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Presseberichterstattung Westerland
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Noch bis Sonntag läuft die Ausstellung in St. Nicolai
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Nicht nur für Ältere
Mit freundlicher Genehmigung des "Sylter Spiegel"
Nr. 30/2003 vom 23.07.03
Westerland. Noch bis zum kommenden Sonntag ist in der Stadtkirche
ST. Nicolai die Wanderausstellung Kirche, Christen, Juden
in Nordelbien 1933 - 1945 zu sehen (wir berichteten). Eine
Ausstellung, die sich ausdrücklich an junge Menschen
als "gewünschte Zielgruppe" richtet, aber im
Bewusstsein konzipiert wurde, dass ihre Hauptbesuchergruppe
über 60 Jahre alt sein würde. Hier in Westerland
ist das schon deshalb der Fall, weil leider während der
gesamten Ausstellungsdauer Schulferien sind. Dafür sind
die Urlauber da. Und so findet sich der eine oder andere Feriengast,
der eigentlich nur eine Kirchenbesichtigung machen wollte,
unversehens mit der Vergangenheit konfrontiert. Wieviele Besucher
die Stadtkirche eigentlich hat, war bis dato unbekannt. Jetzt,
wo während der Ausstellungsdauer darüber Buch geführt
wird, kennt Pastor Redlin die Zahlen: 60 bis 110 täglich,
und nur zwei von denen reagierten bisher erbost auf den unerwarteten
Anblick. Überwiegend ist die Resonanz positiv. Bleibt
die Frage, wie sehen junge Menschen diese Ausstellung? Isabel
Ufer aus Mülheim an der Ruhr, 19 Jahre alt, und zurzeit
Praktikantin beim SYLTER SPIEGEL hat sich in St. Nicolai umgesehen:
"Kein Pastor war gezwungen, von der Kanzel gegen Juden
zu hetzen. Wenn einer dies tat, geschah es aus freien Stücken."
Zwei Sätze am Eingang der Ausstellung, die nachdenklich
stimmen. War man nicht davon ausgegangen, dass auch gerade
christliche Institutionen ihren "Beitrag" im Nationalsozialismus
leisteten?
Der Einstieg in die Ausstellung "Kirche, Christen, Juden
in Nordelbien" fällt nicht schwer. Die Bilder und
Berichte vom nordfriesischen Konzentrationslager Ladelund
sind eines der grausamen Beispiele dieser Zeit. Durch ihre
Detailgenauigkeit bekommt der Begriff "Anschaulichkeit"
eine andere Perspektive und lässt erahnen, wie schlimm
es für die 2.000 Häftlinge in einer Unterkunft für
ursprünglich 250 Menschen sein musste.
Die Informationen sind klar und deutlich strukturiert. Jeder
Besucher kann entscheiden, welche der zehn Lebensläufe
er sich näher anschauen möchte. Auch die Anordnung
der einzelnen Ausstellungsstücke ist gut durchdacht.
Die bankweise für je ein Jahr aufgelisteten Informationen
auf der rechten Seite im Kirchenschiff bieten einen umfassenden
Überblick über die Ereignisse zwischen 1933 und
1945. Diese Fülle an Fakten überfordert leicht.
Ich habe das Gefühl, dass die anderen Ausstellungsbesucher,
die zum größten Teil in dieser Zeit gelebt haben,
sich in jene Kirchenbänke setzen, die die eigene Biografie
betreffen. Der vorne beherbergte lokale Ausstellungsteil mit
speziellen Zeitrelikten der Insel Sylt interessiert besonders.
Denn hier bekommen Ereignisse und Personen konkrete Namen
und Gesichter. Zu diesen Ausstellungsstücken gehört
auch ein Zeitungsartikel, in dem die Bürgermeister von
Wenningstedt und Kampen zu "Judenfrage" zitiert
werden. Dass "Juden und Judenfreunde im höchsten
Grade in den Gemeinden unerwünscht sind", bedrückt
mich sehr. Die Beschränkungen der Kurverwaltung reichten
in alle Bereiche - sogar bis zu eingeteilten Besuchszeiten
für Juden in den öffentlichen Badeanstalten.
