|
|
 |
|
|
 |
 |
 |
 |
| |
|
Presseberichterstattung Itzehoe
|
|
|

|
|
|
12.03.2003
|
Norddeutsche Rundschau:
Ein Thema, das viele berührte
|
|
05.03.2003
|
Norddeutsche Rundschau:
1937: Mit Stricken ans Gebälk gefesselt
|
|
03.03.2003
|
Norddeutsche Rundschau:
Der Mann auf der Kanzel: Ruth Rehmann liest
|
|
03.03.2003
|
Holsteinischer Courier/Kieler Nachrichten:
Kirche im kritischen Dialog
|
|
28.02.2003
|
Norddeutsche Rundschau:
AVS-Schüler entwerfen Filmplakate
|
|
27.02.2003
|
Norddeutsche Rundschau:
Erinnerung an einen couragierten Diener Gottes
|
|
26.02.2003
|
Der Anzeiger:
Mit sonnigem Gemüt durch eine bewegte Zeit
|
|
24.02.2003
|
Norddeutsche Rundschau:
Außergewöhnliche Frau
|
|
23.02.2003
|
Nordelbische Kirchenzeitung:
Kirche, Christen, Juden
Episode?
|
|
21.02.2003
|
Norddeutsche Rundschau:
Fragen nach Schuld und Scham
|
|
20.02.2003
|
Norddeutsche Rundschau:
Mehr Toleranz zwischen den Konfessionen
|
|
19.02.2003
|
der Anzeiger:
Heilendes Bekenntnis der nordelbischen Kirche
|
|
19.02.2003
|
die tageszeitung:
So blond wie der arische Galiläer
Jesus
|
|
19.02.2003
|
Norddeutsche Rundschau:
Druckfrisch in St. Laurentii
|
|
17.02.2003
|
Itzehoer Nachrichten:
Ergreifendes Requiem für einen polnischen
Jungen
|
|
17.02.2003
|
Itzehoer Nachrichten:
Minutenlanges Schweigen
|
|
17.02.2003
|
Norddeutsche Rundschau:
"Sie erleben Verfolger und Verfolgte: Bischöfe
und Laien"
|
|
17.02.2003
|
Norddeutsche Rundschau:
Wilhelm Halfmann und seine zwiespältige Schrift
|
|
14.02.2003
|
Norddeutsche Rundschau:
Predigten zur Ausstellung
|
|
13.02.2003
|
Norddeutsche Rundschau:
Christen in der Verantwortung
|
|
11.02.2003
|
Ostholsteiner Anzeiger:
Selbstgerechte Art und Weise
Wenig Glück mit Ehrenbürgern
|
|
09.02.2003
|
Nordelbische Kirchenzeitung Nr.7
Nachgeholte Trauerarbeit
|
|
09.02.2003
|
Nordelbische Kirchenzeitung Nr.7 :
Heiße Eisen angepackt
|
|
03.02.2003
|
Norddeutsche Rundschau:
Nachdenken über Demokratie
|
|
30.01.2003
|
Itzehoer Nachrichten:
Versöhnliches auch in ergreifender Klage
|
|
29.01.2003
|
Itzehoe Der Anzeiger:
Auch Kirchenvertreter waren willfährige Jünger
|
|
29.01.2003
|
Itzehoe Der Anzeiger:
Die anti-jüdische Vergangenheit des Christentums
in Nordelbien
|
|
27.01.2003
|
Itzehoer Nachrichten:
Erinnerung an die Opfer und die Rolle der Kirche
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
Kirche im kritischen Dialog
Mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten, 03.03.03
Stadtmitte (Karsten Leng) - Die Verstrickung - ob aktiv oder
auch nur duldend - führender Köpfe der Kirche Nordelbiens
während des Dritten Reiches mit der Judenverfolgung wird
jetzt in einer Ausstellung in der Anscharkirche kritisch beleuchtet.
