Sie, dass der Marktplatz Adolph-Hitler-Platz
hieß, fragt eine Frau in die Runde. Das Thema
rückt unmittelbar nahe in die Region. Und es rückt
vor die Kirchenbänke. Wo sonst Gesangbücher liegen
sind Schilder mit Judenerlassen der anderen entsprechenden
Quellentexte aufgestellt. Sachlich und unaufgeregt konfrontieren
sie mit der dunklen Seite des Menschen. Die Gedanken schweifen:
Was wäre gewesen, wenn...? Zehn Stationen sind im Kirchenraum
aufgestellt. Bild- und Tondokumente erläutern die dunkle
Seite der Kirche von 1933 bis 1945.
Auf großes Interesse stößt das Porträt
von Ernst Szymanowski, dem Pastor, der 1926 der NSDAP beitrat
und 1933 bis 1936 Propst von Segeberg war. Der Historiker
Stephan Linck erklärt zur Eröffnung das Konzept
der Ausstellung. Die Zeit sei ein Lehrstück der
Radikalisierung unserer Gesellschaft, die die evangelische
Kirche mit bereitet und bestritten habe. Wir zeigen
die Vielfalt der Möglichkeiten, sich zu verhalten.
Daher die Porträts.
Die regionale Anbindung leistet ein lokales Fenster.
Pastor Matthias Voß, der die Ausstellung für Segeberg
organisierte, hat den Pass seines Vaters zur Verfügung
gestellt, mit dem er den arischen Stammbaum nachweisen
musste. Im lokalen Fenster findet sich auch die Aufzeichnung
einer Rede Goebbels zur 800-Jahr-Feier der Stadt. Die Reaktionen
am Eröffnungsabend gingen von Anerkennung es sei
mutig von der Kirche, so mit eigenen Schuld umzugehen
bis hin zu Überlegungen, was die Vergangenheit für
heute bedeutet. Eine Station, die Blackbox, steht für
Menschen, die sich von der Kirche verlassen fühlten
wie der Sohn von Arthur Goldschmidt. Dass die lästige
Vergangenheit nicht abgeschlossen ist, zeigte die Reaktion
eines Mannes. Er merkte nach dem Hören der Rede von Goebbels
an: Das war eben der Zeitgeist.
Bis zum 25. September ist die Ausstellung täglich geöffnet.
ab
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Die Rolle der Kirche in der Nazi-Zeit
Mit freundlicher Genehmigung der Lübecker
Nachrichten
24.08.02
Von Jan Brauer
Bad Segeberg Als Arthur Goldschmidt im Juni 1942 seine
verstorbene Ehefrau Kitty beerdigen lassen wollte, war er
bei der Kirche an der falschen Adresse. Der Pastor seiner
Heimatgemeinde Reinbek verweigerte der getauften Jüdin
die Beerdigung, Goldschmidt musste auf einen Pastor zurückgreifen,
der wie er selbst als nicht arischer Christ wenige
Monate zuvor aus der Schleswig-Holsteinischen Landeskirche
ausgeschlossen worden war.
Erschrocken darüber, wie unsere Kirche sich so
verlaufen konnte, eröffnete Propst Klaus Kasch
in der Bad Segeberger Marienkirche die Ausstellung Kirche,
Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945, die sich
mit der Zeit beschäftigt, als sich die Kirche
so der erste Paragraph des Kirchengesetzes rückhaltlos
für den Nazi-Staat einsetzte und ihre Beamten und Geistlichen
arischer Abstammung sein mussten.
Tafeln zeigen Lebensläufe von Opfern und Tätern
aus dem kirchlichen Umfeld. Beispiel Ernst Szymanowski: Im
November 1933 wurde der überzeugte Nationalsozialist
Propst von Segeberg später war er als ranghoher
Gestapo-Kader für die Ermordung von knapp 3000 Juden
mitverantwortlich. Bischöfin Bärbel Warttenberg-Potter
erinnerte während der Eröffnung der Ausstellung
in ihrer Predigt an die Zeit, als Schulkinder den Satz Das
Heil kommt von den Juden aus dem Markus-Evangelium streichen
mussten.
Aber auch direkt nach dem Ende der Nazi-Herrschaft sei eine
kritische Aufarbeitung der Vergangenheit nicht möglich
gewesen, sagte Annette Göhres, Leiterin des Nordelbischen
Kirchenarchives, das die Ausstellung gestaltet hat: Personelle
und institutionelle Kontinuität habe in Teilen
der Kirche nach 1945 geherrscht. Die Ausstellung verzichtet
darauf, die Kirche als Opfer der Nazis darzustellen, die keine
andere Möglichkeit gehabt habe, als sich an Verfolgung
und Diskriminierung zu beteiligen. Eine Wahl gab es
immer, sagte Historiker Stephan Linck so werden
auch Pastoren vorgestellt, die dem braunen Terror Widerstand
geleistet haben. In Dialogbüchern können
die Besucher ihre Meinungen und Gefühle ausdrücken.
Eine Ecke, die Pastor Matthias Voß mitgestaltet hat,
beschäftigt sich mit der Segeberger Nazi-Vergangenheit.