Von den zehn porträtierten Personen, liest sich der
Lebenslauf einer jungen Lehrerin, Elisabeth Flügge, besonders
aufregend und dies nicht zuletzt, weil sie die einzige Frau
ist. Auch wenn ihre Tochter ihr keine Heldentaten zuspricht,
empfinde ich ihre Zivilcourage und ihr solidarisches Engagement
als heldenhaft und herausragend. So sorgte sie neben ihrem
Beruf als Lehrerin an einer Hamburger Privatschule dafür,
das die bedrohten Familien ihrer jüdischen Schülerinnen
rechtzeitig auswandern konnten. Auch eine Strafversetzung
hielt Elisabeth Flügge nicht davon ab, ihre Teilnahme
an der Kinderlandverschickung zu verweigern.
Inzwischen schauen sich vier ältere Damen staunend um:
"Sehr viele Informationen!" An manchen Überschriften
bleibt man interessiert hängen und die Fassungslosigkeit
über die kirchliche Vorgehensweise und ihren couragierten
Einsatz auf der anderen Seite ist groß.
Die Atmosphäre ist durch den speziellen Ort ganz eigenartig,
lässt den Besucher aber nicht vergessen, dass es hier
nicht wie in zahlreichen Ausstellungen über die NS-Zeit,
um die allgemeinen historischen Ereignisse geht, sondern die
Kirchen im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. In dieser Form
ist es in der Schule nicht möglich, die verschiedenen
Richtungen und unterschiedlichen christlichen Ansätze
zu erläutern. Dass sich "die Kirche" an sich
nicht einheitlich für oder gegen das Regime ausgesprochen
hat, wird einem schnell deutlich gemacht.
Schade finde ich es schon, dass so wenig jüngere Menschen
sich die Mühe machen, einmal genauer hinzuschauen, zumal
es der Ausstellung gelingt, seine Besucher anhand der gezeigten
Beispiele in diese Schreckensjahre hineinzuversetzen.
Wenn man also ein wenig Zeit und Lust zu lesen mitbringt,
ist die Ausstellung "Kirche, Christen, Juden in Nordelbien"
durchaus lohnenswert - nicht nur für ältere Menschen.
Die letzte Rahmenveranstaltung zur Ausstellung findet am
morgigen Donnerstag, 24. Juli, um 20:15 Uhr in der Stadtkirche
statt. Pastor Bernd Redlin liest aus "Jossel Rackower
spricht zu Gott" von Zvi Kolitz. Organist Martin Stephan
wird die Lesung musikalisch begleiten.
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Hakenkreuze auf der Strandburg
Mit freundlicher Genehmigung des "Sylter Spiegel"
Nr.30/2003 vom 23.Juli 2003
Als "Lektürevorschlag für die anstehende Ferienzeit"
versteht sich das neue Buch des Hamburger Historikers Frank
Bojahr mit dem Titel Unser Hotel ist judenfrei. Auf 233 Seiten,
illustriert mit zeitgenössischen Karikaturen und Fotos,
beschreibt der Autor den Antisemitismus in deutschen (See-)Bädern,
Kurorten und Sommerfrischen von der Kaiserzeit bis 1945.
Die Kernaussagen des Buches, auf den Punkt gebracht, lautet:
Der so genannte Bäderantisemitismus war in Deutschland
(aber nicht nur dort) verbreiteter und folgenschwerer als
bislang angenommen. Und er wurzelte nicht nur am rechten Rand
der Sozialneider oder politisch Verwirrten, sondern in der
Mitte der Gesellschaft.
Von besonderem Interesse für den hiesigen Leser sind
natürlich die Ausführungen des Autors über
die deutschen Nordseebäder, speziell über die Insel
Sylt. Neben Norderney, dem traditionsreichen Bad des hannoverschen
Königshauses, wird vom Autor immer wieder Westerland
als Badeort genannt, der sich durch Weltoffenheit, Toleranz
und - hin und wieder - auch durch Courage und Mut gegenüber
der herrschenden Meinung auszeichnete. So forderte 1908 der
Westerländer Bürgermeister einen innerstädtischen
Hotelier, der sein Haus ausschließlich christlichen
Gästen offen hielt, schriftlich auf, an das "Ansehen
des Bades" zu denken und diesen Zustand abzustellen.
In der Zeit der Weimarer Republik expandierte in ganz Deutschland
die Zahl der sich antisemitisch bis christlich bezeichnenden
Hotels und Pensionen. Der Centralverein jüdischer Staatsbürger
in Deutschland (CV) gab bereits Warnlisten heraus, die 1931
und 1932 Hunderte von Unterkünften im Reichsgebiet umfassten.
Ab 1933 uferten diese Warnlisten zu Sonderdrucken aus, da
sie den üblichen Beilagenrahmen einer Zeitung sprengten.