In der Wanderausstellung "Kirchen-Christen-Juden"
werden von Freitag 14. März, bis Mittwoch, 9. April,
Biographien, kommentierende Texte und Fotos präsentiert
von Kirchendienern, die sich im Sinne des Antisemitismus schuldig
gemacht haben. Dem gegenüber stehen Biographien von Menschen,
die dem Nazi-Regime die Stirn geboten haben.
Der Kirchenkreis Neumünster möchte im Rahmen der
ab Anfang April im "Kiek in" gastierenden Wehrmachtsausstellung
einen eigenen Beitrag zur Aufarbeitung eines dunklen Kapitels
der Kirchengeschichte liefern. Die Ausstellung ist das Ergebnis
eines Quellen- und Forschungsprojektes, das die Synode der
Nordelbischen Kirche 1998 im Anschluss an eine Schulderklärung
zum 60. Jahrestag der Reichspogromnacht in Auftrag gegeben
hatte. Die Projektleitung liegt bei Annette Göhres vom
Kirchenarchiv in Kiel. Mit der inhaltlichen Konzeption wurde
der Historiker Stephan Linck beauftragt.
Am vergangenen Wochenende traf sich eine 40-köpfige
Vorbereitungsgruppe im Haus der Diakonie am Alten Kirchhof.
Kirchenmitglieder aus dem Kirchenkreis werden während
der Ausstellungszeiten in der Anscharkirche den Besuchern
Fragen beantworten und sie auf Wunsch auch durch die Ausstellung
führen.
Zehn Biographien erwarten die Gäste. So auch die der
Hamburger Lehrerin Elisabeth Flügge, die vielen jüdischen
Familien zur Ausreise verhalf. 1976 wurde Flügge dafür
in Israel als "Gerechte unter den Völkern"
geehrt. Aber auch die erschreckende Wandlung von Ernst Szymanowski,
der vom Propst in Segeberg zum Deportationsoffizier der SS
mutierte, gibt erschütternde Einblicke.
Zur Ausstellungseröffnung am Freitag, 14. März,
ab 20Uhr wird Stephan Linck eine Einführung in die Thematik
geben. Die Anscharkirche ist dienstags bis sonnabends, jeweils
10 bis 18 Uhr geöffnet. Infos: www.kirche-christen-juden.org
oder beim Kirchenkreis unter Tel: 498134
|
|
| |
 |
|
|
| |
|
|
|
| |
|
Kirche, Christen, Juden
Episode?
Nordelbische Kirchenzeitung vom 23.02.2003
Mit freundlicher Genehmigung der "Die
Nordelbische"
VON WOLF-MATTHIAS GALLIEN
Die Zahlen sprechen für sich: Etwa 3000 Besucherinnen
und Besucher haben den Weg in die St. Michaelis-Kirche gefunden,
darunter erfreulich viele Schulklassen, die - so Pastor Lutz
Tamchina zum Teil sehr gut vorbereitet waren. Der Vortrag
des Kieler Historikers Hansjörg Buss, der sich kritisch
mit der Ära Kieckbusch auseinandersetzte,
markierte den Beginn einer in der Lokalpresse über Leserbriefe
sehr engagiert ausgetragenen Debatte. Gemeindeglieder berichteten
von menschlichen und seelsorgerlichen Qualitäten des
Landesbischofs, die sie hoch zu schätzen wissen. Sie
setzten diese positiven Erfahrungen gegen die Kritik, die
sich vor allem daran festmacht, dass Wilhelm Kieckbusch es
nach dem Zweiten Weltkrieg nachweisbar förderte, dass
Pastoren in seinen Kirchenkreis berufen wurden, die überzeugte
und aktive Nationalsozialisten gewesen waren. Dazu passt,
dass es eine Reihe von Stimmen gab, die über positive
Erlebnisse, vor allem mit den Pastoren Hossenfelder und Rönck
berichten, - obwohl diese sich nie wirklich eindeutig von
ihren Fehlern distanziert und um Vergebung gebeten haben.
