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Presseberichterstattung zur Synode
 

 
Pressetexte anlässlich der Synode „Christen und Juden“ der Nordelbischen Ev.-Luth. Landeskirche (20. bis 22. September, Rendsburg)
 

09.11.2001

Junge Freiheit:
Kieler Theologe kritisiert Synode

24.09.2001

Frankfurter Rundschau:
Judenverfolgung - Nordelbische Synode gesteht ihre Mitschuld ein

20.09.2001

Kieler Nachrichten:
Nordelbische Synode wird unter Polizeischutz tagen

09/2001

Nordelbische Kirchenzeitung
Evangelisch-lutherisches Wochenblatt:
Themensynode

 
   
 
 
 

Nordelbische Synode wird unter Polizeischutz tagen

Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten, 20. September 2001

Rendsburg (epd/chr) Die Synode der Nordelbischen Kirche wird erstmals unter verstärktem Polizeischutz tagen. Die 140 Synodalen beschäftigen sich von heute bis Sonnabend in Rendsburg neben der geplanten Verkleinerung der Synode auf nur noch 108 Mitglieder vor allem mit der Neubestimmung des Verhältnisses der Kirche zum Judentum und einem Bekenntnis zur Mitschuld an der Judenverfolgung im Nationalsozialismus. Besondere Aufmerksamkeit und „polizeiliche Dauerpräsenz“ gilt vor allem der Ausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945“, die heute Abend in der Neuwerker Christkirche am Paradeplatz in Rendsburg eröffnet wird.

Die Ausstellung wurde von dem Kieler Historiker Dr. Stephan Linck im Auftrag der Nordelbischen Kirchenleitung vorbereitet und zeigt nach Einschätzung von Synodenpräsidentin Elisabeth Lingner „erschütternde Dokumente, die uns deutlich machen, dass wir nicht mutig genug gestanden haben zu denen, die verfolgt wurden“.

Nach der ersten Station in der Neuwerker Christkirche in Rendsburg soll die Wanderausstellung in vielen Kirchen Schleswig-Holsteins und Hamburgs gezeigt werden. Die Nachfrage war bereits im Vorfeld so groß, dass bis ins Jahr 2003 bereits Termine vergeben wurden.

 
   
   
 
Nordelbische Kirche hat ihr Verhältnis zum Judentum grundlegend neu bestimmt
Entscheidende Wende
 

THEMENSYNODE

Nordelbische Kirchenzeitung
Evangelisch-lutherisches Wochenblatt

Mit freundlicher Genehmigung der "Die Nordelbische"

Rendsburg - Auf ihrer Themensynode „Juden und Christen“ hat die Nordelbische Kirche ihr Verhältnis zum Judentum grundlegend neu bestimmt. „Wir stehen an einer entscheidenden Wende nach einer langen Tradition des Gegeneinanders“, sagte Synodenpräsidentin Elisabeth Lingner. Es sei an der Zeit, überkommene Denkmuster, die das Judentum verzerrten, zu überwinden und falsche Auslegungen biblischer Texte zu revidieren. Kernstück der Neubestimmung ist eine von der Synode mit großer Mehrheit verabschiedete theologische Erklärung, die nicht nur die Positionierung zum Judentum neu definiert, sondern bis tief in das eigene Selbstverständnis der Nordelbischen Kirche hineinreicht. „Wir wollen unser Denken und Handeln daran orientieren, dass wir von den Anfängen her mit dem Judentum verbunden sind“, bekräftigt das Grundsatzpapier, mit dem zugleich eine Ergänzung der Nordelbischen Verfassung in die Wege geleitet worden ist. „Die Nordelbische Kirche bezeugt die Treue Gottes, der an dem Bund mit seinem Volk Israel festhält“, soll es künftig in der Präambel der Verfassung heißen.

THEMENSYNODE I
Nordelbische Kirche hat ihr Verhältnis zum Judentum grundlegend neu bestimmt
Entscheidende Wende

Rendsburg– Auf ihrer Themensynode „Juden und Christen“ hat die Nordelbische Kirche ihr Verhältnis zum Judentum grundlegend neu bestimmt. „Wir stehen an einer entscheidenden Wende nach einer langen Tradition des Gegeneinanders“, sagte Synodenpräsidentin Elisabeth Lingner am Ende der dreitägigen Sitzung im Rendsburger Christophorushaus. Es sei an der Zeit, überkommene Denkmuster, die das Judentum verzerrten, zu überwinden und falsche Auslegungen biblischer Texte zu revidieren.