Die Nordseeinsel Baltrum machte ihre Haltung in ihrem Werbeprospekt
von 1935 gezielt und unverblümt deutlich: "Israeliten
sind nicht erwünscht." Wangerooge tat es der Nachbarinsel
gleich, Borkum warb mit der "Rasseformenden Nordseeheilkraft",
Helgoland ließ antijüdische Schilder aufstellen.
Auch Westerland stand dem - offiziell zumindest - nicht nach.
Im März 1934 sprach Bürgermeister und Kurdirektor
Dr. Schuldt ein "generelles Zutrittsverbot für Juden"
aus. Aber: Dieses Verbot zeitigte tatsächlich keinerlei
Wirkung. Westerlands NSDAP-Ortsgruppenleiter klagte in der
Folgezeit, dass viele Pensionen und Beherbergungsbetriebe
statt der Hakenkreuzflagge die schwarz-weiß-rote Fahne
aufzögen. Mitarbeiter der örtlichen Kurverwaltung
antworteten einem jüdischen Interessenten, der sich nach
Urlaubsmöglichkeiten in Westerland erkundigte: "Eine
gesetzliche Handhabe, Juden von Westerland fernzuhalten, besteht
bekanntlich nicht... Wir würden uns freuen, Sie in Westerland
begrüßen zu können."
Anders sah es in den Seebädern und Erholungsorten aus,
die traditionell vom Kleinbürgertum im weitesten Sinne
besucht wurden. Während der CV noch 1935 ausdrücklich
Kampen als Ort empfahl, wo jüdische Badegäste "noch
unterkommen konnten", standen Wenningstedt und insbesondere
die Insel Borkum längst auf der Warnliste.
Die detaillierten, äußerst anschaulich vermittelten
Informationen Bojahrs, mit viel Fleiß und Akribie zusammengetragen,
verursachen mehr als nur Kopfschütteln über die
entwürdigenden, tragischen und mancherorts gar brutalen
Gegebenheiten der Zeit vor 1945.
Dieses Buch ist keine sehr lustige, aber eine sehr passende
Lektüre für den Strandkorb.
Klaus Lorkows
Frank Bojahr: "Unser Hotel ist judenfrei - Bäder
Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert", Fischer Taschenbuch
Verlag, 12,90 Euro
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Dr. Reumann berichtete über Westers vergeblichen Kampf
gegen die NS-freundliche Landeskirche
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Pastor Reinhard Wester: Eine prägende
Persönlichkeit
Mit freundlicher Genehmigung des "Sylter Spiegel"
Nr. 28/2003 vom 09.Juli 2003
Westerland. Im Rahmen der Ausstellung "Kirche,
Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945" hielt Dr.
Klauspeter Reumann in der St.-Nicolai-Kirche einen sehr gründlich
erarbeiteten Vortrag über das Leben des Westerländer
Pastors Reinhard Wester. Der Flensburger Wissenschaftler zeigte
dabei den großen Radius im Wirken von Wester auf. In
dieser Genauigkeit war er gewiss nur wenigen der Zuhörer
bekannt. Der hier hoch geschätzte Geistliche war einst
vor allem für die Jugend eine prägende Persönlichkeit.
Das macht auch das "lokale Fenster" in der Ausstellung
deutlich.
Wester trat sein Amt 1932 an. Es war eine von großer
Arbeitslosigkeit geprägte Zeit, in der Resignation das
Denken vieler Menschen bestimmte. Darauf wies Dr. Reumann
gleich zu Beginn seiner Ausführungen hin. Wie viele Deutsche
war auch Wester anfangs von den Chancen der 1933 politische
eingeleiteten Wende angetan. 1931 wandte er sich den für
den Nationalsozialismus eingenommenen "Deutschen Christen"
(DC) zu und trat sogar in die SA ein. Doch er erkannte schnell,
dass die erhoffte Orientierung für die Landeskirche in
einen Irrweg münden würde. Er trat noch vor der
ersten Sitzung der Landes-Synode aus, weil dort - wie von
den dominierenden DC beschlossen - alle Mitglieder ihren Wünschen
zustimmen müssen. Auf eigenen Wunsch wurde Wester, der
damit nicht einverstanden war, aus der Synode entlassen. Das
teilte er wie seinen Austritt aus der Vereinigung "Deutscher
Christen" seiner Gemeinde am 6.Dezember'33 von der Kanzel
aus mit. Wester schloss sich nun der "Bekennenden Kirche"
(BK) an. Bald darauf wurde er zum Vorsitzenden und damit zum
Leiter der "Landesbruderschaft" gewählt, in
der vor allem Pastoren und Vikare andere Ansichten vertraten
als die sich immer lauter für die NS-Ziele äußernden
"Deutschen Christen".