Es ist die Frage, ob diese Diskussion nach dem Ende der von
einigen ungeliebten Ausstellung abbricht? War
sie eine 3 _ wöchige Episode oder hat sie
nun endlich eine sachliche Auseinandersetzung
mit der problematischen Vergangenheit eingeleitet, die im
Kirchenkreis Eutin überfällig ist?
|
|
| |
 |
|
|
|
|
|
|
In einem "entjudeten" Gesangbuch von 1941 wurde
der Kirchenhit "Großer Gott, wir loben dich"
von den Worten "Amen", "Halleluja" und
"Hosianna" gesäubert: Hebräische Worte
durfte es in einem deutschen Kirchenlied nicht geben.
Die bahnbrechende Ausstellung "Kirche, Christen, Juden
in Nordelbien 1933-45", die im eindrucksvollen Kirchenschiff
neben die schweren Kirchenbänke und auf deren Gebetbuchablagen
platziert wurde, liefert solche erstaunlichen Erkenntnisse.
|
|
So blond wie der arische Galiläer Jesus
taz Nr. 6654 vom 19.2.2002, Seite 15
Mit freundlicher Genehmigung der taz
- die tageszeitung
Die nordelbische Landeskirche zeigt als erste evangelische
Kirche Deutschlands in einer mutigen Ausstellung, wie sehr
sie die NS-Judenverfolgung stützte. Nach dem Krieg sollten
die verstoßenen Christen jüdischer Abstammung als
Erstes ihre während der Nazizeit nicht gezahlte Kirchensteuer
nachreichen.
von PHILIPP GESSLER
So sicher wie das Amen in der Kirche? Wer dieser Tage den
Weg in die Hauptkirche St. Petri am Hamburger Einkaufsboulevard
Mönckebergstraße findet, wird zögern, künftig
diese Redewendung in den Mund zu nehmen. Denn vor 60 Jahren
gab es in der evangelischen Kirche starke Bestrebungen, das
"Amen" zu verbieten: In einem "entjudeten"
Gesangbuch von 1941 wurde der Kirchenhit "Großer
Gott, wir loben dich" von den Worten "Amen",
"Halleluja" und "Hosianna" gesäubert:
Hebräische Worte durfte es in einem deutschen Kirchenlied
nicht geben.
Die bahnbrechende Ausstellung "Kirche, Christen, Juden
in Nordelbien 1933-45", die im eindrucksvollen Kirchenschiff
neben die schweren Kirchenbänke und auf deren Gebetbuchablagen
platziert wurde, liefert solche erstaunlichen Erkenntnisse.
Vor knapp vier Jahren beschloss die Synode, also die Basis,
der nördlichsten evangelischen Kirche Deutschlands, ihre
eigene dunkle Geschichte in der Nazizeit zu thematisieren.
Es ging darum, die Schuld ihrer Gemeinschaft bei der Judenverfolgung
zu dokumentieren - ein Wagnis, vor dem alle anderen Kirchen
der Bundesrepublik seit mehr als 55 Jahren zurückschrecken.
Warum? Weil, wie die Ausstellung zeigt, wie die damals noch
vier Kirchen der heute nordelbischen Landeskirche in einem
unglaublichen Maß am Holocaust beteiligt waren. "Die
Mehrheit der Kirche", so heißt es in der Schau
tapfer, "unterstützte die Verfolgung der Juden."
Von notgedrungener Hinnahme der NS-Judenpolitik durch die
Kirche kann keine Rede sein. Im Gegenteil.
So endete etwa die "braune Synode" der schleswig-holsteinischen
Kirche am 12. September 1933 mit einem "Sieg Heil"
und dem "Horst-Wessel-Lied". Bis auf die Hamburger
schlossen alle drei Landeskirchen Nordelbiens ihre "nichtarischen"
Pastoren, später alle Mitglieder auch nur entfernt jüdischer
Abstammung aus - diesen Hintergrund hatten in Schleswig-Holstein
und in der Hansestadt 1939 immerhin knapp 8.000 Christinnen
und Christen. Damit verloren sie den letzten Schutz vor der
Deportation. Schlimmer noch, die schleswig-holsteinische Kirche
rühmte sich in einer Werbeschrift, nur über den
Rückgriff auf ihre Kirchenbücher könnten Ariernachweise
erstellt werden: Und durch die allein sei schließlich
"die Durchsetzung der notwendigen bevölkerungspolitischen
Aufgaben" möglich. Sie stelle sich "freudig"
in den Dienst dieser Sache, warb die Kirche für sich.