Kernstück der Neubestimmung ist eine von der Synode mit großer Mehrheit verabschiedete theologische Erklärung, die nicht nur die Positionierung zum Judentum neu definiert, sondern bis tief in das eigene Selbstverständnis der Nordelbischen Kirche hineinreicht. „Wir wollen unser Denken und Handeln daran orientieren, dass wir von den Anfängen her mit dem Judentum verbunden sind“, bekräftigt das Grundsatzpapier, mit dem zugleich eine Ergänzung der Nordelbischen Verfassung in die Wege geleitet worden ist. „Die Nordelbische Kirche bezeugt die Treue Gottes, der an dem Bund mit seinem Volk Israel festhält“, soll es künftig in der Präambel der Verfassung heißen. Damit zieht die Kirche die Schlüsse aus einem dreijährigen Konsultationsprozess, in dem sich Christinnen und Christen nordelbienweit des schwierigen Themas angenommen hatten. Allein sechs Kirchenkreissynoden hatten im Laufe des Prozesses eine entsprechende Präambelergänzung beantragt.

Deutliche Position bezieht die Nordelbische Synode auch in der strittigen Frage der Judenmission. „Wir widersprechen allen Versuchen, die darauf zielen, Juden von ihrer Religion abzubringen“, betont die Erklärung, die damit dem Beispiel anderer Landeskirchen folgt. Stattdessen solle die gegenseitige Begegnung geprägt sein von „Respekt vor dem Anderssein des Anderen.“

Bischofskollegium und Synode erinnerten aber auch an die Mitschuld, die die Kirche an der Jahrhunderte langen Feindseligkeit gegen Juden trage. Um so wichtiger sei es neu über den christlichen Glauben zu sprechen, ohne die Juden zu schmähen. „Der Antijudaismus ist weder bei uns noch weltweit gebannt und wir haben daran ursächlich teil“. Insofern sei die in Rendsburg verabschiedete Resolution lediglich ein „Meilenstein“ auf einem langen Weg.

„Selten hatte synodale Arbeit einen so hohen Rang und eine so tiefe theologische Bedeutung“, hatte Propst i.R. Jörgen Sontag bei der Einbringung der theologischen Erklärung „Christen und Juden“ den Synodenmitgliedern ins Stammbuch geschrieben. Und tatsächlich führten die Beratungen der Themensynode das verfassungsgebende Gremium bis an die eigene Belastungsgrenze. Ging es doch um nichts Geringeres als um die Wurzeln des christlichen Glaubens.

Darf man versuchen, Juden für den christlichen Glauben zu gewinnen? Gibt es im Neuen Testament etwas Neues gegenüber der alttestamentlichen Überlieferung? Und wie gehen Lutheraner mit den offenkundigen Antijudaismen ihres Reformators um? Allein diese Fragen, die der Bochumer Alttestamentler Prof. Jürgen Ebach in seinem Impulsreferat aufgezeigt hatte, ließen erahnen, welche Reichweite die zu verabschiedende theologische Erklärung haben würde. „Was die Wahrheit ist, kann nicht mit Mehrheit entschieden werden.“ Was aber gelten solle, das könne und müsse nach freier Diskussion von der Mehrheit entschieden werden, ermunterte Ebach die Synodalen.

Und aller Unkenrufe zum Trotz gelang es der Synode in den teilweise bis in die späten Nachtstunden geführten Debatten tatsächlich, die unterschiedlichen inhaltlichen Standpunkte in einem gemeinsamen Papier zu vereinen. Die Erklärung „Christen und Juden“ wurde mit großer Mehrheit verabschiedet.

„Manchmal war es etwas mühsam“, aber die Intensität der Auseinandersetzung habe letztlich nur gezeigt, wie wichtig das Thema genommen werde, resümierte Synodenpräsidentin Elisabeth Lingner nach vollbrachter Arbeit. Auch das Bischofskollegium zeigte sich erleichtert über das Zustandekommen der einmütig verabschiedeten Resolution: „In der gewählten Formulierung können wir uns alle wiederfinden, auch wenn wir verschiedene Positionen haben“, sagte Bischöfin Maria Jepsen. Der Schleswiger Bischof Hans Christian Knuth konnte dem nur beipflichten: Am Ende einer „existenziell aufwühlenden Debatte“ sei keine Position ausgeschlossen worden, betont er vor der Presse.