Doch sei es dem Westerländer Pastor nicht gelungen,
diesen Kreis im Für und Wider zur NSDAP zu einen. Seine
zunächst freudige Bereitschaft für den Staat mit
zu arbeiten, die für ihn nur in der absoluten Bindung
an Bibel und Kirche möglich war, erlosch gänzlich.
Die Mitglieder der DC plädierten hingegen für eine
der "deutschen Art" entsprechenden Glaubensbewegung.
"Die Deutschen Christen und die Partei waren in ihrer
Denkweise deckungsgleich", erklärte der Referent.
Reinhard Wester schlug einen gefährlichen Weg ein, als
er öffentlich bekannte, dass er jenes "deutsche"
Christentum für Ketzerei halte.
Zur Judenfrage sei weder von Wester noch von Martin Niemöller,
Oberhaupt der BK in Berlin, in jener Zeit Stellung bezogen
worden, stellte Dr. Reumann in seinem nun weiter ausholenden
Referat fest. Das Bekenntnis der BK auf deren erster Synode
in Barmen habe deutlich gemacht, dass man sich als "Alternativ-Kirche"
zu den DC sah. Als der Landesbischof Schleswig-Holsteins,
selber den DC zugehörig, 1935 der BK Zusammenarbeit anbot,
wies Wester das Angebot zurück. Er fühlte sich zu
dieser Frage aber auch vom eigenen Kreis in der "Bekennenden
Kirche" im Stich gelassen, musste erkennen, dass sein
Denken nicht dessen Zustimmung sicher sein konnte. Diese Situation,
nur Insidern bekannt, hat gewiss viele der Westerländer
Zuhörer überrascht. Wester wusste wie die Vikare,
dass eine Ordination (Voraussetzung für die Amtsübernahme
als Pastor) nur über den Bischof erfolgen konnte. Das
wollten viele nicht riskieren. Als sich dann noch die Mitglieder
der "Deutsch-Kirche" innerhalb der DC, der vor allem
Lehrer angehörten, für ein "entjudetes"
Christentum ohne das Alte Testament aussprachen, war in den
Augen von Wester die Grundlage für ein gegenseitiges
Vertrauen in der Zusammenarbeit von BK und DC unmöglich.
Wester, der ursprünglich in einer Synode der BK in Kiel
einen Antrag zum "Nein" für ein Miteinander
erarbeitet hatte, erkannte vorher, dass keine Mehrheit zu
gewinnen war. Er zog daraufhin nicht nur den Antrag zurück,
sondern stellte auch das Amt des Vorsitzenden der Bruderschaft
der Bekennenden Kirche zur Verfügung. "Damit stellte
Wester sich eindeutig ins Abseits", resümierte Dr.
Reumann.
Die kritische Haltung Westers aber war der Partei längst
bekannt. Sie ließ ihn ständig durch die Gestapo
überwachen. Im Mai 1941 schritt man zur Tat. Der Westerländer
Pastor wurde verhaftet. Doch wurde er nach nur vierwöchiger
Haft entlassen, weil ihm "keine strafbaren Handlungen
nachzuweisen waren", zitierte Dr. Reumann aus der erhaltenen
Akte. Wie viele andere Pastoren meldete sich Wester auf Drängen
von Freunden wenig später freiwillig zum Wehrdienst und
suchte in der ganz anders reagierenden Gesetzgebung des Militärs
Zuflucht. Doch auch dort holte ihn sein Denken, vor allem
seine frühere Ablehnung der Partei, ein. Nach einer insgeheim
gegebenen Aussage eines DC-Pastors, wurde er als "ungeeignet"
für die Laufbahn eines Offiziersanwärters befunden.
"Nachher ging man für eine Begründung von Seiten
des Militärs jedoch auf weitere "Materialsuche",
stellte Dr. Reumann fest. Erst 1947 konnte Wester aus der
Kriegsgefangenschaft in Ägypten zurückkehren.