Solcher Antisemitismus fußte auf einer Theologie, die
in der Regel seit fast 2.000 Jahren antijudaische Tendenzen
in sich trug. Die antisemitischen "Deutschen Christen"
erhielten bei den Kirchenwahlen 1933 etwa 70 Prozent der Stimmen.
Die Ausstellung zeigt ein Foto von der Landessynode der Hamburgischen
Kirche vom 5. März 1934. Sie glich einem Parteitag: Ein
Kreuz ist nirgends zu sehen. Vor der Hakenkreuzfahne aber
steht der Synodenpräsident in SS-, der gerade gewählte
Landesbischof Franz Tügel in Parteiuniform.
Gerade Tügel, der wie acht weitere Persönlichkeiten
der Kirche in der Ausstellung noch einmal eingehender beschrieben
wird, ist eine schillernde Gestalt. Einerseits setzte er sich
für Pastoren und Christen "nichtarischer" Herkunft
ein. Andererseits war er Parteimitglied seit 1931 und rühmte
sich privat, schon immer Antisemit gewesen zu sein, ja bereits
als Knabe Juden verprügelt zu haben. Einer der prägenden
Gestalten der regimekritischen "Bekennenden Kirche"
in Nordelbien, Wilhelm Halfmann, rechtfertigte die Judenverfolgung
und beschrieb das Judentum als "Zersetzungsstoff für
die christlichen Völker". Die "Bekennende Kirche",
die Märtyrer wie den Theologen Dietrich Bonhoeffer in
ihren Reihen hatte und nach dem Krieg von Kirchenoberen stets
als Beweis für die Oppositionskraft der Kirche im Nazireich
gepriesen wurde, tat für die Juden zumindest öffentlich
so gut wie nichts, wie die Ausstellung belegt.
Die "freudige" Anpassung der Kirche an die Nazis
ging so weit, dass in Eisenach ein theologisches Institut
mit 50 Professoren gegründet wurde, das dazu dienen sollte,
das "Jüdische" aus dem Christentum wegzuinterpretieren
- eine absurde Veranstaltung. Da wird der jüdische Rabbiner
Jesus von Nazareth zum "arischen Galiläer"
verfälscht, der gar blond gewesen sein soll. Selbst die
Heilige Schrift, Grundpfeiler des Protestantismus seit Luther,
wurde im "arischen" Sinne redigiert, projüdischer
Text gestrichen.
Natürlich gab es auch Pastoren die Widerstand leisteten.
Aber ihre Zahl war mehr als gering, ihre Unterstützung
auch von der Basis minimal. Als nach Einführung des "Judensterns"
klar wurde, dass noch getaufte Juden in den Kirchenbänken
saßen, protestierte das einfache Kirchenvolk dagegen,
dass man neben "Nichtariern" seine Kommunion erhalte.
Und nach dem Krieg? Der Pastor und spätere Propst Ernst
Szymanowski war während des Krieges Leiter einer "Einsatzgruppe"
an der Ostfront und wurde für den Tod von mindestens
3.000 Menschen für schuldig befunden: Ab 1958 fand er
wieder Anstellung bei der Kirche, deren Einsatz ihn auch frühzeitig
aus dem Knast gebracht hatte. Noch im berühmten "Stuttgarter
Schuldbekenntnis" vom Oktober 1945 log die Kirche, sie
habe "lange Jahre hindurch im Namen Jesu Christi gegen
den Geist gekämpft, der im nationalsozialistischen Gewaltregiment
seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat". Doch nicht
wegen der Lüge bekämpften viele Protestanten das
"mea culpa" sondern weil ihnen das Schuldbekenntnis
zu weit ging. Immerhin, die überlebenden "nichtarischen"
Christen wurden nach dem Krieg wieder in den Schoß der
Kirche aufgenommen. Das erste Kirchenschreiben, das viele
nach 1945 empfingen, war die Aufforderung, ihre während
der Nazizeit nicht gezahlte Kirchensteuer nachzureichen.