Bärbel Wartenberg-Potter, die nach ihrer Wahl zur Lübecker Bischöfin erstmals an einer Synodentagung teilnahm, erinnerte daran, dass die Präambel die „Visitenkarte“ der Landeskirche sei. Gerade dort müsse deutlich werden, - „wie sehr wir aus den jüdischen Wurzeln leben“.

Bis die Verbundenheit mit dem Volk Israel allerdings tatsächlich ihren Niederschlag in der nordelbischen Verfassung finden wird, müssen sich die nach dem Sitzungsmarathon sichtbar erschöpften Synodalen noch bis zur Februartagung gedulden. Die eigentlich schon für diese Synode geplante juristische Verankerung scheiterte doch noch in letzter Sekunde: allerdings nicht etwa an mangelndem Einigungswillen, sondern schlicht an fehlenden Kirchenparlamentariern: Zu einer Verfassungsänderung waren fünf Synodale zu wenig im Rendsburger Christophorushaus. Für Elisabeth Lingner dennoch kein Beinbruch: Die bislang noch fehlende rechtliche Sicherheit sei zwar bedauerlich, sie sollte jedoch nicht zu hoch bewertet werden“, sagte die Synodenpräsidentin. „Entscheidend ist vielmehr, dass nach einer intensiv geführten Diskussion eine Wegweisung gelungen ist, nach der wir als Kirche leben wollen“.

von Carsten Splitt

THEMENSYNODE II
Nordelbien will das von Christen an Juden begangene Unrecht aufarbeiten
"Hohes Maß an Schuld"

Rendsburg– „Was im Nazi-Regime geschehen ist, war auch eine Konsequenz aus kirchlichem Handeln und Unterlassen. Wir empfinden ein hohes Maß an Scham und Schuld!“ Elisabeth Lingner, Präsidentin der Nordelbischen Synode, findet klare Worte angesichts der Ausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945“, die sie vorige Woche eröffnete.

Noch heute scheint es unerklärlich, wie sich Kirche derartig in Schuld verstricken konnte. Warum haben sich viele „freudig in den Dienst der Sache gestellt“?

Eine vollständige Antwort darauf kann und soll auch die Präsentation in der Rendsburger Christkirche nicht geben, der ersten Station dieser Wanderausstellung. Anerkennenswert ist aber das Bemühen, das Handeln während der NS-Zeit aufzuarbeiten. Mehrere Jahre hat der Historiker Dr. Stephan Linck (37) im Auftrag der Nordelbischen Kirche geforscht, um Täter und Opfer namentlich zu machen. Eindrucksvoll per Lichtbild, gesprochenem Text und einer gedruckten Biografie bekommen diese Namen in der Ausstellung plötzlich Gesichter. Sie werden greifbar und ihr Tun dadurch noch unfassbarer.

Der Betrachter braucht Zeit und Geduld, um diese Wirkung zu spüren. Für das gestalterische Konzept sind Studierende der Muthesius Hochschule in Kiel verantwortlich. Inhaltlich hat Dr. Linck eng mit Frau Dr. Göhres vom Nordelbischen Kirchenarchiv zusammen gearbeitet.

Der Historiker in seiner Bilanz nach mehrjähriger Forschung: „Es herrschte ein starker Antisemitismus in der Kirche; auch im heutigen Nordelbien.“

Elisabeth Lingner maß der Ausstellung eine besondere Bedeutung bei angesichts aktueller dramatischer Ereignisse. Sie falle in eine Zeit, „in der uns erneut erschreckend deutlich gemacht wurde, in welcher Weise Ideologien des Hasses und der Gewalt eskalieren können“. Keine Religion der Welt rechtfertige solches Handeln.