"In der Landeskirche aber saßen 1945 noch die
gleichen Personen an der Spitze", begann der Referent
die Schilderung der letzten Phase seines klar gegliederten
Vortrages. Im kirchlichen Bereich sei, Juristen vergleichbar,
die Neuorientierung mühsam gewesen. "Nur der Kirchenamtspräsident
wurde zum Rücktritt gezwungen", zog Reumann die
armselige Bilanz. Doch Kenner des Kirchenkampfes hatten Wester
nicht vergessen. Sein früheres Wirken wurde zum Anlass
genommen, Wester noch im Jahr seiner Rückkehr das Bischofsamt
anzutragen. "Doch das Ergebnis seiner Wahl war nicht
besonders überzeugend", stellte Dr. Reumann fest.
"Hätte sich der Gegenkandidat in seiner Selbstrechtfertigung
nicht viele Sympathien verscherzt, hätte es anders ausgehen
können", beleuchtete der Referent die Lage. "Wester
aber sprach sich für eine Vermittlung der Gegensätze
aus. Das war entscheidend."
"Die Auslegung von Römer 13, dem Brief, in dem
Paulus formulierte, gebt dem Kaiser, was der Kaisers ist,
hatte verhängnisvolle Folgen", stieß Pastor
Redlin temperamentvoll die sich anschließende Debatte
an. Und er traf damit, wie die Diskussion zeigen sollte, den
Kern. So wurde überdeutlich, dass das Verständnis
für die Not der Menschen, die damals unter dem Druck
einer fanatischen Denkweise standen, nur von Zeitgenossen
oder sehr reifem Denken nachvollzogen werden kann. Gewiss
aber ist, dass Pastor Wester es mit dem Leben bezahlt hätte,
wenn er sich damals entschieden gegen den Nationalsozialismus
ausgesprochen hätte. Von der Verantwortung für eine
Familie ganz zu schweigen. Das stellte unter den Zuhörern
wohl jeder fest, der in der gleichen Zeit gelebt hat. Der
Druck war einfach zu groß und ist vielen Menschen heute
kaum mitteilbar. Es sei denn, man hat das Buch "1984"
von George Orwell gelesen und - es auch verstanden.
Carla Petersen
Der nächste Vortrag im Rahmen der Ausstellung in St.
Nicolai findet am morgigen Donnerstag statt. Um 20.15 Uhr
sprich Pastor Dr. Siegfried Bergler, Hamburg, in der Stadtkirche
über das Thema "Wie lesen Christen und Juden das
Alte Testament bzw. die hebräische Bibel?"
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Bedeutsames Konzert zur Eröffnung der Ausstellung in
St. Nicolai
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Musikalischer Dialog mit Jalda Rebling
und Martin Stephan
Mit freundlicher Genehmigung des "Sylter Spiegel"
Nr. 27/2003 vom 02.Juli 2003
Westerland. Zu einem Konzert besonderer Art wurde anlässlich
der Eröffnung der Ausstellung "Kirche, Christen,
Juden in Nordelbien 1933-1945" am Sonntagabend in die
St.-Nicolai-Kirche eingeladen. Es war die Idee des Westerländer
Kirchenmusikers Martin Stephan, dafür die ihm bekannte
jüdische Schauspielerin und Sängerin Jalda Rebling
zu gewinnen. Nach einem Besuch bei der Künstlerin in
Berlin stand fest, dass die schon in der DDR bekannte und
in den neuen Bundesländern hoch geschätzte Künstlerin
zur Verfügung stehen würde.
Jalda Rebling, in Amsterdam geboren, wurde 1979 von ihrer
Mutter Lin Jaldati für ein Programm zum 50. Geburtstag
von Anne Frank auf die Bühne der jüdischen Kultur
geholt. Diese große alte Dame des jiddischen Liedes
traf damit eine kluge Entscheidung. Nach der Ausbildung als
Schauspielerin erarbeitete sich Jalda Rebling in wenigen Jahren
zahllose Programme. Zusammen mit anderen Künstlern waren
sie jiddischer Literatur und Liedern in dieser alten Sprache
gewidmet. Zehn Jahre lang, bis 1997, war sie Leiterin der
dieser Kultur gewidmeten Tage zur UNESCO-Weltkulturdekade.
Die Gedenkveranstaltungen zur "Reichskristallnacht"
am 9.November 1938 waren der Anlass für Jalda Rebling,
die deutsche Sprache in ein neues Programm aufzunehmen, um
dem Anlass gerecht zu werden. Zusammen mit Judaistinnen und
Musikwissenschaftlerinnen wurden außerdem weithin vergessene
Kostbarkeiten jüdischen Schrifttums im kulturhistorischen
Kontext von der Sängerin aufgearbeitet. So stieß
man auf Süßkind von Trimberg, einen jüdischen
Minnesänger des Mittelalters, dessen Lieder Jalda Rebling
auch in ihr mit nach Westerland gebrachtes Programm aufnahm.
