Studio Mielstoe: Gestaltungskonzeption zur Ausstellung »Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 – 1945«
 

 


 

 

Die gestalterische Ausstellungskonzeption war im Wintersemester 2000/2001 für Studierende der Muthesiushochschule Kiel ausgeschrieben. Als Lehrender der Fachklasse 3D betreute und unterstützte Prof. Bernhard Schwichtenberg das Projekt.

Das inhaltliche Konzept war von Frau Dr. Göhres und Herrn Dr. Linck vom Nordelbischen Kirchenarchiv in Kiel erarbeitet worden.

Die Gestaltung der Internetseite wurde durch die Firma BUFE MarketingServices in Hamburg entwickelt und erstellt.

Die gestalterische Aufgabe für uns Studierende der Muthesius-Hochschule bestand vor allem in der Entwicklung des Gesamterscheinungsbildes der Ausstellung.

Dazu gehörten die Entwicklung des Logos als Flagge, als Plakate und auf diversen weiteren Drucksachen sowie in einer dreidimensionalen Umsetzung als Außenskulptur.

Bei der Gestaltung geht es uns in erster Linie darum, eine klare Assoziation zur Geschichte herzustellen. Wir griffen zu diesem Zweck die Farbgebung der Nationalsozialisten Rot und Schwarz auf und unterstrichen deren Wirkung mit harten Flächenabgrenzungen, sowie dem Einsatz von großen schwarzen Flächen mit negativer Schrift.

Die Gestaltung berücksichtigt, als Wanderausstellung konzeptioniert, verschiedene Kirchenräume, unterschiedliche Besucher aller Altersgruppen und will Kirchengeschichte erlebbar machen.

Im Vorraum der Kirche sind auf Freischwingen Schilder mit in die Thematik einführenden Texten zu lesen.

Man betritt das Mittelschiff der Kirche durch ein Portal, das zum einen eine Übersichtsgrafik zeigt, mit Dias Eindrücke aus der Zeit des Nationalsozialismus vermittelt und zum anderen Informationsmaterialien zum Mitnehmen für die Besucher und Besucherinnen bereithält.

In den Bänken des Mittelschiffs befinden sich zu beiden Seiten Schilder, die geschichtliche Daten in Form einer Zeitleiste und Begleittexten präsentieren.

Zehn biographische Stationen stehen stellvertretend für unterschiedliche Handlungsweisen. Sie verteilen sich im Raum und fordern zur Entdeckung auf. Eine Station besteht aus jeweils einer beleuchtbaren Portraitleinwand, einem Tondokument und zwei Texttafeln auf Freischwingern, sowie einem »Dialogbuch« zum Thema. Der Dialog in der Kirche ist nämlich ausdrücklich erwünscht und wird unter anderem durch diese Bücher angeregt in denen die Ausstellungsbesucher und -besucherinnen ihre Gedanken zum Thema niederschreiben und so die Installation bereichern können.

Erweiternd zu einer Station ist die Black Box, eine enge, schwarze Raumkonstruktion zu sehen. Zeichnungen des in Theresienstadt inhaftierten Goldschmidt zeigen Szenen des ihm aufgezwungenen Lebens im Lager sowie beeindruckende Portraits von Mitgefangenen. Die Schönheit und Intensität der Zeichnungen stehen gegen die Enge und Grausamkeit der Nationalsozialistischen Realität.

Im zweiten Raum der Black Box sind Texte zu lesen.

Um den Bezug zum jeweiligen Ausstellungsort herzustellen haben wir ein »Lokales Fenster« eingerichtet, das Begebenheiten aus der direkten Nachbarschaft zeigt und jeweils neu von der gastgebenden Gemeinde bestückt wird.

Wie die in alten Kirchen vorherrschenden Baumaterialien Stein und Holz, zeigt auch das von uns an verschiedenen Stellen verwendete gerostete Eisen die Spuren seiner Geschichte. Seine Farbnuancen – von Gelb über Rot bis hin zum Braun – finden sich auch in den Drucksachen und stellen somit wieder den Bezug zu den Ausstellungsobjekten her.

Neben gestalterischer Arbeit haben wir Realisierungsmöglichkeiten und Vorgaben für die ausführenden Fachbetriebe erprobt und erstellt und eine Etat- und Zeitkoordination entwickelt.

Wir wünschen allen Ausstellungsbesucherinnen und -besuchern einen erlebnisreichen Einblick in diesen Teil der Zeitgeschichte!

Holger Stöhrmann, Iris Mielke
studio-mielstoe@gmx.de

 
       

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