PHILIPP GESSLER, Rezension
|
|
| |
 |
|
|
|
|
|
|
"Auch die Bekennende Kirche, so sehr sie mutig sich
bemühte, den christlichen Glauben gegenüber der
nationalsozialistischen totalitären Ideologie zu bewahren,
war befangen in einer antijüdischen, ja antisemitischen
Geisteshaltung bis auf ganz wenige Ausnahmen."
|
|
Angemerkt
Nachgeholte Trauerarbeit
Nordelbische Kirchenzeitung Nr.7 vom 09.02.2003
Mit freundlicher Genehmigung der "Die
Nordelbische"
VON PASTOR WILLFRID KNEES
Über die Wanderausstellung Kirche-Christen-Juden
in Nordelbien 1933-1945 wurde schon viel berichtet.
Das Besondere an den Ausstellungsorten wird im jeweiligen
lokalen Fenster dargestellt. Für die Ausstellung
in Itzehoe hat Hermann Schwichtenberg aus Münsterdorf,
Mitglied im Vorbereitungskreis, Interessantes zusammengetragen.
Zweimal war Itzehoe Ort für nationalsozialistisch geprägte
Konfirmationen des antisemitischen Bundes für Deutschkirche,
gegründet 1921 von dem Flensburger Pastor Friedrich Andersen.
Viel schmerzlicher noch als diese vollkommene Abirrung vom
Weg der Kirche ist für mich die Erkenntnis: Auch die
Bekennende Kirche, so sehr sie mutig sich bemühte, den
christlichen Glauben gegenüber der nationalsozialistischen
totalitären Ideologie zu bewahren, war befangen in einer
antijüdischen, ja antisemitischen Geisteshaltung
bis auf ganz wenige Ausnahmen. Die Gespräche bei den
Recherchen vor Ort machen mir immer deutlicher: Die Ausstellung
gibt Gelegenheit für nachgeholte Trauerarbeit
insbesondere für die Generation, die noch das Dritte
Reich miterlebt hat.
Erschreckend ist die Erkenntnis, dass gerade aus dem preußisch-lutherischen
Milieu heraus, verbrämt mit neutestamentlichen Legimitationen,
das mörderische Gemenge von Judenfeindschaft, übersteigertem
Nationalismus und falscher Obrigkeitstreue entstehen konnte.
Aufs Ganze gesehen haben die christlichen Kirchen nicht nur
keinen Widerstand geleistet gegen die nationalsozialistischen
Verbrechen, sondern sie haben sogar mit die Grundlagen für
die Nazi-Ideologie gelegt das gilt insbesondere für
das Luthertum und den preußischen Protestantismus...
|
|
| |
 |
|
|
|
|
|
|
Dazu mussten die Jugendlichen ein Gelöbnis sprechen:
Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben, an Deines
Volkes Auferstehn...
|
|
Heiße Eisen angepackt
Nordelbische Kirchenzeitung Nr.7 vom 09.02.2003
Mit freundlicher Genehmigung der "Die
Nordelbische"
VON ERHARD TRUSCH
Itzehoe Die Wanderausstellung Kirche-Christen-Juden
in Nordelbien von 1933-1945, die vom 14.Februar bis
zum 9.März in der Itzehoer St. Laurentii-Kirche gezeigt
wird, packt ein heißes Eisen an. Seit der Machtergreifung
Adolf Hitlers sind zwar mittlerweile mehr als 70 Jahre ins
Land gegangen. Doch dürfte diese Dokumentation immer
noch eine Menge an Zündstoff enthalten. Der Historiker
Dr. Stephan Linck hat das Grundkonzept dieser Wanderausstellung
im Auftrag der Nordelbischen Kirche erarbeitet. Mit der Leiterin
des Nordelbischen Kirchenarchivs, Dr. Annette Göhres
teilt er sich die Organisation und fachliche Begleitung der
Ausstellung in den Kirchenkreisen. Die Wanderausstellung geht
durch sämtliche Kirchenkreise Nordelbiens. 90 Prozent
des Gezeigten sind an allen Orten gleich. Zehn Prozent jedoch
sind einem sogenannten lokalen Fenster gewidmet,
an dem der Itzehoer Arbeitskreis unter der Leitung von Pastor
Knees wesentlichen Anteil hat. Zweimal war Itzehoe Ort für
Konfirmationen des antisemitischen Bundes für Deutschkirche.