In beeindruckender Weise wurde Martin Stephan an der Orgel
dem Anliegen dieses Konzerts gerecht. Einfühlend erfasste
er mit den von ihm ausgewählten Werken das Wesentliche
im Programm der Sängerin. Vorbildlich gelang es Stephan,
musikalisch die Brücken zum Verständnis altüberlieferter
Erzählungen und Märchen zu bauen. Zu bewundern war
vor allem die gelungene Begleitung der Lieder. Sie überwand
den Abstand von der Orgelempore zur Apsis, wo Jalda Rebling
ihre Lieder darbot. Die zeitliche Nähe der deutschen
zur jüdischen Kultur unterstrich Stephan mit einem Werk
von Samuel Scheidt. Er nahm von Sweelinck die Tradition des
in den Niederlanden entwickelten polyphonen Stiles auf, blieb
aber zeitlebens Halle verbunden, wo er 1587 getauft wurde
und bis zu seinem Tode 1654 tätig war, zuletzt als Hoforganist-
und Hofkapellmeister.
Kalt lief es jedermann über den Rücken, als Jalda
Rebling Paul Celans Todesfuge als Lied interpretierte und
so das Anliegen der Ausstellung unterstrich. An der Orgel
vertiefte Martin Stephan mit der Toccata in C von Volker Bräutigam
die Erschütterung der sich keiner zu entziehen vermag,
der über die Judenverfolgung in Deutschland nachgedacht
hat.
Dann nahm Jalda Rebling mit ihrer kräftigen Naturstimme
im Gesang den Gedanken auf, wie es weiter gehen kann. "Jüdisches
Leben im Deutschland von heute ist ein Wunder", meinte
diese von ihrer Aufgabe beseelte Künstlerin in einem
Gespräch bei dem Treffen, zu dem Pastor Redlin nach dem
Konzert einen kleinen Kreis einlud. Bernd Redlin war es ein
Anliegen, dabei in großer Herzlichkeit Jalda Reblings
und Martin Stephan noch einmal für ein unvergessliches
künstlerisches Erlebnis zu danken.
cp
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"Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 - 1945"
in St. Nicolai
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"Viele Menschen haben auf diese
Ausstellung gewartet"
Mit freundlicher Genehmigung des "Sylter Spiegel"
Nr. 27/2003 vom 02.Juli 2003
Westerland.(bk) In 16 Kirchen war sie bereits zu sehen, umrahmt
von 200 begleitenden Veranstaltungen. Das Medienecho war groß,
allein der NDR berichtete zehn Mal. Jetzt ist die Wanderausstellung
"Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 - 1945"
auch auf Sylt zu sehen. Bis zum 27. Juli wird in der Westerländer
Stadtkirche ein dunkles Kapitel lokaler Kirchengeschichte
beleuchtet, auf sehr anschauliche und sehr eindringliche Weise.
"Viele Menschen haben auf diese Ausstellung gewartet.
Und die Ehrlichkeit, mit der wir sie angegangen sind, hat
ihr Respekt eingebracht", resümierte Projektleiterin
Annette Göhres vom Nordelbischen Kirchenarchiv in Kiel
bei der Eröffnung in St. Nicolai. Propst Sönke Pörksen
sagte in seiner kurzen Begrüßungsrede, die Nordelbische
Kirche erhoffe sich, dass die Ausstellung Gespräche möglich
machen, zur Versöhnung beitragen und helfen werde, Hass
und Scham zu überwinden.