Ein Film zeigt permanent die Einweihung des Kalkbergstadions
damals Thingplatz durch Joseph Goebbels,
ein Plakat wirbt für die völkisch inszenierte 800-Jahr-Feier
der Kalkbergstadt.
Ob, wie Historiker Linck vermutete, nun aber viele Segeberger
in alten Fotoalben nachschauen, ob hier etwa Verwandte aus
jener dunklen Epoche der Geschichte zu finden sind, bleibt
jedoch sehr fraglich.
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Beeindruckende Ausstellung in St. Marien berichtet über
das Verhältnis von Christen und Juden
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Als die Hakenkreuzfahne an der Propstei
hing
Mit freundlicher Genehmigung der Segeberger
Zeitung
24.08.02
Bad Segeberg (pim) Junge Mädchen in weißen Gewändern
ziehen durch die mit Hakenkreuzfahnen geschmückte Kirchstraße
ein Bild aus dem Jahre 1937. Auf einem weiteren Foto
des lokalen Fensters zur Ausstellung Kirche,
Christen, Juden in Nordelbien 1933 1945 hängt
eine Hakenkreuzfahne am Propsteigebäude: Ernst Szymanowski,
der 1927 Pastor in Kaltenkirchen und im November 1933 Propst
in Segeberg wurde, war schon 1926 Mitglied der NSDAP geworden.
Es ist eine Ausstellung, die mitnimmt in ein Stück
Segeberger Geschichte, erklärte Bischöfin
Bärbel Wartenberg-Potter in ihrer Predigt zur Eröffnung
der Ausstellung, die bis Mittwoch, 25. September, in der St.
Marien-Kirche zu sehen ist. Den über 200 Besuchern der
Veranstaltung empfahl sie, sich von den Dokumenten mitnehmen
zu lassen auf einen Weg des Lernens, damit sich derartiges
nicht mehr wiederholt.
Zusammengestellt wurde die Ausstellung vom Nordelbischen
Kirchenarchiv in Hamburg. Schon vor der Kirchentür gemahnt
ein Schild aus Metall an das Thema. Im Eingangsbereich wird
der antisemitische Geist dargestellt, der schon vor der Nazi-Zeit
in der Kirche vorhanden war. Fast seit Beginn ihres
Bestehens ist der Antijudaismus Bestandteil der kirchlichen
Theologie, stellte Dr. Stephan Linck vom Kirchenarchiv
fest. Beispielsweise wurde ein theologisches Lehrbuch mit
antisemitischen Äußerungen vom Anfang des 20. Jahrhunderts
sogar noch nach dem Zweiten Weltkrieg nachgedruckt.
Wer die Kirche betritt, geht durch einen eisernen Torbogen.
Dort gib es schwarze Schuber, in die Broschüren gesammelt
werden können. Drei Broschüren informieren allgemein
über die Zeit; zehn berichten in Beispielen über
das Verhalten einzelner Menschen und Gemeinden der damaligen
Zeit. Machen Sie sich bewusst: Eine Wahl gab es immer,
erklärte Linck. Die Ausstellung soll vor allem die Spielräume
hervorheben, die sich auch in einer Diktatur den Menschen
bieten. So wird neben dem überzeugten Nazi Szymanowski,
der sich 1941 arisierend in Biberstein umbenannte,
die Geschichte des Flensburger Pastors Wilhelm Haffmann geschildert,
der erst die staatliche Judenverfolgung rechtfertigte, später
aber kritisierte. Bei jeder der zehn Biographien sind Bücher
für eigene Gedanken ausgelegt.
Auf den Bänken im Mittelschiff findet sich eine Zeittafel.
Dort sind allgemeine politische Ereignisse und kirchliche
Geschehen mit Jahreszahlen verbunden. Ergänzt wird das
Material, das als Wanderausstellung seine achte Station in
Bad Segeberg hat, durch lokales Material. Dieses wurde in
einer Arbeitsgruppe mit Pastor Matthias Voß zusammengestellt.
Möglich wurde die Präsentation erst jetzt, weil
sich Kontinuitäten in der Kirche auch lange
nach der Nazi-Zeit fortsetzten, berichtete Ausstellungsleiterin
Dr. Annette Göhres. Beispielsweise war Szymanowski auf
Antrag der nordelbischen Landeskirche 1957 begnadigt worden,
obwohl er 1948 in den Nürnberger Prozessen noch zum Tode
verurteilt worden war: Ab 1958 wurde er von der Kirchenkreisverwaltung
Neumünster beschäftigt.
In Bad Segeberg ist die Ausstellung erstmals für eine
längere Zeit in einer Kirche aufgebaut. Die Ausstellung
ist montags, mittwochs und sonnabends jeweils von 10 bis 18
Uhr geöffnet. Führungen sind nach Vereinbarung möglich.
Ansprechpartner dafür sind das Kirchenbüro unter
Tel. 04551/955255 und Pastor Matthias Voß unter Tel.
04551/955230.
Zur Ausstellung gibt es drei Abende mit Vorträgen ,
Diskussionen und Musik sowie Pausen für Gespräche
und einen Imbiss.
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