Die erste leitete 1935 der damalige Propst von Segeberg und
spätere SS-Obersturmbannführer Ernst Szymanowski
in der St.-Jürgen-Kapelle. Das geschah gegen den Einspruch
von Seiten der St. Laurentii-Gemeinde, deren Pastoren Mitglieder
der Bekenntnisgemeinschaft waren. Aber die Leitung der Landeskirche
in Kiel, seit dem 12.September 1933 durch ein Ermächtigungsgesetz
im Amt, war selber nationalsozialistisch geprägt und
ließ Szymanowski gewähren.
Die zweite Itzehoer deutschkirchliche Konfirmation im März
1940 sollte ursprünglich in der St. Laurentii-Kirche
stattfinden, wurde dann aber in das Itzehoer Kino Burg-Theater
verlegt. Sie wurde von Reichsbischof Ludwig Müller durchgeführt.
An ihr nahmen 48 Knaben und 13 Mädchen
aus Itzehoe und aus Dörfern der Umgebung teil. Dazu mussten
die Jugendlichen ein Gelöbnis sprechen: Du sollst
an Deutschlands Zukunft glauben, an Deines Volkes Auferstehn...
Außerdem befasst sich die Ausstellung mit Fritz Carl
Ludwig Leiser, Pastor in Brokdorf. Er war jüdischer Abstammung
und wurde im März 1944 auf Initiative der Gestapo amtsentlassen.
Paradoxerweise hat gerade der nationalsozialistisch eingefärbte
Hamburger Bischof Franz Tügel dafür gesorgt, dass
Leiser in Kirchwerder (Vierlanden) weiterhin eine Pfarrstelle
versehen konnte. Anfang Juni 1945 wurde Leiser wieder in den
Pfarrdienst nach Brokdorf zurückberufen, wo er noch bis
1958 seinen Dienst verrichtete.
Das lokale Fenster befasst sich auch mit dem späteren
Bischof von Schleswig-Holstein, Wilhelm Halfmann, der in Itzehoe
aufgewachsen war. Halfmanns Schrift von 1936 Die Kirche
und der Jude wird im Eröffnungsvortrag von Dr.
Klauspeter Reumann aus Flensburg eingehend behandelt. Die
Wanderausstellung in der St. Laurentii-Kirche wird durch ein
umfangreiches Rahmenprogramm begleitet wie Konzert, Lesung,
Filmabende und Vorträge. Es sprechen Propst Berend Siemens,
Dr. Annette Göhres und Dr. Stephan Linck. Um 18.30 Uhr
schließt sich ein Vortrag von Dr. Klauspeter Reumann
aus Flensburg an. Sein Thema: Die Haltung der lutherischen
Kirchen in Nordelbien gegenüber dem Nationalsozialismus
insbesondere die Rolle Wilhelm Halfmanns.
Führungen werden sonntags um 11.30 Uhr angeboten. Zusätzlich
wird Dr. Stephan Linck am 18. und 20.Februar jeweils um 16.30
Uhr eine Führung anbieten. Weitere Führungen nach
Vereinbarung unter Telefon 04821/61125.
Öffnungszeiten: täglich außer mittwochs von
10 bis 16 Uhr, donnerstags bis 19 Uhr.
|
|
| |
 |
|
|
|
|
|
|
|
 |
 |
|
| | |
| |
|
|
| Copyright 2001 | Nordelbisches Kirchenamt
- Archiv - | Postfach 3449 | 24033 Kiel
|
 |
|
|