Um es gleich vorweg zu sagen: Man sollte sich Zeit nehmen
für diesen Rundgang durch die St. Nicolai-Kirche, denn
die Ausstellung wirkt zwar auf den ersten Blick nicht groß,
gibt aber selbst dem Betrachter, der ein gutes Vorwissen mitbringt,
sehr viele Informationen, Eindrücke, Fragen und Gefühle
mit auf den Weg, die verdaut werden müssen. Das beginnt
schon am Anfang, rechts und links der Kirchentür, wo
den Besucher auf großen Tafeln der - klar antisemitische
- kirchliche Zeitgeist vor 1933 und ein Überblicke über
die verschiedenen Strömungen innerhalb der evangelischen
Kirche erwarten. Nur zwei Schritte weiter bekommt der Betrachter
Einblick in den furchtbaren Alltag der Gefangenen im Lager
Ladelund, Außenstelle des KZ Neuengamme (siehe Foto
links). Das geht anders unter die Haut als die Fleißaufgabe,
die einem mitten in der Kirche angeboten wird: Theoretisch
könnte man lange Zeit von Bank zu Bank rutschen: Auf
der rechten Seite wird dort die Chronologie des Terrors nachvollzogen,
während links kurze Berichte und Zitate die Zeittafeln
ergänzen. Neben den Kirchenbänken und auf beiden
Seiten des Altars dann der Kern der Ausstellung: die zehn
exemplarischen Opfer- und Täter-Biografien, erläutert
durch Schrifttafeln, jeweils ein Bild und auf Knopfdruck auch
gesprochene Zitate und Erklärungen. Vorne rechts wartet
dann das so genannte "lokale Fenster", das sich
nach Aussage von Annette Göhres fast zum wichtigsten
Teil der Wanderausstellung entwickelt hat. Vier Kästen
sind es in St. Nicolai. Einer davon ist dem Westerländer
Pastor Reinhard Wester gewidmet. Daneben kann man studieren,
wie Westerlands Tourismushüter sich den Fragen der Zeit
stellten: Da appelliert der Vorsitzende des Verkehrsvereins
an Vermieter und Geschäftsleute, die ihnen zugestellten
Schilder "Juden unerwünscht" und "Deutsches
Geschäft" deutlich sichtbar aufzustellen. Denn:
"Es darf unter keinen Umständen vorkommen, dass
Westerland nach und nach wieder in erheblichem Umfang von
jüdischen Gästen besucht wird, weil dies den Gesamtinteressen
des Bades nicht dienlich ist." Einen Kasten weiter, unter
dem Motto "Das zweifache Bekenntnis" dann ein Foto,
das eine Sylter Familie bei der Taufe ihrer sechs Kinder zeigt
- alle Männer und Jungs Gesinnung demonstrierend in Uniform.
Zum Abschluss schließlich der Schaukasten, der nichts
als Namen zeigt: die vollständige Liste aller deutschen
und ausländischen Opfer des Nationalsozialismus auf Sylt.
Bliebe noch die "Black Box" zu erwähnen (Foto
rechts), ein separater Teil der Ausstellung, der den Besucher
über die Sinne anspricht und zur Konzentration, zum In-sich-gehen
auffordert: zwei Räume mit Wänden aus schwarzen
Tüchern, in einem ein alter Holztisch mit zwei Stühlen,
zwei Leselampen und Exemplaren eines eindrucksvollen Dokuments
- "Die Geschichte der evangelischen Gemeinde Theresienstadt"
von Arthur Goldschmidt, Maler und bis 1933 Oberlandesgerichtsrat
in Hamburg. Nebenan sind die Porträts und Skizzen zu
sehen, die Goldschmidt, der 1942 nach Theresienstadt deportiert
wurde, dort gezeichnet hat.
Diese Ausstellung lohnt sich wirklich und hätte eigentlich
Pflichtprogramm für alle Konfirmanden und viele Schüler
sein müssen. Dass man sie auf Sylt in der Hochsaison
zeigt, war eine bewusste und lobenswerte Entscheidung. Dass
sie mit Beginn der Schulferien eröffnet wurde und vor
deren Ende wieder weiterwandert, ist allerdings schade.
Die Ausstellung ist täglich von 9:30 bis 12 Uhr und
von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen übernimmt
Pastor Redlin, Telefon 5200, auf Anfrage.
Der nächste Vortrag im Rahmen der Ausstellung ist am
Donnerstag, 10. Juli, zu hören. Um 20:15 Uhr spricht
Siegfried Bergler, Pastor der Jerusalem-Gemeinde Hamburg,
in der Stadtkirche über das Thema "Wie lesen Christen
und Juden das Alte Testament bzw. die hebräische Bibel?"
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Ausstellung Kirche Christen Juden in
Nordelbien 1933-1945
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Kreuz und Hakenkreuz auf Sylt
Nordelbische Kirchenzeitung vom 22.06.2003
Mit freundlicher Genehmigung der " Die
Nordelbische"
Westerland Stein- und judenfreier Badestrand
das ist keineswegs eine kabarettistische Pointe, so
lautete neben Ruhe, Sonne, Meeresluft auch eine
der Werbebotschaften, mit der Seebäder an Nord- und Ostsee
in den 30er Jahren um Badegäste konkurrierten.