Gewaltausbrüche dieser Art hätten immer eine lange Vorgeschichte. Es sei Auftrag des Christentums, gegen diese Mechanismen das Gebot des Friedens, der Versöhnung und der gegenseitigen Akzeptanz zu setzen. Diesen Auftrag hätten die christlichen Kirchen in den Jahren der Judenverfolgung nicht erfüllt.

von Peter H. Burghold

THEMENSYNODE III
Die Terroranschläge in den USA überschatteten auch die Tagung der Synodalen
Bestürzt, nicht gelähmt

Rendsburg– Die angespannte Weltlage nach dem verheerenden Terroranschlag auf die USA hat auch die Tagung der Nordelbischen Synode überschattet. Zu präsent waren bei den in Rendsburg versammelten rund 100 Synodalen noch die Bilder aus New York und Washington, als dass sie ohne weiteres zur Tagungsordnung übergehen konnten. Wie sollte ein christliches Gremium angesichts dieser Situation gravierende Fragen diskutieren, die bis tief in das eigene Selbstvertändnis reichen, lautete der unausgesprochene Zweifel vieler Kirchenparlamentarier. Erstmals musste die Synode unter verstärktem Polizeischutz tagen.

„Man möchte lieber die Fäuste ballen, als die Hände zum Gebet falten“, hieß es in einem Grußwort der Gemeinschaft der Freikirchen. Doch die nordelbischen Synodalen und ihre Gäste resignierten nicht. Stattdessen nahmen sie die besondere Situation zum Anlass, um deutlich zu machen, dass Weltfriede nur durch Gemeinschaft der Religionen möglich ist. „Wir haben miterleben müssen, wozu Predigten von Hass und Rache befähigen können, sagte Synodenpräsidentin Elisabeth Lingner in ihrer Eröffnungsrede. Keine der Religionen rufe dazu auf, Verbrechen an Menschen oder Völkern anderen Glaubens zu begehen. Der Weltfriede hänge von der Förderung der Friedensfähigkeit der Religionen ab.

Vor diesem Hintergrund wurde die politische Weltlage in der Diskussion um das Verhältnis von Juden und Christen keinesfalls ausgeblendet. Die Synodalen mussten vielmehr - etwa in der Debatte um das Zerrbild vom alttestamentlichen Rachegott - zwangsläufig Bezug nehmen auf die aktuellen Ereignisse. Die Forderung, den christlich-jüdischen Dialog zu einem Trialog unter Einschluss des Islams zu erweitern, gelangte angesichts der derzeitigen Entwicklungen zu einer eindringlichen Mahnung: „Die Synode bekennt sich zum Dialog mit den Muslimen, auch aus der Erkenntnis heraus, dass wir den Dialog mit den Juden nicht rechtzeitig geführt haben“, bekräftigte Lingner.

Am Ende des Sitzungsmarathons verabschiedete die Synode eine Stellungnahme, die zu Besonnenheit und Gewaltverzicht aufruft: „Wir bitten die Bundesregierung dringend, ihren ganzen Einfluss geltend zu machen, dass der Gewalt gegenüber Unschuldigen nicht mit neuer Gewalt begegnet wird, der wiederum Unschuldige zum Opfer fallen, lautet der eindringliche Appell der Synodalen. Krieg sei keine Lösung für das Terrorismusproblem.

von Carsten Splitt

Ausstellung zur Synode

Rendsburg – Pünktlich zur Themensynode wird in der Neuwerker Christkirche eine Ausstellung eröffnet, die Einblicke in die NS-Vergangenheit der Kirche in Hamburg und Schleswig-Holstein geben soll. Zur Vorbereitung auf die Synode hatte die Nordelbische Kirche den Kieler Historiker Dr. Stephan Linck mit einem Forschungsprojekt zur systematischen Erfassung entsprechender Quellen beauftragt. Die Ergebnisse seiner dreijährigen Arbeit werden in der Wanderausstellung „Kirche, Christen, Juden“ zu sehen sein. In der Rendsburger Christkirche vom 21. September bis 21. Oktober (mo.-fr. 10-12 und 15-17 Uhr, sa. 10-12 Uhr).

Hintergründe zur Synode

Weiterführende Beiträge zum Thema „Christen und Juden“ finden Sie in dieser Ausgabe der „Nordelbischen Kirchenzeitung“ auf Seite 2 („Christentum wurzelt im Judentum“) und Seite 5 („Glaubwürdig mit den Juden reden“). Im Internet unter www.nordelbische.de finden Sie ein Dokumentation bisheriger Beiträge.

 
   
     

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