Die Kirchengemeinde Westerland stellt sich jetzt dieser Epoche,
als auch Jesus zum Arier werden sollte und Christentum
und Kirche für Antisemitismus und Nationalsozialismus
vereinnahmt wurden. Vom 29.Juni bis 27.Juli wird in der Stadtkirche
St. Nicolai die Ausstellung Kirche, Christen, Juden
in Nordelbien 1933-1945 gezeigt werden, begleitet von
einer umfangreichen Vortragsreihe.
Westerlands Pastor Bernd Redlin: Die Ausstellung zeigt
am Beispiel von zehn Persönlichkeiten die unterschiedlichen
Reaktionen von Kirchenleuten, Pastoren, Gegnern und Befürwortern
der nationalsozialistischen Ideologie auf die Arisierung
von Kirche und Bibel. Dazu kommt ein örtliches
Fenster: In ihm geht es um den Westerländer Pastor
Reinhard Wester, einen führenden Geistlichen in der Bekenntnisbewegung,
um das Schicksal der Häftlinge in der Außenstelle
Ladelund des KZ-Neuengamme, sowie die Opfer der Gewaltherrschaft
auf unserer Insel.
Reinhard Wester, seit 1932 in Westerland, begrüßte
zunächst die Machtübernahme der Nationalsozialisten,
trat in die SA ein und schloss sich den Deutschen Christen
an. Im Dezember 1933 verließ er die Deutschen
Christen und wurde Vorsitzender des Landesbruderrates
der Bekennenden Kirche. Nach Verhaftung durch
die Gestapo ging er 1942 zur Wehrmacht. Aus der Gefangenschaft
kehrte er 1947 nach Westerland zurück und wurde im gleichen
Jahr zum Bischof von Schleswig gewählt.
Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 29.Juni, um
10 Uhr in der Stadtkirche St. Nicolai im Rahmen des Gottesdienstes
durch Propst Sönke Pörksen. Zur Einführung
sprechen Dr. Annette Göhres und Dr. Stephan Linck aus
dem Nordelbischen Kirchenarchiv in Kiel. Die Begleitvorträge
finden jeweils um 20.15 in der Stadtkirche St. Nicolai statt:
Mittwoch, 2.Juli, Dr. Stephan
Linck, Historiker, Kiel: Antisemitismus in der schleswig-holsteinischen
Landeskirche;
Donnerstag, 3.Juli, Dr. Klaus
Peter Reumann, Flensburg: Reinhard Wester, Westerland, Sein
vergeblicher Kampf gegen die NS-freundliche Landeskirche;
Donnerstag, 10.Juli, Pastor
Siegfried Bergler, Hamburg: Wie lesen Christen und Juden das
Alte Testament bzw. die hebräische Bibel?
Donnerstag, 17.Juli, Prof.
W. Stegemann, Universität Basel: Christliche Judenfeindschaft
und Antisemitismus;
Donnerstag, 24.Juli, Pastor
Bernd Redlin, Westerland: Lesung: Zvi Kolitz: Jossel Rackower
spricht zu Gott; Musik: Martin Stephan.
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Zwischenbericht Wanderausstellung Kirche,
Christen, Juden
Mit freundlicher Genehmigung der Nordelbische Evangelisch-Lutherische
Kirche
www.nordelbien.de
aktuelle Meldung
16. Tagung (Febr.2003): Top 2.10
Seit ihrer Eröffnung am 21.September 2001 in Rendsburg
wurde die Wanderausstellung Kirche, Christen, Juden
in Nordelbien in mittlerweile zwölf Kirchen Nordelbiens
gezeigt, begleitet von insgesamt 150 Veranstaltungen der unterschiedlichsten
Art: Themengottesdienste, Vorträge, Theateraufführungen,
Lesungen, Stadtrundgänge und Konzerte. Vor der Nordelbischen
Synode in Rendsburg hat die Leiterin des Nordelbischen Kirchenarchivs
Dr. Annette Göhres einen ersten Zwischenbericht des Ausstellungsinitiators
Dr. Stephan Linck eingebracht.
Der Haupterfolg des Ausstellungsprojektes, so der Bericht,
liege wohl darin begründet, dass viele Menschen in Nordelbien
auf die Ausstellung gewissermaßen gewartet
hätten. Fast überall hätten sich Menschen gefunden,
die an dem Thema dran waren oder sein wollten.
Der Bericht steht als Download zur Verfügung. Es gilt
das gesprochene Wort.
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